Wär ich doch im Bett geblieben (Kelly, Cathy)
Zwei Gründe mehr lesbisch zu werden - Wär ich doch im Bett geblieben (Kelly, Cathy) Belletristik

Kurzbeschreibung: Goldmann Wilhelm Verlag

 
 

Zwei Gründe mehr lesbisch zu werden

Produkt:

Wär ich doch im Bett geblieben (Kelly, Cathy)

Datum: 12.02.12

Bewertung:

Vorteile: Idee, Stil, Anfang

Nachteile: Schluss, Entwicklunen

==Zwei Gründe mehr lesbisch zu werden==

Hallo liebe Leseratten,

auch heute möchte ich euch einen weiteren Blick in die tiefen meines Buchregals werfen lassen. Das Buch, welches ich euch nun vorstellen möchte, hat den aussagekräftigen Titel "Wäre ich doch im Bett geblieben" und ist der Debüt-Roman von Cathy Kelly. Dieser Titel stand ungefähr seit 2008 ungelesen in meinem Regal. Obwohl ich gerne zwischendurch triviale, kitschige Frauen-Literatur lese, schob ich dieses Buch vor mir her. Der Grund dafür ist ganz simpel. Trotz ansprechenden Klappentext waren die Kritiken bei Amazon eher dürftig, und bei 572 Seiten musste ich mich dann natürlich aufraffen. Nachdem ich diesen Titel jedoch auch bei einer anderen Leseratte im ungelesenen Stapel entdeckte, fand ich dies als guten Grund es endlich zu lesen. Was dabei herauskam, lest selbst.

===Buchdaten===
Autor: Cathy Kelly
Titel: Wäre ich doch im Bett geblieben
Verlag: Blanvalet
Erschienen: 1999
ISBN-10: 3442351324
ISBN-13: 9783442351329
Seiten: 527
Kosten: ab 1Euro gebraucht

===Leseinformationen===
Genre: Frauenliteratur
Niveau: trivial
Leserschaft: Frauen
Lesedauer: 2 Tage

===Autor/in===
Cathy Kelly arbeitete als Redakteurin, Filmkritikerin und "Kummerkastentante" bei der Dubliner Sunday World. Ihre Romane dominierten wochenlang die irischen und englischen Bestsellerlisten und sorgen inzwischen auch in Deutschland für Furore. Cathy Kelly lebt mit ihrem Lebensgefährten und ihren Zwillingssöhnen in Wicklow. (Quelle: Amazon.de)

===Optischer Eindruck===
Der optische Eindruck ist nicht unbedingt ein Highlight. Eine helle, freundliche Hintergrundfarbe in Kombination mit einer hüpfenden und lachenden Frau. Mit dem Inhalt hat es wenig zu tun, aber schlecht ist es auch nicht. In meinen Augen hätte es da deutlich bessere Cover geben können, wie zum Beispiel eine Frau im Bett mit Schokolade, Taschentüchern oder von mir aus auch in eine Kissenschlacht verwickelt.

===Zitierter Klappentext===
Das Leben könnte für die erfolgreiche Redakteurin Jo himmlisch sein, wäre da nicht plötzlich ein positiver Schwangerschaftstest und ein Liebhaber weniger.

Zum selben Zeitpunkt findet die in perfekter Ehe lebende Aisling unerklärlicherweise eine teure Dessous-Quittung im Sakko ihres Mannes.
Die erste Hilfe in der Not ist ein ausgiebiges Eiskrem- und Champagnergelage. Aber - Moment! Es gibt doch viele Mütter mit schönen Söhnen...

===In eigenen Worten===
Jo ist erfolgreiche Redakteurin eines Modemagazins und schwebt auch nach langjähriger Beziehung zu Richard noch auf Wolke sieben. Das Glück scheint perfekt, als sie erfährt, dass sie ein Kind in sich trägt. Nach dem ersten Schock mal sie sich alles aus. Nur leider ist Richard von dem Kind nicht sehr angetan. Er möchte, dass sie das Kind abtreibt. Für Jo kommt das nicht in Frage und somit verlässt sie ihn. Wenige Tage später steht er wieder vor ihrer Tür und Jo geht davon aus, dass nun alles gut wird. Richard ist seinem alten Standpunkt jedoch treu geblieben. Jo trennt sich endgültig von ihrer großen Liebe. Im Job läuft es hingegen gut. Obwohl sie mit der Nichte des Chefs einige Probleme hat, stürzt sie sich in die Arbeit. Als der Chef sie wenige Tage später bittet mit ihm zu einem Termin nach New York zu fliegen, ahnt sie noch nicht, dass daraus bald mehr wird. Sie verliebt sich in Mark, doch als er von der Schwangerschaft erfährt, behandelt er sie wie eine Schwester. Als dann die Nichte ihr noch unterstellt, es nur aufs Geld abgesehen zu haben, kommt es zum Streit, der damit endet, dass sie ihn mit einer anderen Frau sieht.

Zeitgleich geht es der besten Freundin aus früheren Zeiten ebenfalls nicht besonders gut. Beim Saubermachen entdeckt sie in der Jackett-Tasche ihres Mannes Michael einen Kreditkartenbeleg. Ein Beleg, der an jedem anderen Tag im Müll gelandet wäre, aber diesmal schaut sich Aisling ihn neugierig an, denn in der letzten Zeit waren die Abrechnungen extrem hoch. Aisling muss erkennen, dass ihr Mann in einem teuren Dessous-Laden eingekauft hat, das Geschenk jedoch nicht bei ihr ankam. Je mehr sie überprüft, desto unsicherer wird sie, und als sie von Fee erfährt, dass sie ihn mit einer anderen Frau gesehen hat, ist klar, dass ihr Mann eine Geliebte hat. Aisling stellt ihn zur Rede. Doch statt der erhofften Entschuldigung, trennt sich ihr Mann von ihr und zieht noch am selben Tag zu seiner Geliebten. Sie muss sich einen Job suchen, sich um die zwei zehnjährigen Söhne kümmern und dabei ihren eigenen Schmerz bewältigen. Aber Aisling wäre nicht Aisling, wenn ihr das nicht gelingen würde. Sie nimmt radikal ab, findet dankt ihrer Freunde einen guten Job und sogar Sam, den attraktivsten Mann, seit Michael. Doch auch Sam ist nicht so perfekt, wie sie es sich wünschen würde.

===Sarahs Meinung===
Der Klappentext versprach kein besonderes Buch, sondern seichte Unterhaltung, wie es bei den zahlreichen Frauen-Romanen stets der Fall ist. Frauen werden verlassen oder sind aus anderen Gründen unglücklich und am Ende wird dann doch wieder alles mehr oder weniger gut. Es ist nichts neues, aber zwischendurch lese ich so etwas echt gerne. Auf den ersten Blick genau mein Geschmack. Der zweite Blick besagte jedoch, dass die 572 Seiten lediglich 21 Kapitel besäßen. Und als Fan von regelmäßigen Kapiteln, graute es mich sofort.

Das Thema selbst wird schon durch den Titel sehr deutlich. "Wäre ich doch im Bett geblieben", dann hätte ich heute nicht so einen schlimmen Tag erlebt. Dass es hier diesmal um einen untreuen Ehemann und eine sitzengelassene Schwangere geht, passt sehr gut.

Trotzdem machte ich mich neugierig ans Lesen und muss sagen, dass ich anfänglich gar nicht merkte, dass so wenige Kapitel vorhanden waren. Einmal angefangen war ich sofort in der Geschichte der Protagonistin Aisling drin. Lang und ausführlich wird ihre Geschichte und die harte Trennung geschildert. Ich konnte mich sofort mit ihr identifizieren, da ich selbst durch die Elternzeit Hausfrau bin und eben durch die Schwangerschaft noch ein paar Kilo mehr auf der Waage habe. Sie wird komplett sympathisch beschrieben und ist im Grunde eine typische Frau von nebenan. Liebenswert, treu, leicht naiv und trotzdem stark.
Irgendwann kam dann der Punkt, wo die Perspektive wechselte und ich zum ersten Mal Jo kennenlernte. Obwohl auch Jo detailliert beschrieben wird, konnte ich mich anfänglich nicht mir ihr anfreunden. Eine komplette Karrierefrau, die irgendwo kalt und berechnend wirkte. Dieser Eindruck änderte sich jedoch, als sie sich für das Kind entschied und sich sogar von ihrem Freund trennte. Als frischgebackene Mutter konnte ich ihre Gefühlswelt wunderbar nachvollziehen, litt mit ihr und wollte nur wissen, wie es mit ihr weitergeht. Im Grunde gefielen mir die Protagonisten nach wenigen Seiten wirklich gut.

Dazu kommt eine authentische Handlung. Die Hochs und Tiefs oder gar die Ängste der Frauen sind authentisch. Der Wiedereinstieg ins Berufsleben oder die Umstellung von Karriere auf Kind ist sicherlich nicht leicht. Und genau diese Dinge fängt Cathy Kelly bemerkenswert gut ein. Man drückt die Daumen, leidet mit und gibt die Hoffnung nicht auf. So wie es bei einem Frauenroman immer der Fall ist. Ich hatte an keiner Stelle das Gefühl, dass die Autorin dick aufträgt, übertreibt oder gar dafür sorgt, dass die Handlung künstlich wirkt.

Zwischendurch wechselt immer wieder die Perspektive oder verbindet sich, wenn sich die zwei Freundinnen über den Weg laufen. Die Wechsel sind deutlich sichtbar und Zusammentreffen nur äußert selten. Dadurch behält der Leser stets den Überblick.

In Kombination mit dem tempo- und abwechslungsreichen Stil, der für eine authentische Umgebung und ein gelungenes Kopfkino sorgt, fliegen die Seiten nur so dahin.

Doch dann kommt der Punkt, nach 220 Seiten, wo man denkt: "Kann das nicht endlich ein Ende haben"! An diesem Punkt beginnt zum Beispiel die Geschichte von Aisling total schlecht zu werden. Vom Hausmütterchen wird sie zum regelrechten Vamp. Stylt sich, nimmt richtig ab, reißt Männer auf und erlebt unglaubliche sexuelle Erfahrungen. Veränderungen gehören dazu, und es war mir auch wichtig diese zu erkennen, aber in meinen Augen hat Cathy Kelly es in diesem Punkt übertrieben. Dasselbe trifft auch auf Jo zu. Hormonbedingt entwickelt sie sich zu einem pubertären Teenager. Entweder weint sie ständig, ist gereizt, zickig, benimmt sich wie ein bockiges kleines Mädchen oder ist völlig blauäugig. Wenn man bedenkt, dass sie 34 ist und vorher eine Karrierefrau, dann ist das eine Wandlung um 180 Grad. Im Grunde kann man sagen, die Protagonistinnen haben ihre Charakter vertauscht. Oft hab ich nur den Kopf geschüttelt, auch wenn ich manche Übertreibungen trotzdem nachvollziehen konnte.

Ein Flirt und ein Kuß in der Küche waren eine Sache. Mit einem Mann, den sie eben erst getroffen hatte, gleich wilden, leidenschaftlichen Sex zu haben, war eine andere. Denn es würde wilder und leidenschaftlicher Sex werden, das spürte sie ganz deutlich. (Zitat S. 422)

Bei Aisling war es allerdings so extrem, dass ich ihre Auftritte oft einfach nur überflogen habe, während ich mich auf Jos Verlauf freute.

Überraschungen gibt es bis auf die charakterlichen Veränderungen keine. Die nächste Schritte, Handlungen und Veränderungen sind stets vorhersehbar, sodass das Buch nicht mal durch einen bezaubernden Schluss punkten kann. Auf der einen Seite wird auf extrem Kitsch gesetzt. Auf der anderen Seite wird auf Emanzipation gesetzt. Eine dezentere Mischung hätte mir besser gefallen.

Im Großen und Ganzen ist die Geschichte nett, aber sie hätte ruhig auf 400 Seiten gekürzt werden dürfen. So wirkte sie einfach oft zu langatmig. Viele Wiederholungen, wie zum der Blick in den Spiegel oder Diäten.

===Abschließendes Fazit===
Gute Idee, die sich in Langatmigkeit verliert.

Pro: Idee, Stil, Anfang
Contra: Schluss, Entwicklungen
Empfehlung: Bedingt



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© Eure CQ für Sarahs Bücherwelt
Verwendete Zitate werden ausgewählt und eingebaut um den Stil, Spannungsanteil, Detailreichtum oder ähnliches aufzuzeigen. Sie gehören nach wie vor dem rechtlichen Eigentümer und dienen lediglich der Unterstützung meiner Rezension.

Fazit: Mittelmäßigkeit kann nicht immer überzeugen

Name des Mitglieds: CyberQueeny