Vietnam
Der Loose Vietnam ist kein echter Loose :-( - Vietnam Belletristik

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Der Loose Vietnam ist kein echter Loose :-(

Produkt:

Vietnam

Datum: 17.03.03, geändert am 17.03.03 (1525 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Deutsch, Guter allgemeiner Teil

Nachteile: im Detail unpräzise / veraltet, Mässiges Kartenmaterial

Nun war ich zum dritten Mal mit einem Stefan Loose Reiseführer unterwegs, zuerst vor 12 Jahren mit dem „Südostasien-Handbuch“, vor zwei Jahren mit dem „Thailand - Der Süden“ Führer, und gerade (März 2003) komme ich aus Vietnam wieder und habe mich mit dem Loose-Vietnam (6. Auflage, Oktober 2001) informiert. Ich habe ihn mir gekauft, da ich in Thailand und Indonesien super-zufrieden war. Nützliche Tips en masse, gute Karten, detailgenau und präzise. So habe ich also wieder 19,95 Euro investiert und bin mit dem Loose – Vietnam nach, wer hätte es geahnt: Vietnam.

Etwas skeptisch wurde ich, als ich im Cover gelesen hatte, daß, anders als die Thailand und Indonesien-Führer, der Vietnam-Loose kein echter Loose ist, sondern eine 1:1 Übersetzung des Lonely-Planet Guidebooks. Das hat sich leider auch bestätigt.

Für die Ankunft in Saigon wurde vom Loose / LP dringend vor Schleppern gewarnt und. Humbug! Das völlig problemfreie Verfahren: Am Airport zuerst zum Touristen-Office gehen (direkt bei den Gepäck-Förderbändern), dort ein Hotel reservieren (gleiche niedrige Preise wie vor Ort, z.B. 14 USD / DZ inkl. Frühstück für ein sehr sehr ordentliches Mittelklasse-Hotel), am Airport direkt Traveller Cheques oder Cash USD in Dong umtauschen (Wechselkurse sind nur marginal schlechter als in der Stadt) und dann kann man direkt am Ausgang ein Taxi nehmen. Das Taxi kostet fünf Dollar oder sechs Dollar, das ist 1,50 Dollar mehr als wenn er die Uhr anstellen würde. Für eine 30-45 Minuten Fahrt. So what, dafür muss man nicht den Reisenden unverhältnismässig warnen. Uns ist nicht einmal Wucher untergekommen, immer hatten die Taxifahrer die Uhr an oder sie haben im vorhinein einen minimal erhöhten Preis genannt.

Intensiv wird im Loose vor overchargen = zu hohen geforderten Preisen gewarnt. Ich muss sagen, ich kenne Lateinamerika bestens (> 1 Jahr, fast alle Länder), ich kenne Thailand, Malaysia und Indonesien, aber so harmlose Preisauf
schläge für uns reiche Touristen bei diesem lächerlich niedrigem Preisniveau habe ich noch nicht erlebt. Die Warnung ist völlig daneben, völlig übers Ziel hinausgeschossen. Andere Story vom Loose / LP: “Passt auf, dass die Preise in den Speisekarten stehen, sonst gibt’s am Ende eine saftige Rechnung“. Derselbe Humbug. Preise standen in drei Wochen nur einmal nicht in der Speisekarte drin, als wir im Nationalpark im Restaurant waren, und die haben eher noch preiswerter berechnet als anderswo, und das ohne das wir vorher nachgefragt haben! Wir haben mit diversen anderen Travellern geprochen, und denen ist genau dasselbe aufgefallen. Wovon redet der Reiseführer da? Die Vietnamese sind ganz ehrliche Gesellen und der Loose / LP mach sinnlos Panik!

Mehrmals sind wir in Saigon los und wollten eine Restaurantempfehlung wahrnehmen: es war entweder nicht mehr da am angegebenen Ort oder das leckerste Restaurant der Stadt entpuppte sich als Billardkneipe. Das kann einmal sein, aber nicht mehrmals, quasi konsistent.

Die Infos zum Transport: Das ultimative Transportmittel sind Touristenbusse, Linienbusse miut ausreichendem Beinabstand, Klimaanlage, und Komfort, die auch nur 6 USD für 250 Km Fahrt / 6 Stunden kosten. Leider unterschlägt der Loose / LP das fast völlig.

Andere Hard Facts: Mässig. Wir mussten AMEX-Traveller Schecks als Verlustig melden – keinerlei Hilfe vom Loose / LP ausser der lapidaren Aussage, das man so was in Saigon machen könne (ist übrigens die United Overseas Bank, die einem behilflich ist).

Das Kartenmaterial: Typisch Lonely Planet. Häufig gerade noch so akzeptabel, manchmal sehr ärgerlich. Die Karte z.B. von Da Lat, einem touristisch sehr bedeutendem Ort, ist schlichtweg eine Zumutung. Zum Glück haben wir im Hotel eine Kopie einer Stadtkarte bekommen...

Was man dem Guidebook zugute halten muss, ist der schöne einführende Teil. Auf 150 von 500 Seiten wird einem ein schöner und umfassender
Einblick in Kultur und Geschichte gegeben. Zudem ist das Buch gut gebunden und macht einiges mit.

Wer immer mit Lonely Planet-Reiseführern gereist ist, zufrieden war und meine Kritik nicht verstehen kann: Ja, die Guidebooks sind OK. Aber schaut euch die Footprint Travel Reiseführer an und ihr werdet nie wieder ohne sehr guten Grund einen Lonely Planet kaufen! Ich habe die Erfahrung intensiv in Lateinamerika gemacht und es seitdem immer wieder mit Stichproben in bereisten Ländern in den letzten 12 Jahren nachgeprüft – immer dasselbe: Der Lonely Planet hat mässiges Kartenmaterial, unpräzise Preise und seltsame = nicht nachvollziehbare Hotelempfehlungen.

Auch für Vietnam gibt es einen Footprint-Führer, den ich wieder für ein paar wenige Orte verglichen habe mit gerade erlebtem und den Infos im Loose: hätten wir den mitgehabt, hätten wir uns definitiv einige Zeit gespart! Nächstes Mal reise ich sicher wieder mit einem Footprint-Guide (ausser nach Indonesien, da nehme ich den ORIGINAL-Loose). Einziger Nachteil der Footprint-Books für manche von uns: der Guide ist auf Englisch. Aber wollen wir nicht alle unser Englisch verbessern? ;-)

Gute Reise!

Jörn

Fazit:

Autor-Name: jseidenschnur