Verbotenes Verlangen (Rampling, Anne)
Fade Sexspielchen mit biederem Happy End - Verbotenes Verlangen (Rampling, Anne) Belletristik

Erhältlich in: 1 Shop

Neuester Testbericht: ... die Toughe, verliebt sich sofort unsterblich in Elliott, den Clown, obwohl beide noch nicht ein Wort miteinander gewechselt haben. Dara... mehr

Fade Sexspielchen mit biederem Happy End
Verbotenes Verlangen (Rampling, Anne)

Gothic_Girl

Name des Mitglieds: Gothic_Girl

Produkt:

Verbotenes Verlangen (Rampling, Anne)

Datum: 28.12.03, geändert am 04.05.04 (630 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Sex?

Nachteile: Selbst Sex kann diesen Roman nicht retten.

Fade Sexspielchen mit biederem Happy End

Lisa ist so richtig tough. Sie ist jung, schön und reich – natürlich. Sie trägt kurze Lederröcke und hochhackige Schuhe und das tagein tagaus. Was sie beruflich macht? Sie ist die Chefin des Clubs – einer Insel der sadomasochistischen Eskapaden. Hat sie sich als Jugendliche selbst noch als Sexsklavin behandeln lassen, hat sie nun auf die andere Seite gewechselt und ein Paradies für sexuell gelangweilte Schwerverdiener geschaffen. Die zahlenden Mitglieder des Clubs dürfen nicht nur den überschwänglichen Luxus genießen, sondern auch über die anwesenden Sklaven bestimmen – Menschen, die sich für zwei Jahre verpflichtet haben, jegliche Selbstbestimmung abzugeben und ihren Meistern zu Diensten zu sein. Für 100000 Dollar Gage laufen sie ständig nackt herum, lassen sich an den Füßen aufhängen, auspeitschen und erniedrigen.

Einer dieser Sklaven ist Elliott, eigentlich ein Fotograf, der ein bisschen zu lange in den Krisengebieten dieser Welt herumgeschlichen ist. Seit ihm ein Söldner in El Salvador ein Gewehr an die Schläfe gehalten hat, hat er irgendwie die Lust auf sein Leben verloren und zieht es nun vor, zwei Jahre als Sklave im Club zu verschwinden. Dort angekommen, wird er trotz seiner masochistischen Ader schnell zum Klassenclown und Unruhestifer, was ihm schnell Schläge mit plüschverzierten Klatschen einbringt.

Es kommt, wie es kommen muss. Lisa, die Toughe, verliebt sich sofort unsterblich in Elliott, den Clown, obwohl beide noch nicht ein Wort miteinander gewechselt haben. Daraufhin lässt sie ihn in ihre Privatgemächer bringen, um ihn mit allerlei Gimicks aus dem Beate Uhse Katalog so richtig in Fahrt zu bringen. Doch der Gedanke, ihn mit den anderen Mitgliedern und Mitarbeitern des Clubs teilen zu müssen, macht sie wahnsinnig und so entführt sie Elliott kurzerhand nach New Orleans, wo die beiden sich in ihrer frischen Liebe baden.

„Verbotenes Verlangen“ soll erotisch, exotisch und doch irgendwie romantisch sein – verspricht zumindest der Klappentext. Nichts davon hält der Roman wirklich, dafür ist er unsagbar kitschig und langweilig. Man muss schon eine gewisse Ader fürs Abstruse haben, um es erotisch zu finden, wenn Männer nackt und an den Füßen zuerst an einem überdimensionalen Kleiderständer aufgehängt werden. Dem durchschnittlichen Leser erscheint selbiges wohl eher als absolut lächerlich.

Autorin Anne Rampling ist, manche werden es wissen, niemand anderes als die Vampirqueen Amerikas, Anne Rice. Unter dem Pseudonym Rampling (ihre erste Kurzgeschichte hatte den Titel „The Master of Rampling Gate“) veröffentlicht sie Erotika oder zumindest das, was sie dafür hält. Dabei verarbeitet sie routiniert die üblichen Zutaten eines Rice-Romans. Sämtliche Figuren müssen zunächst überirdisch schön sein, das Geld kommt dann auf mysteriöse Weise selbst dazu. Wie auch schon in ihren Vampirchroniken schwimmen die Protagonisten in „Verbotenes Verlangen“ dermaßen in Geld, dass es nicht mehr dekadent, sondern schon regelrecht übelkeitserregend ist. Dies führt dann dazu, dass das gesamte Sexbusiness hoffnungslos romantisiert und verkitscht wird. Nichts von Frauen, die sich für Geld hergeben, weil sie keinen anderen Ausweg sehen. Nichts von Kinderprostitution. Nichts von all dem Dreck und Elend – in Lisas Club ist alles hell und schick und freiwillig und überhaupt nicht schmuddelig. Wer im Club ist, als Mitglied oder Sklave, gehört einer geheimen Elite der besonders Reichen und Schönen an. Und daran gibt es doch nichts auszusetzen?

Noch viel schlimmer als das rettungslos übertriebene Setting ist allerdings die nichtexistente Handlung. Zusammengefasst lässt sich sagen: Mann trifft Frau an ungewöhnlichem Ort und beide kommen zusammen. Damit füllt Anne Rice, äh Rampling, 350 sterbenslangweilige Seiten und konstruiert als Höhepunkt einen lächerlich unwichtigen Konflikt: Lisa weiß nämlich gar nicht, dass sie in Elliott verliebt ist. Welch schreckliche Angelegenheit! Während sie ihr ganzes Leben mit Sex zugebracht hat, muss ihr entgangen sein, dass manche Menschen dabei sogar Liebe empfinden. So ist sie vollkommen verwirrt ob ihrer aufwallenden Gefühle für Elliott. Wird ihre junge Beziehung dieses Disaster überstehen?

Sie wird, daran besteht auf keiner Seite des Romans ein wirklicher Zweifel. Die Story muss zwingend gut ausgehen und endet dann auch mit einem biederem Ton der Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Klar, Sexgeschäfte werden weiter betrieben, aber Lisa und Elliott sollten doch wenigstens verheiratet sein, findet die Autorin.

Anne Rice, äh Rampling, hat hier ein wirklich abstruses Buch zusammengeschustert, das weder inhaltlich noch sprachlich überzeugen kann. Über Erotik und Sex zu schreiben, ist bekanntermaßen nicht so einfach. Nur wenige Autoren schaffen es, weder ins Lächerliche noch ins Pornographische abzugleiten. Anne Rice mag sich da gar nicht erst entscheiden und pendelt zwischen peinlichen Plüschhandschellen und anatomisch beängstigenden Penissen mit Bierflaschendurchmesser. Die schludrige Übersetzung von Angelika Weidmann tut ein Übriges und gleitet oft genug in Alltagssprache ab.

„Verbotenes Verlangen“ ist vollkommen zu recht momentan auf deutsch nicht lieferbar. Der Buchlandschaft entsteht dadurch mit Sicherheit kein Verlust. Diesen Roman sollte man nur in absoluten Notfällen zur Hand nehmen, beispielsweise wenn die restliche Bibliothek komplett niedergebrannt ist. Auch dann empfiehlt es sich, die Lektüre vorher genau zu überdenken: So viel Kitsch und Langeweile überdeckt mit plakativer Nacktheit ist nicht jedermanns Sache.
------------------------------------------------- -------------------------------------------------- ------

Allgemeine Infos:
Anne Rampling „Verbotenes Verlangen“ (Original „Exit to Eden“)
Goldmann, 1996
Broschiert
ISBN 3-442-42763-0
14,90DM

Fazit: