Uhrwerk Orange - Anthony Burgess
ultra-violent Horrorshow - Uhrwerk Orange - Anthony Burgess Romane & Erzählungen

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ultra-violent Horrorshow
Uhrwerk Orange - Anthony Burgess

Kuhli82

Name des Mitglieds: Kuhli82

Produkt:

Uhrwerk Orange - Anthony Burgess

Datum: 07.06.03, geändert am 27.02.05 (313 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: faszinierende Sprache, keine aufgedrückte Moral, sehr provokant

Nachteile: schwer verständlich, sehr provokant

What?s it going to be then, eh??

Story:

Der fünfzehnjährige Alex ist eigentlich ein ganz normaler Jugendlicher. Er hört Beethoven, schlägt sich unterstützt durch seine drei Freunde(droogs) Pete, George und Dim mit rivalisierenden Gangs, überfällt und verprügelt unschuldige und wehrlose Menschen und vergewaltigt (in-out) zwischendurch schon mal 10-jährige Mädchen (devotchkas) oder ältere Frauen (ptitsas), was gerade halt so anfällt.
Naja, so sieht zum Glück nicht unsere Vorstellung von Normalität aus, im London der nicht zu fernen Zukunft ist das zwar zum Glück auch noch nicht die Regel, aber leider auch nicht die Ausnahme, deswegen hat die Regierung ein Programm entwickelt mit dem sie Gewalttäter rehabilitieren wollen.
Als Alex eines Abends mit seinen Freunden eine alte Frau überfällt und mit einer Beethoven-Büste erschlägt, rückt die Polizei (millicents) an und da Alex? Freunde schon länger von ihrem selbsternannten Chef überdrüssig sind, verraten sie ihn. Er wird gefangengenommen und eingesperrt, währen sie draußen weiter ihr Unwesen (tolchoking) treiben.
Zwei Jahre später : Alex sitzt noch immer im Gefängnis, liest jetzt die Bibel (ausschließlich natürlich die brutalen Stellen) und ist noch immer begeisterter Klassik-Fan, als er eines Tages von einem neuen Regierungsprojekt hört, nach dessen Abschluss man sofort die Freiheit geschenkt bekommt, setzt er alles daran, in dieses Projekt aufgenommen zu werden, und tatsächlich wird Alex in ein anderes Gebäude verlegt, in dessen Gemäuern die Ärzte Alex von seinen falschen Moralvorstellungen heilen wollen.
Die Idee der Therapie ist genauso simpel wie brutal, Alex wird unbeweglich auf einen Stuhl gefesselt und die Augenlider hochgehoben, das er auch nicht weggucken kann, Und kurz nach Beginn der Therapie ist genau das, das sehnlichste, was er sich wünscht, denn auf dem Bildschirm vor ihm zeigen sich Bilder von unglaublicher Brutalität (ultra-violence), Filmaufnahmen von Vergewaltigungen,
expliziten Naziverbrechen, Exekutionen, Verprügelungen von unschuldigen und hilflosen und obwohl viele dieser Taten auch Alex Leben bestimmten, ist er angewidert von dem Gesehenen und scheint den Unterschied zwischen Gut und Böse langsam zu begreifen, als dann später auch noch die Bilder von Beethoven-Musik untermalt wird, wird allmählich Alex eigene Persönlichkeit gebrochen, doch auf welche Kosten?

Kritik:

Die Motivation dieses Buch zu lesen, kam bei mir natürlich durch den gleichnamigen Film von Stanley Kubrick. Da ich ein großer Fan von dem verstörenden Film bin, musste ich mir das Buch einfach holen und da ich nicht nur bei Filmen die Originalfassungen bevorzuge besitze ich das Buch natürlich auf Englisch.
Das ich den Film vorher gesehen hab? war für mich wirklich eine große Hilfe dieses Buch anfangs zu verstehen, nicht weil ich kein Englisch kann, sondern weil der Autor eine komplett neue Jugendsprache erfunden hat, die man erst mal entziffern muss und so erfährt man manchmal erst die Bedeutung von Begriffen, nachdem sie schon duzende Male erwähnt wurden.

# Nadsat #

So heißt dieser Slang (die Wörter oben in Klammern sind Beispiele) den Alex und seine Generation benutzen und da Alex gleichzeitig der Erzähler des Buches ist, beschränkt sich diese Sprache nicht nur die direkte Rede, sondern auf das komplette Buch. Nadsat ist eine Mischung aus Englisch, Russisch und sogar Deutsch.
Man kann sich das Lesen ungefähr so vorstellen, als sei man achtzig und würde die Jugendlichen von heute reden hören mit ihrem dissen, chillen, teasen, cruisen und was auch immer. Und gerade das macht diese erfundene Generation des Buches so glaubwürdig, denn wenn man sieht was für neue Worte die Jugend ständig aufnimmt, dann ist es doch nur zu realistisch das die Jugend der Zukunft nicht mehr cool oder mega sagt, weil das dann ja zur Sprache der Erwachsenen wird, sondern man sagt halt als Steigerung ?horrorshow? (das sagen die echt).
Wie ge
sagt ergibt sich durch diese Sprache für Leute die den Film nicht kennen anfangs eine gewisse Unverständlichkeit, aber obwohl man manchmal nicht weiß ob die Jungs gerade prügeln oder vergewaltigen, weil jedes zweite Wort ?noga?, ?glazzie? oder was auch immer ist, ist man von Anfang an fasziniert, weil man erahnt was sie da machen und manchmal möchte man?s auch gar nicht wissen, weil diese orientierungslose Jugend gewissenlos ohne Unterscheidung von Gut und Böse agiert.

Die Regierung ist da leider auch nicht anders. Denn sie sehen die einzige Lösung in diesem Problem, diese gewaltbereite Jugend ohne Rücksicht auf Moral zu reformieren. Also muss man seine eigene Moral hintergehen, um andere zu moralisieren ? Anscheinend schon, denn Alex wird tatsächlich ruhiger und fängt an sein vorheriges Handeln nicht zu wiederholen. Doch die Regierung hat das nur erreicht, weil sie aus diesem jungen ein seelenloses Wrack gemacht hat, mit ebenso brutalem Vorgehen wie die Gangs auf den Strassen.

Dieses Buch stellt auch die Frage ob der Mensch wirklich die Wahl hat, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und darum werden hier weder Alex und seine Freunde, noch die Regierung glorifiziert. Der Autor stellt diese Gewissensfragen und überlässt dem Leser selbst die Antwort zu finden und das ist für so ein kontroverses Thema das einzige was man hätte machen können, denn nur so beschäftigt man sich als Leser auch wirklich mit dem Thema ohne vorgegebene Moralvorstellungen.

Fazit :

Trotz oder gerade wegen dieser ungewöhnlichen Sprache fasziniert dieses Buch, in jedem Satz (den man versteht). Und das die Regierung nicht minder brutal als die Jugend vorgeht wirft dem Leser persönliche Gewissensfragen auf. Auge um Auge, Zahn um Zahn?

Daten:

A Clockwork Orange
Von Anthony Burgess
(c) 1962
erschienen im Penguin Verlag
effektiv 144 Seiten


P.S.: Wenn jemand das Buch auf Deutsch gelesen hat, würde ich gerne wissen wi
e die Sprache übernommen wurde, denn so was ist eigentlich unübersetzbar.

Zum Schluss :
Wenn man sich fragt woher der ungewöhnliche Name des Buches kommt, gibt?s eine nette Erklärung des Autors. Er wollte ein Paradoxon schaffen aus etwas natürlichem (Orange) in Verbindung mit etwas maschinellem (Uhrwerk), wahrscheinlich ähnlich Freuds Theorien vom Über-Ich (Gewissen) und Es (Trieb).
Eingebunden hat Burgess diesen Titel, indem die Jungen einen Mann überfallen, der ein Buch mit diesem Titel schreibt.

?What we were after, was lashing of ultra-violence?

Fazit:

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