
Kurzbeschreibung: Ellis, Warren -- DC Comics
Babylon der Zukunft - Transmetropolitan
Produkt:
Transmetropolitan
Datum: 08.06.00, geändert am 08.06.00 (40 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Ätzender Zynismus
Nachteile: Ätzender Zynismus
Ätzender Zynismus ist die Haupteigenschaft von Spider Jerusalem, seines Zeichens Journalist und Hauptprotagonist von Transmetropolitan. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Ein gerissener Verleger, dem Spider noch zwei Bücher schuldet, hat ihn aus der Bergeinsamkeit zurück in die Stadt gezwungen. In den Albtraum aller Futurologen, das worst-case-Szenario eines Amerika im 21. Jahrhundert. Mithilfe von Drogen und chronisch genervten Assistentinnen geht Spider an die Arbeit und legt mit sicherem Instinkt den Finger auf genau die Stellen, wo es am meisten weh tut.
Transmetropolitan und besonders die Hauptfigur ist wohltuend politisch inkorrekt. Mit Spider Jerusalem hat Warren Ellis einen typischen Antihelden geschaffen. Einen an sich moralischen Menschen in einer völlig amoralischen Welt. Ein Rambo des Informationszeitalters, ein Psychopath, dessen Psychose der Common Sense ist. Er zieht in seinen Artikeln zu Felde gegen die Heuchelei und schlägt seine Gegner meist mit ihren eigenen Waffen. Er ist ein Anarchist, ein Cyberpunk. Spider Jerusalem fasziniert mich besonders durch seine Ambivalenz, das Paradox, das er verkörpert. Wie sein Reporterkollege Clark Kent ist er immer zur Stelle, wenn irgendwo ein niederträchtiges Verbrechen geschieht. Im Gegensatz zu Supermann greift er aber nicht aktiv ein, sondern beobachtet und recherchiert -wobei seine Auffasung von investigativem Journalismus manchmal ziemlich unorthodox ist- um dann seinem Hass und beißendem Zynismus in einem messerscharfen Artikel freien Lauf zu lassen.
Spider ist kein Held wie Supermann. Weder verfügt er über übermenschliche Kräfte, noch ist er ein weltfremder Außerirdischer. Er ist ein Produkt seiner Zeit. Eigentlich ist er kein Vorbild. In seinem Konsumverhalten (Drogen, politisch inkorrekte Nahrungsmittel - hoher Ekelfaktor), seiner Ausdruckweise und der Wahl seiner Mittel ist er keineswegs zimperlich. Genau betrachtet ist e
r völlig kaputt und dennoch verkörpert er das Gute. Vielleicht einfach in Ermangelung eines Besseren...
Spider ist ein in seinem moralischen Empfinden tief verletzter Mensch, der um sich schlägt, um sich Luft zu verschaffen. Und Spider hat eine mächtige Waffe: das Wort. Die immer wieder eingestreuten, als Zeitungskolumne (Titel: I hate it here...) aufgemachten Kommentare von Spider Jerusalem sind mit das Beste, das der Comic zu bieten hat.
Spider Jerusalem dient Ellis als Vehikel, um gesellschaftliche Mißstände, die auch heute schon existent sind oder sich abzeichnen, aber in Transmetropolitan bis an die Grenze des denkbaren übersteigert sind, anzuprangern. Beispielsweise gibt es eine Sekte, die nur dazu da ist, ihrem Führer möglichst viele Sexualkontakte zu ermöglichen.
Der Präsidentschaftswahlkampf, der sich wie ein roter Faden durch die gesamte Comicserie zieht, kommt besonders übel weg. Den Bewerbern geht es ausschließlich darum, ans Ruder zu kommen, selbst, wenn sie dafür über Leichen gehen müssen. Ideale brauchen sie dabei keine zu verraten, denn sie haben sowieso keine. Das ist irgendwie zwar nichts neues, aber nirgends habe ich es so knallhart dargestellt gesehen wie in Transmetropolitan.
Der Zeichner Darick Robertson liefert solide Durchschnittware amerikanischen Stils. Die gelegentlich, wie bei amerikanischen Produktionen üblich, von Gastzeichnungen ausgeführten Titelblätter peppen den Comic merklich auf. Geof Darrow, der mehrere Zeichnungen beigesteuert hat, wäre mir persönlich als Chefzeichner lieber gewesen, weil sein Stil, den unglaublich viele genau ausgeführte Details ausmachen, besonders gut zum Erzählstil der Geschichte paßt.
Zartbesaitete Gutmenschen werden mit Transmetropolitan ihre Schiwerigkeiten haben, Kulturpessimisten und Zyniker (wie ich... ;-) kommen voll auf ihre Kosten.
Fazit:
Name des Mitglieds: Stino
Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik


23.05.01
Die Meinung über die Zeichner kann ich zwar nicht teilen, (ich finde Robertson besser!) aber ansonsten stimme ich voll zu! Transmetropolit an ist spitze!!!