Tochter der Nacht (Bradley, Marion Zimmer)
Die Zauberflöte neu erzählt - Tochter der Nacht (Bradley, Marion Zimmer) Belletristik

 
 

Die Zauberflöte neu erzählt

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Tochter der Nacht (Bradley, Marion Zimmer)

Datum: 22.10.02, geändert am 14.08.04 (1020 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: siehe Bericht

Nachteile: siehe Bericht

ch will mich an dieser Stelle einmal als Märchenfan outen, schon als Kind haben mich Märchen und sagen fasziniert, als Jugendlicher war es dann die moderne Variante, die Fantasy-Geschichten. Ein gutes Märchen rüttelt an ganz tiefe archaische Vorstellungen, es beschreibt Bilder die tief in unserem Unterbewusstsein verborgen sind.

1.) Handlung
2.) Gedanken und Bemerkungen zum Buch
3.) Das Buch
4.) Die Autorin
5.) Fazit

1.) Handlung
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Im Prolog wird die Geschichte des großen Hauses Atlas erzählt. Vor langer Zeit schufen die Priesterkönige der Sonne, in ihrer Arroganz, die Halblinge. Diese Geschöpfe waren halb Tier und halb Mensch und sollten den Menschen dienen. Da gab es Hundehalblinge als Hausangestellte oder Delfinhalblinge die den Menschen beim Fischen behilflich waren oder Rinderhalblinge die schwere Lasten trugen.

Einen Sonderstatus nahmen die Schlangen-Leute ein, die der Legende nach, sogar den Gestaltern bei der Erschaffung der Menschen geholfen hatten. Die Priester schufen immer absonderlichere Wesen, die sich zudem noch untereinander paarten und schließlich entstand ein großes Chaos mit unzähligen kriegen im Gefolge. Das Volk leidete sehr darunter und forderte einen König aus reinem Menschengeblüt. Als Folge dieser Forderung wurde das Haus Atlas gegründet und die Sonnenkönige wurden seine Priester. Das Haus Atlas erließ schließlich den Befehl das keine Halblinge mehr geschaffen werden durften. Zu dieser Zeit lebte im Tempel der Nacht eine große Priesterin, die Sternenkönigin, sie hatte zusammen mit ihrem Liebhaber aus dem Schlangenvolk, 3 Töchter. Als das Haus Atlas jede Paarung mit Halblingen verbot, fügte sie sich in scheinbarem Gehorsam und vermählte sich mit dem Thronerben Sarastro.

Aus dieser Verbindung ging Pamina hervor, dieses Mädchen würde als Thronerbin der Mutter der Nacht und als Thronerbin des königlichen Hauses der Sonne den Thron von Atlas-Alamesios besteigen. Doch die Verbindung
zwischen dem Priester des Lichtes und der Priesterin der Dunkelheit währte nicht lange, nach einem Streit floh die Sternenkönigin mit Pamina in den Tempel der Nacht und schwor dem Hause Atlas ewige Feindschaft.

Und hier beginnt die Geschichte von Pamina und Tamino.

Tamino der Sohn des Kaisers im Westen, irrt durch die Wüste der Wandlungen, seine Vorräte sind fast aufgebraucht und er ist erschöpft von seiner langen Wanderung. Nach dem Willen seines Vaters war er vor einem Monat aufgebrochen um sich im Tempel der Weisheit in Atlas-Alamesios den Prüfungen zu unterziehen.

Kurz bevor ihn seine Kräfte ganz verlassen erscheint, auf wundersame Weise, eine Oase vor seinen Augen, in der er Wasser und Nahrung findet. Gestärkt dringt er weiter in die Oase vor, deren Beschaffenheit sich mehr und mehr verändert, schließlich findet er sich in einem großen Wald wieder. Er erreicht nach einem Tagesmarsch eine Lichtung im Wald und ist versunken in die Ruinen die er dort vorfindet, als er plötzlich von einem Drachen angegriffen wird, er wehrt sich zwar heldenhaft, kann aber ohne Waffe nichts gegen das Untier ausrichten. Bevor er aus Erschöpfung ohnmächtig wird sieht er noch 3 Frauengestalten und Speere die sich in den Körper des Drachen bohren.

Als er wieder bei Sinnen ist, sieht er sich einem merkwürdigen Wesen gegenüber, halb Mensch, halb Vogel. Er schließt schnell Freundschaft mit dem geschwätzigen, kleinen Vogelhalbling und es dauert auch gar nicht lange bis die drei Kriegerinnen wieder auftauchen. Die Frauen geleiten Tamino und seinen neuen Freund, der sich Papageno nennt, in den Palast der Sternenkönigin. Die Herrscherin der Nacht kennt seinen Namen und sein Ziel und bittet Tamino darum, ihre von Sarastro entführte Tochter, zu befreien. Tamino verliebt sich sofort in Pamina die er in einem Zauberspiegel sieht und verspricht die Prinzessin zu befreien. Aber ganz alleine und ohne Waffen muss er nicht loziehen, er erhält als Waffe eine Zauberflö
te und als Gefährten den Vogelhalbling Papageno.

Als er schließlich dem Priesterkönig im Tempel des Lichtes begegnet muss er feststellen, wie zuvor schon Pamina, das Sarastro gar nicht so böse und grausam ist wie von der Sternenkönigin beschrieben, es scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein. sie beschließen, unabhängig voneinander, dem Priesterkönig ihr Vertrauen zu schenken und sich gemeinsam den Prüfungen der Bruderschaft zu unterziehen um Erleuchtung und Weisheit zu erlangen.

Doch der Weg zur Erleuchtung ist hart und gefährlich, aber mit vereinten Kräften und mit Hilfe der Zauberflöte beschreiten Pamina und Tamino den gefahrvollen Weg zur Erkenntnis.

Wer jetzt glaubt ich hätte die ganze Geschichte erzählt der täuscht sich, die vorhergehende Beschreibung ist eigentlich nur der Anfang und soll den interessierten Leser neugierig auf die Erzählung machen.

2.) Gedanken und Bemerkungen zum Buch
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Wie wird das Märchen erzählt?
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MZB hält sich, in ihrem Roman, an die traditionelle Erzählweise, verfeinert die Geschichte aber mit Fantasy-Elementen und einem Schuss Erotik. Dazu kommt noch die MZB-typische Interpretation der Frauengestalten in ihren Erzählungen ( bestes Beispiel => Avalon Zyklus ) ohne sich allzu weit von der Vorlage zu entfernen. Neu für mich, war in dem Buch, ein Anflug von Humor und Ironie der eigentlich für MZB untypisch ist. So beschwert sich Tamino z.B. darüber das alle Wesen denen er begegnet nur in Rätseln sprechen und auch die "drei Boten" bekommen einen Hauch von Ironie ab, eindeutig ein Seitenhieb auf Mozarts Original, was der Geschichte einen zusätzlichen Reiz verleiht.

Aktualität
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Ich hatte, bei anderen Romanen schon vermutet, dass sich MZB vom aktuellen zeitgeschehen beeinflussen lässt. In diesem Buch in den Nachbemerkungen der Autorin, bestätigt sie höchstselbst den Verdacht. Sie
schreibt das sie von dem Mythos beeinflusst wurde das eine alte Kultur wegen Missbrauchs bestimmter Wissenschaften vernichtet wurde, unter anderem deshalb, weil man blasphemisch versuchte, Menschen und Tiere zu kreuzen. Angesichts der Forschungen auf dem Gebiet der Genmanipulation ( 1985 ) erschien ihr diese Vorstellung gar nicht so weit hergeholt. Welche mystische Kultur damit gemeint ist, kann der Leser am Ende des Buches, zwischen den Zeilen entdecken.

Interpretation der Zauberflöte
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Ich bin immer wieder baff was in eine Geschichte so alles hineininterpretiert wird und wieviel pseudointellektueller Schwachsinn dabei abgesondert wird. Ich will gar nicht näher darauf eingehen und nur einen Seitenhieb auf die Tiefenanalytiker a la Freud ablassen die sogar Rotkäppchen auf die Couch gezerrt haben.

Kennzeichen eines guten Märchens sind die Archetypen die in unserem Unterbewusstsein höchst lebendig sind. Diese Archetypen sind der kollektive Besitz aller Menschen und die Märchen, in ihrer rituellen Erzählform, geben unseren Urvorstellungen und Urängsten Namen und Gestalt.

Zitat von MZB:
>> Ist meine "Zauberflöte" also Fantasy, Science ? Fiktion, eine Parabel, eine Allegorie oder einfach ein Märchen für das Kind in uns allen? ? Die Antwort überlasse ich dem Leser.

3.) Das Buch
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Titel: Tochter der Nacht
Autorin: Marion Zimmer Bradley
ISBN: 3-596-28350-7
Seiten ca. 300 Seiten
Preis: 12,80 DM fürs TB

4.) Die Autorin ( wörtlich vom Einband des Buches übernommen )
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Marion Zimmer Bradley, wurde 1930 in den USA geboren, publizierte anfangs vor allem in Zeitschriften und Anthologien. Der Durchbruch gelang ihr 1962 mit " The Planet Savers - Retter des Planeten " Mit dieser Geschichte war der Grundstein für die Romane um den Planeten Darkover gelegt, die innerhalb weniger Jahre zu
einem der beliebtesten Fantasy -Zyklen einer riesigen Fangemeinde avancieren sollten. Seit 1962 hat MZB über zwanzig Darkover-Romane und unzählige Kurzgeschichten geschrieben, sowie eine Reihe von Anthologien herausgegeben. 1983 wurde MZB mit dem Roman " Die Nebel von Avalon" schließlich weltberühmt.

Sie starb im September 1999 in ihrer Heimatstadt Berkley in Kalifornien.

weitere Werke:
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Die Nebel von Avalon
Die Landung ( der erste Band der Darkover Reihe )
Die geheimnisvollen Frauen

5.) Fazit
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Eine sehr gelungene Nacherzählung der Zauberflöte im unverwechselbaren MZB-Stil. Die Neuerzählung eines klassischen Stoffes, in eigener Interpretation, ist ohne Zweifel die größte Stärke der Autorin. Ein Muss für alle MZB-Fans und Märchenliebhaber.

(c) by Araxas / 22.10.02

Fazit:

Name des Mitglieds: Araxas