Sturmzeit (Link, Charlotte)
Generationen im Wandel der Zeiten (1) - Sturmzeit (Link, Charlotte) Belletristik

Erhältlich in: 2 Shops

Kurzbeschreibung: Goldmann Wilhelm Verlag

 
 

Generationen im Wandel der Zeiten (1)

Produkt:

Sturmzeit (Link, Charlotte)

Datum: 13.02.09

Bewertung:

Vorteile: spannend zu lesende Romantrilogie

Nachteile: was lese ich, wenn ich damit fertig bin?

>>"Den österreichischen Thronfolger haben sie erschossen. Heute, in Sarajewo. Täter soll gewesen sein Serbe!"
Wenn es weiter nichts war! "Ach", sagte Felicia gleichgültig. "Wird gäbn Krieg", fuhr Jadzia fort, "grosser Krieg!"
"Sicher nicht Jadzia. Warum sollte daraus ein Krieg entstehen?"
Jadzia murmelte etwas auf polnisch. Felicia ging weiter. Sarajewo - wo lag das überhaupt? Sie hatte nie von diesem Ort gehört, im übrigen war er ihr auch gleichgültig. Sie dachte über Maxim nach und darüber, weshalb sie ihn anderen vorzug....<< (1)


Das Buch zum Ersten:

Es ist der erste Band einer Trilogie der Schriftstellerin Charlotte Link - und das ist das Besondere an dieser Rezension, sie ist nur ein Drittel. Die beiden anderen Drittel werde ich Euch nicht vorenthalten, nur heute - heute bleibt es bei dieser einen. Ein wenig Spannung auf Neues sei mir gestattet und Ihr wollt doch gern neugierig bleiben.

Die Handlung beginnt am Tage der Ermordung Erzherzogs Franz Ferdinand in Sarajewo im Jahr 1914 und endet am letzten Tage des Jahres 1930.

Wir lernen die junge Felicia Degnelly kennen, eine junge Frau, deren Familie seit vielen Generationen ein ostpreussisches Rittergut namens Lulinn in der Nähe der Stadt Insterburg hat und die charakterlich so bunt wie ein Herbstwald ist.
Felicia ist eine ziemlich naive junge Dame, die sich eigentlich nur für Männer, insbesondere für einen jungen Mann namens Maksim, interessiert. Sie wird, wie die gesamte Familie, von einem Krieg überrollt, den keiner will und der viele Opfer unter den jungen Männern der Familie fordern wird.

Bei Ausbruch des Krieges geht sie zunächst mit ihrer Mutter und vielen weiteren Verwandten nach Berlin - Ostpreußen ist angesichts der Nähe zu den Russen zu gefährlich geworden. Felicia, ihre Schwestern und Freundinnen, die nach wie vor der Meinung sind, dass ihnen die Welt zu Füssen liegt und sie sie nur aufzuheben brauchen, lernt Alex Lombard kennen und nach einer durchzechten Nacht heiraten sie völlig überstürzt. Eine Hochzeit mit Folgen - denn eigentlich liebt Felicia Alex ja doch gar nicht - und was will sie von und mit ihm?

Mit Alex siedelt sie über nach München und lernt dort die sanfte Kat kennen, Kassandra, die mit schwesterlicher Liebe an ihrem Bruder Alex hängt und Severin, den Vater Alex', Textilgrosshändler und genau so ein alter verknöcherter Mann wie Felicias Grossvater - sie weiss also, wie sie mit Severin umzugehen hat.
Maksim taucht wieder auf und Alex erwischt die beiden, wie sie sehr intim miteinander umgehen. Nach einem schlimmen Streit verlässt Felicia das Haus und wird gemeinsam mit Kat Krankenschwester an der Front.
Gemeinsam mit Felicias Vater, einem Arzt arbeiten sie in einem Frontlazarett. Der Vater stirbt in ihren Armen, ein Erlebnis, das Felicia wandelt, ändert, umdenken lässt in ihrem Wesen, ihrem Charakter.

Sie geraten in russische Gefangenschaft, in der Felicia das erste Mal Verantwortung übernimmt, sonst würden sie Kat und sie nicht überleben.

Durch grosses Glück und Beziehungen zu baltischen Verwandten werden sie aus dem Gefangenenlager entlassen...


Mein erster Gedanke zum Buch

Als ich losgelesen habe, habe ich mich gefragt, wieso so viele Leute mir genau diese Romantrilogie empfohlen haben. Es plätscherte, diese Romanfigur Felicia hatte so was leichtlebiges wie ein ostpreußisches Grossbauernmädchen nur haben konnte - spielerisch, leichtlebig, eigentlich eher eine Dutzendfigur.

Das änderte sich schlagartig, als Felicia in das Kriegsgefangenenlager kam, von dort befreit wurde und ihre baltischen Verwandten vor der Deportation nach Sibirien rettete....die Zeit des Buches schritt schneller fort, als ich lesen konnte und ich wollte doch aufholen - ein Grund also, dieses Buch keinesfalls wieder aus der Hand zu legen....


Das Buch zum Zweiten

Revolutionszeit in Russland. Felicia kann nicht verhindern, dass der Onkel, ein hochdekorierter Offizier der zaristischen Armee nach Sibirien gebracht wird, aber mit Hilfe Maksims, der wiederum unvermittelt auftaucht, rettet sie ihre Familie durch Flucht über das Baltikum, letztendlich nach Deutschland. Die Tante ist schwerkrank und stirbt auf der Flucht, Maksim plagt eine fast tödliche Lungenentzündung und so ist die Familie, die noch aus der Cousine Nicola und Kat, der treuen Seele, besteht, auf das Organisationstalent Felicias angewiesen.

Maksim wird wieder gesund, verhilft der Familie zum Grenzübertritt ins rettende Deutschland - und hinterlässt bei Felicia mehr, als nur Gefühle. Felicia ist schwanger.
Ihren Mann hat sie seit mehr als 2 Jahren nicht gesehen und als er, von der Front kommend, verletzt, daheim in München eintrifft, ist es eine der letzten Begegnungen mit Felicia auf Jahre. Sie lassen sich scheiden.

Alex geht nach Amerika, Severin, sein Vater, hat 80% seines Geschäfts dem grässlichen Emporkömmling Tom Wolff überschreiben müssen und fleht nun Felicia an, ihm zu helfen.

Aber ihr geliebtes Lulinn ist auch fast pleite. Nach dem Tode des Grossvaters hat es der Onkel fast zugrunde gewirtschaftet.
Alle hoffen auf Felicia, hoffen, dass sie hilft, rettet.

Aber Felicia heiratet erst mal wieder - Benjamin, einen fürchterlich pausbäckigen jungen Mann, der Felicia vergöttert, der nichts schöner findet, als sie im Ehebett zu beglücken. Sie wird wieder schwanger und ekelt sich vor sich selber.
Benjamin wird in der Zukunft ihr Steine in den Weg legen, sie lieben, sie versuchen an sich zu binden - und scheitern, so gründlich scheitern, dass er den Freitod wählen wird.

Felicia geht zurück nach München, erklärt Wulff den Krieg, oder die Partnerschaft, je wie man das sehen will. Sie zieht mit ihm gemeinsam ein gigantisch erfolgreiches Modegeschäft auf, was fast scheitert, weil Wulff unbedingt nur noch eines will - Kat. Die wunderschöne Kat braucht er, damit er endlich "gesellschaftsfähig" ist....und er wird sie heiraten.

Von da an geht es steil bergauf mit den Geschäften Felicias, auch privat hat sie das Glück, das sie sucht. Maksim taucht wieder in Deutschland auf und wird ihre Muse, ihr Geliebter.

Felicia verdient Geld, viel Geld, um es, wie viele andere Deutsche auch, wie auch Tom Wulff, am schwarzen Freitag der Börse im Jahr 1929 wieder zu verlieren.
Sie ist am Ende. Das Gut ebenso wie die Fabrik mit allen Waren als Sicherheiten hinterlegt, ist alles aus. Sie hatten alles überstanden, Krieg, deutsche Revolution, Kapp-Putsch und jetzt? Soll das das Ende sein.
Wie ein rettender Engel erscheint Alex aus Amerika. Er kauft das Gut in Ostpreußen....und verschwindet wieder.

Mein zweiter Gedanke zum Buch:

In dem Maße, in dem sich Felicia zur cleveren Geschäftsfrau wandelt, in dem wird das Buch interessanter und wesentlich spannender. Felicia, das Wirtschaftswunder im Wandel der geschichtlichen Zeiten, davon kann heutzutage so mancher, zumindest was das wirtschaftliche angeht, noch was lernen.

Dass die Autorin dabei den Erzählstil nicht verlässt, ist ihrer grossen Professionalität zu verdanken und beschert uns ein Buch, das man eigentlich von der ersten bis zur letzten Seite in einem Zug lesen sollte.

Nicht nur, dass es geschichtliche Zusammenhänge der ersten dreißig Jahre des 20. Jahrhunderts darstellt, die Darstellung, die oft in trockenen Geschichtsbüchern kommt, birgt Menschen, Menschen, die das Ganze leben und erleben.

Faszination in diesem Zusammenhang als Schlagwort zu bringen, wäre falsch, es ist ganz einfach geschichtliche Lebensnähe, Spannung und ein Hauch von Liebe...ganz ohne kommt der Roman nicht aus, das schuldet er seiner Hauptfigur.

Frauenroman? Niemals, oh nein, das ist keiner der üblichen Frauenromane, wie sie oft in den Buchhandlungen liegen. Das ist ein Roman, wie er von Menschen, die an neuerer deutscher Geschichtsschreibung interessiert sind, durchaus auch gelesen werden kann. Geschichte auf Menschen übertragen - besser kann man Geschichte eigentlich nicht umsetzen und ich bewundere die Fertigkeit der Autorin, dies zu bewerkstelligen. Da steckt eine Menge Recherchetätigkeit und viel Fingerspitzengefühl, sich in zeitliche Situationen einzubringen, dahinter.


Das Buch zum letzten:

Wir schreiben den letzten Tag des Jahres 1930. Die Familie ist auf dem Gut in Ostpreußen vereint, um auf das neue Jahr anzustossen, Onkel Viktor, immer noch im eigenen Glauben Besitzer von Lulinn, stolziert in SA-Uniform durch die Gegend, die Töchter Felicias die ihre Mutter nur selten sehen, reist sie doch nach wie vor durch die Welt und versucht, Geschäfte zu organisieren, sind ebenso anwesend, wie alle Verwandten, die den Krieg und die schweren Inflationsjahre erlebten.

>>Noch einmal lächelten ihr die Toten zu; mit ihrem charakteristischen irdischen Sinn aber sah sie vor allem das Bild Alex Lombards, der ihr lachend zurief: "Lulinn von Lombards Gnaden, vergiss es nicht!" Und insgeheim trank sie ihm zu, verbunden mit dem grimmigen Versprechen, es nie zu vergessen, bis zu dem Tag, an dem sie jeder Morgen dieses Bodens wieder ihr eigen nennen könnte. Ihre Gedanken flogen in die Zukunft, denn nach allem was sie gerade gedacht hatte, wusste sie, dass dies das letzte Wort sein musste: DIE ZUKUNFT.
Sie hob ihr Glas und ein blick stillen Einverständnisses wechselte zwischen ihr und Laetitia.
"Trinken wir auf die nächste Generation", sagte sie. (2)

- Ende des Romanes -


Mein letzter Gedanke:

Mit Beenden dieses Romanes habe ich eigentlich schon zum zweiten Band "Wilde Lupinen" gegriffen, weil ich ganz einfach wissen will und muss, wie es mit Felicia weitergeht, denn auch das zweite Buch verspricht, spannend zu werden, so die Autorin mit ihrer Art, geschichtliches aufzuarbeiten, fortfährt.
Fürs erste kann ich Euch nur empfehlen, Euch bei amazon.de, bol.de oder auch ebay.de umzusehen und "Sturmzeit" zu ergattern, eines der besten Bücher, das ich in letzter Zeit die Freude hatte, in den Händen zu halten.

Das Buch:

"Sturmzeit" ist der erste Band einer Trilogie von Charlotte Link, mit 531 Seiten im Blanvalet-Verlag als Boulevard-Taschenbuch erschienen und im einschlägigen Buchhandel zu erhalten.
Die Titel von Teil 2 und 3 der Trilogie sind: "Wilde Lupinen" und "Die Stunde der Erben"

Und nun viel Spass beim Lesen :)

Anette


Quellenangaben:
(1) "Sturmzeit" Seite 11
(2) "Sturmzeit" Seite 531

Fazit: Das Fazit wartet auf die Rezension von Teil 2.

Name des Mitglieds: AnetteW

Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik