Sie sehen dich - Harlan Coben
Geheimnisse und Erpressung - Ein fast Jugendroman - Sie sehen dich - Harlan Coben Belletristik
Geheimnisse und Erpressung - Ein fast Jugendroman - Sie sehen dich - Harlan Coben Belletristik

Erhältlich in: 7 Shops

Kurzbeschreibung: Genre: Krimi / Thriller / Jahr: 2009

 
 

Geheimnisse und Erpressung - Ein fast Jugendroman

Produkt:

Sie sehen dich - Harlan Coben

Datum: 16.12.10, geändert am 22.01.12 (100 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Spannung, Nachdenkenswertes

Nachteile: relativ flache Charaktere

Harlan Coben Sie sehen dich

** Der Weg zum Buch **

Meine Frau ist nach wie vor beim Club Bertelsmann.
Zwar hat sie es mit meiner Hilfe geschafft, den Club vom Zwang der vierteljährlichen Buchbestellungen abzubringen, doch hin und wieder muss halt doch über den Club etwas gekauft werden.

Bei einem der Filialbesuche schon vor längerer Zeit gab es Sonderausgaben von verbilligten Taschenbüchern, falls man drei kaufte. 2 Titel fand ich gleich (Fantasyromane) und da das dritte somit fast kostenlos war, suchte ich mir über Cover und Inhaltsangabe auf der Rückseite ein weiteres Taschenbuch aus.
Das Cover ist nicht das der Verlage Goldmann & Co, sondern ein spezielles für Buchgemeinschaften. Auf dunklen, bräunlichen Hintergrund zeigt es das verschwommene Bild eines mutmaßlich Drogenabhängigen. Der Autorname Harlan Coben und das Genre Thriller sind in großer rötlicher Schrift, der Titel in weißer Druckbuchstabenschrift schön kontrastreich in der Mitte drüber gedruckt.

Auf der Coverrückseite ist ein kurzer Inhaltsanriss zu lesen und der Satz:
"Harlan Coben ist ein Thrillergott" Bild am Sonntag.
Warum ich dem nicht zustimmen mag, das erkläre ich in dem Fazit zum Buch.


** Der Schriftsteller **


Auf Seite 2 dieser Sonderausgabe gedruckt 2010, 447 Seiten, ungekürzte Lizenzausgabe der deutschsprachigen Ausgabe 2009 des Goldmann Verlags, offizieller Vorteilspreis 8,45 Euro, können wir folgendes lesen:

"Harlan Coben wurde 1962 in New Jersey geboren. Nach seinem Studium der Politikwissenschaft arbeitete er in der Tourismusbranche, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Seine Werke sind bislang in über 30 Sprachen übersetzt. Harlan Coben wurde als erster Autor mit allen drei wichtigen amerikanischen Krimipreisen ausgezeichnet, dem <<Edgar Award>>, dem <<Shamus Award>> und dem <<Anthony Award>>.
Harlan Coben gilt als einer der wichtigsten und erfolgreichsten Thrillerautoren seiner Generation. Er lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in New Jersey. Mehr zum Autor unter www.harlancoben.com"

Kritisch angemerkt, könnte man auch sagen, er studierte, erreichte keinen Abschluss bzw. schmiss das Studium, jobbte in der Reisebranche, bis er seine Fähigkeiten als Schriftsteller zu seinem Hauptberuf machen konnte.
Seinen Ruhm begründete er nach 2 wenig bekannten Frühwerken mit der Myron-Bolitar Reihe, zunächst 6 Bände, inzwischen auf 9 angewachsen. Seine Kritikererfolge erreichte er mit der Reihe: Kein Sterbenswort, Kein Lebenszeichen, Keine zweite Chance, Kein böser Traum und Kein Friede den Toten.

Um die positiven Kritiken besser nachvollziehen zu können, sollte man wohl diese Reihe lesen.


** Inhaltsanriss **


Der Covertext auf der Rückseite ist wie so oft leicht irreführend. Eigentlich beginnt der Roman mit der brutalen, heimtückischen Ermordung einer von ihrem Mann geschiedenen Frau, wobei man zwar erfährt, dass der Täter nebst seiner Helferin aus seinem Opfer eine für ihn wichtige Information herauspressen möchte, sein Opfer zur Vermeidung der Identifizierung nicht nur verunstaltet sondern auch neu und falsch einkleidet, aber was dieser Handlungsstrang mit dem auf der Rückseite angedeuteten Teenager Drama zu tun hat, bleibt sehr lange höchst unklar.
Dies lässt sich aber im Inhaltsanriss auch schlecht darstellen, weil damit einer beträchtlicher Teil der Spannung dem Roman entzogen würde.

Tja, was tun? Der eine Handlungsstrang beschreibt die Entführung von 2 miteinander bekannten Frauen und ihre jeweilige sehr grausame Ermordung. Sexuelle Motive liegen nicht vor. Die Mittäterin ist ein im jugoslawischen Bürgerkrieg selbst unmenschlichst traktiertes Opfer.
Der Täter ist ein Serienkiller, der allerdings zwischenzeitlich eine Art innere Ruhe gefunden hatte, bis er durch den Verlust seiner abgöttisch geliebten Frau wieder seine sadistische Veranlagung auslebt, die er jedoch einem bestimmten Versprechen, Ziel unterordnet.

Der zweite Handlungsstrang beschreibt die gegenseitige Bespitzelung innerhalb einer bzw. mehrerer Familien, die durch den Selbstmord eines Mitschülers Spencer Hill, Freund des Sohns Adam Baye, eskaliert. Jeder meint die besten Motive für seine Handlungen zu haben und doch lösen gerade einige dieser Intrigen die mörderische Eskalation (Handlungsstrang 1) aus. Andererseits verhindern auch einige dieser Bespitzelungen noch Schlimmeres.
Kurzum, es gibt genügend Opfer in diesem Thriller, aber die meisten einen ans Herz gelegten Personen werden in einem dramatischen handlungsreichen Finale vor dem Schlimmsten bewahrt.

Wer mehr wissen will, muss den Roman selbst lesen. Auch wenn ich ihn nicht für durchgehend gelungen halte, spannend bleibt er allemal.


** Gedanken zum Buch & Fazit **


Der Roman enthält einige Elemente eines Thrillers, anderseits auch viele Elemente eines Familien- oder Erziehungsromans. Wie weit dürfen Eltern gehen in dem Bestreben, ihre Kinder, Jugendliche vor Gefahren bei der Sammlung eigener Erfahrungen zu bewahren?
Wie erreiche ich am ehesten eine Vertrauensbasis, durch die ich imstande bin, Fehlentwicklungen (aus dem Blickwinkel der Eltern) zu verhindern.

Was soll, darf, kann man verhindern? Wo soll man zwar hilfsbereit jederzeit da sein, aber das eigene Ausprobieren der Kinder akzeptieren? Diese und ähnliche Fragen werden besonders von den Eltern, Mike und Tia Baye, kontrovers diskutiert.

Auch in der praktischen Konsequenz ergeben sich kaum zu lösende Widersprüche. Verblüffend, wie jedes Familienmitglied einschließlich der kleinen lieben Tochter Jill nicht nur Geheimnisse vor dem anderen hat, sondern jeder den anderen mit allen Tricks versucht auszuspionieren.

Es gibt auch hier eine vordergründige heile, liebe Welt und eine zweite, geheimgehaltene gefährliche Welt, wobei in letzter Konsequenz Offenheit und Wahrhaftigkeit aller Personen so gut wie alle Probleme gar nicht erst hätten entstehen lassen.

Faszinierend wirkte auf die Beschreibung des Einsatzes der heutigen Kommunikationstechnologien, welche zum einen das Erkunden eines anderen Menschen bis ins kleinste Detail ermöglichen, zum anderen auch das Intrigieren bis hin zum Identitätsdiebstahl zum Kinderspiel werden lassen, mit oft unabsehbaren, dramatischen Folgen.

Die einzelnen Charaktere wirken auf mich nur bedingt und zum Teil glaubwürdig. Vielleicht hat der Schriftsteller hier einfach auch zu viele Charaktere eingeführt, so dass er diese nur oberflächlich skizzierte und bei keinem wirklich stärker in die Tiefe gegangen ist.

Am deutlichsten sind hier noch die Elternteile Mike und Tia, mit Abstrichen der Lehrer Lewiston mit seiner Frau (ebenfalls Lehrerin) dargestellt. Für ein nachhaltiges Erlebnis ist mir das zu wenig, da ich ohne Entwicklung von Zuneigungen oder Abneigungen durch entsprechende Charaktereigenschaften auch keine intensiven Mitgefühle entwickle.
Daher vergebe ich insgesamt 4 Sterne und eine Empfehlung an erwachsene Leser, die einerseits spannende Thrillerunterhaltung schätzen, andererseits auch für Problemfragen empfänglich sind.

Ich werde mich mal der Reihe "Kein ..." zuwenden, um zu erfahren, ob der Autor noch Besseres zu bieten hat.

Fazit: Eine Empfehlung an erwachsene Leser, die spannende Thrillerunterhaltung und Problemfragen schätzen

Name des Mitglieds: vwende222