Schlampen im Schlafsack - Iris Bahr
Iris Bahr - Schlampen im Schlafsack - Schlampen im Schlafsack - Iris Bahr Belletristik
Iris Bahr - Schlampen im Schlafsack - Schlampen im Schlafsack - Iris Bahr Belletristik

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Kurzbeschreibung: Genre: Reise / Jahr: 2010 / Auf der Moomlatz-Route durch Südamerika

 
 

Iris Bahr - Schlampen im Schlafsack

Produkt:

Schlampen im Schlafsack - Iris Bahr

Datum: 06.08.10, geändert am 11.08.10 (85 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Stellenweise ein recht witziges Buch, offen und direkt. Nette Unterhaltung.

Nachteile: Nicht für "prüde" Leser(innen) geeignet, eigentlich auch zu teuer.

Allgemein:
ISBN: 978-3-89029-758-3
Verlag: Malik
Format: "Premium"-Taschenbuch
Preis: 16,95 Euro
Seiten: 277
Die Autorin: Iris Bahr - geboren in der New Yorker Bronx, zog mit 12 Jahren mit ihrer Mutter nach Israel. Zum Studium kehrte sie in die USA zurück und absolvierte eine Schauspielausbildung in New York. Seit 2000 ist sie regelmäßig in TV-Rollen zu sehen (»King of Queens«, »Friends«). Mit ihrem preisgekrönten Comedy-Soloprogramm »Dai« trat sie bereits am Broadway und vor den Vereinten Nationen auf.

Über das Buch:

Iris geht, nach ihrem zweijährigen Wehrdienst in Israel, zum Studium an eine Elite-Universität in Neuengland. Allerdings ist es dort anders als sie es sich vorgestellt hat, die Studenten sind alle jünger als sie (die mussten auch keinen Wehrdienst ableisten), Freunde findet sie kaum, da sie zu den sich bildenden Grüppchen (reich, Hippie, farbig, etc.) nicht passt und auch beziehungstechnisch läuft es gar nicht so gut wie sie sich das vorher bildreich ausgemalt hat. 
Nach dem ersten Semester beschließt sie mit ihrer ehemaligen Schulfreundin Talia eine Rucksacktour durch Südamerika zu machen um dort das zu finden, was ihr Neuengland bisher verwehrt hat - Spaß, Abenteuer, willige Sexpartner und eventuell auch Mr. Right.

Meine Meinung:

"Schlampen im Schlafsack" ist der Nachfolgeroman von Moomlatz - oder wie ich in Asien versuchte meine Unschuld zu verlieren. Dieses Buch habe ich nicht gelesen, ich denke auch nicht, dass es ein unbedingtes "muss" ist um den Nachfolgeroman zu verstehen.
Beide Bücher beruhen (angeblich) auf Tatsachen und sollen autobiographisch sein.
Der Titel und auch die Gestaltung des Covers weisen schon den richtigen Weg, wer kein offenes Wort in Bezug auf Sexualität verträgt, sollte die Finger von dem Buch lassen. Allerdings handelt es sich hier auch nicht um ein (meiner Meinung nach) absolut widerwärtiges Buch ala "Feuchtgebiete", das Dinge beschreibt von denen der Leser vorher noch nicht einmal wußte, dass er sie nicht wissen will. Im großen und ganzen ist die Ausdrucksweise zwar etwas umgangssprachlich direkt und offen aber nicht so vulgär, dass man (als aufgeklärter und wenig verklemmter Leser) das Buch angeekelt weglegen muss.

Der Stil, in dem das Buch geschrieben ist erinnert etwas an einen Schlag Mensch, den der eine oder andere sicherlich auch aus seinem Freundes- oder Bekanntenkreis kennt - die die ununterbrochen quasseln, vom Hundertsten ins Tausendste abschweifen, abstruse Gedankengänge haben und irrwitzige Verbindungen zwischen Banalitäten knüpfen, die man nicht wirklich als sinnvoll nachvollziehen kann, meist paart sich das ganze noch mit einem Hang dazu (wie auch hier) jegliche Peinlichkeit zu erwähnen. Das ist zumindest meist ganz lustig.

Das Buch war einfach zu lesen, trotz teilweise ziemlich verschachtelter Nebensatzkonstruktionen und war leichte Unterhaltung.
Für das vordergründige Thema halte ich im Buch allerdings weder die Reise noch Sex sondern die Entwicklung von einer neurosengeplagten und beziehungsgestörten Frau, auf dem Weg zur (ansatzweisen) Selbsterkenntnis, dem Erkennen von Werten, Aufarbeitung von Traumen und zu ihrem (beginnenden) Erwachsenwerden.

Meiner Meinung nach war trotzdem von vielem zu wenig da - für eine Reisebeschreibung, bzw. ein Buch, dass sich primär um eine Tour durch Südamerika dreht, wurde die Reise zu wenig und zu oberflächlich beschrieben. Für eine Entwicklungsgeschichte gab es (viel) zu wenig Tiefe. Für ein, wie angekündigt "schamloses Buch" war es (prinzipiell) nicht schamlos genug und besonders viele Partnerwechsel gab es auch nicht, also es ging nicht nur um "das eine", sondern eher um die Aufarbeitung von diversen Kindheitstraumen. Für ein Buch das "vor Witz sprühen sollte", war es zwar stellenweise durchaus lustig, hatte aber auch einige Längen. Für das Verständnis manchen Witzes ist es auch sinnvoll, wenn der Leser eine gewisse Kenntnis von jüdischer/ (insb. jüd. orthodoxer) Kultur hat.

Insgesamt war es mir mit 270 Seiten auch irgendwie insgesamt zu wenig (und prinzipiell für fast 17 Euro auch etwas zu teuer). Da wäre noch einiges an Spielraum gewesen für Reiseeindrücke, für etwas detailiierte Charakterisierung der Mitreisenden oder etwas mehr aus Iris Vergangenheit, nicht nur einzelne Anekdoten aus der Familiengeschichte, um dieses oder jenes Trauma zu erklären.

Fazit: Eine netter, wenn auch recht oberflächlicher Reisebericht, etwas schamlos und leichte Unterhaltung.

Name des Mitglieds: stahlfixx