
Kurzbeschreibung: 1996, Heyne Wilhelm Verlag
Der Alptraum einer jeden Frau
Produkt:
Rose Madder (King, Stephen)
Datum: 03.02.12
Bewertung:
Vorteile: Mittelteil, Protagonisten, Ide
Nachteile: Mystery
==Der Alptraum einer jeden Frau==
Hallo lieber Leser, liebe Leserin.
Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, welches ich Heiligabend angefangen und dann nur schwer aus der Hand legen konnte. "Das Bild Rose Madder" von Stephen King hatte ich mir schon vor einigen Monaten bei einer Tauschbörse ertauscht, aber erst einmal ganz hinten im Regal verschwinden lassen. Nun hatte es mein Mann ausgewählt, und dementsprechend musste ich es lesen.
»Alles in allem waren es vierzehn Jahre in der Hölle, aber das bekam sie kaum mit. Den größten Teil dieser Jahre verbrachte sie in einer so tiefen Benommenheit daß sie dem Tode gleichkam, und mehr als einmal war sie fast überzeugt davon, daß sich ihr Leben so gar nicht abspielte, daß sie eines Tages erwachen, gähnen und sich strecken würde - so hübsch wie die Heldin eines Zeichentrickfilms von Walt Disney.« (Zitat S. 7)
Dieses Zitat stammt aus den ersten Zeilen des Buches, und zeigt schon, worauf der Leser hoffen kann. Spannung, Urängste und Emotionen, die es in sich haben. Stephen King ist absolut eine Frage des Geschmacks. Wer jedoch meine Meinung hören möchte, darf gerne weiterlesen.
===Zitierter Klappentext===
Nach 14 Jahren Ehehölle bringt Rosie Daniels endlich die Kraft auf, vor ihrem brutalen Mann zu fliehen. Doch der ist ein rachelüsterner Cop und ihr dicht auf den Fersen ..
===Sarahs Meinung===
Der Leser wird in die Welt von Rosie entführt. 14 Jahre erträgt sie die brutalen Schikanen ihres Ehemannes. Bisswunden, die verursachte Fehlgeburt, die Rippe in der Lunge und vieles mehr. Irgendwann kommt jedoch der Punkt, an dem sie keine Kraft und Lust mehr hat. Es ist der Tag, an dem Rosie Richtig erscheint, denn Rosie handelt zum ersten Mal richtig - sie haut ab. Doch Norman ihr Mann kann dies nicht zu lassen. Als Polizist verfügt er über genügend Kenntnisse einen verschwundenen Menschen zu finden. Rosie kommt indessen in einem Frauenhaus unter, findet einen Job, verliebt sich in einen liebevollen Mann, spürt jedoch täglich den näher kommenden Atem ihres Mannes. Bis sie eines Tages die Gewissheit hat, dass er sie gefunden hat. Ein Kampf ums nackte Überleben beginnt nicht nur für Rosie.
Eigentlich mag ich solche Themen gerne lesen. Gewalt in der Ehe / Familie ist kein seltenes Thema und wenn einmal davon absieht, dass der Ehemann in diesem Fall wieder ein Polizist ist, erwartete ich extrem hohe Spannung. Doch dieses Thema von Stephen King, da fragte ich mich schon, wie er es wohl umsetzen würde.
Zu Beginn wird der Leser mit der Situation von Rosie ausführlich vertraut gemacht. Ihr Alltag mit den zahlreichen "Highlights" wird ausführlich beschrieben, sodass es manchen Leser schon hier an die Nieren gehen wird, was nicht nur an der verursachten Fehlgeburt liegt. Warum Rosie nicht abhaut? Tja, die Realität sieht genauso aus. Aus diesem Grund ist der Leser sofort auf ihrer Seite und fiebert während der gesamten dramatischen Stunden ihrer Flucht mit. Die Erleichterung, als diese gelingt, ist jedoch nicht von langer Dauer, denn ihr Mann ist ihr dicht auf den Fersen. Dadurch ist der Leser jedoch so sehr gefesselt, dass man die zahlreiche, teilweise wirren Gedankengänge, die am Anfang auf jeder Seite kursiv hervorgehoben werden, in Kauf nimmt. Auch wenn ich mich ab und an gefragt habe, ob die Frau nicht einen an der Klatsche hat. Wobei, diese ist nach 14 Jahren Hölle, sicherlich verständlich und nachvollziehbar sind. Es sind halt komische Gedankengänge, wo sie sich Rosie Richtig nennt, und das wirkt eben etwas wirr.
Im Verlauf des Buches wird es immer spannender, aber teilweise auch richtig pervers, wenn man immer neue Details über ihren Mann erfährt. Ab einem gewissen Punkt, macht er sich auf die Suche nach seiner Frau, und erfährt diese Suche aus seiner Sicht. Um es für den Leser übersichtlich zu gestalten, ist auch dieser Teil stets in kursiver Schrift hervorgehoben. Die Gedanken und Handlungen dieses Mannes sind nichts für schwache Nerven. Zum Beispiel beißt er einem anderen Mann sein Geschlechtsteil ab. Aber auch sonst sind die Schilderungen teilweise sehr ekelerregend, wenn sich zum Beispiel eine Frau wehrt, indem sie sich auf sein Gesicht setzt und ihn ins Gesicht pinkelt. Dies sind nur zwei der extremen Beispiele, die in meinen Augen jedoch typisch für King sind.
Typisch für King ist jedoch auch eine Wendung oder der Hang zum Übernatürlichen. In manchen Werken interessant, aber manchmal auf total unpassend, wie in diesem Fall. Statt diesen Psychothriller auf realistische Art aufzubauen und enden zu lassen, baut er in der Mitte des Buches ein Bild ein. Und damit begann der langsame Einstieg in die mystische Welt. Meines Erachtens völlig unpassend. Es nahm dem Buch sämtliche Spannung und ließ es irgendwie unrealistisch und übertrieben erschienen. Statt eines actionreichen Schlusses, wird man in die Fantasie-Welt von Rose Madders entführt, und erlebt einen mystischen Abschluss. Ich persönlich hätte mir hier lieber einen realistischeren und greifbareren Ausgang gewünscht.
Im Grunde besticht die Geschichte lediglich durch einen gelungenen Ansatz und einen extrem starken Mittelteil. Wobei sicherlich nur Frauen so denken. Männer werden von diesem Buch sicherlich vorab schon abgeschreckt werden, denn der sadistische Protagonist und die Protagonistin, die zur starken Persönlichkeit heranwächst, ist nicht unbedingt ein Männerthema.
Die Protagonisten selbst sind lebendig, verständlich und menschlich. Es gibt sicherlich einige, die die Handlungen und Gedanken sowohl von Norman, als auch Rosie nicht nachvollziehen können, aber jeder, der selbst Gewalt in der Familie kennengelernt hat, wird wissen, dass diese Rollen und Verhalten typisch sind. Aus diesem Verhalten auszubrechen ist wahnsinnig schwer, sodass ich es bemerkenswert finde, wie gut der Autor alles beschreibt. King hat sich hier eine Menge Gedanken gemacht, erstklassig recherchiert und nicht untertrieben. Daher finde ich es ja so schade, dass zum Schluss die erstklassigen Charaktere durch den Fantasy-Abschluss ins Lächerliche gezogen werden.
Auch seine sonstigen Beschreibungen können durch den detaillierten Stil bestehen. Man sieht alles direkt vor seinem Auge. Schauplätze, Dinge und Handlungen sind greifbar. Theoretisch ein erstklassiger Psychothriller den ich Stephen King ehrlich gesagt nie zugetraut hätte, da ich sonst nur Horror-Romane aus seiner Feder kenne und liebe.
Im Großen und Ganzen hat mich King auch hier überzeugt. Lediglich der Ausgang des Buches, und der Mystery-Anteil passt mir persönlich nicht. Es ist eine Frage des Geschmacks, aber ich hätte es besser gefunden, wenn er hier mehr Wert auf einen realistischen Schluss wert gelegt hätte. Trotzdem kann ich das Werk ohne wenn und aber empfehlen.
===Sarahs Fazit===
"Das Bild" ist ein Psychothriller aus der Feder von Stephen King. Er brilliert durch einen starken, leicht perversen und spannenden Mittelteil, der den Leser den Atem anhalten lässt. Geschmälert wird das Lesevergnügen durch einen Hauch Mystery. Ich vergebe vier Sterne.
Pro: Mittelteil, Protagonisten, Idee
Contra: Mystery
Empfehlung: Definitiv
===Buchdaten===
Autor: Stephen King
Titel: Das Bild
Originaltitel: Rose Madder
Verlag: Heyne
Erschienen: 1995
ISBN-10: 3453090780
ISBN-13: 9783453090781
Seiten: 587
Kosten: 1,00Euro
===Leseinformationen===
Genre: Horror
Niveau: durchschnittlich
Leserschaft: Erwachsene
Lesedauer: 3 Tage
===Autor/in===
Stephen King wurde 1947 in Portland, Maine, geboren. Er war zunächst als Englischlehrer tätig, bevor ihm 1973 mit seinem ersten Roman 'Carrie' der Durchbruch gelang. Seither hat er mehr als 30 Romane geschrieben und über 100 Kurzgeschichten verfasst und gilt als einer der erfolgreichsten Schriftsteller weltweit. (Quelle: Amazon.de)
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Fazit: Unbedingt lesen
Name des Mitglieds: CyberQueeny

