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Kurzbeschreibung: Genre: Erotik / Das erotische Tagebuch - Der Bestseller aus Italien
Lesen mit geschlossenen Augen?!
Produkt:
Mit geschlossenen Augen - Melissa P.
Datum: 23.08.10, geändert am 22.09.11 (162 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: siehe Testbericht
Nachteile: siehe Testbericht
Liebe Leser und Leserinnen,
schön, dass ihr euch hierher verirrt habt. Ich freue mich über jede Lesung, Bewertung und jedes Kommentar!
--- Einleitung ---
Es war auf einer Zugfahrt nach Berlin, in einem ICE. Das Fräulein dachte sich, dass sie sich was zu lesen mitnehmen sollte. Und das tat sie dann auch. Zuhause durchforstete sie das Regal mit den Büchern, die sie noch nicht gelesen hatte und war sich gar nicht sicher, welches Buch weder zu dick noch zu dünn war. Dann jedoch entschied sie sich für "Mit geschlossenen Augen" von Melissa P.
--- Wege zum Buch ---
Dieses Buch hatte sie von einer Bekannten bekommen, einfach so. Bezahlt hat sie also nichts. Geschenke bekommt sie sowieso immer, vor allem, wenn es sich um Bücher oder Gutscheine handelt. Klamotten muss man ja leider vorher einmal anprobieren. Das Buch gibt es noch im Handel und kann somit also ohne Probleme bei Interesse beschaffen werden.
--- Inhalt ---
Melissa P. ist noch jung, als sie ihre ersten sexuellen Erfahrungen macht. Mit vierzehn blässt sie zum ersten Mal einem Jungen einen und da beginnt es. Ihre sexuellen Erfahrungen kommen ins Rollen und lassen sich quasi nicht mehr stoppen. Auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit tut sie so ziemlich alles, was ein Mann von ihr verlangt, oder auch mehrere auf einmal. Doch ihre Sehnsucht scheint nicht gestillt werden zu können. Sie setzt sich freiwillig immer mehr Demütigungen aus und glaubt, dass sie so den Weg zur Liebe finden kann.
--- Fakten ---
Preis: 7,95 Euro
Erschienen: Juli 2004
Seiten: 160 Seiten
Autor: Melissa P.
Verlag: Wilhelm Goldmann
ISBN: 3-442-45765-3
--- Meine Meinung ---
Wer meine Bücherbewertungen ein wenig verfolgt oder andere gelesen hat, wird feststellen: Mein Geschmack ist ziemlich groß und lässt sich nicht einfach mit zwei, drei Wörtern abhandeln. Wie beim Film probiere ich gerne mal Neues aus, auch neue Genre und würde mich deswegen schon als sehr offener und auch spontaner Mensch bezeichnen. Aber bei diesem Buch musste ich merken, dass Offenheit nicht ohne Grenzen sein kann. Auch wenn das unlogisch klingt, weil offen und Grenzen Gegensätze sind, so muss man einsehen, dass irgendwie alles seine Grenzen hat. Lange Rede, kurzer Sinn. Bei diesem Buch war dann also folglich meine Grenze erreicht.
Das Buch mag für einige schon beim ersten Anriss des Inhaltes nicht sonderlich interessant vorkommen, mir kam es schon interessant vor. Hey, mit vierzehn, was kann man da schon für Erfahrungen gesammelt haben? Außerdem war das Buch nach dem Erscheinen eine ganze Weile in den Medien, was ja auch dafür spricht, dass es für einigen Diskussionsstoff gesorgt hat. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mich kaum noch an das erinnern kann, was damals geschrieben wurde. Egal, das Buch wurde im ICE verschlungen und zwar allein auf dem Rückweg. Ich schätze, dass ich gerade einmal zwei Stunden, wenn überhaupt, gelesen habe. Zwischendurch habe ich einige Lesepausen eingelegt, denn das Buch ist einfach der Hammer. Und das meine ich nicht einmal positiv, sondern durchaus negativ.
An Abartigkeit und Ekel übertrifft es ziemlich alles, was ich bis jetzt gelesen habe. Ich fand das Buch schon ziemlich menschenentwürdigend. Und besonders frauenentwürdigend. Wie kann man als vierzehnjähriges Mädchen denn glauben, dass Liebe sich über Sex definiert? Ich würde niemals bestreiten wollten, dass Sexualität eine Rolle in einer Liebesbeziehung spielt, auch will ich nicht bestreiten, dass es manchen enorm wichtig ist. Aber was ich definitiv bestreiten will, ist, dass Sex das einzig Wichtige in einer Beziehung ist. Man kann mit Sex nicht die Qualität einer Beziehung messen. Eigentlich denke ich auch, dass man sich das mit vierzehn Jahren bewusst sein sollte. Man muss vielleicht nicht, aber es wäre eigentlich normal, zumindest meiner Meinung nach. Melissa hingegen scheint aber alles, was mit Liebe und Sex zu tun hat, anders zu sehen und ganz ehrlich: ich frage mich wieso. Man erfährt allerdings nichts von ihren Eltern und ich kann mir nicht zusammenreimen, wieso Melissa glaubt, dass man die Liebe nur durch Sex und Sexualität richtig entfachen kann. Ich bin da ganz anderer Meinung. Und ich war es interessanterweise auch immer. Irgendwie scheint das bei den heutigen Jugendlichen, zu denen ich eigentlich ja sogar gehöre, aber relativ normal zu sein. Man hat Sex und entdeckt danach erst, ob man zusammenpasst oder nicht. Nein Danke, ekelhaft war dieses Buch auf jeden Fall an relativ vielen Stellen.
Enttäuscht war ich von Melissa aber sowieso. Nicht nur was ihre Einstellung zu Liebe und Sex anbelangt, sondern auch, wie gefühllos sie Gefühle rüberbringen kann. Das Buch hat mich nicht richtig emotional gepackt. Anfangs erzählt sie noch relativ aufgewühlt von ihren neuen sexuellen Erfahrungen, von Ekel und Neugier, später scheint sie schon abgehärtet, etwas monoton. Klar, so etwas kann man erwarten und sollte man vielleicht auch. Da spielt wohl Gewohnheit eine große Rolle, trotzdem ist es doch jedes Mal was anderes. Ein neuer Partner fürs Bett hätte auch etwas Neues im Buch geben können. Klar, man kann sie jetzt verteidigen und sagen: hey, das ist ein Tagebuch und kein geplanter Roman, trotzdem finde ich, wenn man etwas veröffentlicht, sollte es authentisch und trotzdem interessant bleiben.
Die "Handlung", wenn man sie denn so nennen darf, ist auch sehr bescheiden. Eigentlich läuft alles ein wenig nach Schema X ab. Melissa lernt, wie auch immer, einen Mann kennen, wird mit ihm intim, lässt sich das gefallen, vielleicht findet sie es zu anfangs sogar interessant, ihr Interesse flacht ab, sie sagt dazu aber nichts und lässt es weiter über sich ergehen. Letzten Endes ist es immer wieder das Selbe. Klar, das Leben einer Schülerin kann monoton sein, wenn ich aber überlege, dass man sich immer vorstellt, dass wechselnde Sexpartner eigentlich Monotonie im Leben auslöschen müssten, denke ich nur: oh je. Außerdem ist es für ein Buch natürlich nicht gerade aufbauend immer und immer wieder das Selbe zu berichten. Leser wird man so nicht lange halten.
Wieso ich es dann zu Ende gelesen habe und dann noch so fix? Na ja, lang ist das Buch ja nicht gerade. Viele Seiten nimmt es nicht weg und die Wortwahl ist nun nicht exklusiv und faszinierend. Eigentlich ist es deswegen auch wirklich ein Buch, dass man sehr schnell durchlesen kann, weil es einfach nichts gibt, was einen wirklich zum Nachdenken bringt. Meine Pausen sind darin begründet, dass mich die Monotonie angeödet und weil ich die Schilderungen der Handlungen, die recht detailliert sind, schon irgendwie ekelhaft fand, weil sie meistens oder sogar immer erniedrigend waren. Wer braucht denn so was? Wer gerne nachdenkt und es philosophisch hat, dem empfehle ich gerne ein anderes Buch. Hiermit ist man nicht gut bedient. Man kann es sich ja mal leihen. Ich bin sehr froh, dass ich es nicht gekauft habe. Es nimmt umsonst Platz weg und sollte verbannt werden. Ich habe es jedenfalls gemacht.
Das Ende fand ich dann persönlich verfälscht und irgendwie unecht. Es hat gar nicht zum Rest des Buches gepasst und war mir zu aufgesetzt und falsch. Wenn ich schon ein Buch lese, dass davon handelt, dass das Leben irgendwo sexistisch ist und Liebe nur durch Sex gewonnen werden kann, dann will ich auch, dass es bis zum Ende einigermaßen linientreu bleibt. Wenn es dann aber plötzlich von schwarzer Welt auf Wattewolken umsteigt, dann sage ich auch nur: Danke, veräppeln kann ich mich selbst auch noch bestens. Das lohnt sich für mich dann wirklich nicht. Wenn ich ein Ende lese, dann soll die Sache passen. Sie soll abrunden, sie soll erweitern. Sie muss passen. Hier passt sie nicht. Gar nicht. Nicht ein bisschen.
Insgesamt muss ich von dem Kauf des Buches "Mit geschlossenen Augen" ganz dringend abraten. Es lohnt sich einfach nicht. Wenn ich mir ein Buch kaufe, dann will ich es mir auch noch ein zweites und drittes Mal durchlesen können. Hier will und kann ich es aber nicht. Es ist ein gutes Leihbuch. Na ja, je nach dem, was man als gut empfindet. Jedenfalls ist es als Leihbuch angemessener als als Buch, das man sich im Handel kauft. Verschenken würde ich es auch nicht. Für meinen Freund war es übrigens auch nichts. Es liegt also nicht daran, dass ich eine Frau bin. Auch mein Freund fand das Buch ganz furchtbar und ekelhaft entwürdigend. Er ist sonst doch ziemlich nett - auch zu schlechteren Büchern - das hier hat aber auch nicht wirklich einen guten Ton von ihm bekommen. Insofern gebe ich noch gerade so einen Stern, weil man bei einem Tagebuch natürlich trotzdem schlecht sagen kann, dass es nicht authentisch ist. Und man muss ja auch Mut haben, wenn man sein Tagebuch veröffentlich. Ich würde das echt nicht wollen! An ihrer Stelle hätte sie es auch nicht machen sollen...
--- Fazit ---
Enttäuschung auf ganzer Linie. Vielleicht ist nicht jedes Tagebuch so toll wie das der Anne Frank und sollte deswegen auch nicht veröffentlicht werden...
Liebe Grüße,
Cicila
Fazit: Enttäuschung auf ganzer Linie. Vielleicht ist nicht jedes Tagebuch so toll wie das der Anne Frank un
Name des Mitglieds: Cicila
Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik


25.11.11
Toller Bericht!