

Kurzbeschreibung: Genre: Krimi / Thriller / Jahr: 2002
Hier irrte Scotland Yard
Produkt:
Melissa - Francis Durbridge
Datum: 15.02.12
Bewertung:
Vorteile: Recht spannend, leicht zu lesen
Nachteile: Mörder auch am Ende schwer zu erraten, zu flapsig
Zur Gliederung:
1) Produktfakten
2) Der Autor
3) Inhalt
4) Bewertung
5) Fazit
1) Produktfakten:
Ausgabe: 2002, Goldmann
Seiten: 152
ISBN: 9783442030736
Preis: 8 Euro
2) Der Autor:
Francis Durbridge wurde 1912 in Yorkshire geboren und starb 1998 in London. Schon früh wendete er sich dem Schreiben zu und verfasste Bühnenstücke. Besonders bekannt ist er als Hörspielautor. Viele der Radiohörspiele erscheinen später auch als Romane. In Deutschland sind vor allem seine Krimis um Paul Temple bekannt sowie die Verfilmungen seiner Hörspiele und Romane, die als mehrteilige "Straßenfeger" liefen.
3) Inhalt:
Guy Foster ist ein junger, britischer Journalist, der sich recht erfolglos als Autor versucht. Seit drei Jahren ist er mit der schönen, aber charakterlich nicht einfachen Melissa verheiratet. Eines Abends begleitet Melissa die gemeinsamen Freunde Paula und Felix auf eine Party, während Guy zuhause schreibt. Später bekommt er einen Anruf von Melissa, die ihn um ihre vergessene Handtasche bittet.
Als Guy mit der Handtasche beim Treffpunkt erscheint, ist von Melissa nichts zu sehen - stattdessen aber die Polizei. Eine erwürgte Frauenleiche wurde gerade aufgefunden - und zwar Melissa. Guy ist fassungslos. Doch es kommt noch schlimmer, als er für die Polizei zum Hauptverdächtigen wird.
Plötzlich scheint alles darauf hinzudeuten, dass Guy und Melissa Eheprobleme hatten. Ein Guy unbekannter Psychiater behauptet, er sei bei ihm wegen starker Eifersucht in Behandlung gewesen. So sehr Guy auch seine Unschuld beteuert und sich als Opfer einer Verschwörung sieht, die Schlinge zieht sich immer weiter zu. Dazu kommen rätselhafte Briefe an ihn, die anscheinend von der toten Melissa stammen und er erfährt, dass sie ein heimliches Vermögen aus dubioser Herkunft besaß. Schließlich wird eine weitere Frau erwürgt, die mit Melissa in Verbindung steht - und erneut hat Guy kein Alibi ...
4) Bewertung:
Die Ausgangslage des Krimis erinnert stark an Hitchcock-Szenarien, auch wenn deren Qualität nicht ganz erreicht wird. Dass bei einer toten Frau der Ehemann zum Hauptverdächtigen wird, ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Bei Guy aber ist rasch klar, dass irgendjemand alles tut, um ihm den Mord anzuhängen - und das anfangs auch mit durchschlagendem Erfolg, denn es spricht so ziemlich alles gegen Guy. Ein Alibi kann er nicht bieten, denn er hat allein zuhause an seinem Buch geschrieben. Schlimmer ist aber noch, dass niemand den Anruf bezeugen kann, mit dem Melissa ihn zum Treffpunkt gebeten hat.
Äußerst prekär ist dann die Aussage des Psychiaters Dr. Swanson, dass Guy wegen seiner unkontrollierbaren Eifersucht in Therapie war. Er kann nicht nur die Patientenakte vorlegen, auch seine Helferin bestätigt, Guy als Patienten der Praxis zu kennen. Und schließlich erklärt auch noch Guys Freund, der Rennfahrer Don Page, dass er ihm Dr. Swanson empfohlen habe. Guy weiß schon bald nicht mehr, wem er noch trauen kann oder ob er selbst vielleicht unzurechnungsfähig geworden ist. Bleibt ihm noch das befreundete Ehepaar Paula und Felix, mit dem Melissa kurz vor ihrem Tod auf die Party ging. Die beiden stehen offiziell weiterhin zu Guy und dennoch ist er nicht sicher, ob er ihnen wirklich trauen kann. Es stellt sich heraus, dass Felix bei Melissa Schulden hatte und Paula verhält sich auch merkwürdig. Die Handlung erhält zusätzliche Brisanz, als Guy einen Brief von Melissa findet, der ihn auf die Spur der Familie Antrobus in Elvingdale führt - doch als er den Brief später dem Inspektor zeigt, ist der Inhalt plötzlich leicht verändert und der Name Antrobus fehlt völlig. Es liegt nah zu vermuten, dass jemand aus Guys Freundeskreis in die dubiose Geschichte verwickelt ist und das macht die Handlung besonders reizvoll. Eine recht gelungene Nebenfigur ist zudem Inspektor Cameron, der durch seinen trockenen Humor zwischendurch für amüsante Momente sorgt. Er hält Guy zwar anfangs auch für schuldig, doch nach und nach wird aus ihm ein Vertrauter, der allerdings handfeste Beweise für Guys Unschuld braucht.
Dennoch hat der Krimi einige Schwächen und ist daher kein Highlight des Genres. Das größte Problem ist sicherlich der Schluss - der Name des wahren Mörders wird nämlich nicht verraten. Wer keine der Verfilmungen kennt, ist hier womöglich erst einmal ratlos. Das heißt nicht, dass man nicht darauf kommen kann, wer derjenige ist, mit dem es am Ende zu einem Showdown kommt. Es gibt einen kleinen Hinweis, eine Formulierung, die der Mörder von sich gibt, die er im Verlauf des Buches mehrmals benutzt hat - und wer aufmerksam gelesen hat, kann seine Identität dann zuordnen. Trotzdem ist es ein ziemliches Wagnis und aus der Sicht vieler Leser sicher auch recht dreist, den Mörder nicht beim Namen zu nennen und darauf zu bauen, dass man aus einer kurzen Bemerkung, die nicht sonderlich einprägsam ist, sofort auf seine Person schließen kann. Überhaupt kommt das Ende sehr knapp daher, ein paar zusätzliche Seiten hätten nicht geschadet. Auch ist das Mordmotiv nicht besonders ausgefeilt und ein paar weitere Erläuterungen dazu hätten nicht geschadet. Etwas zu übertrieben ist teilweise der Humor des Protagonisten und Ich-Erzählers. Einerseits ist es manchmal zwar ziemlich witzig, wenn Guy sein Schicksal mit Galgenhumor und Selbstironie nimmt. Andererseits ist das oft angesichts seiner doch sehr dramatischen Lage unpassend. Wirkliche Trauer über den Tod seiner Frau ist nie zu merken und auch dass er der Hauptverdächtige in bald zwei Mordfällen ist, hält ihn nicht von flapsigen Bemerkungen und Gedanken ab, was der Handlung doch einiges von ihrer Dramatik nimmt. Ein kleinen Logikfehler gibt es auch: Guy begegnet einmal jemandem, der sich als eine andere person ausgibt, worauf Guy auch hereinfällt, da er diese Person bislang nur vom Namen her kannte. Allerdings hatte er kurz zuvor eine Beschreibung dieser Person erhalten, sodass ihm eigentlich bei der Begegnung mit dem Fremden klar sein müsste, dass dies nicht die Person sein kann, für die sie sich ausgibt.
5) Fazit:
Ein grundsätzlich lesenswerter Krimi mit einer spannenden Ausgangslage und einem bis zum Schluss ungewissen Ausgang. Ein bisschen problematisch ist das teilweise zu harmlose und unbekümmerte Verhalten des Hauptverdächtigen und der Leser muss sehr genau lesen, um am Ende zu verstehen, wer der Täter ist. Eine Empfehlung und drei Sterne, aber eher für ausgesprochene Krimifreunde, die eine belanglose Lektüre für zwischendurch suchen.
Fazit: Ganz okay.
Name des Mitglieds: Miss_Piper


22.02.12
Ein Klasse Bericht - Liebe Grüße Niki :)