Mein irisches Tagebuch (Giordano, Ralph)
.oO0Oo. Mein irisches Tagebuch - Ein Muss für Irlandfans! .oO0Oo. - Mein irisches Tagebuch (Giordano, Ralph) Belletristik

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Kurzbeschreibung: Herausgeber: Dtv / Die Iren sind anders. So gegensätzlich wie die Landschaften der grünen Insel sich darstellen - felsig und schroff wie lieblich und grün -, so vereint auch der irische Volkscharakter Extreme, Melancholie und Toleranz mit Exzeß und ... mehr

Mein irisches Tagebuch (Giordano, Ralph) ... unversöhnlichem Haß. Fünf Monate durchstreift Ralph Giordano nahezu jede Region der Insel, sucht überall das Gespräch mit Menschen, gerät zwischen die Fronten des Nordirland-Konflikts, folgt den Spuren irischer Dichter und natürlich auch denen Heinrich Bölls und ist immer wieder überwältigt von der ebenso großartigen wie idyllischen Schönheit der grünen Insel. Die wunderbar farbigen und poetischen Bilder, mit denen er dem Leser ihren Reiz vermittelt, bleiben unvergeßlich. Aber die Begegnungen mit den oft recht eigenwilligen Menschen - von Giordano mit großer Einfühlung und Wärme geschildert - sind es, die dieses Buch zu einer Liebeserklärung an Irland werden lassen und im Leser den Wunsch wecken, dieses in seiner Gegensätzlichkeit so unbegreifliche Land kennenzulernen.

 
 

.oO0Oo. Mein irisches Tagebuch - Ein Muss für Irlandfans! .oO0Oo.

Produkt:

Mein irisches Tagebuch (Giordano, Ralph)

Datum: 18.10.06

Bewertung:

Vorteile: Gechichte, Leute, Politisches, Natur schön beschrieben

Nachteile: teilweise muss man sehr konzentriert lesen

Die letzten Tage wurde ich immer wieder von einem Buch gefesselt, das über mein Lieblingsland Irland handelt.
Stundenlang konnte ich mich in

##### Mein irisches Tagebuch #####

von Ralph Giordano vertiefen und in die Welt meiner grünen irischen Insel eintauchen.


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Der Autor
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Ralph Giordano wurde am 20. März (huch genau wie ich) allerdings schon 1923 in Hamburg als Sohn einer jüdischen Mutter in einer Musikerfamilie auf.
Aufgrund der Naziverfolgungen musste er 1940 die Schule verlassen und Aufgrund mehrerer Gestapo Besuche tauchte die Familie dann in Hamburg unter.
Er wurde später Journalist und Fernsehdokumentarist.


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Das Buch
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Meine Ausgabe des irischen Tagebuches ist im dtv Verlag unter der ISBN Nr.: 3-423-36110-7 erschienen, hat 432 Seiten und kostet 10 €.
Die Vorderseite ziert ein 80er Jahre Bild von einem Haus mit Feldern und Schafen, im Hintergrund Inseln der (ich vermute) Skellig Inselgruppe.


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Assoziation mit Bölls Irischem Tagebuch
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Ralph Giordano hat natürlich das Werk von Heinrich Böll gelesen und ihn sogar persönlich gekannt, jedoch stellt der Titel lediglich ein "Honneurs", wie er es selber betitelt, an das Werk Bölls dar. Durch die Inhalte in dem ersteren Tagebuch sah sich Giordano angestoßen, nach einigen Jahren der Berichterstattung noch mal nach Irland zurückzukehren und ein persönliches Werk zu schaffen.


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Der Inhalt
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1996 reist der Autor für 5 Monate durch Irland und gliedert sein Buch in grobe 5 Kapitel.
Grob daher, da er sich nicht an stupide Aufbauten hält, sondern alle Kapitel vom Inhalt her bunt durcheinander würfelt.
So reihen sich historische Themen an Landschaftsbeschreibungen, Kapitel über Persönlichkeiten und politischen Themen, bis hin zu Feierlichkeiten und dem Nordirlandkonklikt.. Alles bunt durcheinandergewürfelt und somit wird es nie langweilig.

Giordano beginnt seine Erzählungen mit der Anreise per PKW und dem Einzug in ein Cottage am Rande des Ring of Kerry mit Blick auf die Skelligs.
Hier lernt er Maureen kennen, die mit ihrem Sohn im nächsten Haus wohnt und das Mietcottage in Schuss hält.

Oft webt er typische englische Begriffe mit ein, die er aber im gleichen Satz noch erklärt.

Historisches
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In seinen Rückblicken erzählt er von der großen Hungersnot und der Kartoffelfäule und der damit verbundenen Sterberaten bzw. Auswanderungen der Iren nach Amerika.
Aber auch die teilweise Schreckensherrschaft der Engländer über Irland wird als Auswanderungsgrund genannt. Oft werden Beispiele genannt, vor allem, wenn Giordano an historische Stätten, Denkmäler oder Friedhofe kommt.
Ein großer Aspekt in seinem Buch ist auch der Nordirland-Konflikt, zu dem er in dem großen Kapitel, in dem er sich in Nordirland aufhält, noch näher eingeht.

Landschaften/Sehenswürdigkeiten
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Durch seine Tagesausflüge kommt er viel rum und sieht die schöne grüne Insel und seine Sehenswürdigkeiten.
Er besucht den Ring of Kerry, den Burren, Dingle und die Blasket Islands, die Cliffs of Moher, Kylemore Abbey und beschreibt in den schönsten Farben die Vogelarten oder Vegetationen. Aber ohne das es einem langweilig wird und man Zeilen überspringen müsste.
Durch seinen Besuch auf den Aran Islands erfährt man, dass die gemusterten Wollpullover früher einen ganz anderen Zweck hatten, als heute schöne Muster an die Touristen zu verkaufen. Die Seemänner und Fischer der Aran Islands trugen diese Pullover und konnten bei einem Unfall auf hoher See, wenn sie tot an Land gespült worden sind, so leichter identifiziert werden.
Die Muster in den Pullis sind also vergleichbar mit den Mustern auf den Kilts der Schotten.

Leute und Feierlichkeiten
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An manchen Tagen mischt er sich einfach nur unters Volk und schaut.
Beobachtet die Gelassenheit gegenüber spielenden oder schreienden Kinder in der Kirche und gleichzeitig die Frömmigkeit der Iren, beobachtet eine ausgelassene Parade am St. Patricks Day, schreibt über die Tinker, den Zigeunern des Landes und dem Unmut der Bevölkerung ihnen gegenüber.
Er berichtet aber auch von einem Polizisten, der zum Zeitpunkt seines Aufenthalts, nach 22 Jahren "endlich" gestorben ist, nachdem er 1974 durch einen Kopfschuss bei irgendwelchen "Troubles" so schwer verletzt wurde und nur noch im Krankenhaus gelegen hat. Seine Söhne hat er nur aufwachsen sehen können, denn das einzige Vermögen, welches er noch hatte, war das Sehen und Hören. Manchmal weinte er und manchmal lachte er. Mehr konnte er nicht mehr zeigen. Schrecklich.

Persönlichkeiten
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Oft schreibt er über Irische Persönlichkeiten, über Daniel O´Connor, den bekannten irischen Freiheitskämpfer, oder über William Butler Yeats, den Nobelpreisträger für Literatur.
Über Ralf Sotschek, einem Deutschen, der schon seit vielen Jahren in Dublin wohnt, dort als Korrespondent arbeitet und viele schöne Bücher über Irland und Dublin geschrieben hat.
Über Charles Stewart Parnell (1846 - 1891), ebenfalls einem irischen Freiheitskämpfer, der sogar ins Parlament nach Westminter geht.

Politisches
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Zwischendrin immer wieder Ausschnitte aus den Tageszeitungen, die er zitiert und darüber seine Meinung kundtut.
Gewalt in der Ehe, Abtreibung, die Todesstrafe, das Vergehen von Ordensbrüdern an kleinen Jungen, das alles sind Themen, in denen er versucht, dem Leser die politischen Strukturen in Irland näher zu bringen.
Er schreibt auch von dem Aufstand gegen Captain Boycott auf Achill Island, der 1880 stattfand und bis heute dem negativen Begriff des Boykottierens seinen Namen gab.

Dublin
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In dem vorletzten großen Kapitel reist Ralph Giordano nach Dublin und berichtet gar nicht so sehr von einer Sightseeing Tour, sondern trifft sich z.B. mit anderen Journalisten in einem Versammlungsraum im Dubliner Gewerkschaftshaus um einer Solidaritatsbekundung für Kollegen beizuwohnen, die entlassen werden sollen.
Er sieht den Gegensatz zu den prächtigen Gregorianischen Häusern und heruntergekommenen Vierteln der Arbeiter, die zum Teil nur noch Bruchbuden sind.
Er beobachtet die Straßenkinder und besucht natürlich die Guinness Brauerei.
Über die St. Patrick Cathedral, in der Jonathan Swift Dekan war und seit seinem Tod 1748 dort begraben liegt, hat er keine guten Worte übrig. Vielmehr sei die Kathedrale eine Zurschaustellung der Briten mit all ihren Waffen und Fahnen und keine Kirche.
Das Book of Kells wird besucht, aber auch die Geschichte der irischen Jude anhand eines Besuches in der jüdischen Gemeinde durchleuchtet.
Ein kurzer Abstecher in die Wicklow Mountains und nach Howth werden unternommen.
Giordano schreibt von dem 16 Juni, dem Bloomsday, an dem der Gedenktag zu Ehren James Joyce stattfindet und viele Personen in historischen Kostümen und Oldtimern die Stadt besiedeln.
An der Küste, bei Dun Laoghaire, befindet sich ein Turm, in dem heute ein kleines Museum untergebracht ist und in dem sich Joyce aufgehalten hat. Dort beginnt auch die Geschichte des weltbekannten Ulysses.

Das andere Irland
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Erst hatte ich überlegt, ob ich dieses Kapitel auslasse, denn in Nordirland bin ich noch nie gewesen und ich wusste, dass ich im Gegensatz zu den anderen Kapiteln hier keine Aha- und Achja -Erlebnisse haben würde.
Doch hier habe ich so viel über die Troubles, den Krieg zwischen der Republik Irland und Nordirland, dem sogenannten Nordirland Konflikt, gelernt, wie noch nie.
Der Autor spricht mit Anhängern beider "Volksgruppen", mit Parteivorsitzenden der IRA und der gegensätzlichen UUP, der Ulster Unionist Party.
Er fährt nach Londonderry, auch Derry genannt, nach Portadown, wo er mittendrin in eine Straßenschlacht gerät, muss einfach raus aus Belfast und besucht den Giants Causeway.
In Belfast beleuchtet er beide Seiten und versucht immer zu hinterfragen und ist nicht parteiisch. Wenn doch, dann begründet er dies.

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Mein Fazit
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Ich habe in meiner Rezension nicht ausführlich geschrieben, weil es definitiv den Rahmen sprengen würde. Viele Leser, die Irland kennen, denen werden die genannten Begriffe etwas sagen, andere Leser, sollte dieses Buch als einen ausführlichen Reiseführer mit ausführlichem Hintergrundmaterial nutzen.
Teilweise sind die Kapitel etwas schwieriger zu lesen und das geht nicht mehr spät abends im Bett:

Beispiel:
Kein anderes Land, auch Deutschland nicht, hat eine so umfangreiche Exilliteratur wie Irland, wozu der bigotte irische Katholizismus bis in die zweite Hälfte unseres Jahrhunderts entschieden beigetragen hat. Väter der Vertreibung waren vor allem der Hochklerus und sein moralisierender Anhang, die Hüter rigoroser Zensurenkriterien, deren stickigem Provinzialismus sich die kritisch-weltläufige Geisteselite des Wortes nur durch Flucht entziehen konnte, wollte sie sich nicht selbst zu Ohnmacht verdammen.

Andererseits beschreibt er liebevoll und flüssig wie z.B.:

Grünstrotzende Vegetation, eine mächtige Burgruine, die leeren Fensterhöhlen wie tote Augen, die Mauern von Pflanzen beklettert. Vereinzelt Farmhäuser, rosenbestanden, Weiden bis zum Wasser hin, grasendes Vieh, Rinder, Schafe, der Himmel heute tief. Ich bin auf einem Nebenweg von Nebenwegen, aber auch der ist noch gepflastert - Irland Deine Straßen!

Wer also über Irland, seine Bewohner und vor allem über die politischen Hintergründe mehr erfahren möchte, wer noch mal zurückkehren möchte, an seine besuchten Urlaubsorte, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen.
Mir hat es mehr Wissen vermittelt und Eindrücke, gerade über Nordirland vermittelt, was vorher kein Geschichtsbuch konnte.


Und zum Schluss möchte ich noch ein Zitat aus dem original Tagebuch von Heinrich Böll anschließen, welches Ralph Giordano auch nutzt, um den Regen in Irland verträglicher zu machen ;-))

"Ich kann nicht traurig sein über den irischen Regen, die feuchte Kühle von oben ist meine Freundin, ich habe ein Verhältnis mit ihr. Irlands Regen ist eine Verheißung, dass die Insel so grün, so bunt bleiben wird, wie sie war und ist - ich kann ihm nicht gram sein. Wie ein Schwamm ist die irische Erde, wie ein geöffneter Mund, von dem der nasse Himmel eingesogen wird, so, wie ich den Regen oft in ich hineingeschlürft habe und dabei, wie schön, triefnass geworden bin.

Vielen Dank für´s lesen und kommentieren

Tanja
für ciao, yopi und dooyoo

Fazit: Ein Muss für Irlandfans!

Name des Mitglieds: tanja2003