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Kurzbeschreibung: Genre: Belletristik, Religion & Esoterik, Lernen & Nachschlagen / Jahr: 2004 / Königs Erläuterungen - Sie brauchen für Ihre Schullektüre sofort eine ausführliche Inhaltsangabe, ohne womöglich Zeit gehabt zu haben, das entsprechende Werk zu lesen? Sie müssen ... mehr
Wo bleibt sie? Ihre Reden - mir wird angst!
Produkt:
Maria Magdalena - Magret Möckel, Friedrich Hebbel
Datum: 22.03.06
Bewertung:
Vorteile: enthüllt Ereignisse; Konflikte der Familie werden gut dargestellt; Bezug zur Bibel; verständlich;usw
Nachteile: leicht vorhersehbares Ende
Meister Anton, seine Frau und die beiden Kinder Klara und Karl führen ein ganz normales Leben. Meister Anton ist stets auf Genauigkeit und Ehrlichkeit bedacht, was er auch seinen Kindern immer zu vermitteln versucht. Doch sein Sohn nimmt es nicht so genau wie sein Vater - er geht gerne in Wirtshäuser, betrinkt sich dort und kann anschließend nicht einmal die Zeche zahlen. So muss Klara dem Ideal vom Meister Anton entsprechen, um ihn glücklich machen zu können. Er erwartet von ihr all die Fähigkeiten, die er bei Karl so sehr vermisst und Enttäuschungen wären für ihn ein herber Schlag, der zudem unverzeihlich wäre. Diese Einstellung entstand dadurch, dass er als kleiner Junge durch Zufall zu jenen gehörte, die eine Lehre machen durften, obwohl seine Mutter das nicht bezahlen konnte. Durch seinen Ehrgeiz und sein Verständnis konnte er aufsteigen und Tischler werden. Da er sich diesen Traum nun erfüllt hat, sollen auch seine Kinder und allen voran sein Sohn Karl in seine Fußstapfen treten. Jedoch schlagen all seine Versuche fehl, was schließlich darin endet, dass er zu Karl mehr als abweisend ist.
Bei Klara hat Meister Anton schon ein besseres Gefühl. Sie ist mit Leonhard verlobt, der zudem auch noch eine sichere Anstellung bekommt. Nun stünde der Hochzeit nichts mehr im Wege, jedoch kommt zur selben Zeit der Sekretär wieder, mit dem Klara vor seiner Studienzeit eine Bindung eingegangen ist. Sie ist immer noch in ihn verliebt und als Leonhard das ahnt, will er einen Beweis für Klaras Liebe ihm gegenüber. Er stellt sie vor die Wahl: sie müsse mit ihm schlafen, oder es ist aus. Klara geht darauf ein, ratlos, wie es sonst weitergehen sollte. Klara wird schwanger. Eigentlich wäre es nicht allzu schlimm, wenn Leonhard sie jetzt heiraten würde, jedoch sagt er sich mit einer vorgeschobenen Ausrede von ihr los, da Meister Anton die Mitgift, die Leonhard sich erhofft hatte, seinem ehemaligen Meister gegeben hat. Nun steht Klara völlig alleine da und das mit Kind, was für damalige Verhältnisse ein Skandal war. Zudem will ihr Vater, gerade als die Mutter verstorben ist, ein Versprechen von ihr, ihn niemals zu enttäuschen, ansonsten würde er sich das Leben nehmen. Klara sieht sich gezwungen, irgendetwas zu tun.
Doch Leonhard will sie nicht mehr und für den Sekretär wäre es auch kein gutes Ansehen, sie trotz des Kindes eines anderen zu heiraten, zudem er ja auch noch aus einem anderen Stand kommt als Klara.
Klara trägt ihr Geheimnis mit sich, bis es eines Tages zur Explosion kommt. Alle Protagonisten entscheiden sich um, merken jedoch nicht, wie sie sich dadurch distanzieren und das Schicksal seinen Lauf nehmen kann.
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ Meinung ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
Das analytische Drama (Drama, welches im Verlauf Ereignisse enthüllt, die schon vor Dramenbeginn geschehen sind, deswegen auch Enthüllungsdrama genannt) "Maria Magdalena" besticht dadurch, da die Geschichte, welche thematisiert wird, aus dem Bürgertum kommt und somit zur Gattung "bürgerliches Trauerspiel" gehört. Es handelt nicht nur von Adeligen oder höhergestellten, sondern von den einfachen Leuten, die für ihren Erfolg hart arbeiten müssen.
So auch in diesem Drama - Klara wird von ihrem Vater unterdrückt und das auf eine ganz neue Art und Weise. Sie stellt den Ersatz für den verkorksten Bruder dar, obwohl sie gar nicht in der Lage ist, gleichauf mit einem Mann zu sein. Sie muss ihren Vater dafür entschädigen, dass die Erziehung bei Karl nichts gebracht hat, was Meister Anton seiner Frau auch deutlich vorwirft. Unvorstellbar, aber auch heute noch sind solche Konflikte durchaus vorzufinden. Dadurch, dass es sich hier um ein bürgerliches Trauerspiel handelt, wirkt es für den Leser auch um einiges persönlicher. Es werden Themen behandelt, die jedem passieren können und nicht nur Adeligen.
Im Verlauf des Dramas wird sehr deutlich, dass Klara diejenige ist, die die Familie zusammenhalten will und somit zur Zielscheibe jedes Einzelnen wird. Als sie damals mit dem Sekretär auseinander ging, weil er studieren wollte, spottete man über sie, das sie aus verschiedenen Ständen kamen und sie jetzt sitzengelassen hätte. Eine weitere Unterdrückung findet durch den Vater statt und nicht zuletzt dadurch, dass ihre Eltern beide dafür sind, Leonhard zu heiraten, da er ja der ideale Ehemann für sie wäre, wenn er denn jetzt die feste Anstellung bekäme. Alle sind auf die Geradlinigkeit, Genauigkeit und Sicherheit aus, doch niemand fragt sich, ob das das Beste für Klara ist und ob sie damit überhaupt einverstanden ist. Sie unterwirft sich dem Willen ihres Vaters und traut sich nie, ihm zu widersprechen. Das wird einer der Gründe gewesen sein, warum sie zum Geschlechtsverkehr mit Leonhard auch nicht nein sagen konnte, denn wenn sie Leonhard verloren hätte, hätte sie das ihrem Vater nicht verständlich machen können. Dass es danach trotzdem genauso zur Trennung kommt, war nicht abzusehen für Klara, da sie die Tatsache von der Mitgift nicht wusste. Leonhard ist daher als sehr egoistisch und materiell eingestellt zu sehen, da ihm das mögliche Geld wichtiger ist, als eine Bindung.
Genauso negativ, nur in anderer Art und Weise, ist Meister Anton zu bewerten, weil er seine Tochter in solchem Maße unter Druck setzt. Ihren Schwur, ihn niemals zu enttäuschen, nimmt er ihr dann ab, als er sich schon ziemlich sicher ist, dass sie schwanger ist, was durch einige Aposiopesen klar wird. "Kannst nicht? Kannst nicht? Was ist das? Bist du -" (1.Akt; 7.Szene) Anton traut sich an dieser Stelle nur nicht die Wahrheit aussprechen, er will es nicht wahrhaben, dass seine Ehre beschmutzt werden könnte, denn zu dieser Zeit ist Klara schon nicht mehr mit Leonhard verlobt.
Anton muss es angesichts dieser Aussagen und des Schwurs mehr als gleichgültig sein, wie seine Tochter das Problem löst, hauptsache er ist nicht darin involviert und er steht vor den anderen Leuten als ehrlich da. Dass seine Tochter daran zerbrechen könnte, ist für ihn entweder unwichtig oder er besitzt nicht die geistige Reife, um das zu erahnen. Trotz allem handelt er nur aus eigenem Nutzen und unterdrückt alle, die das zulassen.
Als Leser frägt man sich nach gewisser Zeit oder spätestens am Ende des Dramas, warum es überhaupt "Maria Magdalena" heißt, wenn doch gar keine Protagonistin auftaucht, die diesen Namen trägt. Hierzu benötigt man einen kleinen Einblick in die Bibel. Maria Magdalena wird dort als Sünderin angesehen, die Jesus die Füße salbt. Jesus geht nicht auf Distanz, sondern lässt Maria Magdalena das tun. Diese zwei Personen sind vergleichbar mit Klara (die Sünderin, weil sie ein Kind erwartet und nicht verheiratet ist) und zum Teil mit dem Sekretär, weil er Klara auch später, als er schon weiß, dass sie ein Kind von Leonhard erwartet, helfen will. Die Pharisäer, die Jesus verurteilen, weil er das geschehen hat lassen, stellen in diesem Fall Anton dar, der an seinen schon zur Zeit des Schauspiels veralteten Prinzipien festhält.
Letztendlich gewinnt jedoch die alte Moral, sprich die alten Werte, was heißt, dass sich Klara wieder einmal unterordnen muss. Die neue Moral stellt die Perspektive des Zuschauers dar, der natürlich weiß, wie man sich besser verhalten hätte können.
Somit ist der Titel "Maria Magdalena" ein direkter Vergleich mit einer historischen Geschichte und hat nichts direkt mit den eigentlichen Hauptpersonen zu tun.
Betrachtet man die verschiedenen Werte der Protagonisten, wird man feststellen, dass diese sich in völlig verschiedene Richtungen entwickeln. Am deutlichsten ist es bei Meister Anton und Karl zu sehen: Ersterer lebt nach moralischen Maßstäben und zweiter kämpft allein für seine Freiheit, was auch unterstrichen wird, als er sich darüber äußert, zu fliehen, um sein eigenes Leben leben zu können.
Der Sekretär hingegen ist bedacht auf Bildung, hat aber trotzdem ein Herz für Klara und will ihr in dieser schwierigen Situation behilflich sein. Als Gegensatz könnte man hier Leonhard anbringen, der nur auf sich und materielle Werte schaut, dabei ganz vergisst, dass er seine Mitmenschen ausbeutet und verletzt.
Die Schuldfrage in diesem Stück muss weitgehend ungeklärt bleiben, denn man könnte annehmen, dass sogar Karl schuld am Ausgang des Stückes hat, weil er sich von der Familie distanziert hat und somit der Konflikt zwischen Vater und Klara überhaupt erst entstehen konnte. Letztendlich ist aber auch Anton selbst dafür verantwortlich, wenn er seiner Tochter einen solchen Schwur abnimmt. Jeder hat in irgendeiner Weise dazu beigetragen und in der Summe kam es dann dazu, dass Klara jenen Weg gewählt hat.
"Maria Magdalena" kann in manchen Situationen sicherlich ein hilfreicher Denkanstoß sein, da es viel zu häufig vorkommt, dass junge Mädchen schwanger werden (wenngleich sie so früh meist nicht verlobt sind) und dann mit ihren Problemen alleine dastehen, weil sich die Eltern nicht damit abfinden wollen. Daher ist dieses Stück auf alle Fälle auf die heutigen Zeiten übertragbar. Sicherlich gab es zu jener Zeit andere Werte, aber auch diese waren mitten in einer Wandlung, die Meister Anton übersehen hatte/wollte.
Zu lesen ist dieses bürgerliche Trauerspiel recht einfach, es ist zwar ein Drama, was viele fürchten, jedoch sind die Dialoge einfach gehalten und dadurch dass es im Bügertum spielt, auch nicht hochgestochen. Veralterte Begriffe stehen im Anhang, somit dürfte das Lesen nicht zu schwierig werden. Mit seinen 53 Seiten + Anhang (Hamburger Leseheft) dürfte es auch nicht allzu lang dauern.
Die Begebenheiten gehen schnell ineinander über, es wird zügig erzählt und schnell klar, was passieret. Das Ende ist leider etwas vorhersehbar im Bezug auf Klara, jedoch sicherlich ein gutes Ende, um die Dramatik des Themas zu unterstreichen.
Der Anhang gibt zudem noch sehr hilfreiche Auskunft über das Leben von Friedrich Hebbel, seine Neuorientierungen in verschiedenen Bereichen und schließlich auch über die Entstehung von "Maria Magdalena". Interessant für jene, die darüber Arbeiten schreiben müssen und die Intention genauer verstehen wollen.
Das Buch enthält auch wichtige Wendungen, die man als Leser nicht erwartet hätte und die der Geschichte noch den nötigen Pepp geben, damit es nicht langweilig wird. Diese zu verraten wäre jedoch an dieser Stelle weniger sinnvoll, sie würden nur das Ende des Buches verraten.
Insgesamt ist Hebbels Werk sehr gelungen, er hat Konflikte innerhalb des Bürgertums hervorragend thematisiert und damit einen Meilenstein gesetzt, um Abstand davon zu gewinnen, dass die Fallhöhe nur im Adel vorherrscht. Die literarische Ständeklausel konnte damit gebrochen werden.
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ Autor ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
Friedrich Hebbel wurde am 18. März 1813 in Wesselburen geboren. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, wurde später Laufbursche, später Schreiber. Er las Bücher und war fasziniert davon, wenig später fing er an, Gedichte zu schreiben. Die Schriftstellerin Amalie Schoppe holte Hebbel, als er 22 Jahre alt war, nach Hamburg und machte ihm den Weg frei in die Welt. Auf diese Weise lernte Hebbel seine damalige Freundin Elise Lesing kennen.
Er war jedoch nicht sonderlich erfolgreich, weshalb er in Heidelberg ein Jurastudium begann, was er aber wenig später wieder aufgab, um Philosophie zu studieren. Jedoch scheiterte er auch an diesem Ziel wegen Geldmangel und Krankheit und kehrte wieder nach Hamburg zurück, wo er seine Dramen "Judith" und "Genoveva" schrieb.
Er bekam vom dänischen König ein Stipendium für eine Bildungsreise, wo er sich endlich frei entfalten konnte. Zusätzlich fand er sich bestätigt bei seiner zweiten Frau Christine Enghaus. Später entstanden noch die Dramen "Agnes Bernauer" usw.
Am 13. Dezember 1863 starb er schließlich im Alter von 50 Jahren.
[entnommen und umgeschrieben von http://www.hebbel-museum.de/biographie.htm]
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ Sonstiges ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
Titel: Maria Magdalena
ISBN: 3-580-633058
Seitenanzahl: 53 Seiten + Anhang
Preis: 1,30€ (Hamburger Lesehefte)
weitere Informationen: -
weitere Bücher von Friedrich Hebbel:
-Die Nibelungen
-Judith
-Anges Bernauer
-Herodes und Mariamne
-Der einsame Weg
-Das gekämmte Gehirn
-Gyges und sein Ring
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ Fazit ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
Ein sehr empfehlenswertes Buch, dass einen auch auf heute übertragbaren Konflikt innerhalb des Bürgertums thematisiert, dabei spannend und leicht zu lesen ist. Die Personen sind überschaubar, die Sprache ist nicht zu schwer und zudem kann es als Denkanstoß für manche verborte Menschen dienen.
Fünf von fünf Sternen für "Maria Magdalena"!
Viel Spaß beim Lesen wünscht dani!
+++
Fazit: sehr empfehlenswert
Name des Mitglieds: dani___
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01.04.06
Krönchen!!