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Veni, vidi - vici?
Lateinisches Unterrichtswerk B. Kurzgefasste lateinische Sprachlehre (Eduard Bornemann)

Name des Mitglieds: Haramis
Produkt:
Lateinisches Unterrichtswerk B. Kurzgefasste lateinische Sprachlehre (Eduard Bornemann)
Datum: 30.06.03, geändert am 30.06.03 (1029 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: alles drin
Nachteile: schlechter Aufbau
Die Studenten unter euch wissen sicher, daß man - sinniger- oder unsinnigerweise - immer noch für viele Fächer das Latinum oder zumindest lateinische Kenntnisse nachweisen muß. Ich gehöre zu den "Glücklichen", die von dieser Sprache in der Schule verschont blieben.
Nichtsdestotrotz komme ich nicht drum herum und darf nun alles in kürzester Zeit gesammelt nachholen, was andere in 4-5 Jahren Gymnasium lernen. Damit man den Stoff in ein einziges Semester reinpressen kann - ja, Regensburg ist da ziemlich resolut - braucht man natürlich auch ein entsprechendes Arbeitsbuch, in dem so ziemlich die gesamte Grammatik steht und relativ viel Wortschatz, so daß man am Ende des Kurses zumindest Cäsar übersetzen kann. An unserer Uni nimmt man dafür den Bornemann her. Eine gute Wahl, soviel kann ich schon mal vorwegnehmen. Das Buch enthält wirklich alles, was man für ein Latinum braucht.
Aufbau
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Der Aufbau des Buches ist für meinen Geschmack äußerst unlogisch. So gut der Inhalt der einzelnen Teile auch ist, man ist praktisch ständig am Blättern.
Es beginnt mit den sog. "Stücken". Ein Stück besteht meistens aus den Text-Teilen A und B, oft kommt auch noch Teil S, mein Lieblingsteil, der aus 1-3 Sprichwörtern und geflügelten Worten besteht, darunter die allseits bekannten Phrasen wie "Veni, vidi, vici", "Erare humanum est", "In dubio pro reo" usw. Also all das, was auch der Nicht-Lateiner gerade noch so versteht.
Nach Stück 44 kommen die Übungen und Aufgaben, die ebenfalls von 1-44 durchnummeriert sind und eigentlich zu den jeweiligen Stücken gehören. Warum man die Übungen nicht einfach zu den Stücken gedruckt hat, ist mir schleierhaft. Ich muß zugeben, daß ich sie die erste Zeit schlichtweg übersehen habe.
Der dritte Teil sind die Vokabeln. Nun ja, das kennen wir ja aus der Schule von Englisch und Französisch her - dieser schöne Vokabelteil, zweispaltig,
den man immer schön Seite für Seite auf die nächste Stunde auswendig lernen durfte. Hier finde ich es durchaus sinnvoll, diesen Teil separat zu behandeln, da man auf diese Weise alle Vokabeln beisammen hat und gezielt pauken kann.
Auf den recht umfangreichen Vokabelteil folgt dann mal wieder etwas, das man an dieser Stelle mit Sicherheit nicht erwarten würde und das ich auch jedesmal erst nach langem Blättern finde: den Anfang des Gallischen Krieges von Cäsar, nur 8 Seiten lang und wirklich leicht zu Übersehen, gefolgt vom zugehörigen Vokabelteil.
Im Anschluß finden sich dann auch noch kurze Stücke von anderen bekannten Autoren wie Livius oder Cicero, die wir allerdings nie behandelt haben. Aber Cäsar langt ja auch...
Der nächste Abschnitt gehört bei mir zu den meistbenutzen - das alphabetische Wörterverzeichnis. Lexikonartig ist hier alles schön aufgelistet und zum Glück steht auch noch hinter jedem Wort, in welchem Stück es zuerst aufgetaucht ist, so daß man bei Bedarf auch noch den Gebrauch im Text nochmal nachschauen kann.
Diese ganzen Punkte machen knapp über die Hälfte des Buches aus. Die restlichen 150 Seiten - wer hätte es geahnt? - ist Grammatik pur. In Paragraphen gegliedert wird hier praktisch die gesamte lateinische Grammatik aufgelistet und mehr oder weniger verständlich beschrieben. Wie man im Alltag damit zurechtkommt möchte ich im nächsten Punkt besprechen.
Anspruch des Buches und eigene Erfahrung
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Ok, daß ich mit dem Aufbau nicht ganz zufrieden bin, habe ich bereits geschrieben. Aber wie steht?s mit dem Anspruch? Gehen wir die Teile nochmal Schritt für Schritt durch:
- Teil 1: Texte -
Wie bei jedem Sprachkurs steigert sich der Schwierigkeitsgrad von Stück zu Stück. Was so schön mit ?Sicilia est insula? anfängt, hört mit ?Quare, si pace uti vellet, celerrime decederet ex his regionibus? auf. (Anm.: Daß Sizilien eine Insel ist, h
abt ihr wahrscheinlich noch mitgekriegt ? falls ihr es bisher noch nicht wußtest *g*, aber was den anderen Teil angeht ? fragt mich bitte nicht, bis Stück 44 sind wir nie gekommen.)
Am Anfang sind die Texte noch recht eintönig. Markus geht, Markus kommt, Sizilien ist eine Insel, der Main ein Fluß... Schön pflegeleicht, aber halt auch langweilig. Erst später wird es interessant, wenn aus dem monotonen Gebrabbel plötzlich Erzählungen werden und man etwas über die griechische Mythologie (z. B. Orpheus) oder die römische Kriegsführung lernt.
Allgemein kann man sagen, daß so oder so Stück B immer einen Hauch schwieriger ist als Stück A. Jedes Stück ist auch auf einen bestimmten Grammatikpunkt hin ausgelegt. Im Stück 1 z. B. lernt man erstmal die Satzstellung, später kommen die einzelnen Zeiten oder so Sachen wie Ablativ, Vokativ usw. Rein vom Gefühl her würde ich sagen, daß es ca. ab Stück 20 etwas anspruchsvoller wird. Alles davor besteht aus diesen typischen Langenscheidt-Sätzen von wegen: ?Hast du Durst?? ? ?Ja, ich hab Durst.?, ?Hast du Hunger?? ? ?Ja, ich hab Hunger.? Und das eine ganze Seite lang...
- Teil 2: Übungen -
Sofern ich sie jemals gemacht habe, finde ich die Aufgaben zu den Stücken ziemlich bescheuert. Noch weit eintöniger als die Stücke selbst werden da Sachen abgefragt, die man auf diese Art und Weise mit Sicherheit nicht effektiv lernen kann. Mal ein kleines Beispiel:
?Während das Deutsche zwei Artikel hat, einen bestimmten und einen unbestimmten, fehlt dem Lateinischen der Artikel ganz; insula heißt also sowohl ?die Insel? als auch ?eine Insel?. Überlege, welcher Artikel bei der Übersetzung von Lesestück 1 jeweils stehen muß!? ? Diese Aufgabe bezieht sich z. B. auf den oben erwähnten Satz ?Sicilia est insula?, was mit Sicherheit jeder hier sofort mit ?Sizilien ist DIE Insel? übersetzt hat, oder? Ich glaube, man kann hier durchaus von einer mehr als überflüssigen Aufgabe sprechen, zumal es sich bei de
n Benutzern dieses Buches hauptsächlich um Studenten handelt; zumindest wüßte ich von keiner Schule, die dieses Buch im Unterricht verwendet.
- Teil 6: Grammatik -
Zu Teil 3-5 gibt es nicht viel zu sagen (Vokabellisten kennt wohl jeder und diese hier unterscheidet sich kein bißchen von anderen, die klassischen Texte haben wir ? außer Cäsar ? nicht behandelt, und das Wörterverzeichnis ist zwar genial, aber eben nur ein kleines Wörterbuch im Buch). Aus diesem Grund springe ich mal zu einem wesentlichen Teil, nämlich der Grammatik.
Ich hoffe, jeder hier weiß, was Präpositionen, Konjunktionen, Interjektionen, Konzessiv- und Konsekutivsätze sind. Nein? Gut, dann kauft euch am besten vor dem Latein lernen erstmal ein deutsches Grammatikbuch. Ich hab den Grammatik Duden jedenfalls immer in Reichweite, da meine Schulzeit und damit das grammatikalische Grundwissen doch schon eine Weile zurückliegt.
Im Bornemann wird man mit Fachausdrücken überschüttet, die zwar am Anfang mal kurz und knapp erklärt werden, aber spätestens nach ein paar Seiten schwirrt einem der Kopf vor lauter Fremdwörter. Irritierend ist dabei auch, daß es im Lateinischen Sachen gibt, die es im Deutschen nicht gibt, wie z. B. den Ablativ oder den Vokativ. Der Vokativ ist ja noch recht nett, da er nur eine persönliche Anrede kennzeichnet. Sag ich also: ?Hallo, Markus!?, dann steht Markus im Nominativ, gehört im Lateinischen aber in den Vokativ und heißt dann statt "Markus? plötzlich ?Marke?.
Der Ablativ ist da schon weit weniger leicht im Umgang. Den verwendet man nämlich (unter anderem), wenn man ausdrücken will, daß etwas ?durch? oder ?mit? etwas anderem passiert. Und dann gibt es auch noch tausenderlei Abarten, bei denen ich nie so recht durchgeblickt habe. Das Buch ist insofern auch nicht unbedingt hilfreich, da es einfach nur auflistet. Was man im Grammatikteil findet, sind Tabellen, Tabellen, Tabellen und hunderte von Formen und Endungen. Das kling
t nicht nur nach Auswendiglernerei, sondern ist es auch.
Ich halte dem Buch zugute, daß wirklich ALLES an Grammatik drinsteht, nur ist es eine Quälerei sondersgleichen, das ganze Zeugs zu lernen, noch dazu in einem halben Jahr. Schöner wäre es schon, wenn man passende Übungen dazu hätte oder zumindest im Unterricht gezielt üben würde, was bei uns leider auch immer versäumt wurde, da wir nur die ganze Stunde übersetzt haben.
Daten
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Ich habe mein Exemplar damals für 30 DM erstanden, allerdings war es eine Sonderausgabe und kostete normalerweise 40 DM. Wieviel man heute dafür löhnen muß, weiß ich leider nicht.
Das Buch ist gebunden und hat ca. 400 Seiten, ISBN 3-454-70100-7.
FAZIT
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Nachdem ich meine letzte Lateinprüfung versemmelt habe, ?freue? ich mich natürlich schon wieder wahnsinnig auf den nächsten Versuch im Wintersemester. Das Buch kenne ich inzwischen in- und auswendig, und auch wenn die Handhabung alles andere als angenehm war, so habe ich darin doch fast alles gefunden, was ich für meinen Kurs brauchte. Ich kann mich dunkel an zwei Vokabeln erinnern, die ich extra im Lexikon nachschauen mußte, alles andere stand im Bornemann.
Soll ich es empfehlen? Soll ich überhaupt einen Lateinkurs empfehlen? Ok, ich gebe zu, ich hasse Latein, deswegen kann ich mir schwer vorstellen, daß sich das jemand freiwillig antut. Ich gehe mal davon aus, daß die meisten über dieses Buch eher im Zuge eines Kurses stolpern werden als in ihrer Freizeit. Dennoch ? falls jemand fleißig sein will, dann ja, ich kann es empfehlen. Ich habe auch noch einen Kurs von Langenscheidt hier und muß sagen, daß der Bornemann im Vergleich dazu megagut abschneidet. Langenscheidt kann man in puncto Sprachen lernen einfach vergessen. Der Verlag hat allerhöchstens gute Lexika.
In diesem Sinne ? Danke für?s Lesen! (Eigentlich wollte ich hier noch ein oberschlaues lateinisches Sprichwort ei
nfügen, aber alles, was mir einfällt, ist ?Mens sana in corpore sano? und ?Cave canem?. Paßt irgendwie beides nicht so ganz.)
Eure Haramis.
Fazit:
Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik


01.07.03
Habe Deinen Beitrag ebenfalls sehr genossen, denn auch ich musste mich mit Bornemann durch die Sprache quälen. habe die Bücher immer noch und werde heute Abend zum Spaß mal reingucken. Lieben Gruß, Frank