Wildwest in den Outbacks
Produkt:
Im Land der tausend Sonnen. (Shaw, Patricia)
Datum: 19.09.02, geändert am 30.10.02 (102 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: unterhaltsam, leichter Lesestoff
Nachteile: manchmal zu leichter Lesestoff
Bei meinen regelmäßigen Besuchen in unserer nicht ganz so großen Dorfbibliothek frage ich mich immer wieder, welche Gründe es dafür geben mag, dass jedes Buch von Patricia Shaw kurz nach seinem Erscheinen in den Regalen unserer Bücherei zu finden ist. Ich habe dazu drei Theorien:1. Die Bibliothekarin ist ein eingefleischter Patricia-Shaw -Fan 2. Jede Bücherei wird von Patricia Shaws Verlag kostenlos mit den Werken versorgt, oder 3. Die Bücher gibt’s für Bibliotheken im Sonderangebot. Wie auch immer - weil bei uns die Neuanschaffungen, besonders auf englisch, rar sind, greife ich mangels Alternativen immer mal wieder nach einem solchen Buch. Wider Willen bin ich so zu einem echten Experten auf dem Gebiet "Patricia Shaw " geworden.
Zur Autorin: Für alle, die sie nicht kennen: Patricia Shaw ist Australierin, lebt auch dort, hat zwei Kinder und mittlerweile auch zwei Enkel. Sie arbeitete als Lehrerin und Journalistin und hielt als Hobby-Historikerin Vorträge über die Geschichte ihres Kontinents. Zunächst schrieb sie Gedichte und Kurzgeschichten, 1984 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, dem bis jetzt 13 weitere folgten. Die Hobbies der Erfolgsautorin sind Lesen und für neue Bücher recherchieren. Außerdem ist sie Mitglied des Tierschutzverbandes und liebt besonders die Vogelwelt ihres Kontinents.
Allgemeines zu ihren Büchern: Alle Bücher von Patricia Shaw sind zunächst einmal recht umfangreich - und im Prinzip sind sich alle furchtbar ähnlich. Sie spielen ausnahmslos in Australien, bevorzugt außerhalb der großen Städte, irgendwo in den Outbacks. Die handelnden Personen kann man in die Gruppen gut, böse und naiv/dumm einteilen. Die Guten haben am Ende immer Erfolg, auch wenn sie von den Bösen oft arg bedrängt werden, und die Bösen ernten, was sie gesät haben. Die Dummen lernen entweder umzudenken oder sie scheitern. Aboriginies tauchen selbstverständlich auch in allen Werken auf -und sie sind nie böse, sondern immer gut - und die Gu
ten lassen sich von ihnen helfen und sind mit ihnen befreundet. Meist geht es darum, dass jemand nach Australien auswandert und dort versucht sein Glück zu machen. Manchmal spielen auch Rancher die Hauptrolle, die bereits zu Wohlstand gekommen sind und deren Glück nun irgendwie bedroht wird. Oft wird der Konflikt durch die Landvergabegesetze heraufbeschworen. Auch darüber weiß ich nun schon einiges: am Anfang war es so, dass jeder Siedler sich so viel Land nehmen konnte wie er wollte und nur eine minimale Pacht an den Staat zahlen musste. Dann stellte man fest, dass so nur die Viehzucht gefördert wird, nicht aber die Landwirtschaft. Deshalb wurde den Großgrundbesitzern kurzer Hand wieder Land weggenommen und an Siedler vergeben, die es roden sollten. Später musste das Land dann sogar gekauft werden. Das gefiel den ursprünglichen Pächtern natürlich nicht und es kam zu Weidekriegen, wie wir es aus alten Western kenne.
Ich muss gestehen, dass ich einige der Bücher nicht zu Ende gelesen habe. Das liegt wohl an dem oben beschriebenen einfachen Strickmuster. Vor meinem Urlaub war es dann mal wieder so weit: ich ging noch schnell in die Bücherei- und da stand es, ein neues Werk von Patricia Shaw- wahrscheinlich per Eilboten in die Regale transportiert. Ich nahm es mit und , um es vorweg zu sagen - es gehört zu denen, die ich zu Ende gelesen habe, war also eines der spannenderen Werke.
Um was geht es ? Es ist, wie immer, eine groß angelegte Saga : Im November 1874 wird im Hamburger Hafen ein Mann ermordet aufgefunden. Die Polizei stellt fest, dass es sich um einen Schauspieler handelt. Er wird von einem lutherischen Pfarrer identifiziert, der gerade dabei ist, nach Australien auszuwandern. Was die Polizei nicht weiß, der Leser aber gleich erfährt: in Wirklichkeit ist es genau anders herum- der Schauspieler fährt nach Australien, nachdem er den Pfarrer ausgeraubt und umgebracht hat. Der Pfarrer war auf dem Weg zu einer von deutschen Auswanderern im Busch g
egründeten Gemeinde. In einer langen Rückblende wird nun die Auswanderergruppe vorgestellt und erzählt, wie es ihnen nach der Ankunft im neuen Land so ging. Die Gruppe erkannte bei ihrer Ankunft, dass sie einem betrügerischen Landagenten aufgesessen war, der ihnen schlechtes Land für teures Geld angedreht hatte. Dadurch wird der Traum von einer gemeinsamen Ansiedlung zerschlagen und jeder muss auf sich selbst gestellt versuchen, sein Leben in den Griff zu bekommen. Da sind zum einen die Zimmermanns. Der Mann ist ein ziemlicher Trottel und nimmt gleich am nächsten Goldrausch teil ( Goldräusche(korrekter Plural?) gibt es in Patricia Shaws Büchern zuhauf! ) und verlässt Frau und Kinder. Die Frau ist tüchtig und schlägt sich durch. Das Ehepaar Fechner findet Anstellung auf einer großen Farm. Farmer Dixon und sein Sohn sind die Bösen. Hanni Fechner lässt sich mit dem Sohn ein und wird bitter dafür bestraft. Der Kleinschmidt-Clan arbeitet sich in der Holzindustrie empor und die Meissners werden auf einem Teil des Landes angesiedelt, das ursprünglich den bösen Dixons gehörte. Die lassen sich das natürlich nicht gefallen und es kommt zu allerlei Konflikten. Das ganze spitzt sich zu, als noch der mörderische Schauspieler auftaucht, der sich als Hilfspfarrer ausgibt. Es gibt viele Intrigen, Liebeleien und das ein oder andere Happy -End.
Fazit: Ein unterhaltsames Buch, bei dem man einiges über Australien, seine Geschichte, Fauna und Flora und die Aboriginies erfährt. Was nicht so ganz passt: obwohl die Autorin als Hobby die Recherche für neue Bücher angibt, scheinen ihre Nachforschungen hier nicht ganz erfolgreich verlaufen zu sein. Über die Namen der deutschen Siedler kann ein deutscher Leser nur schmunzeln. Da ich die englische Version gelesen habe weiß ich nicht, ob das in der Übersetzung ausgebügelt wurde. Im Original heisst Frau Meissner mit Vornamen "Freda" - ich nehme an, das soll Frieda heißen. Es gibt jemanden namens "Wilf" - ich bin bis
jetzt ratlos, wie sie auf diesen Namen gekommen ist und Walter wird von den Deutschen "Walt" genannt, was wohl auch eher im englischen als im deutschen gebräuchlich ist.
Und was ich mich zum guten Schluss noch frage: wie um Himmels Willen ist man auf den deutschen Titel " Land der 1000 Sonnen" gekommen ? Ich kann mir keinen Grund dafür denken - der englische Titel ist "The Dream Seekers" also: Die Traumsucher, was sich auf die Einwanderer bezieht, die alle nach der Erfüllung ihres Lebenstraums suchten und wegen der Aboriginies und ihre "Traumzeit" gut zu Australien passt!
Fazit:
Name des Mitglieds: Andrea Wengert
Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik



29.04.03
Was die deutschen Titel angeht: Da habe ich schon lange aufgehört mich zu wundern. Gerade in der SF. ist es ganz extrem. Gruss, Tott