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Neuester Testbericht: ... größtenteils leben sie vom Kindergeld und den Geldern vom Staat. Cheryl die nach jeden Ausweg sucht, denn sie hat die Hoffnung noch nich... mehr
Hexenjagd
Hexenwiege (White, Gillian)

Name des Mitglieds: tattabu
Produkt:
Hexenwiege (White, Gillian)
Datum: 17.10.01, geändert am 17.10.01 (99 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: s.Text
Nachteile: s.Text
Die beiden Sozialhilfeempfänger Cheryl und Barry Brown bewerben sich über eine Zeitungsannonce bei einer Doku-Soap.
Das britische Fernsehen möchte eine Serie über die Ärmsten der Armen drehen und das junge Paar, mit dem kleinen Kind kommt ihnen da gerade recht.
Wenige Wochen später beginnen also die Dreharbeiten zu „Die im Dunkeln sieht man nicht“, welche mehrere Monate dauern sollen, bei den Browns zu Hause. Das Paar wird in allen Lebenslagen gefilmt und überall hin begleitet, selbst im Schlafzimmer ist die Kamera dabei.
Cheryl hat bei der ganzen Sache sehr großen Spaß, sie fühlt sich plötzlich bedeutend und anerkannt und gibt sich besondere Mühe, damit auch die Zuschauer sie später mögen.
Barry hingegen steht dieser Filmerei eher skeptisch gegenüber und macht eigentlich nur mit, um seiner Freundin einen Gefallen zu tun.
Die Drehzeit vergeht wie im Fluge, währenddessen heiratet das Pärchen und bekommt das zweite Kind. Das Fernsehpublikum darf sich später die ärmliche Hochzeit ansehen und sogar im Kreißsaal dabei sein.
Als die elfteilige Serie dann endlich ausgestrahlt wird, schwimmen die Browns anfänglich auf einer riesigen Welle der Sympathie. Jeder scheint sie plötzlich zu kennen und zu bewundern, wie sie ihr Leben meistern.
Die Zeitungen stehen vor ihrer Tür Schlange und wollen für viel Geld die Story der Beiden. Dummerweise haben sie sich aber verpflichtet, erst nach Beendigung der ganzen Serie Interviews zu geben. Es macht ihnen auch nicht soviel aus, noch zu warten, stattdessen beginnen sie schon, das Geld, welches sie später sicher verdienen werden, zu verplanen.
Die Sympathie schlägt jedoch rasch ins Gegenteil um, als in den letzten Folgen Cheryl erst verkündet, dass sie schon wieder schwanger ist, das Baby natürlich auch behalten wird und plötzlich auch noch Nacktfotos von der jungen Frau auftauchen.
Nun fühlt die Öffentlichkeit sich hintergangen und von solchen „Sozialschmarotzern“
doch nur ausgenutzt und reagiert mit Unverständnis und purem Hass. Überall lauert man dem Paar auf, sie werden beschimpft, sogar angespuckt und mit Steinen beworfen und das Ganze zieht sich über Monate hin und scheint kein Ende zu finden. Natürlich ist nun auch keine Zeitung mehr an ihnen interessiert, diese drucken jetzt lieber Kommentare von Leuten, die das Paar ja so gut kennen und schon immer wussten, das es sich um Versager handelt.
Einige Monate später verschwinden dann plötzlich die Kinder der Familie.
Cheryl war mit ihnen im Krankenhaus, um sie untersuchen zu lassen und hatte sie nur kurz allein gelassen, um eine Toilette aufzusuchen, aber als sie wiederkommt, scheinen die Kleinen wie vom Erdboden verschluckt zu sein.
Ganz London scheint jetzt auf der Suche nach den Winzlingen zu sein und plötzlich sind die Browns wieder gefragt. Im britischen Fernsehen startet Cheryl mehrere tränenüberströmte, verzweifelte Aufrufe und auch sämtliche Zeitungen reißen sich um Interviews.
Dennoch werden nach und nach auch böse Stimmen laut, die behaupten, dass das Paar das Kidnapping nur vorgetäuscht hat, um endlich wieder im Rampenlicht zu stehen und Geld zu verdienen.
Da habe ich doch mal wieder ein echtes Meisterwerk bei amazon entdeckt. Eigentlich handelt es sich hierbei um einen Krimi, am Ende steigt die Spannung ja auch rasant an, aber im Vordergrund steht wohl die traurige Geschichte einer Familie, welche sehr ergreifend geschildert ist.
Cheryl und Barry wachsen dem Leser, trotz ihrer Naivität schnell ans Herz, man möchte manchmal am liebsten eingreifen, wenn man liest, wie die Zwei ausgenutzt werden.
Besonders beeindruckend fand ich die Realitätsnähe der Story, oft überwiegt das Gefühl, eine wahre Geschichte zu lesen, denn sie könnte durchaus so passieren ( na ja, vielleicht nicht ganz so extrem, aber wer weiß).
Interessant werden die Macht und die, nicht immer faire Berichterstattung der Medien beschrieben. Trotzdem kann
man nicht nur ihnen die Schuld an den Vorfällen geben, denn es sind die ganz normalen Menschen, die diese Berichte lesen und dann darauf so extrem reagieren, ohne die Gegenseite auch nur anzuhören.
Die Autorin geht auch auf die Gründe ein, die jemanden veranlassen könnten, sein ganzes Privatleben in der Öffentlichkeit auszubreiten und obwohl es sich ja hier um Fiktion handelt, fand ich diese doch logisch und nachvollziehbar (auch, wenn so was für mich nie in Frage käme).
Der Roman ist in einzelne Kapitel aufgeteilt, die ständig zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin- und herspringen, was sich aber nicht störend auf die Handlung auswirkt.
Auf diese Weise erfährt der Leser viel über die Kindheit und Jugend von Barry und Cheryl und die Umstände, die sie ziemlich schnell in die Armut abgleiten ließen.
„Hexenwiege“ ist eine sehr lohnende Lektüre, welche stark zum Nachdenken anregt, in meinen Augen hat die Autorin hier großes Können bewiesen.
Erschienen ist das Werk im Goldmann Verlag (ISBN 3-442-44984-7), es kostet 17,- DM und hat 412 Seiten.
Gillian White ist in England geboren, lebt und arbeitet heute in Devon als Schriftstellerin.
In ihrer Heimat wurden bereits dreizehn Romane veröffentlicht, einige sogar für das britische Fernsehen verfilmt.
In Deutschland gibt es bisher leider erst fünf ihrer Bücher zu kaufen.
Fazit:
Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik


30.10.01
Hallo Thomas, das mit den Büchern geht mir genauso, ich häufe auch immer alles an und komme dann mit dem Lesen gar nicht nach, aber zum Glück hab ich bald Urlaub und da kann ich dann hoffentlich so Einiges nachholen. Gruß Julia