Aus der Bahn, ihr Zombies!
Produkt:
Herbst: Läuterung - David Moody
Datum: 02.05.10
Bewertung:
Vorteile: Spannung, Handlung wird vorangetrieben
Nachteile: Ein paar Charaktere bleiben zu blass, nicht alle Fragen werden geklärt
Zur Gliederung des Berichtes:
1) Produktinfos
2) Der Autor
3) Inhalt
4) Bewertung
5) Fazit
1) Produktinfos:
Der Roman erschien 2009 im Otherworld Verlag. Die Taschenbuchausgabe umfasst 367 Seiten und kostet 9.95 Euro.
ISBN: 978-3902607157
2) Der Autor:
David Moody wurde 1970 bei Birmingham geboren. Seine Werke gehören allesamt in den Horror- und Science-Fiction-Bereich. Seinen ersten Roman veröffenlichte er bereits 1996. Sein "Herbst"-Zyklus umfasst inzwischen fünf Bände. Neben der Herbst-Reihe erschien auf Deutsch bislang "Im Wahn".
3) Inhalt:
Vorgeschichte: Überall auf der Welt bricht aus heiterem Himmel eine furchtbare Krankheit aus, die binnen Sekunden die Menschen tötet. Sie beginnen zu husten und ersticken, während ihnen Blut aus Mund und Nase tritt. Es wird noch schlimmer, als die Toten sich plötzlich erheben und als wandelnde Leichen umherlaufen. Mit der Zeit werden sie zudem immer aggressiver gegen die Lebenden. Nur wenige Menschen sind aus unbekannten Gründen immun, darunter etwa vierzig Leute, die sich im englischen Northwich zusammenfinden. Einige von ihnen können in einen unterirdischen Militärbunker flüchten.
Im Bunker sind die Überlebenden zunächst geschützt, aber auch hier herrscht Unsicherheit. Die Soldaten geben nur die nötigsten Informationen preis und die Flüchtlinge werden auf engem Raum zusammengepferscht, da sie die nicht-immunen Soldaten nicht anstecken dürfen. Bald kommt es zu einer großangelegten Vernichtungsaktion des Militärs. Allerdings unterschätzen die Soldaten die Massen und Gefahren der wandelnden Leichen und der Bunker wird gestürmt.
Den meisten der Überlebenden gelingt die Flucht in mehreren Autos. Unterwegs treffen sie auf weitere Leidensgenossen, die einen Plan haben: Alle Überlebenden sollen mit einem Kleinflugzeug und einem Helikopter nach und nach auf eine Insel gebracht werden. Nach der Beseitigung der Leichen dort erhoffen sie sich ein neues geschütztes Leben. Doch die Zeit drängt, denn die Zombies scheinen allmählich ihre Denkfähigkeit wiederzugewinnen ...
4) Bewertung:
Nachdem der zweite Teil der insgesamt fünfteiligen Herbst-Reihe - wobei die letzten beiden Bände keine direkten Fortsetzungen sind - die Handlung kaum weiterbrachte, merkt man in diesem Band schon früh, dass sich die Ereignisse aufs vorläufige Ende zubewegen.
~ Spannung und Dramatik ~
Der zweite Band endete mit der Flucht einiger Überlebender in den Militärbunker und der dritte steigt eine kurze Zeit danach ein. Die Flüchtlinge werden notdürftig versorgt, aber das Essen ist knapp und die Stimmung gedrückt. Niemand weiß, wie feundlich ihnen die Soldaten gesinnt sind, auch Cooper, der bis vor kurzem noch zu ihnen gehörte, ehe er den Dienst quittierte und seine Immunität bemerkte, wird nicht von seinen ehemaligen Kameraden eingeweiht. Die große Offensive gegen die Leichen mit mehreren Fahrzeugen und einem Flammenwerfer soll schließlich den Durchbruch bringen und die Gegend von den Zombies befreien. Die Überlebenden, die sich seit Wochen mit den Toten herumschlagen, ahnen jedoch, dass das Militär die Gefahr unterschätzt. Tatsächlich gerät die Aktion zu einem gnadenlosen Gemetzel, in dem unzählige Soldaten ihr Leben lassen. Der Bunker wird eingenommen und erneut wird geflüchtet, in eine ungewisse Zukunft. Die Aussicht auf ein Leben auf der Insel bringt zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Hoffnung in die Gemeinschaft. Der Plan klingt logisch: Eine kleine Gruppe will die immer weiter verwesenden Leichen auf der Insel beseitigen und zwei Piloten wollen in mehreren Etappen die Überlebenden und Proviant hinübersetzen.
Für eine dramatische Wendung sorgt aber das sich wieder verändernde Verhalten der Zombies. Zum ersten Mal nehmen einige der Überlebenden bei ihnen Regungen wahr, die darauf hindeuten, dass die Leichen gewisse Denkfähigkeiten entwickeln. Sie stürmen nicht mehr blindlings auf ihre Feinde los, sondern verstecken sich und suchen Schutz, ehe sie gezielt angreifen. Je mehr ihre Körper verwesen, desto cleverer scheinen sie zu handeln und Zäune sind immer weniger ein zuverlässiges Hindernis. Dank des düsteren Tenors der Romane ahnt der Leser frühzeitig, dass nicht alle Mitglieder der Gemeinschaft es auf die Insel schaffen werden und die Rettungsaktionen sind spannend in Szene gesetzt. Verzweiflung und Hoffnung liegen in diesem Band eng beieinander; zum ersten Mal gibt es eine realistische Chance, den Toten zu entfliehen und ein neues Leben aufzubauen. Gleichzeitig war es nie schwieriger, den Leichen beizukommen und alle spüren, dass die unberechenbare Metamorphose der Zombies von Tag zu Tag bedrohlicher wird.
~ Überwiegend gelungene Charaktere ~
Mit dem Zusammentreffen der weiteren Überlebenden gibt es in diesem Band eine recht große Gruppe an Charakteren, die alle einen ähnlich breiten Raum einnehmen. Der Fokus ist, wenn auch nicht überdeutlich, auf Michael und Emma gerichtet, die bereits im ersten Band die Protagonisten waren. Aus einer Zweckgemeinschaft entwickelte sich ein Paar, angenehmerweise wird ihre Beziehung aber nicht romantisiert. Beide wissen, dass es teilweise einfach der Wunsch nach Wärme und Zuneigung war, der sie zusammenführte, gleichzeitig nimmt man ihnen aber ihre Gefühle füreinander ab. Während die meisten anderen Überlebenden Einzelkämpfer sind, macht Emma und Michael der Gedanke an eine gemeinsame Zukunft besondere Hoffnung. Während Michael allerdings bei der Inselräumung hilft, bleibt Emma bei den anderen zurück und es bleibt bis zum Schluss spannend, ob sie unter den Geretteten sein wird. Eine interessante Figur ist auch die Soldatin Harcourt, die das Gemetzel übersteht, allerdings in ihrem Schutzanzug gefangen ist. Die sympathische junge Frau kann nicht in den von Toten belagerten Bunker zurückkehren, wo sich die Desinfektionsanlagen befinden, wagt es aber auch nicht, den Anzug abzulegen und zu hoffen, dass sie zu den Immunen gehört. Unwillkürlich hofft der Leser, dass Kelly Harcourt einen Weg finden wird, um zu überleben, auch wenn die Chancen extrem gering sind.
~ Ein paar Schwächen ~
Da sich die nächsten beiden Bände mit einzelnen Geschichten bzw. mit anderen Charakteren befassen, ist dieser Band als vorläufiges Ende zu betrachten und trotz des Epiloges bleiben ein paar Punkte recht offen. Wer sich hier also Antworten auf sämtliche Fragen erhofft, wird ein wenig enttäuscht werden. Angesichts der neu dazugekommenen Charaktere ist es ein wenig schade, dass einige von ihnen zu blass bleiben. Das gilt auch für die Kinder unter ihnen. Im zweiten Band erfährt man noch, dass ein paar zur Gruppe gehören, näher vorgestellt wird nur die vierzehnjährige Clare, die gemeinsam mit Jack flüchten konnte. In diesem Band wird Clare zur Randfigur und die restlichen Kinder gehen völlig unter. Dabei wäre es gerade interessant zu erfahren, wie sie, die obendrein zu Waisen geworden sind, mit der katastrophalen Lage umgehen. Nicht ausgeschöpft wird das Potential außerdem bei Keele, der früher öfter kleine Schleppflugzeuge in einem Segelfliegerclub flog und dem nun die Aufgabe zukommt, mit dem ungewohnt großen Flugzeug die Überlebenden rüberzusetzen. Keele erscheint als eitler Angeber, der später an der riskanten Aufgabe zu scheitern droht, dieses Drama und seine Charakterisierung wird aber ein bisschen zu oberflächlich abgehandelt. Wie schon in den vorherigen Bänden stört auch hier die zu häufig verwendete Formulierung "schnappte er/sie", was möglicherweise an der Übersetzung liegt.
5) Fazit:
Gelungener dritter und vorläufig abschließender Teil der Herbst-Reihe, der wieder Bewegung in die Handlung bringt. Die Leser erwartet Spannung und düstere Atmosphäre und teilweise interessante Charaktere. Ein paar der Figuren bleiben etwas zu blass, hier wird Potential verschenkt, auch werden nicht alle Fragen restlos geklärt, ansonsten aber ein lesenswerter Horror-Roman, der allerdings die Kenntnisse der Vorgängerbände erfordert.
Fazit: Unterhaltsam.
Name des Mitglieds: Miss_Piper
Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik




09.05.10
KV & LG, ute ;-)