Glückliche Ehe - Rafael Yglesias
Sie war nicht von Anfang glücklich, diese Ehe.... - Glückliche Ehe - Rafael Yglesias Belletristik
Sie war nicht von Anfang glücklich, diese Ehe.... - Glückliche Ehe - Rafael Yglesias Belletristik

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Kurzbeschreibung: Genre: Romane / Jahr: 2010

 
 

Sie war nicht von Anfang glücklich, diese Ehe....

Produkt:

Glückliche Ehe - Rafael Yglesias

Datum: 30.07.10

Bewertung:

Vorteile: sehr gute literarische Leistung, spannend, sehr lesenswert

Nachteile: manches mir ein bisschen zu ausführlich und langatmig beschrieben

"Als der 21-jährige Enrique Sabas im wildromantischen Manhattan der Siebzigerjahre auf die drei Jahre ältere Margaret Cohen trifft, weiß er, dass sie die Liebe seines Lebens ist. Doch die familiären Gegensätze könnten größer nicht sein: Er ist ein literarisches Wunderkind, ein eigenbrötlerischer Schulabbrecher, der sich ganz dem Leben der Boheme hingibt, wohingegen die lebhafte, attraktive Margaret aus einem bürgerlichen Haushalt kommt und die kontrollierte Emotionalität ihrer Mutter geerbt hat. Die erotischen Abenteuer und Missgeschicke in den ersten Wochen ihres Kennenlernens sind verwoben mit Szenen ihrer Ehe - die Erziehung der Kinder, der Verlust eines Elternteils, die Versuchungen eines allzu leichten Seitensprungs -, bevor Margaret mit Mitte fünfzig ihrer Krebserkrankung erliegt. Eine wahrhaftige Geschichte über ein gemeinsames Leben - und darüber, was eine glückliche Ehe ausmacht." (Klappentext)




Der Autor
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"Rafael Yglesias, geboren 1954 in New York City, ist der Sohn des Schriftstellerpaars Jose und Helen Yglesias.

Mit 17 Jahren brach er die High School ab, um seinen ersten Roman zu veröffentlichen, sieben weitere folgten.
Als Drehbuchautor schrieb er u. a. "Der Tod und das Mädchen", "Les Miserables", "From Hell" und "Dark Water".

Von 1977 bis zu ihrem Tod 2004 war er mit Margaret Joskow verheiratet.
"Glückliche Ehe" ist sein erster Roman seit 13 Jahren. Yglesias hat zwei erwachsene Söhne und lebt in New York." (Klappentext)



Buchdaten:
Buchdaten:
Verlag: Klett-Cotta 2010
Seitenzahl: 426
Deutsch
ISBN-13: 9783608937077
ISBN-10: 3608937072




Meine Zusammenfassung
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Vor dem ersten Kapitel schreibt der Autor: "für sie". Enrique lernt durch seinen Freund Bernard Margaret Cohen kennen. - Er ist 20, sie 23 Jahre alt. Sie leben in Manhattan (NY). Wie aus ihrem Namen zu entnehmen ist, ist sie jüdischer Abstammung, hat sehr reiche Eltern, während seine Eltern Schriftsteller sind, immer in Geldnöten. Sie lernen sich also kennen und für Enrique ist ganz schnell klar, sie ist seine Traumfrau, mit ihren riesigen blauen Augen, ihrem dichten schwarzen Haar, ihrer zierlichen Figur. Er, hager, hoch aufgeschossen, die Schule abgebrochen und mit dem ersten Buch großen Erfolg gehabt, arbeitet an seinem 3. Buch.

Der Autor wechselt jetzt von Kapitel zu Kapitel in die Zeit der schweren Erkrankung Margarets, bzw. ihren letzten Wochen. Einmal geht er ganz zurück in ihre ersten Zeiten als Liebespaar, dann als junges Ehepaar, wo der erste Sohn geboren wird, dann aber auch in die Zeit der folgenden Jahre, etwa zu der Zeit, nach der Geburt des ersten Sohnes, als er eine Geliebte hat und meint, in ihr seine große Liebe gefunden zu haben, und sogar ernsthaft erwägt, sich scheiden zu lassen und diese neue Freundin zu heiraten. - - -.
Ein Ausschnitt aus dieser Zeit:
"Dass sie langweilig war, war ja schon schlimm genug, aber das könnte er noch aushalten, sagte er sich, wenn sie sich nur nicht, nach zehn Stunden physischer und psychischer Plackerei, weigern würde, mit ihm zu schlafen. Nicht mal das kurze Vergnügen eines Zehn-Minuten-Ficks. Keine Hoffnung auf ein Ende seines Eunuchenlebens. Keine Aussicht auf Belohnung. Außer einem widerwillig vollzogenen, klinischen Akt pro Monat im günstigsten Fall - und oft nur alle zwei Monate. Und diese seltenen Erfolge konnte er nur durch stundenlanges Schmeicheln und Betteln erzielen. Fast immer gingen sie, nach seinen ganzen braven Bemühen, mit ihr eine lebenssprühende junge Familie zu bilden, ins Bett wie ein asexuelles Greisenehepaar. Das war der stumme Horror, der ihn überkam, wenn sie sich in geschlechtsneutraler Schlafbekleidung am jeweiligen Rand ihres Ehebetts verkrochen: diese Dörrpflaume von Erotik, die sie ihm, der gerade mal achtundzwanzig war, als Kost bot, heute und in der Zukunft - das war es, was an seiner Seele fraß......"Diese Zeit schildert er, und wie es dann dazu kam, dass er zu Margaret zurückfand. Sie hatten eine Paartherapie gemacht, von Enrique eigentlich dazu gedacht, es ihm leichter zu machen, sich von Frau und Kind zu trennen. Bei Gesprächen dann, wo Margaret genau das geäußert hatte, was er auch fühlte, nämlich sich ungeliebt zu fühlen, wurde ihnen klar, wie es dazu kommen konnte, zu dieser Überzeugung zu kommen. Margaret war beruflich sehr erfolgreich tätig, Enrique allerdings hatte nach seinen ersten Erfolgen nur noch Enttäuschungen, seine Romane kamen nicht an, er war mit sich selbst schon sehr unzufrieden, und Margaret war eben von ihrem eigenen Beruf so angespannt, dass sie, als diejenige, die immer schon in der Partnerschaft bestimmt hatte, die Situation ihres Mannes entgangen war.

Der bedeutendere und auch umfangreichere Teil des Romans beschreibt die letzten Wochen von Margaret. Und wie Enrique darüber nachdenkt, wie ihre Ehe so lange Zeit so gut gehen konnte, obwohl sie beide so total unterschiedlich waren. Und er fragt sich, bzw. stellt eigentlich fest, dass seine Liebe zu ihr niemals größer gewesen war, als in dieser schweren Zeit. Und immer wieder nimmt er sich vor, ihr das noch einmal, bevor sie stirbt, genau zu sagen, was sie ihm bedeutet hat, dass sie SEIN Leben war. Es wird bis in alle Einzelheiten geschildert, was mit Margaret geschieht; zunächst die Diagnose, dann eine zeitweilige Besserung, dann eine kontinuierliche Verschlechterung, bis hin zu Magen- und Darmversagen.
Auf Margarets Wunsch hin übereinkommen sie, zusammen mit den Ärzten, dass ab einem gewissen Zeitpunkt die Behandlungen eingestellt werden sollen. Sie haben noch viele Gespräche, wo Margaret auch ganz klar äußert, dass sie sehr traurig ist, ihn und die beiden Söhne verlassen zu müssen, nicht mehr mit zu erleben, wie der jüngste Sohn ins Kolleg kommt.

Er hat sehr viel Zeit zum Nachdenken, in den Pausen, wo er sich neben sie ins Bett legt, sie mit Schläuchen aus allen möglichen Körperöffnungen versehen. Es sind unglaubliche Dienste, die er vollbringt. Er wechselt alle Behälter, zum Ende hin dann, als weder ihr Magen noch ihr Darm funktionieren, das Essen, das sie nur zum Genuss doch isst, wird aus dem Magen wieder in einen Beutel geleitet, der regelmäßig geleert werden muss. Da sind Infusionen, und ganz am Schluss eben die Palliativ-Medizin, die sie bekommen soll.
Und immer dazwischen kommen ihm Gedanken aus den Zeiten, als Margaret noch gesund war, als sie noch jung waren. Seine Zeit, wo er um sie geworben hatte, und er nicht fähig war, mit ihr zu schlafen. -Es ging einfach nicht, er versagte, bis schließlich Margaret das selbst in die Hand nahm, und sie so endlich mal Geschlechtsverkehr vollziehen konnten.
Als sie ihren Hochzeitstag in Italien feierten, und sie ein Gespräch hatten, wo er von ihr genau wissen wollte, was er für sie bedeutet. - "Und für einen Augenblick, im großen Verzeihen dieses Hochzeitstages, verstand er das Wesen seiner Ehe. An diesem sonnigen Nachmittag in Torcello begriff er, dass ihn Margarets Zufriedenheit über ihren Platz in der Welt ehrfürchtig machte, dass sie das war, was sich für ihn als dauerhaft erwiesen hatte. Sein Vater war gestorben, seine Eitelkeit und sein Glaube an die Kunst waren dahin. Was er dem Leben an wahrem Wert abgewonnen hatte, war das, was sie ihm gegeben hatte."

Zuletzt machen sie mit der Hospiz-Ärztin zusammen einen Plan über die letzten Tage. - Es werden noch Mittel verabreicht, die es ermöglichen, dass Margaret sich von allen ihren Freunden, aber auch ihrer Familie verabschieden kann. Enrique hat einen Kalender angelegt, wo täglich für jede halbe oder ganze Stunde, oder eben mehrere Stunden bei ihren -Söhnen und Eltern, ein Besucher eingetragen wird. - Zuletzt hatte er dann für sich die letzten Stunden ausgedacht. - Als das alles erledigt war, war abgemacht, dass Margaret diese Medikamente nicht mehr bekommt, sie wird dann zwar ins Koma fallen, aber so und nicht anders will sie es. Als sie dann wirklich im Koma ist, er konnte ihr immer noch nicht seine lange ausgedachten Gedanken mitteilen, dazu hätte er ihre Qual verlängern müssen, sind noch schlimme Stunden für Enrique. -
Obwohl das total unnormal ist, bewegt sie sich, ihr Darm entleert sich (auch wenn nichts verdaut wird, produziert ein Darm noch Schleim und eben solches komische Zeug. - und während ihres Deliriums ist er dann eine Nacht damit beschäftigt, sie dreimal sauberzumachen, sie zu waschen, das Bett zu reinigen..... es sind für ihn sehr anstrengende und schlimme Stunden, Margaret macht das alles unbewusst, im Traum, sie ist schon auf dem Weg ...... Zuletzt macht sie noch in ihrer Trance versuche, ihm was mitzuteilen, ist aber nicht mehr möglich..... Er liegt neben ihr, und ihm kommen wieder Erinnerungen aus ihrer glücklichen Zeit....



Meine abschließende Meinung
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Obwohl auf der Innenklappe vermerkt ist, dass der Roman frei erfunden ist, und jegliche Ähnlichkeit usw....... rein zufällig ist. - Das stimmt nicht. Wenn ich die Vita des Autors lese (ganz oben) - dann muss das seine ureigenste Geschichte sein. -
Es stimmt alles, lediglich sein Name ist Enrique. Es mögen auch einige andere familiäre Zusammenhänge und Namen erfunden sein, aber das wesentliche ist seine Geschichte.

Erst 13 Jahre nach dem Tod seiner Frau Margaret hat er diesen Roman geschrieben. Und ich denke, es ist seine Art der Verarbeitung, an die er endlich nach 13 Jahren gegangen ist, in Form dieses Romans.
Aus diesem Grund ist ihm auch nicht voll anzukreiden, dass er Teile der Geschichte sehr langatmig geschrieben hat. Er hat eben alles aufgeschrieben, was ihm durch den Kopf ging. - Das waren oft Wiederholungen, bzw. Schilderung sehr ähnlicher Geschehnisse.
Für ihn war es sicherlich nicht leicht, diesen Balanceakt zu vollziehen; zwischen Wirklichkeit, der Schilderung einer großen einzigartigen Liebe, und dennoch nicht schnulzig zu werden. Und das ist sie wahrlich nicht! -
Ich sehe es als Zeugnis einer gescheiten Umsetzung; was ihm in meinen Augen hervorragend gelungen ist.

Dieser Roman ist nicht einfach zu lesen, und wer sehr sensibel ist, vor Krankheit und Tod Angst hat, könnte vielleicht mit dem Lesen überfordert sein. Auf der anderen Seite ist es dem Autor sehr gut gelungen, diese Angst zu reduzieren, alleine durch seine gewählte Sprache und die Wechsel seiner Schilderungen in immer wieder aufheiternde Stimmungen, Situationen, Begebenheiten.
Und zuletzt fragt man sich als Leser, wie kann eine solche Liebe/Ehe, mit diesen Höhen und Tiefen, diesen so unterschiedlichen Charakteren letztendlich so lange halten aber auch zu einer solchen großen Liebe anwachsen.

Der Autor gibt darauf eine Antwort. Oft bis in die kleinsten Einzelheiten, die verflochtensten Gedanken. Er kann das mit Hilfe seiner Sprache, insbesondere der Tiefe seiner Formulierungen hervorragend lösen.



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Mehr von mir in meiner Homepage:
http://giselasletterbox.rosslauer.de/
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Fazit: unbedingt lesenswert!!!

Name des Mitglieds: giselamaria