Gaza Blues - Etgar Keret
Kürzeste Kurzgeschichten - Gaza Blues - Etgar Keret Belletristik
Kürzeste Kurzgeschichten - Gaza Blues - Etgar Keret Belletristik

Erhältlich in: 2 Shops

Kurzbeschreibung: Genre: Erzählung / Jahr: 2002

 
 

Kürzeste Kurzgeschichten

Produkt:

Gaza Blues - Etgar Keret

Datum: 16.08.11

Bewertung:

Vorteile: abwechslungsreich, ungewöhnlich

Nachteile: fast schon zu kurze Kurzgeschichten

Gekauft habe ich "Gaza Blues", da ich Kurzgeschichten mag und das Buch Cover so abgefahren gestaltet ist. Letzteres hat mich neugierig gemacht. Erhofft habe ich mir ein ungewöhnliches Leseerlebnis und das auf einem qualitativ hochwertigen Niveau, da diese Kurzgeschichtensammlung von Etgar Keret im renommierten Sammlung Luchterhand Verlag erschienen ist. Teils wurden meine Erwartungen erfüllt. Etgar Keret zu lesen ist definitiv außergewöhnlich, ungewohnt und anders. Über Qualität und Niveau seiner Kurzgeschichten kann man dann wohl aber verschiedener Ansicht sein.

Neugierig war ich auch auf die junge Generation israelischer Autoren und Autorinnen. Zu diesen gehört Etgar Keret, der 1967 in Tel Aviv geboren wurde. Ich wollte gerne lesen, auf welche Art und Weise sie Israel wahrnehmen, welche Träume und Ängste sie beschreiben. Zumindest mir waren hierzulande wenige jüngere israelische Autoren bekannt. Etgar Keret ist einem vielleicht aber daher bekannt, dass er im Jahre 2007 die Goldene Kamera bei den Filmfestspielen in Cannes erhielt.

Über den Preis von "Gaza Blues" kann ich nicht meckern. Das Buch habe ich als Mängelexemplar bei Galeria Kaufhof für einen Preis von gut zwei Euro erworben. Im Handel kostet die Kurzgeschichtensammlung dann 8,50 Euro.

Über den Autor

Etgar Keret wurde 1967 in Tel Aviv geboren und lebt heute noch mit seiner Familie in Tel Aviv. Neben dem Schreiben widmet sich Keret Comics und Filmen. Insbesondere hat er zahlreiche Kurzfilme gedreht. Er hat bereits viele Preise gewonnen, auch für seine Bücher. Die meisten Preise hat Keret aber für seine Filme erhalten. Der bedeutendste Preis war sicher die Goldene Kamera, die Keret zusammen mit seiner Frau bei den 60. Filmfestspielen in Cannes gewonnen hat.

Über das Buch

Der Titel der Originalausgabe ist "Missing Kissinger" und 1994 im Zmora-Bitan Verlag auf Hebräisch erschienen. Gewidmet hat Etgar Keret diesen Kurzgeschichtenband seinem Bruder Nimrod und Uzi. "Gaza Blues" ist das erste Buch, das Keret geschrieben hat. Es folgten weitere Kurzgeschichtensammlungen und auch Romane, die in der deutschen Übersetzung alle in der Sammlung Luchterhand erschienen sind. Hervorzuheben ist darunter sicher "Alles Gaza. Geteilte Geschichten" von Keret und Samir El-youssef. Denn das ist ein gemeinsam von einem israelischen und palästinensischen Autor geschriebenes Buch.

"Gaza Blues" ist 192 Seiten lang und setzt sich aus 39 (!) Kurzgeschichten zusammen. Die meisten dieser Geschichten sind um die fünf Seiten lang. Es sind aber einige Geschichten darunter, die nur zwei, drei Seiten lang sind und gerade einmal eine einzige Geschichte ist länger als zehn Seiten. Ich persönlich finde das fast schon zu kurz für eine Kurzgeschichte, da es wohl äußerst schwierig ist in nur zwei oder drei Seiten eine ganze Geschichte zu erzählen.

Skurill und schräg ist aber jede der Kurzgeschichten in "Gaza Blues". In "Schuhe" hört ein kleiner Junge schlimme Geschichten von einem Holocaust Überlebenden und glaubt dann, dass seine neuen Adidas Schuhe aus den Knochen seines verstorbenen Großvaters bestehen. Und in "Abram Kadabram" erhält der gleichnamige Zauberer Besuch von Pfändern. Doch ehe diese den wertvollen großen Fernseher, der das Geburtstagsgeschenk von Abrams Mutter ist pfänden können, zaubert er diesen kurzerhand weg.

Exemplarische Bewertung an der längsten Kurzgeschichte

"Die traurige Geschichte der Familie Ameise" handelt von der Familie Ameise die in einem Dorf ohne Namen lebt. Urs Ameise ist der netteste Mensch in diesem Dorf. Jeden Freitag feiern sie Feste und alles tanzt. Alle mögen Urs Ameise, seine lange Zunge, seine ungewöhnliche Nase und vor allem sein weiches glänzendes Fell. Die Kinder gehen nicht zur Schule, spielen nur den ganzen Tag. Doch das Schicksal nimmt seinen Lauf, als Alexander Expander das Dorf betritt. Denn ein Dorf ohne Namen, ein Dorf ohne Schule, das kann in Expanders Augen nicht sein ...

Positiv hervorzuheben ist, dass diese Geschichte so ungewöhnlich ist wie jede andere auch. Zum Schreibstil sei bemerkt: Etgar Keret schreibt in einfachen, kurzen Sätzen. Es fehlen lange oder langatmige Beschreibungen. Es wird nur das wesentliche in minimalistischer Form erzählt. Das muss nicht nach jedermanns Geschmack sein. Für eine gute Übersetzung sorgt es aber. Keret schreibt nämlich im Original auf Hebräisch.

Leider ist auch diese Geschichte sehr, sehr kurz. In nur elf Seiten wird die Geschichte eines ganzen Dorfes ohne Namen und der Familie Ameise erzählt. Ich bin in diese Geschichte - wie in die anderen auch - ein wenig hineingestolpert. Vieles ist für mich nicht wirklich nachvollziehbar und nachfühlbar geblieben. Etwa bleiben die Fragen, woher das Dorf kommt, warum es keinen Namen hat, etc. unbeantwortet. Auch die plumpe Moral dieser Geschichte, dass das unerbitterliche Festhalten an Wissenschaft und Fakten vieles zerstören kann, hat mir nicht gefallen.

Für mich stellt auch diese Geschichte mehr eine Momentaufnahme dar. Keret liefert im gesamten Buch 39 Momentaufnahmen. Leider hat dabei zumindest bei mir keine einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Fazit

Die kürzesten Kurzgeschichten sind sicher anders als alles, was man sonst so liest. Nach meinem persönlichen Geschmack waren sie dann aber doch meist zu kurz. Kurzweilig sind die Geschichten allemal. Aber wohl schon zu kurzweilig.

Daten

Etgar Keret - Gaza Blues - 192 Seiten - Sammlung Luchterhand 2002 - ISBN-103-630-62025-6 - ISBN-139783630620251 - 8,50 Euro

Fazit: Kürzeste Kurzgeschichten, die mir persönlich zu kurz sind.

Name des Mitglieds: sonamu