Wieviel erträgt ein Mensch?
Produkt:
Fünf Tage, fünf Nächte. (Deaner, Janice)
Datum: 07.01.02, geändert am 07.01.02 (207 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: siehe Text
Nachteile: siehe Text
Er hatte sich gerade einen Platz in dem Zug von New York nach Los Angeles gesucht, als sich diese Frau neben ihn setzte.
Anstelle der normalen belanglosen Konversation erzählte sie ihm als erstes, sie hätte in den letzten 5 Jahren als Mann gelebt.
Damit beginnt die Autorin Janice Deaner einen Roman, in dem eine Frau einem völlig Fremden während einer Zugfahrt ihre Lebensgeschichte erzählt.
Diese Fahrt wird 5 Tage und 5 Nächte dauern, und er wird Dinge über sie erfahren, die er nie für möglich gehalten hätte.
Ihre Kindheit mit ihrem Vater, der sich auf den Dachboden verzieht, um zu schreiben. Mit ihrer Mutter, die aus dem heimischen Wohnzimmer eine sogenannte Flüsterkneipe macht, um dem Vater diese Träume zu ermöglichen.. ihre inszestuöse Beziehung zu ihrem Bruder Oscar, dessen Namen sie später benutzt, um ihr Leben als Mann zu führen.
Mit einer gewissen Kälte erzählt sie ihm jeden Schicksalsschlag, die Explosion ihres Hauses, bei der sie ihren Vater und Oscar verliert, bei der ihre Mutter und ihre Schwester so schwer verletzt werden, dass sie lebenslang von ihr versorgt werden müssen. Ihre brutale Ehe, die sie nur geschlossen hat, um ihre Schwester versorgt zu sehen und und und ...
Aber er ist auch ein dankbarer Zuhörer, denn er hat gerade mit seinem eigenen Leben gebrochen, so liest man es jedenfalls aus den Zeilen heraus. Er bewundert die Konsequenz ihrer Entscheidungen. Einmal gefällt, gibt es kaum ein Zurück. Er braucht ihre Stärke, denn immer wieder zieht es ihn zu ihr zurück. Er will jedes Detail hören, jede Kleinigkeit saugt er in sich auf.
Janice Deaner beschreibt teilweise mit einer Gefühlskälte das Leben dieser Frau.
Nur leider kam bei mir manchmal die Frage auf: „Was denn, noch mehr??“. Zum Ende hin wurde diese Lebensgeschichte dann doch etwas zu viel.
Zu dreiviertel ist es ein faszinierendes und packendes Buch, die Geschichte der Hemy Lourdes (das ist übrigens der Name
der Frau), die Art, wie sie die Geschichte erzählt und die Reaktionen ihres Zuhörers darauf.
Nur ab einem gewissen Punkt im Buch, wiederholt sich die Autorin leider. Diese Frage nach dem Warum zum Beispiel. Warum passiert das mir, fragt Hemy sich immer wieder. Und dann kommt die Aufzählung aller Ereignisse, die ihr Leben geprägt haben. Das ganze über gut 2-3 Seiten. Und dann kaum 20 Seiten weiter kommt diese Frage wieder und wieder die Aufzählung. Ich hatte einfach das Gefühl, dass eine bestimmte Seitenanzahl erreicht werden sollte, was ich ziemlich schade fand, denn bis dahin war es ein Buch, was einem nicht allzu oft in die Finger kommt. Und das meine ich positiv.
Aber Janice Deaner schafft es nicht, diese Faszination am Leben zu erhalten, die Geschichte flacht zum Ende leider sehr stark ab.
Für mich ist dieses Buch dennoch zu empfehlen, denn es hat eine Art, den Leser fast bis zum Ende festzuhalten.
"5 Tage, 5 Nächte"
Janice Deaner
ISBN 3-499-23011-9
€ 9,90
<BabsS>
Fazit:
Name des Mitglieds: BabsS
Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik



07.01.02
Es ist die Frage, ob diese Wiederholung nötig ist, um eine gedankliche Weiterentwicklu ng zu ermöglichen oder ob sie rein zum Seitenfüllen gedacht ist. In der Psychotherapie geht man davon aus, dass sich die Dinge wiederholen, bis sie endlich geklärt werden wollen. Liebe Grüße Antje