
Kurzbeschreibung: 317 Seiten, Erscheinungsdatum: 1995; ISBN: 3442415713
Frau in der Nacht
Produkt:
Frau in der Nacht (Grafton, Sue)
Datum: 27.01.01, geändert am 01.10.01 (75 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: siehe Text
Nachteile: siehe Text
Sue Grafton
“Frau in der Nacht”
(Originaltitel: >K< is for Killer)
Goldmann
Fleißig, fleißig, diese Sue Grafton. >K< ist der elfte Krimi der Alphabetreihe mit der kalifornischen Privatdetektivin Kinsey Millhone. Der amerikanischen Taschenbuchausgabe sind insgesamt elf Lobpreisungen der verschiedensten Kritiker vorangestellt, die sich teilweise gar dazu versteigen, den vorliegenden Roman als den besten der Reihe zu bezeichnen.
Dieser Meinung kann ich mich leider nicht anschließen.
Der Erfolg einer Serie beruht darauf, dass die jeweils abgeschlossene Story gut und die alle Bücher verbindende Hauptgestalt so angelegt ist, dass wir immer mehr von ihr wissen wollen und daher voll Neugier zum nächsten Band greifen.
Zunächst zur Story: In gewohnter Manier beschäftigt sich Kinsey Millhone mit einem Fall, der schon länger zurückliegt und nicht geklärt wurde. Sie soll sich im Auftrag der Mutter mit dem mysteriösen Tod einer Edelprostituierten befassen, die zur Wahrung des Scheins der Wohlanständigkeit als Aushilfssekretärin in einem Wasserwerk (!) (O, Amerika!) arbeitete. Kinsey fragt so lang herum, bis sich jemand belästigt fühlt, reagiert und damit die eigentliche Handlung in Gang setzt.
Aber dieses Mal hatte Sue Grafton wohl keine Lust, den einmal gesponnenen Handlungsfaden auch wieder aufzudröseln, zum Schluss bleiben mehrere Fragen unbeantwortet. Die Privatdetektivin beweist noch nicht einmal die Schuld des von ihr Verdächtigten, sie nennt seinen Namen einfach einem ominösen ‘Rächer’ (Wer ist überhaupt der Typ in dem dicken Auto? Ich will es wissen!), der seinerseits den Verdächtigen umgehend zur Selbstjustiz abholt.
Das ist ihr dann doch irgendwie peinlich, und sie gesteht ihren ‘Patzer’ der Polizei, die ihr aber offenbar nicht dauerhaft das Handwerk legt, denn in den USA ist bereits der Buchstabe >N< auf dem Markt.
Wie alle anderen Single Pr
ivatdetektivinnen, die derzeit die Krimis bevölkern, hat auch Kinsey Millhone eine Ersatzfamilie von schrulligen, aber sympathischen Typen, bei denen es immer so nett menschelt, und auf die sich die treuen Leser bei jeder neuen Geschichte auch immer freuen. Köstlich ihr Vermieter (sie wohnt in seiner ausgebauten Garage), ein über achtzigjähriger kalifornischer Frauenschwarm (sportlich, braungebrannt), sowie die aus Ungarn stammende Wirtin des kleinen Restaurants, in dem Kinsey nicht nur isst, sondern wo sie auch Kummer und Sorgen ablädt und hinunterspült. Nichts davon hier, alle sind verreist oder sonst wie auf Tauchstation. Von ihrer wiederentdeckten echten Familie kein Wort, und auch im Liebesleben tote Hose!
Gut lesbar sind wie immer die Dialoge und die inneren Monologe der Ich-Erzählerin, aber zunehmend nervend finde ich die Personen- und Ortsbeschreibungen. Letztere folgen grundsätzlich dem Muster: “Rechts von der Tür waren zwei Fenster, links stand ein Schrank” usw. usf.
Sue Grafton hat sich mit der Alphabetreihe selbst in Zugzwang gebracht, vielleicht wäre eine längere Pause ganz heilsam. Aber mich fragt ja niemand! Im Gegenteil, wenn jetzt >N< auf dem Markt ist, ist garantiert >O> schon in Arbeit.
Als die ersten Krimis der Reihe ins Deutsche übersetzt wurden, wurden die Titel auch mit fortlaufenden Buchstaben übersetzt. Nach einer Weile, ich weiß nicht mehr nach welchem Buchstaben, wechselte die Autorin den deutschen Verlag, und in den Titeln kommen jetzt keine fortlaufenden Buchstaben mehr vor. Ich schrieb an die zuständige Verlagsdame und fragte an, warum das so sei, und sie erklärte überzeugend, dass es auf deutsch zu verkrampften Titeln führen würde, wolle man das konsequent durchziehen.
Um keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen: Ich habe die Krimis von Sue Grafton immer gern gelesen, sie sind in der Regel mordsspannend und auch witzig, in dieser Kritik spiegelt sich sozusagen enttäuschte Liebe w
ider. Es würde mich interessieren, ob sie sich wieder gefangen hat, vielleicht schreiben andere Leser mal über die weiteren Bücher? Ich lasse mich gern überzeugen. Sue Grafton ist schon gut (abgesehen von den oben erwähnten langweiligen Ortsbeschreibungen, aber die kann ich inzwischen überlesen), sie ist nicht umsonst die Präsidentin des Verbandes der Mystery Writers of America. Sie lebt übrigens in Santa Barbara in Kalifornien, und der fiktive Ort Santa Teresa in Kalifornien, in dem Kinsey Millhone wohnt, ähnelt Santa Barbara verblüffend. Wem’s dort gefällt, hat einen weiteren Grund, die Krimis zu lesen, denn Lokalkolorit gibt’s jede Menge.
Fazit:
Name des Mitglieds: MALU
Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik


01.10.01
Es lässt sich aber trotzdem größer 'reinstelle n'. ;-) Es gibt nun mal diverse Adressen. Grüße von Christa