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Kurzbeschreibung: Genre: SciFi / Fantasy / Autor(en): R. A. Salvatore, Rainer Gladys / Erscheinungsdatum: Januar 2000 bei Blanvalet
Kamikaze-Elf
Produkt:
Die Vergessenen Welten - Band 8 - Nacht ohne Sterne - Robert A. Salvatore
Datum: 17.10.07
Bewertung:
Vorteile: -
Nachteile: -
„Nacht ohne Sterne“ (Starless Night) aus R. A. Salvatores Reihe „die Vergessenen Welten“ (Forgotten Realms) ist der achte Band der Serie, in dem der Hauptfigur Drizzt Do’Urden mental so richtig die Lampen ausgehen, weil er an einem machomäßigen Verblödungsanfall leidet (TB Blanvalet € 8,00, 378 Seiten)
Doch nun mal langsam von vorne, auch wenn ich keine große Lust habe, die Vorgeschichte zusammenzufassen, komme ich nicht darum herum. Denn das Buch ist einfach sonst nicht nach zu vollziehen, weshalb es auch kein Lesestoff für Quereinsteiger ist. Für die Geschichte wichtig (und nachzulesen in „die Saga vom Dunkelelf“ 6 Teile) ist zu wissen, daß Drizzt zum fiesen Volk der Dunkelelfen gehört, die in der unterirdischen Stadt Menzoberranzan, von Priesterinnen der Spinnengöttin Loth regiert, ihr Unwesen treiben. Und mit fies, meine ich diesmal: wirklich fies. Drizzt aber ist ein Goldstück und mag nicht bei seinem Volk bleiben, da ihn dessen perverse Moral anwidert. Da Drizzt aber als außergewöhnlicher Säbelkämpfer bekannt ist und aus einem hohen Adelshaus stammt, boxt in Menzoberranzan die Priesterin als er einfach abhaut, was zunächst den Sturz seines Hauses und den Tod des Großteils seiner Familie zur Folge hat. Trotzdem bleibt Drizzt als Abtrünniger so etwas wie ein Politikum und es wäre eine Großtat ihn wieder einzufangen und der Göttin Loth zu opfern. Wer nun auch noch die Bände 1-7 „die Vergessenen Welten“ liest, wird Drizzts Gefährten kennen lernen. Den jungen Barbaren Wulfgar, den raffinierten aber feigen Halbling Regis, den Zwergenkönig Bruenor und dessen menschliche Adoptivtochter Cattie-Brie. Ein wichtiger Punkt dieser Bände war die Rückeroberung von Bruenors Königreich, der sagenumwobenen Mithrilhalle, die mittlerweile abgeschlossen ist. Drizzt lag das immer übel im Magen, da das unterirdische Zwergenreich sicherlich die Aufmerksamkeit seiner buckligen Verwandtschaft erregen würde, und genau das ist jetzt auch passiert. Nachdem Drizzt in Band 7 entführt worden war, ist nun ein tragischer Verlust zu beklagen, den die Gefährten jeder auf seine Weise verkraften müssen.
Einzig Drizzt schien bisher relativ gelassen, dass dem aber nicht so ist, wird nun in „Nacht ohne Sterne“ klar, als Drizzt auf die glorreiche Idee kommt, sich selbst ein Selbstmordkommando zu erteilen. Oberflächlich macht er sich vor, in seine Heimatstadt zurück zu gehen, um dort auszuspionieren, was die Dunkelelfen gegen Mithrilhalle vorhaben. Hintergründig aber bildet er sich ein, daß er der Grund ist, warum die Dunkelelfen gegen Mithrilhalle vorgehen wollen und beschließt sich zu opfern. Selbst seinen magischen Begleiter, den Panther, lässt er zurück. Lediglich Cattie-Brie begreift sehr schnell, daß Drizzt einen Riesensprung in der Schüssel hat, kann ihn aber nicht mehr einholen, bevor er sich unter die Erde begibt. Also trabt auch noch sie gen Dunkelelfen-City. Dort hängt Drizzt schneller als er gucken kann, im Folterkeller des Adelshauses Baenre, dessen Jahrtausendalte Mutter Oberin ganz eindeutig die Macht inne hat. Die zieht ihm auch schnell den Zahn, daß sein Opfer den Krieg gegen Bruenor verhindern könnte, garantiert ihm aber, daß er die nächsten Jahre sicher viel Freude in ihrer Folterkammer haben wird. Drizzt ist eher ein Grund um andere Dunkelelfen für den Krieg einzustimmen, oder auch ein kleines Giveaway für die gute Loth, mehr aber auch nicht. Während Drizzt nun zu spät seinen Kampfgeist zurück erhält, hat Cattie-Brie zweifelhafte Verbündete gefunden: den zwielichtigen Elfensöldner Jarlaxle, der mit den führenden Häusern sein eigenes Katz- und Mausspiel treibt und Drizzts alten Erzfeind, den menschlichen Meuchelmörder Entreri. Den hatte es nach Menzoberranzan verschlagen, fühlt sich dort aber komischerweise gar nicht heimisch. Dunkelelfen sind eben noch garstiger als Meuchelmörder – er sieht Cattie-Brie als Fahrkarte an die Oberfläche.
Mir hat dieser Band wieder ausgezeichnet gefallen. Die düstere Atmosphäre der Dunkelelfenstadt ist wieder einmal klasse und niemand leidet so wunderbar an Selbstzweifeln und neigt zu Selbstbestrafungen, wie Drizzt. Außerdem ist eine Pause von Drizzts Freundesschar nicht zu verachten, auch wenn man sich nun Sorgen um die kleine Schnuckelcattie machen muß, die in die böse Stadt geht. Sie schlägt sich aber überraschend gut, muß man wirklich zugeben, auch wenn es irritiert, daß sie sich anscheinend doch in Drizzt verguckt hat. Auch wenn der Zeitpunkt dafür für den Verlauf der Gesamtgeschichte ein wenig problematisch ist. Von ihm ist es ja mittlerweile bekannt... obwohl ich nicht weiß, was ein 60jähriger Elf mit einer 20jährigen will, wenn er eine Zauberin haben könnte, die viel besser zu ihm passt, aber: Männer eben! In Bezug auf Cattie-Brie muß man allerdings sagen, daß man verfolgen kann, wie die junge Frau erwachsen wird. Schließlich hatte man sie zunächst als Kind kennen gelernt, daß Drizzt im Wald aufgabelte. Mittlerweile mausert sie sich, was ihre Figur langsam interessanter macht. Bemerkenswert ist die Szene, in der sie Regis zum Weggang von Drizzt „interviewt“, da der Halbling der Einzige war, der überhaupt vom Plan des Elfen wusste. Diese gehört zu einer kleinen Anzahl von Szenen, in denen man wirklich fett grinsen muß.
Ich bin zwar kein großer Freund von Politik, doch da muß man bei den Dunkelelfen nun einmal durch – natürlich ist dieser Umstand ziemlich erheiternd, da deren Politik von heiteren Intrigen nur so durchzogen ist, in denen vor allen Dingen Jarlaxle, momentan eine meiner Lieblingsfiguren, einen nicht unerheblichen Anteil findet. Diese Type ist für die unmöglichsten Wendungen in der Geschichte gut. Selbst Entreri hat sich verändert. Einige Bände zuvor war er ein angriffslustiger Fiesling, der Drizzt ebenbürtig war, und dessen erklärtes Endziel es war, Drizzt in einem Schwertkampf zu besiegen – einfach weil er meinte der bööööööööööösere zu sein. War anfangs auch amüsant, bis der Charakter sich zur renitenten Scheißhausfliege mauserte und nur noch nervte. Der Aufenthalt bei den Dunkelelfen hat ihm einen neuen Charakterzug gegeben, der da heißt „ich muß weg“. Hoffentlich für immer. (Vielleicht mutiert er aber auch noch zum Friedensengel oder so...) wäre im Moment noch nicht einmal mehr spaßig, wenn Drizzt ihn ein für alle Male ausschlitzt. Eigentlich hat man als Leser nur noch Mitleid mit Entreri. Trotzdem ist die Logik in der Entwicklung dieses Charakters nachvollziehbar und verständlich, was in Salvatores Buchreihe nicht immer wirklich gegeben ist. Selbst Drizzt hat so seine Stimmungsschwankungen ist in „die Vergessenen Welten“ irgendwie lockerer als beispielsweise in „die Saga vom Dunkelelf“. Unter seinen Kumpels ist er eigentlich auch bisher der geistig Hellste und Besonnenste gewesen, weshalb die blöde Idee, allein nach Menzoberranzan zu pirschen nicht vollständig logisch nachzuvollziehen ist.
Die Action ist natürlich wiederum ein wichtiger Punkt in Salvatores Reihe. Über einen Mangel von Prügeleien und Schwertkämpfen kann man sich nicht beklagen, angesichts der magisch begabten Dunkelelfen, tut es auch diesmal die eine oder andere effektvolle Explosion und natürlich darf ein Drizzt-typisches Säbelduell auch nicht fehlen – denn der Waffenmeister des Hauses Baenre ist unheimlich scharf darauf, sein Image aufzupolieren, in dem er Drizzt tötet... auch wenn es sein Mütterchen wurmen würde. Aber es darf halt kein Buch zuende gehen, ohne daß Drizzt jemand gefährlich in den Hintern säbelt.
Die Saga vom Dunkelelf /Darkelf Trilogy
1) Der dritte Sohn
2) Im Reich der Spinne
3) Der Wächter im Dunkel
4) Im Zeichen des Panthers
5) In Acht und Bann
6) Der Hüter des Waldes
Die Vergessenen Welten / Icewind Dale Trilogy
1) Der gesprungene Kristall
2) Die verschlungenen Pfade
3) Die Silbernen Ströme
4) Das Tal der Dunkelheit
5) Der Magische Stein
6) Der ewige Traum
Die Vergessenen Welten weitere Teile
7) Das Vermächtnis
8) Nacht ohne Sterne
9) Brüder des Dunkels
10) Die Küste der Schwerter
11) Kristall der Finsternis
12) Schattenzeit.
13) Der schwarze Zauber
14) Die Rückkehr der Hoffnung
15) Der Hexenkönig
16) Die Drachen der Blutsteinlande
Die Rückkehr des Dunkelelf
1) Die Invasion der Orks
2) Kampf der Kreaturen
3) Die zwei Schwerter
Fazit: Machoalarm, wie putzig
Name des Mitglieds: Vampire-Lady
Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik


04.05.08
***CROWN***