Ein Stück Hamburger GEschichte
Produkt:
Die Tortenbäckerin - Brigitte Janson
Datum: 01.02.12
Bewertung:
Vorteile: Idee, Stil, Umsetzung, Protagonisten
Nachteile: vorhersehbar
==Ein Stück Hamburger Geschichte==
Hallo lieber Leser, liebe Leserin.
Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, welches nur wenige Tage in meinem Buchregal stand, was sonst nur bei Rezensions-Exemplaren der Fall ist. Das Buch "Die Tortenbäckerin" habe ich ich bei einem Buchblog-Gewinnspiel gewonnen. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an "Claudias Bücherregal". Es war ein Titel, den ich schon vorher bei Vorablesen versucht habe zu bekommen, da mich historische Romane im Bereich Gastronomie stark interessieren. Schließlich komme ich selbst aus der Küche. Wie mir nun dieses historische Werk gefallen hat, lest selbst.
===Buchdaten===
Autor: Brigitte Janson
Titel: Die Tortenbäckerin
Verlag: Ullstein
Erschienen: 2011
ISBN-10: 3548282598
ISBN-13: 9783548282596
Seiten: 448
Kosten: 8,95Euro
===Leseinformationen===
Genre: historischer Roman
Niveau: durchschnittlich
Leserschaft: historische Fans von jung bis alt
Lesedauer: 2 Tage
===Autor/in===
Brigitte Janson wurde 1957 in Lübeck geboren. Viele Jahre war Hamburg ihre Wahlheimat, wo sie als Journalistin arbeitete. Heute lebt sie zusammen mit ihren Töchtern in den italienischen Marken. Die Tortenbäckerin ist ihr erster Roman. Die Website der Autorin: http://www.brigittejanson.de/ (Qulle: Amazon.de)
===Optischer Eindruck===
Optisch macht das Buch einen perfekten Eindruck. Ein gesichtloses Mädchen, welches Äpfel schält und dazu ein altmodisches Kleid trägt, passt in meinen Augen bestens zu diesem Thema. Es wirkt edel, passend und macht Lust auf das Buch
===Zitierter Klappentext===
Hamburg, 1895: Die junge Greta hat großes Talent zum Kochen, und zwischen Töpfen und Pfannen fühlt sie sich am wohlsten. Als sie ihre Stellung als Hilfsköchin verliert, ist sie verzweifelt. Doch Siggo, ein Fuhrunternehmer, vermittelt ihr Aufträge, und seine Mutter bringt ihr das Konditorhandwerk bei. Bald sind ihre Torten in der ganzen Stadt beliebt, und Greta könnte glücklich sein − gäbe es da nicht ein großes Geheimnis, das auf ihrer Seele lastet und Siggos Liebe zu ihr unmöglich macht.
===In eigenen Worten===
Wir befinden uns im Jahre 1895. Greta, ein Mädchen in den 20er Jahren arbeitet zusammen mit ihrer Tante als Köchin für ein vornehmes Haus. Als Hilfsköchin hat sie ein gutes Gespür für die Gerichte und neue Kreationen. Doch Greta verliert ihre Stellung, da der junge Christoph mit seinem Bruder nach Afrika geht, und somit eine Hilfskraft weniger benötigt wird. Für Greta ist dies dreifach schlimm. Ohne Geld kann sie ihre kranke Mutter nicht ausreichend versorgen, zudem ist sie bis über beide Ohren in Christoph verliebt und zu guter Letzt war er die einzige Person, die ihr dunkles Geheimnis kannte und sie dabei geholfen hat. Auf dem Weg nach Hause gerät sie vor den Fuhrwagen von Siggo, der sich augenblicklich in das Mädchen verliebt. Es entwickelt sich eine Freundschaft, sowie ein gemeinsames Unternehmen, denn mit dem Fuhrunternehmer kann er dank eines gehässigen Konkurrenten nicht genug verdienen. Er vermittelt Greta an Häuser, die eine Köchin als Aushilfe benötigen, und bekommt dadurch auch neue Kundenkontakte. Auf diese Weise kann Greta sogar das Sanatorium für ihre kranke Mutter bezahlen. Im Laufe der Zeit entwickelt auch Greta mehr Gefühle für Siggo, kann und will sich diese jedoch nicht eingestehen, denn ihr dunkles Geheimnis hält sie immer noch an Christoph. Als sie Siggo in einer traurigen Minute erzählt, was sie belastet, bietet er sowohl ihr als auch ihrer unehelichen Tochter Leni, die bei bösen Menschen untergebracht wurde, Hilfe an. Doch auch er kann nicht mehr machen, als dafür zu sorgen, dass sich die Krögers netter benehmen. Erst Oliver ein junger Freund der beiden ergreift die Initiative Leni mit einem riskanten Plan zu retten. Jetzt hätte alles perfekt werden können, da auch die Konkurrenz aus dem Weg ist, und Siggo endlich viel Geld verdienen kann. Doch dann taucht Christoph auf und verlangt nach Greta.
===Sarahs Meinung===
"Die Tortenbäckerin" ist der erste historische Roman der Autorin. Gerade bei historischer Literatur finde ich das erste Werk immer sehr interessant. Wie langatmig und altmodisch ist der Stil, wie realistisch die Umsetzung, wie interessant das Thema. Gerade bei diesem Werk musste mich die Autorin schon richtig überzeugen, um zu gefallen. Ich selbst komme aus der Gastronomie und zudem aus Hamburg.
Das Buch beginnt interessant und anschaulich mit der Einführung der Protagonistin Greta. Man lernt das attraktive junge Mädchen auf ihrer Arbeit kennen und erfährt sowohl ihre, als auch die Geschichte der Familie. Binnen weniger Seiten werden auch die restlichen Hauptfiguren, wie Siggo, Christoph oder Oliver erstaunlich lebendig eingeführt. Es sind keine besonderen Figuren und ihre Beschreibung ist auch nicht besonders detailliert. Und trotzdem sind sie so lebendig, als würden sie vor mir stehen. Der Autorin ist es mit wenigen Adjektiven gelungen ein hervorragendes Bild mit zahlreichen Facetten entstehen zu lassen. Für andere mag es auf Grund der wenigen beschreibenden Worte blass wirken, aber gerade darin liegt die Kunst es trotzdem lebendig erscheinen zu lassen. Handlungen, Emotionen und Gedanken sind klar und verständlich. Oftmals wusste man schon vorher, wie einzelne Protagonisten reagieren würden, da sie einem so vertraut erschienen, dass eine bestimmte Reaktion selbstverständlich erschien.
Die Protagonisten werden in die Welt von Hamburg um 1895 geworfen und obwohl diese Zeit völlig fremd ist, hatte ich das Gefühl sie zu kennen. Straßennamen, Wegbeschreibungen oder gar der Hamburger Hafen sind dabei. Es ist interessant zu sehen, wie Hamburg vor über 100 Jahren aufgebaut war, wie das Leben ihren Weg ging. Mit viel Liebe zum Detail hat Brigitte Janson das alte Hamburg beschrieben. Dabei ist sie auf historische Aspekte, wie die Tatsache, dass Altona früher nicht zu Hamburg gehörte oder nur eine elektrische Straßenbahn fuhr, eingegangen. Obwohl sie einen modernen, zeitgemäßen Stil verwendet, konnte man sich in die vergangene Zeit hineinversetzen. Man merkt sofort, dass hier ausführlich recherchiert wurde. So macht Geschichte in meinen Augen Spaß.
Während Greta sich am Hamburger Meßberg von Siggo verabschiedete, verließ daheim in Altona Oliver Kuhn mit flinken Beinen die Wohnung in der Georgstraße und lief die Treppe hinuter. Mathilde war endlich zur Arbeit gefahren, und er atmete erleichtert auf. (Zitat S. 193)
Auch sonst ist die Handlung angenehm. Sie ist zwar nichts besonderes, wie manche Rezensenten es formuliert haben, aber trotzdem macht das Lesen dieses Plots Freude. Das Problem der Autorin liegt darin, dass sie versucht Spannung aufzubauen, indem sie Geheimnisse oder bestimmte Wendungen einbaut. Leider erahnt jeder Leser, der auch nur etwas Verstand hat, sofort, worum es geht. Das merkt Brigitte Janson selbst immer, und löst binnen weniger Minuten die versuchte Spannung auf. Die Themen selbst sind nichts Neues, jedoch für die damalige Zeit passend. Zum Beispiel geht es um ein uneheliches Kind, das Verhältnis zwischen Dienstmagd und Herrschaften, der Fortschritt in Form von Elektrizität oder Automobilen, oder gar um Krankheiten, wie die Schwindsucht oder grauer Star. Und diese Punkte setzt die Autorin interessant und authentisch um.
Erzählt wird die Geschichte in keiner festen Perspektive. Die Autorin springt immer wieder zwischen den einzelnen Protagonisten und schafft es auf diese Art und Weise den Leser einen richtigen Einblick in die Gefühlswelt der einzelnen Figuren zu verschaffen. Dazu kommt der moderne Stil, der auf Grund seiner Einfachheit auch für jüngere Leser ansprechend ist. Dynamik, Klarheit und kurze Sätze sorgen für den Rest. Zudem vermeidet sie geschickt unnötige Wiederholungen und langgezogene Passagen. Dadurch entsteht ein angenehmer Lesefluss, der dazu beiträgt, das angefangene Buch nicht mehr aus der Hand legen zu können.
Der Schluss des Buches war alles andere als eine Überraschung und trotzdem empfand ich ihn als passend, angenehm, stimmig und logisch. Ein Hauch von Happy End durfte hier auch nicht fehlen.
Im Anschluss an das Buch gibt die Autorin preis, wie sie auf die Idee, diesen Roman zu verfassen. Interessant und fast wie eine eigene Geschichte verpackt sie das sonst so trockene Material. Dazu kommt eine hervorragende Idee mit der sie mich sogar an den Herd gelockt hat. Alle Gerichte, die im Buch genannt wurden, gibt in Form von Rezepten auf den letzten Seiten zum Nachkochen.
Im Großen und Ganzen ist der Autorin ein überzeugender historischer Roman gelungen, der Leser zwischen 16-99 in den Bann ziehen wird. Wer ein Stück Hamburger Geschichte verpackt in einer realistischen, leicht romantischen Handlung in Kombination mit einem angenehme Stil, sollte nicht länger warten.
===Abschließendes Fazit===
Ein Stück Hamburger Geschichte verpackt in einer gelungenen Handlung
Pro: Idee,Umsetzung, Stil, Protagonisten
Contra: vorhersehbar
Empfehlung: definitiv ja.
~*~ Danke ~*~ fürs ~*~ Bewerten ~*~ Lesen ~*~ Kommentieren ~*~
© Eure CQ für Sarahs Bücherwelt
Verwendete Zitate werden ausgewählt und eingebaut um den Stil, Spannungsanteil, Detailreichtum oder ähnliches aufzuzeigen. Sie gehören nach wie vor dem rechtlichen Eigentümer und dienen lediglich der Unterstützung meiner Rezension.
Fazit: Wunderschön, leicht und doch lehrreich
Name des Mitglieds: CyberQueeny




01.02.12
Krone