Pleite aber glücklich.
Produkt:
Die Schnäppchenjägerin - Sophie Kinsella
Datum: 14.02.12
Bewertung:
Vorteile: siehe Bericht
Nachteile: siehe Bericht
Habe ich früher pro Woche locker drei Romane verschlungen, so schaffe ich momentan mangels genügend Zeit vielleicht einen pro Monat. Da ich schwierigere Kost nicht so an mir vorbeirauschen lassen möchte, beschränke ich mich derzeit auf ganz triviale Literatur. So kam mir dieser Roman zwischen die Finger, der sich bestens eignet, um sich abends in den Schlaf zu lesen:
>> Die Schnäppchenjägerin - Sophie Kinsella <<
+++ Bezugsquelle & Preis +++
Gekauft habe ich das Taschenbuch bei amazon.
Dort habe ich den normalen Neupreis von 7,99 Euro bezahlt.
+++ Eckdaten +++
Titel: Die Schnäppchenjägerin
Originaltitel: Confessions of a shopaholic
Autorin: Sophie Kinsella
Übersetzung: Marieke Heimburger
Verlag: Goldmann
Erscheinungsjahr: 2000
Seitenanzahl: 416 Seiten
Genre: Humor/ Frauenroman
+++ Sophie Kinsella +++
Sophie Kinsella (eigentlich Madeleine Wickham; * 12. Dezember 1969 in London) ist eine britische Autorin.
Kinsella war Finanzjournalistin und startete dann eine Karriere als Autorin von Frauenromanen. Ihren bislang größten Erfolg feierte sie mit der "Shopaholic"-Reihe: Als Journalistin eines Finanzmagazins berät ihre Heldin Rebecca Bloomwood andere im Umgang mit Geld - und ist selbst chronisch verschuldet. Kreditkartenabrechnungen ignoriert sie nach Kräften, und letzte Mahnungen verschwinden auch schon mal im Bauschuttcontainer nebenan. Auch nachdem sie einen reichen Mann geheiratet hat, kann Rebecca nicht mit dem Shoppen aufhören.
Andere Heldinnen Kinsellas geraten ebenfalls immer wieder in abstruse und lustige Situationen, aus denen sie sich nur durch ihre Kreativität befreien können.
Sophie Kinsella lebt mit ihrer Familie in Hertfordshire.
Quelle: www.wikipedia.de
+++ Die Schnäppchenjägerin +++
Rebecca Bloomwood ist die typische Mittzwanzigerin in London: Sie geht ihrem Job als Journalistin für ein Finanzmagazin nach, obwohl sie von Finanzen keine Ahnung hat und sie ist chronisch pleite. Rebecca bekommt einen Brief von ihrer Bank nach dem anderen. Die Frau ist nicht dämlich und vertröstet die Damen und Herren des Finanzwesens stets mit neuen abenteuerlichen Geschichten, warum sie gerade nicht bezahlen kann - Pfeiffersches Drüsenfieber, Beinbruch, tote Tante.
Rebecca beschließt dennoch, etwas ändern zu wollen und legt sich einen Ratgeber zu, nach dem sie von nun an strikt leben möchte. Sie befolgt die Ratschläge, frisiert sie jedoch mit eigenen Ansichten und genehmigt sich die eine oder andere Ausnahme. Dies führt natürlich zu nur noch mehr Schulden.
So muss auch das arglose Sonnenscheinchen Bloomwood einsehen, dass man nicht mal eben schnell im Lotto gewinnt und dass auch heiratswillige, halb tote Milliardäre nicht auf Bäumen wachsen...
+++ Eindrücke +++
Sophie Kinsella steht wohl, ähnlich wie die deutschen Pendants Kerstin Gier und Ildikó von Kürthy für Trivialliteratur vorm Herren. Anspruch gleich null, Humor eventuell durchaus vorhanden, Wiedererkennungswert für sich selbst als Leserin sowieso. Immer und andauernd erträgt man derlei Romane vermutlich nicht, zwischendurch können sie jedoch äußerst erheiternd sein und für viele Schmunzler sorgen, ja sogar dafür, dass man sich dabei ertappt, wie man denkt: "Das mache ich ja auch so!" Die Damen Autorinnen erfinden das Rad eben nie neu. Und dafür sind wir ihnen dankbar. Eigentlich.
Frauen und shopping - ein nie enden wollendes, weil doch zumeist so zutreffendes Klischee. So wird es doch immer wieder mal verwurstet oder ist zumindest zum Teil fast immer Thema eines derartigen Romanes. Kann aber ein Buch funktionieren, das sich ausschließlich damit befasst? Nun ja - "Die Schnäppchenjägerin" beginnt jedenfalls erst mal recht vielversprechend. Der Roman fängt mit einigen (noch) freundlichen Briefen diversen Banken und Kreditkarteninstituten an, in denen unsere Protagonistin dazu aufgefordert wird, ihre Schulden zu begleichen. Rebeccas Reaktionen darauf sind anfangs noch ganz witzig, irgendwann allerdings möchte man die Gute fragen, ob sie nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. Denn es wirkt doch arg weit hergeholt, wie Rebecca mit dem Problem ihrer Schulden umgeht, wie sehr sie sich eigentlich selbst bescheißt und damit immer weiter reinreitet. Sie bemüht sich ja, erscheint aber trotzdem nicht ganz knusper. (Allerdings könnte dies der tatsächlichen Realität wohl doch näher kommen als man meinen könnte, bedenkt man diverse Sendungen und denkt man an Peter Zwegat und seine Pappenheimer...). Wie dem auch sei - was anfangs noch ganz witzig ist und einen gewissen Spiegel darstellt, in den man selbst blickt, verkommt irgendwann zu purem Generve. Die gesamte Geschichte ist trotz ihrer durchaus realistischen Basis extrem überzogen. So extrem, dass man sich fast fragen möchte, ob Frau Kinsella das nicht doch irgendwie ernst meint. Als normal denkende Frau mit einem Hauch Köpfchen möchte man ihre Protagonistin eigentlich nur wieder und wieder mit ihren Gucci Schuhen malträtieren.
Übrigens noch so ein Punkt - Otto Normal Frau hat doch eigentlich gar nicht das Geld für Prada, Gucci und Co. , oder? Und Otto Normal Frau gibt doch auch bitteschön keine 100 Euro für eine Duftkerze aus - oder? Irgendwie wirkt das alles sehr realitätsfern. Klar, schlagen wir gerne über die Stränge und kaufen uns vielleicht den Rock oder die Hose, die wir nicht zwingend brauchen oder wir uns vielleicht gerade nicht leisten können. Dann handelt es sich aber doch eher um Dinge, die noch im Bereich des Bezahlbaren liegen, nehme ich an. So erscheint die Kaufsucht der Rebecca Bloomwood genauso fern jedweder Nachvollziehbarkeit wie das Konsumverhalten der Damen aus "Sex & the City".
Ich verrate von der tiefgründigen Handlung garantiert nicht zu viel, wenn ich sage, dass Rebecca irgendwann aufwacht und feststellt, dass sie richtig tief in der Scheiße sitzt. Plötzlich kommt eine gewisse Realität zurück. Die Gedankengänge der Protagonistin erscheinen sowas wie normal. Außerdem touchiert Sophie Kinsellla ab diesem Punkt, wenn auch eigentlich meilenwert entfernt, das Thema Kaufen als wirkliche Sucht. Hätte man ihr gar nicht mehr zugetraut.
Eigentlich gibt es über den Schreibstil dieses Romans gar nicht so furchtbar viel zu sagen. Denn er ist simpel, das Einfachste vom Einfachen und damit in Konsequenz leicht, flüssig sowie flott zu lesen. (Genau das Richtige also, wenn ohnehin kaum mehr Zeit hat, als abends im Bett ein paar Minuten.) "Die Schnäppchenjägerin" ist aus Sicht der Hauptfigur Rebecca Bloomwood aus Ich - Perspektive geschrieben. Dies lässt, wie immer bei diesem Schreibstil, einen ziemlich guten Blick auf die in diesem Fall nicht gerade sehr vielschichtige Hauptfigur zu. Man blickt durch ihre Augen und in ihre verquere Gedankenwelt. Man findet sich jedoch nur selten wieder. Dennoch eignet sich der Stil an sich locker, um den Roman an zwei, drei verregneten Sonntagnachmittagen durchzulesen.
Rebecca Bloomwood - viel erwähnt bis hierher und vermutlich ist der Eindruck klar. Rebecca hat einen Knall. Sie ist kaufsüchtig. Sie findet vor sich selbst stets eine Vielzahl von Begründungen für dieses Kleidungsstück oder jene Holzschale, die sich im Nachhinein doch als potthässlich erweist. Selten kann man sich in die Frau hineinversetzen, sie verstehen schon mal gar nicht - jedenfalls nicht als normal denkendes Wesen. Dies führt leider in Konsequenz dazu, dass sie einem nie wirklich sympathisch wird. Man kann einfach keine Sympathie für einen so dermaßen beschränkten Menschen empfinden. An so mancher Passage fragt man sich, ob man es mit einer erwachsenen Frau zutun hat oder mit einem aufmerksamkeitsgestörten Kleinkind.
Vielmehr Randfiguren gibt es übrigens nicht, die der Erwähnung wert wäre. Außer vielleicht Luke Brandon, ein reicher und offenbar äußerst gut aussehender wie sympathischer junger Mann, der mit Rebecca Koffer shoppen geht - für seine Freundin...
Alles in allem kann man sich "Die Schnäppchenjägerin" eigentlich sparen. Sicher, der Roman unterhält einen erst mal auf ganz witzige Weise, man kann ein bisschen Zeit totschlagen und sagen: Ich habe ein Buch gelesen. Aber im Endeffekt läuft das Niveau dessen, was man sich hiermit zu Gemüte führt auf dasselbe hinaus, das wir täglich zu Hauf im TV in Form von diversen Realityshows kriegen - dumme Leute, die noch Dümmeres tun und absolut keinen Rat annehmen. Da fragt man sich doch, ob man sich das wirklich antun muss. Meine klare Antwort ist: Nein! Sicher, ab und zu mag ich Romane dieser Art - Kerstin Gier zum Beispiel konnte mich mit ebenso wenig Niveau und Anspruch deutlich besser unterhalten, Ildikó von Kürthy ebenfalls. Sophie Kinsella hat es hiermit nicht geschafft. (Ich gebe ihr dennoch noch eine Chance und habe mir einen anderen Roman von ihr ersteigert.) Für "Die Schnäppchenjägerin" (übrigens auch verfilmt) gibt es an dieser Stelle erst mal nur zwei Sterne und ein klares: Finger weg, Mädels.
Fazit: siehe Bericht
Name des Mitglieds: BulmaZ




16.02.12
KRONE!