Die Kuppel des Himmels - Sebastian Fleming
Bramante gegen Michelangelo - Meister gegen Genie! - Die Kuppel des Himmels - Sebastian Fleming Belletristik
Bramante gegen Michelangelo - Meister gegen Genie! - Die Kuppel des Himmels - Sebastian Fleming Belletristik

Erhältlich in: 6 Shops

Kurzbeschreibung: Genre: Romane / Jahr: 2010

 
 

Bramante gegen Michelangelo - Meister gegen Genie!

Produkt:

Die Kuppel des Himmels - Sebastian Fleming

Datum: 25.02.11, geändert am 08.08.11 (149 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: großer Einblick in die Zeit der Renaissance in Rom, spannend

Nachteile: zum Ende hin flach

Heute möchte ich euch einen historischen Roman vorstellen, den ich vor kurzem geschenkt bekommen habe und in den letzten 3 Wochen gelesen habe. Ehrlich: gekauft hätte ich ihn mir nicht unbedingt, weil mich eigentlich fantastische Bücher mehr interessieren und davon zur Zeit mehr als genug im Handel sind, aber das Lesen hat sich trotzdem sehr gelohnt ... Geschichte kann ja so spannend sein!

Hier nun mein Bericht über den Roman: "Die Kuppel des Himmels" von Sebastian Fleming.

1. Allgemeines zum Buch
2. Der Autor: Sebastian Fleming
3. Inhaltsangabe
4. Geschichtlicher Hintergrund
5. Kleine Geschichten erzählen eine große Geschichte ... die Hauptfiguren
6. Der Roman als Ganzes
7. Fazit


+++ 1. Allgemeines zum Buch +++


Titel: Die Kuppel des Himmels
Autor: Sebastian Fleming
Historischer Roman
erschienen im Bastei - Lübbe Verlag (www.luebbe.de)
1. Auflage : Dezember 2010
ISBN: 978-3-404-16490-5
Preis: 9,99Euro
670 Seiten


+++ 2. Der Autor: Sebastian Fleming +++


Hinter dem Pseudonym Sebastian Fleming verbirgt sich der Autor Klaus - Rüdiger Mai, der 1963 in Straßfurt geboren wurde. Er studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie in Halle - Wittenberg. Mai arbeitete als Regisseur und Autor für das Theater und war 4 Jahre lang als Drehbuchautor, Dramaturg und Produzent tätig.

Bekannt wurde er später vor allem als Sachbuchautor. So veröffentlichte er 2005 eine Biographie von Michael Gorbatschow, 2007 die Biografiensammlung "Von Paulus bis Mutter Teresa" und schrieb 2006 "Der Bronzehändler". Viel Beachtung fanden seine Biographie von Papst Benedikt XVI. (2005), das Sachbuch "Geheimbünde. Mythos, Macht und Wirklichkeit" (2006) und zuletzt "Der Vatikan. Geschichte einer Weltmacht im Zwielicht" (2008).

Unter dem Pseudonym Sebastian Fleming veröffentlichte Mai seine beiden historischen Romane "Arminius" (2009) und "Die Kuppel des Himmels" (2010).



+++ 3. Inhaltsangabe +++



Rom gleicht einem Hexenkessel! Kriegerische und luxusversessene Päpste beherrschen die heilige Stadt. Es ist die Zeit der Renaissance. Geld spielt keine Rolle. Als der alte Petersdom zur Ruine wird, sieht Papst Julius II. seine Chance gekommen: dem baulichen Verfall längst überdrüssig, ringt er sich, angespornt durch die ehrgeizigen Pläne seines Architekten und Baumeisters Bramante, dazu durch, den kompletten Neubau des Petersdoms zu beauftragen. In diesen soll ein riesiges Grabmal eingefügt werden, in dem er einst seine Ruhe finden will und das ihn für alle Zeiten verewigen wird. Konstruiert werden soll dieses von Michelangelo Buonarotti. Doch es gibt erbitterte Gegner, die den Bau verhindern wollen. Sie gehen über Leichen...
Bramante konstruiert einen Kuppelbau, der das Licht des Herrn einfangen soll. Er beginnt mit dem Bau der vier großen Ecksäulen, wohl wissend, dass er das Ende des Baus nicht mehr erleben wird; aber sein Name soll für den Beginn des Baus und vor allem für die Kuppel stehen...

Im Mittelpunkt des Romans steht immer wieder der Bau des Petersdoms, mit allen Schwierigkeiten um die Architektur und die Bauarbeiter, die ebenso mit Nebenhandlungen bedacht werden wie die Sacco di Roma, die Plünderung von Rom im Jahr 1527. So entsteht für den Leser ein nahezu komplettes Bild der Zeit, und der Streit nach einem Zentralbau oder einem Langbau des Doms, bewusst von Bramante offen gelassen, zieht sich durch den Roman. Gekonnt erweckt Fleming den Baumeister Bramante und seinen genialen Konkurrenten Michelangelo zum Leben.



+++ 4. Geschichtlicher Hintergrund +++


Die Peterskirche in Rom, meist Petersdom genannt, ist die größte der Patriarchalbasiliken in Rom. Sie ist das Zentrum des unabhängigen Staats der Vatikanstadt.
Den Vorgängerbau ließ Konstantin der Große 324 errichten.

Heute fasst der Petersdom 20000 Personen und ist mit einer überbauten Fläche von 15.160m² eines der größten Kirchengebäude der Welt. Unter Papst Julius II. wurde der Grundstein für einen monumentalen Neubau am 18. April 1506 gelegt. Das sehr kostspielige Unternehmen wurde vor allem durch den Peterspfennig und den Verkauf von Ablässen finanziert. Bramante leitete den Bau bis 1514; ihm folgten weniger bedeutende Bauherren wie Raffael, Sangallo und Peruzzi, bevor Michelangelo die Bauleitung 1547 übernahm.

Nach insgesamt 120 Jahren Bauzeit und unzähligen weiteren Baumeistern, konnte am 18. November 1626 die neue Grabeskirche von Papst Urban VIII. geweiht werden.



+++ 5. Kleine Geschichten erzählen eine große Geschichte ... die Hauptfiguren +++


Da sicherlich niemand einen interessanten, gut lesbaren und spannenden Roman über die 120 jährige Bauzeit des Petersdoms schreiben kann, indem dieser selbst die Hauptrolle spielt, führt Fleming ziemlich schnell seine Protagonisten ein.
Der Großteil der Geschichte rankt sich somit um das Leben und Schaffen der Künstler Bramante und Michelangelo und ihrem Mäzen Papst Julius II.

Mehr als die Hälfte des Buches widmet Fleming dem Bauleiter des ehrgeizigen Projektes: Donato Bramante, eigentlich Donato di Pascuccio d´Antonio (1444 - 1514, italienischer Baumeister, Begründer der sogenannten Hochrenaissancearchitektur). Eingeführt als ein dicklicher Mann mittleren Standes, der seine schönsten Stunden in den angesagten Bordellen der Stadt Rom verbringt, für sein Leben gern isst und trinkt, wenig Ordnung in seinem Leben hat und auch gern verschwitzt und unsauber durch die Gegend läuft, fällt es dem Leser anfangs schwer, mehr als Interesse an seiner Figur zu finden. Er ist eigentlich der Typ Mann, um den anständige Frauen einen großen Bogen machen! Einzig die Edel - Kurtisane Imperia vermag in ihm mehr zu sehen: beide verbindet eine starke Liebe, die jedoch nicht zur Hochzeit führt, weil Imperia durch eine Standesheirat ihre uneheliche Tochter in die höheren Gesellschaftsschichten Roms einführen will. So bleibt Bramante allein. Durch die Aufnahme in den Geheimbund Fedeli d´Amore ändert sich Bramantes Leben schlagartig. Er studiert "Die göttliche Kommödie" von Dante und " Das Buch der Baumeister ". Diese, sowie Studien an den antiken Ruinen der Stadt, führen zum ersten Entwurf des Neubaus. Bramante traf in Rom auf ein fruchtbares künstlerisches Klima, für welches ab 1503 Papst Julius II. sorgte. Neben Bramante beschäftigte er weitere Künstler, wie Sangallo und Michelangelo, gegen die sich Bramante mit seinen Entwürfen zum Neubau des Petersdoms durchsetzte. Unter seiner Leitung begann der Neubau 1506. Als Bramante 1514 starb, stand von seinem Hauptwerk nicht viel mehr als die vier Kuppelpfeiler, ein provisorischer Chor und ein Schutzhaus über dem Petrusgrab.
Die Studien Dantes´ und seine Tätigkeit als Roms erster Bauleiter ließen Bramante seinen Lebensstil grundlegend ändern. Er kehrte zurück zum wahren Glauben, übernahm die Vaterrolle für Imperias Tochter Lucrezia und wurde zu einem ehrbaren, sehr angesehenen Bürger Roms.

Bereits als junger Lehrling wird im ersten Drittel des Buches Michelangelo Buonarroti (1475 - 1564, italienischer Maler, Architekt und Künstler) eingeführt. Als überragender Künstler mit kessem Mundwerk erobert er, von Geburt eher mittellos, die oberen Gesellschaftsschichten im Sturm, fällt aber durch anstößige Überheblichkeit und fehlende Demut schnell wieder in seine alte Position. In den Steinbrüchen von Carrara, wo er den Marmor für Julius´ Grabmal aussucht, gelangt er zur ehrlichen Demut vor Gott, wird jedoch Zeit seines Lebens zwischen Genie und Wahnsinn schwanken. Seine Werke bekommen höchste Anerkennung, als Mensch bleibt er ein eher unbeachteter Einzelgänger. Er übernimmt die Bauleitung am Petersdom nach dem Tod Rafaels im Jahre 1547. Als Meister der Baukunst erkennt er als einziger die ehrgeizigen Pläne Bramantes, versucht sie umzusetzen, scheitert jedoch, obwohl politisch völlig uninteressiert, an den kirchlichen Ketzereien seiner Zeit.

Die dritte Hauptfigur ist Papst Julius II. (1443 - 1513), Papst von 1503 - 1513. Er begründete im Jahre 1506 die päpstliche Leibwache Schweizergarde und verstand sein Amt mehr im Sinne eines italienischen Territorialfürsten. Mit der Grundsteinlegung des Petersdomes am 18. April 1506 wollte er die größte und prächtigste Kirche des Erdkreises erstellen. Julius zeigte sich dabei als ehrgeiziger Kunst -Mäzen, um das Ansehen des Papsttums und der christlichen Kirche zu vergrößern. Er engagierte die größten Künstler seiner Zeit, um Rom städtebaulich gänzlich umzugestalten und einen Neubau der baufälligen Peterskirche errichten.
Gezeichnet im Roman als überehrgeiziger, machtbesessener Papst, unterstützt er Bramante in allen Vorhaben.

Neben den Hauptpersonen gibt es zahlreiche Nebenfiguren, die den Roman voranbringen und in Nebenhandlungen einleiten, die zum Verständnis der Zeit und dem Handeln der Menschen wichtig sind.
Durch die Konzentration auf das Leben und Schaffen der drei Protagonisten, verliert der Roman an Schwung mit deren Sterben. Nachfolgende Bauherren werden blass gezeichnet, da für Fleming der Roman abgeschlossen scheint.


+++ 7. Der Roman als Ganzes +++


Viele kleine Geschichten erzählen auf über 670 Seiten eine große Geschichte über den Petersdom. Das Cover zeigt ein Bild der Kuppel, um die sich letztlich alles dreht. Wie von den Architekten gewollt, erscheint sie im Licht des Herrn, mit dem Vorbild der Kuppel des Pantheons, welches heute noch begehbar und erlebbar ist.
Der Roman, der nach einer langatmigen Einführung immer mehr an Tempo gewinnt, ist sprachlich spannend und gut umgesetzt und braucht sich vor einem Vergleich mit anderen großen historischen Romanen nicht scheuen. Hat man sich einmal eingelesen, möchte man das Buch gar nicht mehr zur Seite legen. Der Roman erzählt die Geschichte des Petersdoms über 120 Jahre sehr detailgetreu, wobei sich Fleming vor allem auf die Zeit von 1492 - 1514 (Baubeginn bis Tod Bramantes) konzentriert. Danach folgen einige (nicht unbedingt nachvollziehbare) Zeitsprünge über Michelangelos Tod (1564) bis zum Bauende im Jahre 1626, wobei die Zeit von 1574 bis 1626 gerademal eine Seite umfasst. Was sich anfangs spannend wie ein Krimi liest, bricht dann doch so plötzlich ab, dass man das Gefühl nicht los wird, der Autor wollte sein Werk schnell beenden. Auch die anfangs sehr blumige, ja fast geschwollene Renaissance - typische Sprache, nimmt an Niveau deutlich zum Ende hin ab. Auch auf einen Höhepunkt wartet der Leser vergeblich. Da der Dom als roter Faden die vielen einzelnen Geschichten als Ganzes zusammenhält, wäre es schöner gewesen, wenn allen Bauetappen gleichviel Augenmerk zugekommen wäre. Dagegen faszinieren die Persönlichkeiten und Schicksale rund um Sankt Peter zunehmend und zeichnen einen gelungenen Einblick in das Genie so berühmter Meister wie Michelangelo, Raffael und Bramante.



+++ 8. Fazit +++


Ein durchaus gelungener historischer Roman über die Baugeschichte des Petersdoms und seiner Meister, der von interessierten Lesern sicherlich gern gelesen wird. Schön wären einige Bauzeichnungen und Personenlisten, oder auch eine Zeittafel als Extras gewesen, um den Gesamteindruck des Buches abzurunden.


Vielen Dank für´s Lesen und Bewerten!

Fazit: Sehr lesenswert!

Name des Mitglieds: Brittili