Welch eine Enttäuschung!
Produkt:
Die Kunst, als Mann beachtet zu werden - Stefan Schwarz
Datum: 24.08.11, geändert am 19.02.12 (67 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Herrlich schräger Humor
Nachteile: Das kannte ich schon... :-(
Da habe ich mich doch in den vergangenen Monaten zu so etwas wie einem Fan von Stefan Schwarz entwickelt, dessen Humor mir außerordentlich gut gefällt. Es begann alles mit "Ich kann nicht, wenn die Katze zuschaut", danach folgten das Büchlein "Mann in Not" sowie der Roman "Hüftkreisen mit Nancy". Das alles hatte ich inzwischen gelesen - es wurde Zeit, dass ein neues Schwarz-Buch ins Haus kam. Und schon entdeckte ich "Die Kunst, als Mann beachtet zu werden". Warum ich davon außerordentlich enttäuscht war, ist im Folgenden zu lesen.
Der Kauf - und die Enttäuschung
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Das 2010 im Seitenstraßen-Verlag erschienene Buch mit 128 Seiten und gerade einmal 170 Gramm Gewicht entdeckte ich im Internet bei buecher.de, wo es für 9,90 Euro angeboten und entsprechend auch bestellt wurde. Daheim landete der Band mit Kurzgeschichten gar nicht erst ganz unten im Bücherstapel, sondern wurde recht zügig in Angriff genommen. Aber was war das denn? Irgendwie kamen mir die Geschichten in diesem Band außerordentlich bekannt vor! Und das galt nicht nur für die erste und die zweite - sondern irgendwie für alle Werke. Flugs wurde mein Stapel bereits gelesener Bücher durchsucht - und dort fand ich "Mann in Not", erschienen 2007 im Goldmann-Verlag - mit einem absolut identischen Inhalt! Das war denn ja nun wirklich ärgerlich, denn einerseits hatte ich 9,90 Euro im Grunde genommen für nichts ausgegeben, andererseits musste ich auf den Lesegenuss verzichten, auf den ich mich doch eigentlich so gefreut hatte. Der steht nun meinem im Büro mir gegenüber sitzendem Kollegen bevor, denn kurzerhand vermachte ich ihm meine für mich so enttäuschende Neu-Erwerbung. Die Schwarzschen Geschichten allerdings sind das Lesen durchaus wert - und wenn außer meinem Kollegen noch jemand Interesse an der Kunst, als Mann beachtet zu werden, haben sollte, dann tut er recht daran. Und deswegen darf ich trotz allen Ärgers noch ein paar Zeilen zu meiner Erst-Lektüre dieses Buches verlieren.
Der Autor
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Stefan Schwarz wurde 1965 geboren. Er schreibt monatliche Kolumnen über das Familienleben im "Magazin", einer Berliner Traditions-Zeitschrift. Schwarz lebt mit Frau und Kindern in Leipzig. Er bezeichnet sich selbst gern als Allerweltsjournalist und Gelegenheits-Schriftsteller, während das Satire-Magazin Titanic ihn "den einzigen im komischen Sinne ernstzunehmenden Kolumnisten im Osten Deutschlands" bezeichnete. In seinen Kolumnen berichtet Schwarz über das letzte Abenteuer der Menschheit - das Familienleben.
Der Inhalt (Buchklappe)
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Braucht ein Mann mit zwei Kindern wirklich noch Qualitätssperma? Muss er der Liebsten beim Vorlesen des Einkaufszettels noch Wort für Wort an den Lippen hängen? Warum ist es leichter, Fidel Castro das Rauchen abzugewöhnen, als die eigenen Kinder zu erziehen? Stefan Schwarz kennt sich aus im Langzeitbeziehungsdschungel und erzählt mitreißend von seinen alltäglichen Selbstbehauptungsversuchen als Mann, Vater und erwachsener Sohn.
Leseprobe
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Mein Name ist Stefan Schwarz. Ich bin jetzt vierzig Jahre alt und hatte einmal fast schon Blut im Urin. Es war aber doch nur, weil ich vorher Rote Bete gegessen hatte. Eine Freundin habe ich leider nicht mehr, weil ich meine Freundin geheiratet habe. Meine Frau dreht den Hitzeregler immer auf zehn, wenn sie Haferbrei für die Kinder macht. Ich dreh ihn immer auf sieben. Bei meiner Frau brennt der Haferbrei immer an und bei mir nicht. So geht das jetzt schon Jahre. Ich liebe meine Frau, obwohl es in puncto Haferbrei ein bisschen mühsam ist. Ich bin der Vater des Sohnes, den der Klassenlehrer in der Elternversammlung immer meint, wenn er "hier keine Namen nennen will".
Meine Meinung
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Wie oben schon beschrieben: Der Autor dieses Werkes war mir schon vor der Lektüre des Buches ein Begriff - und dementsprechend hatte ich auch eine klare Erwartungshaltung dem Druckerzeugnis gegenüber. Und die war sicherlich nicht gering! Aber: Zunächst wurde ich ein wenig enttäuscht, denn die Kurzgeschichten des in drei Teile gegliederten Werkes (Wenn Frauen so schauen; Aus den Trollkriegen; Das Walten der Alten) waren zwar durchaus amüsant, meiner Meinung nach aber nicht so geschliffen ausformuliert wie ich das von Stefan Schwarz kannte. Aber diese Enttäuschung sollte sich bald legen, denn im zweiten und dritten Teil geht es so richtig zur Sache. Und so saß ich im Wohnzimmer, in mein Büchlein vertieft, und hatte ein ständiges Schmunzeln im Gesicht, das nur durch zwischenzeitlich lautes Lachen unterbrochen wurde. Einfach herrlich, wie der Mann den ganz normalen Wahnsinn (sprich: Den Alltag) aufarbeitet. Immer wieder kann ich mich in dem Buch selbst wieder erkennen - aber ich bezweifle, dass ich derartig schlagfertig bin wie Schwarz, der sich zudem als Meister der Wort-Neuschöpfungen entpuppt. Wie dieser Mann mit Sprache umgehen kann, wie er aus eindeutig Zweideutigem Eindeutiges macht und anders herum - das ist wirklich meisterlich und sorgt dafür, dass das Lesen einfach zum Genuss wird.
Das Leben in und mit einer Familie - es birgt zweifelsohne Gefahren. Gefahren, die wir alle kennen, aber vielleicht gar nicht als solche wahrnehmen. Erst der Spiegel, den Stefan Schwarz uns vor Augen hält, macht sie deutlich und verkündet zugleich: Nimm sie nicht ernst! Ernsthaftigkeit nämlich passt zu diesem Satiriker einfach nicht, der die Übertreibung nicht übertreibt und das Understatement nicht zu niedrig ansiedelt. Es passt einfach alles. Stefan Schwarz ist der Mann in Not, ich bin der Mann mit dem Lachkrampf, der von der besten Ehefrau von allen kritisch bei der Lektüre beäugt wird. Aber das könnte schon wieder eine Geschichte sein, derer sich der Autor annimmt. Mal sehen - vielleicht tut er das beim nächsten Mal, denn mit absoluter Sicherheit war dies nicht das letzte Werk dieses Autoren, das in unser Bücherregal Einzug hält.
Nicht zu empfehlen ist übrigens, sich das Büchlein vorzunehmen und es in einem Rutsch zu konsumieren. Viel mehr Freude bereitet es, wenn sich der Leser oder die Leserin (ja, das Ding ist durchaus auch für Frauen geeignet!) für jeden Tag nur ein, zwei Geschichten vornimmt, um das Buch dann wieder zur Seite zu legen und es sich tags darauf erneut zu Gemüte zu führen. Im übrigen lassen sich die Geschichten des Herrn Schwarz auch hervorragend vorlesen: Sowohl die Gattin als auch Sohnemann, Vater einer fast zweijährigen Tochter, hatten Tränen in den Augen, als ich aus ihrem Leben vorlas. Oder war das doch ein ganz anderes Leben...?
Nachsatz
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Trotz meiner Enttäuschung vergebe ich die volle Punktzahl für dieses Buch, denn für sich allein betrachtet hat es die verdient - und andere Konsumenten werden wohl kaum die gleiche Erfahrung machen wie ich selbst, zumal sie ja jetzt gewarnt sind.
Fazit: Ich hoffe noch auf das nächste Schwarz-Buch!
Name des Mitglieds: dik1609




08.10.11
Meine Frau ist meine beste Freundin, immer noch *gg*