Die Königsmacherin - Martina Kempff
Historisches aus der Eifel - Die Königsmacherin - Martina Kempff Romane & Erzählungen

Historisches aus der Eifel
Die Königsmacherin - Martina Kempff

orlan

Name des Mitglieds: orlan

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Die Königsmacherin - Martina Kempff

Datum: 28.02.07

Bewertung:

Vorteile: unterhaltsam

Nachteile: Kleinigkeiten

„Die Königsmacherin“ ist ein 459 Seiten umfassender historischer Roman von Martina Kempff.

Inhalt
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Im Jahr 741 soll die junge Bertrada von Laon Pippin, den Sohn Karl Martells, heiraten. Pippin und sein Bruder Karlmann sind die Hausmeier und damit auch die eigentlichen Machthaber des fränkischen Reiches. Der Weg, den der Brautzug nehmen soll, führt durch nicht ganz ungefährliches Gebiet, so dass Graf Fulco, der Abgesandte Pippins, und Mima, die Amme Bertradas, es für ratsam halten, dass Bertrada und Leutberga, die Tochter Mimas und Ziehschwester Bertradas, die Rollen tauschen, um die Sicherheit der Braut zu gewährleisten.
Doch Bertrada wird von der Gruppe getrennt und fällt einem vorbeikommenden Edelmann in die Hände, der sie grausam vergewaltigt. Bertrada ist am Boden zerstört und nur mit fremder Hilfe gelingt es ihr, ihren Lebenswillen wiederzuerlangen. Nach Hause zu ihren Eltern traut sie sich nicht und auch ihrem Bräutigam will sie nach der ihr angetanen Schande nicht unter die Augen treten. Aus diesem Grund wendet sie sich unter falschem Namen nach Prüm, das zum Einflussbereich ihrer Großmutter gehört, nach der sie selbst benannt wurde, die von allen aber nur Frau Berta genannt wird.
Unerkannt findet sie Aufnahme in dem Haushalt Frau Bertas, der sie bald nahezu unersetzlich wird. In Prüm trifft sie so auch zum ersten Mal auf Karlmann, den Bruder ihres Bräutigams. Sie muss erfahren, dass Leutberga, Mima und Graf Fulco die Scharade weitergespielt haben. Leutberga ist unter Bertradas Namen an Pippins Hof gelangt und dort seine Frau geworden.
Doch als Pippin und ihre Eltern schließlich nach Prüm kommen, lässt Bertrada ihre Maskerade fallen und gibt sich zu erkennen. Der Hausmeier ist außer sich und schwört den Übeltätern blutige Rache.
In den folgenden Jahren wird Bertrada trotz anfänglicher Schwierigkeiten zu einer wertvollen Stütze Pippins. Gemeinsam gelingt es ihnen, Pippin die Königswürde zu verschaffen, die schließlich sogar vom Papst feierlich legitimiert wird, dem Pippin ein ums andere Mal gegen feindliche Bedrohungen zu Hilfe kommt und den er mit weitreichenden Ländereien bedenkt.
Mit dem päpstlichen Segen ist auch die königliche Zukunft Karls, des Sohns Bertradas und Pippins, gesichert. Doch es dauert nicht lange, da kommt es zwischen Karl und seinem Bruder Karlmann zu ersten Spannungen. Genau das, was Bertrada Zeit ihres Lebens zu verhindern suchte.

Meine Meinung
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Auch wenn selbstverständlich Bertrada die Hauptfigur in diesem Roman ist, spielen zwangsläufig auch immer wieder die Zusammentreffen und Auseinandersetzungen ungleicher Brüderpaare eine wichtige Rolle. Da sind zum einen die Hausmeier Pippin und Karlmann, die die Herrschaft über das fränkische Reich unter sich aufgeteilt haben, bevor Pippin versucht, es ganz unter seine Kontrolle zu bringen, und zum anderen – eine Generation später – Bertradas und Pippins Söhne Karl und Karlmann, die sich sehr zum Leidwesen ihrer Mutter auch immer weiter voneinander entfernen. So versucht Karl schon im Kindesalter, seinen Bruder als eventuellen Konkurrenten auf den Thron seines Vaters zu beseitigen.

Bei all diesen Machtkämpfen um die Königskrone kommen aber auch die privaten Machtkämpfe in Bertradas Ehe nicht zu kurz. Hier stellt die junge Adlige gleich von Anfang an klar, dass sie nicht gewillt ist, sich von ihrem Mann unterdrücken zu lassen. Und tatsächlich entwickelt sich nach anfänglicher Abneigung ein gewisses Gefühl von Liebe.

Besonders gefallen hat mir der Schauplatz des Romans, der während der gesamten Geschichte immer wieder in den Mittelpunkt gerückt wird, nämlich das kleine Städtchen Prüm in der Eifel. Da ich die dortige Gegend recht gut kenne, habe ich mich besonders darauf gefreut, diesen Roman zu lesen. Allerdings fiel es mir anhand der nicht sehr ausgeprägten Landschaftsbeschreibungen etwas schwer, mich wirklich in diese Gegend hineinzuversetzen, auch wenn mir die Orts- und Flussnamen, die in dem Roman vorkamen, natürlich bekannt waren.
Aber die Autorin wollte natürlich auch keinen Reiseführer, sondern einen historischen Roman schreiben ;-).

An der Geschichte selbst habe ich kaum etwas auszusetzen. Sie ist unterhaltsam geschrieben und wurde mir eigentlich nie langweilig. Ich kann „Die Königsmacherin“ also guten Gewissens empfehlen, auch wenn der Roman vielleicht kein Werk ist, das besonders aus der Vielzahl anderer Bücher dieses Genres herausragt.
Vier Sterne hat sich „Die Königsmacherin“ aber durchaus verdient.

Daten
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Die Königsmacherin / Kempff, Martina
Piper Verlag, 2006
Taschenbuch, 459 Seiten
ISBN: 3-492-24717-2
Preis: 8,95 Euro

Fazit: Solider historischer Roman

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