
Kurzbeschreibung: Lübbe, Berg.-Gladb.
...und noch ein Commissario
Produkt:
Die Form des Wassers (Camilleri, Andrea)
Datum: 10.11.01, geändert am 10.11.01 (48 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: spannend, Lokalkolorit
Nachteile: etwas kurz
Ich habe einen neuen Eintrag in mein literarisches NdV vorgenommen: Commissario Salvo Montalbano - er ist Sizilianer, schlitzohriger Mordkommissar, ein Freund guten Essens und schöner Frauen und gesellt sich damit in eine Reihe mit seinem venezianischen Landsmann Brunetti, dem adeligen Lynley aus London und Wallander aus dem schwedischen Ystad.
Dass ich Montalbano schon nach seinem ersten gelösten Fall begeistert willkommen heiße, liegt an der Autorenschaft seines Schöpfers Andrea Camilleri, ebenfalls Sizilianer und Schriftsteller, Drehbuchautor, Regisseur und Professor an der Akademie für dramatische Kunst Silvio d´Amico in Rom.
Camilleri hat es meisterhaft verstanden, seinen Kriminalerstling mit einem sympathischen Protagonisten zu besetzen und vor allem das Lokalkolorit in deftiger Sprache zu zeichnen, wobei er auch kundig sizilianische Bräuche der ehrenwerten Gesellschaft vorstellt: politische Intrigen, Bestechung, Erpressung, drive-by-shooting, Vendetta und die phantasievolle Tötungsart des incaprettare, also Hände und Füße wie bei einem Zicklein auf dem Rücken zusammengebunden mit einer Schnur, die um den Hals führt und mit der sich das Opfer zwangsweise selbst erdrosselt.
All diese Ingredienzen sind im Roman "Die Form des Wassers" vorhanden, dessen Titel mehrdeutig auf die Gestaltlosigkeit und Formbarkeit eines Elements hinweist.
Worum es geht: der Ingenieur Luparello, nach außen honoriger lokaler Parteichef und angesehener Bürger des Küstenstädtchens Vigàta mit geheimen bisexuellen Neigungen, wird an einem für ihn kompromittierenden Ort, der Mànnara, dem Rotlichtviertel, tot in seinem BMW aufgefunden. Es deutet alles auf einen natürlichen Tod eines Herzkranken beim Sex hin, was auch die Gerichtsmedizin bestätigt. Verschiedene Interventionen von oben, die Sache so schnell wie möglich ab zu schließen, lassen bei Montalbano ein ungutes Gefühl hoch kommen.
Seine Recherchen stehen unter großem Zeitdruck, e
s gelingt ihm aber, durch List und auch eine gehörige Portion Sturheit Stein für Stein des Mosaiks um diese bewusst inszenierte Rufschädigung, die mit einem Schlag eine neue Politkarriere begründet und verschiedene für die sizilianische Mentalität wichtige Abhängigkeiten geschaffen hätte, zusammen zu tragen und das Komplott mit den folgenden Verzweiflungstaten auf zu klären, die Staffage bilden ein gerissener Anwalt, eine liebestolle Schwedin, Transvestiten, Huren, Homosexuelle, Zuhälter und ein paar der erwähnten ehrenwerten Bürger...
Im Epilog merkt Camilleri Folgendes an: "Ich halte es für wichtig zu betonen, dass die vorliegende Geschichte weder auf einer wahren Begebenheit beruht noch tatsächliche Ereignisse beinhaltet, kurz gesagt, sie entspringt ganz und gar meiner Phantasie: Da aber die Realität heute auf dem besten Weg ist, die Phantasie zu überflügeln, ja, sie regelrecht aufzuheben scheint, kann ich die eine oder andere rein zufällige Ähnlichkeit mit Namen oder Geschehnissen nicht ausschließen: Doch für die Launen des Zufalls können wir, wie jedermann weiß, nicht zur Verantwortung gezogen werden."
Bertelsmann Club Premiere Taschenbuch # 06371 9
Euro 8,-
Fazit:
Name des Mitglieds: herbb
Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik


21.12.01
habe mir kürzlich auch ein Buch DIESES Autors zugelegt... Man lernt ja nie aus...