Die Farbe meines Gesichts (Kwalanda, Miriam)
Sextourismus in Kenia - Die Farbe meines Gesichts (Kwalanda, Miriam) Belletristik

Kurzbeschreibung: 327 Seiten - Droemer Knaur, Erscheinungsdatum: 2000; ISBN: 3426616831

 
 

Sextourismus in Kenia

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Die Farbe meines Gesichts (Kwalanda, Miriam)

Datum: 30.01.02, geändert am 30.01.02 (1528 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: interessante Lebensgeschichte

Nachteile: zu oberflächlich

Kenia als Urlaubsland: die meisten verbinden damit Meer, schöne Strände, das Kennenlernen einer interessanten Kultur. Doch in diesem Buch geht es um eine andere Art von Keniabesuchern - die Sextouristen.

Miriam Kwalanda erzählt in diesem Buch ihre ganze Lebensgeschichte. Angefangen von ihrer schon unerwünschten Geburt bis zu ihrem Leben in Deutschland heute. Doch eine chronologische Reihenfolge wird nicht eingehalten, was anfangs etwas verwirrend erscheint, am Ende jedoch von der Coautorin erklärt wird.

Die 1963 geborenen Miriam hatte alles andere als eine schöne Kindheit. Ihre Mutter wurde vom Vater verstoßen und ein Leben bei ihm war die Hölle. Er mißachtete sie, er schlug sie - bis sie schließlich von zu Hause ausriß. Schon hier erzählt sie über ihren leichtfertigen Umgang mit Männern (sie war gerade 13 Jahre alt!). Schließlich wurde sie in ein Heim für schwer erziehbare Kinder gesteckt, was nach ihren Beschreibungen aber eher einem Gefängnis glich.

Als sie volljährig ist zieht sie an die Küste nach Mombasa zu ihrer Mutter. Sie hat schon eine Tochter, die jedoch kränklich ist und später stirbt.
Hier beginnt nun aber der wirklich schockierende Teil. Miriams eigene Mutter macht sie zur Prostituierten. Aber für sie schien das nicht mal ungewöhnlich zu sein und das gute Verhältnis zu ihrer Mutter hat sich dadurch nicht verändert. Für sie war es schlimmer festzustellen, daß auch ihre Mutter dieser Arbeit nachging.

Nun beschreibt sie ihren Arbeitsalltag. Sie bleibt da auch teilweise in der ordinären Sprache ihres Milieus und wie sie so darüber erzählte, konnte ich in ihr nicht mehr das arme Mädchen sehen, was da unverschuldet hineingerutscht ist, sondern ein primitive Frau die sich damit brüstet wie sie die Männer abgezockt hat. Aber diese Art von Männern sind natürlich auch selber Schuld wenn sie sich auf eine so billige Art und Weise ausnehmen lassen. Schon ihre Anmachsprüche wie: "Gema Bungalow bumsi, bumsi?" sagen
doch alles...

Schließlich hat sie es so weit geschafft, daß sie einige Stammgäste hatte u.a. Heinz aus Deutschland, der sie schließlich heiratet und mit nach Deutschland nimmt. Nun dachte sie, daß sie am Ziel ihrer Träume ist. Aber Deutschland erwies sich dann doch nicht als Traumland und Heinz war alles andere als ein Traummann.
Hier konnte ich dann doch wieder etwas Sympathie für diese Frau entwickeln, denn ich kann mir vorstellen wie schwer es für sie gewesen sein muß anfangs hier zu leben. Sie konnte nur schwer Kontakte knüpfen, ihr Mann war Alkoholiker. Nach mehreren Jahren ließ sie sich scheiden und führt heute mit ihren 3 Kindern ein recht gutes Leben.

Wie schon erwähnt fiel es mir recht schwer Miriams Geschichte an einigen Stellen nachzuvollziehen. Oftmals war sie zu leichtsinnig und naiv und dadurch nicht ganz unschuldig an einigen Dingen die ihr im Leben widerfahren sind. Andererseits hat sie es vielleicht auch nicht anders gelernt. Sie zählt einfach die Männer auf, die die Väter ihrer Kinder sein könnten, als wäre es das normalste nicht zu wissen wer der Vater ist. Sie prahlt mit ihren Tricks, wie sie noch mehr Geld von den Männern bekam usw.

Am interessantesten fand ich noch, wenn sie über ihre Einstellungen zu gewissen Dingen schreibt und sogar einigen Überlegungen nachgeht, warum das so sein könnte. (z.B. wieso sie immer die Weisen bewundert hat und selbst verschiedene Cremes anwendete um heller zu werden oder was eigentlich ihr Männerbild geprägt hat, aber auch das die Männer die als Sextouristen nach Kenia kommen nicht dem normalen deutschen Mann entsprechen).
Ein wenig erfährt man auch über die Kultur Kenias. Aber das alles hält sich in Grenzen - leider!

Dieses Buch wird ja meist in einem Atemzug mit der "Wüstenblume", der "Weißen Massai" oder "Niemand sieht dich wenn du weinst" genannt, aber dieses Buch kann nicht das selbe bieten. Aber ich will nicht gänzlich davon abrate
n. Für diejenigen, die sich für Lebensgeschichten afrikanischer Frauen interessieren und auch mal was über die Schattenseiten des Keniatourismus erfahren wollen, ist es schon lesenswert. Durch die extrem einfache Sprache kann man es schnell durchlesen und ist dabei auch ganz gut unterhalten. Ab und zu konnte man sogar über die Dummheit der Touristen lachen.

Fazit:

Name des Mitglieds: Annja