Die Erde bleibt noch lange jung - Johannes Mario Simmel
Simmel war und ist für mich immer noch lesenswert!!! - Die Erde bleibt noch lange jung - Johannes Mario Simmel Belletristik
Simmel war und ist für mich immer noch lesenswert!!! - Die Erde bleibt noch lange jung - Johannes Mario Simmel Belletristik

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Kurzbeschreibung: Genre: Erzählung

 
 

Simmel war und ist für mich immer noch lesenswert!!!

Produkt:

Die Erde bleibt noch lange jung - Johannes Mario Simmel

Datum: 31.08.11

Bewertung:

Vorteile: leicht zu lesen, interessante Artikel des jungen Simmel

Nachteile: ./.

mein Buch hat anderes Cover, ist aber auch eine Ausgabe des Droemer/Knaur-Verlags, herausgegeben vom Deutschen Bücherbund


[[[[[Über den Autor]]]]]

"Johannes M. Simmel, geb. 1924 als Sohn eines jüdischen Chemikers und einer Lektorin in Wien, verbrachte seine Kindheit in Wien und England.

Nach seiner Ausbildung zum Chemie-Ingenieur war er ab 1943 als Heilmitteltechniker tätig.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitete er als Dolmetscher für die amerikanische Militärregierung in seinem Land. Seit 1948 war er als Journalist tätig, schrieb Drehbücher, Reportagen und Serien.
Seit 1963 arbeitete Simmel als freier Schriftsteller und lebte in München oder Frankreich.
Der große Wurf gelang ihm 1960 mit dem Romantitel 'Es muss nicht immer Kaviar sein' und dem Bühnenstück 'Der Schulfreund'. Es folgten regelmäßige Veröffentlichungen von Romanen, von denen viele zum Erfolg wurden.
Der Literaturbetrieb stufte Simmels Romane teilweise noch als Trivialliteratur ein. Die Kritik an seinen Werken betraf die literarische Ästhetik, aber nicht die Inhalte. Seine Themen waren unter anderem Neonazismus, Umweltverschmutzung, Undurchschaubarkeit der Geheimdienste oder Drogenhandel.

Im März 2005 bekam der österreichische Schriftsteller das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.
Seit dem Jahr 1983 lebte der Autor im schweizerischen Zug, wo er am 1. Januar 2009 im Alter von 84 Jahren verstarb." (Verlagsinformation)
Ich selbst habe über den Autor mal eine Sendung gesehen, wo sein Schaffen, sein Leben und alles, und auch er selbst zu Wort kam. Er war ein Workaholic, der am laufenden Band schreiben musste. - Von einer Alkoholsucht schon lange befreit, erzählte er auch darüber. Diese Sendung war nach seinem Tod ausgestrahlt worden, wo dann seltsamerweise seine ehemaligen Kritiker ihren Irrtum bekannten, und auch teilweise zugaben, ihn nicht richtig erkannt und eingeschätzt zu haben.


Ich zitiere mal die Verlagsbeschreibung:
"Wie in "Zweiundzwanzig Zentimeter Zärtlichkeit", so sagt Johannes Mario Simmel, liegen in "Die Erde bleibt noch lange jung" vor dem Leser viele - natürlich sehr persönliche - Momentaufnahmen aus vergangenen Zeiten, so wie ich, der Reporter, sie gesehen und festgehalten habe. Es sind Geschichten, bei denen es um Recht und Unrecht, Hunger und Überfluß, Krieg und Frieden geht, um lustige und traurige, empörende und das Herz erhebende Ereignisse, um Revolutionen, um Menschen, die Menschen töten, und um Menschen, die Menschen helfen, um mächtige Politiker und um kranke Kinder, die beinahe elendiglich verreckt wären. Ganz gewiß sind alle diese Storys nicht weltbewegend. Aber ich denke mir immer: In den kleinen Geschichten der kleinen Leute spiegelt sich der Geist der Zeiten klarer wider als in den großen Geschichten der heroischen Helden-Helden. Und darüber sind wir sicherlich alle einig: Die heroischen Helden-Helden-Geschichten waren doch immer die schlimmsten. Gott schenke uns Frieden."


[[[[[Meine Zusammenfassung und Meinung]]]]]

Ich hatte ja damals vor Jahrzehnten seine Romane alle gelesen. Damals begeistert, und er war in aller Munde, jeder der viel las, las selbstverständlich auch immer den neuesten Simmel.
- Ich fand alle seine Romane sehr spannend, von der Thematik her hervorragend, zeitnah, auch literarisch sehr gut aufgebaut, wenn auch in einfacher Sprache. -

Von den Kritikern zeit seines Lebens verschmäht, erfuhr er nach seinem Tod eine Rehabilitierung seines Schaffens.
Und nach Jahrzehnten habe ich mal wieder zu einem Buch von ihm gegriffen, das ich noch nicht gelesen hatte, es sind Kurzgeschichten.
Er zeigt hier einige Artikel, die er damals in den Jahren 1944 und später in Zeitungen veröffentlicht hatte. In seiner Geschichte 'Ich will den Hamlet spielen' -
"Warum soll ich, der Bücherschreiber, nicht Theater spielen, wenn ich dazu den Drang verspüre - so wie es die Schauspieler (und andere Nicht-Bücherschreiber) unwiderstehlich zum Buchmachen drängt? Das habe ich mich anlässlich der Buchmesse 1978 gefragt."
In diesem Kapitel beschreibt er, wie das real so vor sich geht, sehr lustig dargelegt, mit den Leuten, die dann für diese Leute schreiben usw. - wie das in den Verlagen so alles abläuft.... - hier mal ein Auszug:
".....Ich habe das Bücherschreiben getragen 37 Jahr'. Ich will es tragen nimmermehr. Da sehe ich jetzt die Kritiker zittern. Plötzlich denken sie darüber nach, was aus ihnen werden soll, wenn ich keine Bücher mehr schreibe. Blitzartig überkommt sie die Erkenntnis, dass ich ihre Existenzgrundlage gewesen bin. Wovon leben, wenn man den Simmel nicht mehr in der Luft zerreißen, in den Boden stampfen, zur Sau machen kann in Zeitungen, in Magazinen, im Rundfunk, im Fernsehen? Wenns keinen Simmel mehr gibt zum Leichenfleddern für Analyen, Magisterarbeiten, Dissertationen? Was sind wir ohne den Simmel, fragen die Kritiker einander bleichen Angesichts. - Gemach, liebe Feinde, gemach. Nicht verzagen, Simmel fragen! Der sagt euch: Angst vor Arbeitslosigkeit? Keine Spur! Jetzt könnt ihre euch doch auf alle die neuen Autoren stürzen, die euch die blanke Brust bieten. Kapiert? Na also. - Da kommt schon wieder Farbe zurück in die verzagten bleichen Angesichter. Macht nun also die Bücher der Neuen zur Sau, dass das Herz im Leibe lacht, schreibt eure Kritiken wie bisher am besten, ohne das Buch gelesen zu haben - das befähigt bekanntlich zu gänzlich unbefangener und objektiver Einschätzung! -- Jetzt sehe ich, dass eure Autoren das Zittern kriegen. Tja, daran hättet ihr früher denken müssen! Warum zittert ihr eigentlich? Auf der Bühne seid ihr doch auch verrissen worden, dass es nur so geraucht hat, oder?"................!

In allen Geschichten prangert er Ungerechtigkeiten, Unmenschliches an. Auch Straftaten, die nie vor ein Gericht kommen, Verhaltensweisen von Menschen jeglicher Art. Da seine Kurzgeschichten fast alle in den Zeiten um 1945 spielen, ist ein Thema von ihm auch "Die Schweine in Uniform" - wo er über atomare Versuche in den Bikini-Atolls berichtet, wo sich mir die Haare zu Berge stellen. Ich denke, keiner von uns wusste das, was damals bereits geschah, welche Umweltverseuchungen damals ohne Bedenken und ohne die Welt zu informieren, stattgefunden hatten.
Im Kapitel "Die Naturgeschichte des Unsinns" - 1946 - das Simmel als eines der schönsten Bücher der Welt bezeichnet. Autor: Bergen Evans, Prof der Anglistik an einer amerikanischen Uni. Evans erzählt hier, wie er sich vorgenommen hatte, bei den Essenseinladungen die Menschen ins Kreuzverhör zu nehmen, die über unglaubliche Sachen erzählt hatten. Er überprüfte alle. Er wurde dann nicht mehr zum Essen eingeladen - :) Als er sein gesammeltes Material in öffentlichen Vorlesungen unter dem Titel: "Warum erzählen die Menschen bloß so grässliche Lügen?" verwendete, kam es zu kleinen Skandalen, Rededuellen und erbitterten Korrespondenzen...... -

Über dieses Buch von Evans erzählt dann Simmel noch sehr interessante Einzelheiten, die nicht nur lustig, sondern auch sehr hintergründig und hochinteressant sind.......
Im Kapitel "Das Wunder" - Warum wir Zeitungen brauchen wie das liebe Brot - Wien, 1948 -, wo er die Geschichte der Zeitung anreißt, zunächst begonnen mit einem Blättchen mit 1-2 Seiten, und dann im Laufe der Zeit hunderttausende von Zeitungen erschienen sind. - Auch hochinteressant - und immer mit diesem Augenzwingern von Simmel erzählt.... Alle Geschichten - Kapitel - sind sehr schön zu lesen, sehr interessant.

Ich selbst habe niemals zu denjenigen gehört, die Simmel herabgewürdigt haben. Ich habe mich nur gewundert. - Warum? Weil sich so viele anmaßten, seine Bücher in die unterste Kiste zu werfen ...... - wieso eigentlich? - In Trivial passt er wirklich nicht, oder ob eventuell sich alle einfach den aus irgendwelchen Gründen verfassten Verrissen anschlossen, die vermutlich nie ein Buch von ihm gelesen haben.
Ich habe in meinem Leben wirklich sehr viele Bücher gelesen. - Gut, er gehört nicht zu meinen Favoriten. ABER: Er ist immer noch viel besser als Millionen von Autoren, die Bücher veröffentlicht haben. Ich könnte jetzt hier einige aufzählen..... Nur mal ein Beispiel: Stefanie Meyer, die diese unglaublich triviale Serie dieser 'Biss'-Romane veröffentlicht hat. - Wer also Simmel in die unterste Kiste wirft, sollte erstmal seine ganzen Romane überhaupt lesen.... -
Ich denke da z.b. an sein 'Jimmy ging zum Regenbogen' - einfach ein hervorragend aufgebauter Roman. - Und alle seine Romane befassen sich mit zeitnahen Problemen, ob es um Genmanipulation, um Aufarbeitung von Kriegsverbrechen, um Spione, um die Atomkraft geht...und noch vieles mehr, alles hat er in jeweils einem Roman thematisiert, und zwar in einer einfachen Sprache, die jeder versteht....
Dass seine Sprache keine hohe schriftstellerische Qualität hat, okee. - Genau das ist bei den meisten heutigen Krimi-Autoren doch zu finden.

Was diesem Autor sehr geschadet hat, war die Vorgehensweise seines(r) Verlags(e), die seine Bücher sehr schnell an weitere weiter gegeben haben an, Lesezirkel, Buchgemeinschaften, wie damals Bertelsmann usw. - und sehr schnell als Taschenbuchausgaben millionenfach herausgegeben haben. - Die Preise seiner Bücher fielen ins Bodenlose, sind seit Jahrzehnten für sehr wenig Geld zu haben, ja sogar geschenkt. - Warum? Weil die Verlage Millionen gedruckt haben. Und er in meinen sehr schlecht beraten war, in Bezug auf die Wahl seines(r) Verlag(e)s.
Dass er damals einen Bestseller nach dem anderen - und das auch noch in sehr schneller Folge veröffentlichte, rief natürlich den Neid der Kritiker hervor.... - In einem Interview gab er auch zu, ein Workaholic zu sein, der pausenlos schreiben muss. Und er schrieb Tag und Nacht.... Das wurde ihm zum Verhängnis. - Auch hier sehe ich wieder, wie er von den Verlagen ausgenutzt wurde. - Das hätte anders gemacht werden können. - Aber, okee. -

Das sollten auch mal alle bedenken, die so schnell über ihn herziehen. Und aus diesem Grund habe ich jetzt, nach Jahrzehnten, dieses Buch von ihm gelesen, mit zahlreichen Kapiteln, alle in Simmel-Art geschrieben, wo sein soziales Gewissen immer im Vordergrund stand.
Da fällt mir grade ein Kapitel ein, wo er einen Artikel damals über eine Klinik geschrieben hat, wo krebskranke Kinder ihr Dasein fristen. Sein Artikel löste einen kleinen Skandal aus, ABER: die Zustände wurde schnell geändert. - Das war sein Ziel gewesen. Er spendete viel von seinem Verdienst an Notleidende, Krebskranke usw. - Übrigens, er ist nicht reich geworden......- Hinterließ wirklich kein riesiges Vermögen, was viele vermuten.


Buchdaten:
ISBN-10:3-426-19038-9
EAN: 9783426190388 Erscheinungstermin: 2.8.81
Verlag: Droemer/Knaur Einband: gebunden
Sprache: Deutsch
Seiten: 286




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Fazit: immer noch lesenswert !!!!

Name des Mitglieds: giselamaria