Eiskalte Spannung
Produkt:
Die Eisprinzessin schläft - Camilla Läckberg
Datum: 05.09.10
Bewertung:
Vorteile: sehr spannend
Nachteile: überhaupt keine
Eigentlich bin ich ja gar kein "Schwedenkrimi" Freund, deshalb schlummerte dieses Buch eine recht lange Zeit in meinem Regal, sozusagen als "Notlösung", wenn ich mal gar nichts anderes zu lesen mehr habe.
Nun war dies der Fall und ich nahm mir nur widerstrebend das Buch zur Hand, nur um dann festzustellen, dass ich es tatsächlich in einem Rutsch durchgelesen habe.
Ich weiß gar nicht, warum meine Abneigung so groß war, der nachfolgende Klappentext klang nämlich ganz interessant:
Die Schönen und Reichen haben den verschneiten Badeort Fjällbacka längst verlassen. Doch die winterliche Idylle trügt. Im gefrorenen Wasser einer Badewanne wird eine Tote entdeckt. Erica Falck kannte sie gut. Eigentlich hat die junge Autorin genug eigene Sorgen. Doch der Mord lässt ihr keine Ruhe. Sie muss herausfinden, warum die Eisprinzessin in einen tödlichen Schlaf fiel.
Zum Inhalt:
Erica Falck ist in ihr Heimatdorf zurückgekehrt, um den Nachlass ihrer Eltern zu regeln. Als Autorin kann se von jedem beliebigen Ort aus arbeiten, deshalb beschließt sie, bis zur Fertigstellung ihres Buches im elterlichen Haus zu leben und gleichzeitig alles zu regeln.
Dann wird de Leiche ihrer Jugendfreundin Alex gefunden. Alex Eltern möchten, dass Erica einen Nachruf für ihre ehemalige Freundin schreibt. Um die passenden Worte zu finden, spricht Erica mit Freunden und Familie von Alex.
Und als sch herausstellt, dass die Freundin keinen Selbstmord begangen hat kann Erica ihre Neugier nicht zähmen und versucht auf eigene Faust herauszufinden, wer der Mörder ist.
Um Alex herum gibt es ein Geheimnis und das will Erica herausfinden. Sie ist sicher, dass die Auflösung sie direkt zum Mörder führt.
Der ermittelnde Kommissar Patrik ist ebenfalls ein alter Jugendfreund. Bei den gemeinsamen Ermittlungen verlieben sich Erika und Patrik ineinander.
Viele Personen spielten in Alex Leben eine Rolle, die so gar nicht zu ihr passen wollen. Was zum Beispiel hat der heruntergekommene Anders mit ihr zu tun? Oder die reiche Nelly Lorentz?
Mehr zum Inhalt möchte ich nicht verraten, vielleicht möchte ja jemand das Buch noch lesen...
Meine Meinung:
Der Schreibstil von Camilla Läckberg hat mich von der ersten Sekunde an gefesselt. Die Handlung ist logisch und schlüssig und in kleinen Portionen gibt die Autorin Puzzlestück für Puzzlestück von der Lösung preis.
Die Personen sind charakterlich gut beschrieben, man kann sich jederzeit in dien jeweiligen Charakter einfühlen. Auch die Nebenpersonen sind sehr lebhaft beschrieben. Beispielsweise hat Ericas Schwester Anna mit der eigentlichen Auflösung des Krimis nichts zu tun, trotzdem gehört sie wie selbstverständlich zur Handlung dazu. Der Streit zwischen Erica und Anna wegen des elterlichen Hauses ist vermutlich jedem, der schon einen Todesfall in der Familie erlebt hat nachvollziehbar.
Die Liebesgeschichte zwischen Patrik und Erica gehört ebenfalls dazu, steht aber nicht im Vordergrund.
Wenn man der Auflösung näher kommt, packt einen richtig das Entsetzen. Es ist quasi unvorstellbar (aber wenn man Nachrichten sieht doch wahrscheinlich) und die Mauer des Schweigens erschüttert einen.
Es ist sehr tragisch, mit zu erleben, wie eine einzige Handlung in der Vergangenheit das Leben so vieler Personen zerstören kann.
Am Ende bleiben keine Fragen offen, sämtliche im Verlauf des Romanes aufkommende Rätsel werden aufgelöst.
Leseprobe:
Eilert atmete in kurzen raschen Stößen, und ein häßlicher pfeifender Laut entwich seiner Brust.
»Beruhige dich, Eilert, was ist passiert?«
»Sie liegt tot dort drinnen.«
Er wies auf das große hellblaue Holzhaus ganz oben auf dem Kamm und schaute sie auffordernd an.
Es dauerte ein Weilchen, bis Erica seine Worte registriert hatte, doch erst als sie die störrische Gartentür aufschob und durch den Schnee auf den Eingang zustapfte, drangen sie ihr ins Bewußtsein. Eilert hatte die Tür offengelassen, und sie trat vorsichtig über die Schwelle, unsicher, was sie dort wohl erwarten würde. Aus irgendeinem Grund war ihr nicht eingefallen, genauer danach zu fragen.
Eilert folgte ihr abwartend und zeigte stumm auf das Badezimmer im Erdgeschoß. Erica wollte nichts überstürzen, sie drehte sich um und blickte Eilert fragend an. Er war fahl im Gesicht, und seine Stimme klang ganz dünn, als er sagte: »Dort drinnen.«
Es war lange her, daß Erica dieses Haus betreten hatte, aber früher kannte sie sich hier gut aus, und deshalb wußte sie, wo das Bad lag. Trotz ihrer warmen Kleider schauderte es sie in der kalten Luft. Die Tür zum Badezimmer schwang langsam nach innen auf, und sie ging hinein.
Sie wußte nicht genau, was sie nach Eilerts knappen Angaben erwartet hatte, doch nichts hatte sie auf das hier vorbereitet. Das Badezimmer war völlig weiß gefliest, was die Wirkung all des Blutes in und um die Badewanne noch verstärkte. Eine Sekunde lang fand sie den Kontrast sogar schön, doch dann begriff sie, daß tatsächlich ein Mensch in der Wanne lag.
Trotz der unnatürlich weißen und blauen Farbschattierungen des Körpers erkannte Erica die Frau sofort wieder. Es war Alexandra Wijkner, geborene Carlgren, Tochter jener Familie, der dieses Haus gehörte. Als Kinder waren die beiden Mädchen eng befreundet gewesen, doch das schien eine Ewigkeit her zu sein. Jetzt war die Frau in der Wanne für Erica fast eine Fremde.
Barmherzigerweise waren die Augen der Leiche geschlossen, aber die Lippen leuchteten in einem scharfen Blau. Eine dünne Eiskruste umschloß den Rumpf und verbarg den Unterleib. Der rechte, von roten Rinnsalen gezeichnete Arm hing schlaff auf den Boden hinunter, und die Finger waren in die geronnene Blutlache getaucht. Eine Rasierklinge lag auf dem Wannenrand. Der andere Arm war nur bis kurz über dem Ellenbogen zu sehen, der Rest lag unter dem Eis verborgen. Auch die Knie ragten aus der gefrorenen Oberfläche auf. Alex' helles Haar lag wie ein Fächer über das Kopfende der Badewanne gebreitet, doch wirkte es in der frostigen Luft spröde und starr.
Erica stand lange da und sah sie an. Sie fror vor Kälte und vor Einsamkeit. Langsam zog sie sich aus dem Zimmer zurück.
Mein Fazit:
Sehr lesenswert, fesselnde Schreibweise und die Idee hinter dem Buch durchaus ansprechend. Gute Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Seite.
Ich freue mich auf die Fortsetzung
Zur Autorin:
Camilla Läckberg, geb. 1974 in Fjällbacka, ist Mutter zweier Kinder. Sie lebt heute in Stockholm. Nach ihrem Marketingstudium arbeitete sie in der freien Wirtschaft. 2005 wurde sie in Schweden zur "Autorin des Jahres" gewählt, 2006 war sie mit einer Million verkauften Exemplaren Schwedens erfolgreichste Schriftstellerin. Bisher erschienen bei Aufbau die Romane "Die Eisprinzessin schläft" sowie der "Prediger von Fjällbacka", der auf der Krimibestenliste der "Welt" stand.
Fazit: siehe Bericht
Name des Mitglieds: sariba
Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik




07.09.10
Das scheint auch was für mich zu sein....!