FastFood im Paperback
Produkt:
Die Akte (Grisham, John)
Datum: 02.02.01, geändert am 02.02.01 (28 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: unbekannt
Nachteile: Das Buch ist so durchschaubar wie Plexiglas
Letzten Monat habe ich zwei Schmöker der Gattung Kriminalroman gelesen, einen guten und einen schlechten.
John Grisham's "Die Akte" war entschieden der schlechte.
Grisham ist als Anwalt und ehemaliger Abgeordneter ja dazu prädestiniert, Justizthriller zu verfassen. Er selbst scheint das auch als sein Schicksal angenommen zu haben, nach der "Kammer" und der "Firma" ist dies nun sein drittes Buch der gleichen Machart.
WORUM GEHT ES?
Als zwei Bundesrichter der USA ermordet werden, tappen sämtliche Ermittler im Dunklen. Nur Darby Shaw, Studentin und Geliebte ihres Juraprofessors Thomas Callahan, vermag das Politkomplott zu durchschauen und verfasst ihre Hypothesen in der "Akte". Callahan ist fasziniert und reicht die Akte an einen befreundeten FBI-Agenten weiter. Die Veröffentlichung bringt Darby in Lebensgefahr, und sie verliert ihren Freund bei einem Anschlag, während sie selbst nur knapp entkommt. Fortan muss sie vor verschiedenen verschwörerischen Gruppierugen fliehen, lediglich der Reporter Grantham aus Washington kann ihr schliesslich helfen, die Akte zu verifizieren und so der Verfolgung ein Ende zu setzen.
KONKRET
Der Aufbau der Geschichte ist so durchschaubar wie simpel:
Es gibt zwei Seiten, die gegeneinander agieren, die Hauptperson gegen eine Übermacht aus Kriminellen und Geheimagenten. Gut und Böse sind von vornherein messerscharf getrennt, die Guten sind bis zur Unmenschlichkeit idealisiert, die "bad guys" werden einfach als brutal, geldgierig, dumm, grössenwahnsinnig und obendrein noch umweltfeindlich hingestellt. Durch diese Schwarzweiss-Malerei ist dem Leser jeder Freiraum genommen, selbst zu urteilen und seine Sympathien zu verteilen.
Ausserdem wird sofort klar, wie die Geschichte ausgehen wird.
Der eigentliche Kernpunkt der Handlung, der Doppelmord, geschieht ganz am Anfang und ist bereits nach drei Kapiteln abgehandelt. Gut, diesen Aufba
u kennt und mag jeder Columbo-Fan, jetzt folgt in der "Akte" aber nicht die Aufklärung des Mordes, sondern es wird ewig lang auf der Flucht und dem Elend der Hauptperson herumgekaut, nachdem sie die Zusammenhänge der tat aus heiterem Himmel erkannt hat.
Zuerst muss jede ihrer Vertrauenspersonen sterben, sie flieht von Hotel zu Hotel, von Stadt zu Stadt und entkommt immer wieder wie durch ein Wunder ihren Häschern. Die Geschichte tritt völlig auf der Stelle, und man fragt sich nach der Hälfte des Buches unwillkürlich, ob denn überhaupt noch etwas Neues kommt.
Nur im Hintergrund plätschert eine unausgegorene Story über die Verstrickungen der Regierung dahin.
Ungeheuer dramtisch ausgedrückt: Darby Shaw stirbt auf der Flucht nicht, das Buch schon.
Erst ganz zu Ende des Buchs kommt wieder der Auslöser ins Spiel, als Darby mit dem Reporter zusammentrifft. Die Aufklärung, der Punkt auf den man so lange wartet, wird in Rekordtempo vollzogen, und das unter haarsträubend unglaubwürdigen Umständen.
Der endgültige Schluss ist wirklich völlig indiskutabel, nach Tagen mit Mord, Totschlag und der Verfolgung durch blutrünstige Killer ist nun alles wieder gut, die Bösen sind besiegt, und die beiden Helden stürzen sich sogleich in ein romantisches Liebesabenteuer.
PERSONEN
Es ist unglaublich, wie einseitig die Personen charakterisiert sind.
Die Hauptperson, Darby, ist hochintelligent, sportlich und bildhübsch. Sie ist konsequent, diszipliniert, überaus beliebt, und führt professionelle Killer in bester James-Bond-Manier immer wieder an der Nase herum. Schwächen? Nein, den Tod ihres Lebensgefährten bewältigt sie scheinbar spielend. Man sollte doch Ängste oder Verzweiflung vermuten, wenn eine 22jährige zwischen die Fronten von Terroristen und Geheimdienst gerät. Nichts.
Wie soll es anders sein, der Mörder und Terrorist, Khamel, ist Araber. Bezeichnend für Grishams Einfallslosigkeit, wenn auch der Drahtzieher, oh Wu
nder, Amerikaner ist. Aber Grisham vergisst nicht, zu erwähnen, dass der offensichtlich verrückt geworden ist.
Der Reporter Grant Grayham lässt für eine gute Story schon mal das Gesetz Gesetz sein, ein Karrieremensch, der dann aber sein Herz für die arme Studentin entdeckt und ihr zur Hilfe kommt.
Der Präsident wird als fotogene Marionette dargestellt. Wie gesagt, ganz lustig, aber doch schon tausendmal dagewesen.
Ich brauche nicht weiter zu überlegen, alle weiteren Charakter bleiben leider ohne jede Tiefe.
Bei der Beschreibung der Charakter bleibt Grisham einfach viel zu sehr an der Oberfläche.
STIL
Niemand hat grosse Literatur erwartet, aber dieses Buch ist zu durchschaubar, die Handlung unendlich dünn und mit absurden Episoden gestreckt. Der Hauptteil des Buches dreht sich um einen Aspekt im Kreis und man glaubt angesichts der ständigen Wiederholungen, sich verblättert zu haben.
Die Sympathien des Autors sind viel zu eindeutig verteilt, so ein suggestiver und parteiischer Standpunkt des Erzählers treibt mich immer dazu, Opposition zu ergreifen. Weil aber der Verlauf so vorhersehbar ist, weiss man, dass man damit völlig auf verlorenem Posten steht.
Grisham hat sich seine Traumfrau erdacht, seine politischen Ansichten, sein Wissen über Justiz und Politik genommen, und daraus dieses Buch gemacht. Die einzige kreative Leistung war es, sich einen Aufhänger für das Ganze auszudenken.
KURZUM
Eine Studentin setzt sich also an ihren Schreibtisch, klärt mir nichts, dir nichts einen Terrorismusakt auf, weiss sich daraufhin Heerscharen von Terroristen vom makellosen Leib zu halten, bis sie ihre Theorie bestätigt und veröffentlicht, und somit die USA im Alleingang in eine politische Krise stürzt.
"Die Akte" ist eine Ansammlung von Klischees, die Personen bleiben ohne jede Tiefe und der Grossteil der Geschichte wirkt mit ihren ausgelaugten Actionelementen langatmig und ideenlos. Die eige
ntliche Handlung ist in drei Sätzen erzählt, bietet nichts Neues und ist nun wirklich unerhört abwegig.
Eure Frau Feld
Fazit:
Name des Mitglieds: Frau Feld
Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik



23.02.01
Das Buch habe ich auch irgendwann mal gelesen, und noch zwei oder drei andere von ihm. Ich glaube, der Regenmacher (?oder so) hat mir ganz gut gefallen. Ich denke, mit Fast Food bringst Du es aber ausgezeichnet auf den Punkt. Aber er hat halt `ne Methode gefunden, Geld zu scheffeln. "Darby Shaw stirbt auf der Flucht nicht, das Buch schon." - Klasse! Grüße von fledermausi