Was wäre wenn...
Produkt:
Die 13. Stunde - Richard Doetsch
Datum: 11.06.10
Bewertung:
Vorteile: Spannung
Nachteile: Zeitparadoxa
Ab und an lese ich gern zur Abwechslung einen Thriller. Dies ist das letzte Buch, das mir aus diesem Genre in die Finger gefallen ist:
***Die Eckdaten zum Buch***
Titel: Die 13. Stunde
Autor: Richard Doetsch
Verlag: Lübbe (29. Mai.2010)
ISBN: 9783785760369
Seitenzahl: 409
Preis: 14,99 Euro
***Zum Inhalt***
Nicholas Quinn wird beschuldigt, seine Frau ermordet zu haben. Doch er ist unschuldig. Plötzlich bekommt er die Gelegenheit, diese Tat rückgängig zu machen. Denn dank einer Taschenuhr wird er zu jeder vollen Stunde in der Zeit zurückversetzt und darf eine Stunde neu erleben und durch seine Taten die Zukunft ändern.
Einfacher gesagt als getan, denn solche Dinge können andere Auswirkungen haben als geplant, wie Nick leidvoll feststellen muss. Jede Stunde scheint er das Geschehen nur zu verschlimmern. Und wie bekommt man Unterstützung bei etwas, das alle für Humbug halten? Die Zeit verrinnt unaufhörlich und Nick hat nur zwölf Stunden. Dann ist seine Chance vertan.
***Leseprobe***
Der dunkelhaarige Mann schob die exotische Sonderanfertigung des Colt Peacemaker über den Tisch. Mit seinem Rahmen aus polierter, goldverzierter Bronze und den edelsteinbesetzten Griffschalen aus Elfenbein hatte der Revolver nichts mit den anderen Waffen gemein, die im neunzehnten Jahrhundert produziert worden waren: ein Sechsschüsser aus dem Jahr 1876, in der Zeit verloren, von der Geschichte vergessen, eine Legende nicht nur in Sammlerkreisen.
Wie bei den edelsten Waffen jener Zeit üblich, bedeckten verschlungene Gravuren den Rahmen und den siebeneinhalbzölligen Lauf. Die Gravuren auf dieser Waffe waren allerdings einzigartig: Zitate aus der Bibel, dem Koran und der Thora, fachmännisch in eleganter Kalligraphie ausgeführt:
Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt ... Dass ihr versammelt werdet als Gefangene in der Grube ... Und ihr machtet des Zorns noch mehr ... Dann wird kommen eine Finsternis über Ägypten ... Und kämpft mit denen auf dem Wege Allahs, die mit euch kämpfen ...
Sprüche auf Englisch, Latein und Arabisch, als wäre der Revolver eine Waffe Gottes, eigens dazu gebaut, die Sünder niederzustrecken.
Angefertigt worden war der Colt für Murad V., den siebenunddreißigsten Sultan des Ottomanischen Reiches. Im August 1876, als Murad nach einer Regierungszeit von nur dreiundneunzig Tagen wegen Geisteskrankheit abgesetzt wurde, war die Waffe verschwunden.
»Extrem selten«, sagte Ethan Dance und nahm die Waffe mit der Hand auf, über die er einen Latexhandschuh gestreift hatte. »Ich würde sogar sagen, bei ihrem Alter ist sie ein Einzelstück.«
Er handhabte die Waffe so behutsam, als wäre sie ein Neugeborenes. Mit müden, blutunterlaufenen Augen betrachtete er die komplizierten Verzierungen und fuhr mit dem latexbedeckten Finger sanft über die Bronze und das Gold, voll ehrfürchtiger Bewunderung für die Kunstfertigkeit, mit der dieser Colt-Revolver gefertigt worden war. Schließlich legte er ihn wieder auf den Tisch und griff in die Tasche seines zerknitterten blauen Blazers.
»Wie es scheint, wurde die Munition mit dem gleichen religiösen Eifer verziert.« Dance legte eine Patrone auf den Tisch, in der ein silbernes Geschoss vom Kaliber .45 steckte, das ebenfalls mit Gravuren versehen war: Über die Hülse lief arabische Schrift. »Es waren noch fünf Patronen in der Trommel. Die Kugeln sind aus Silber. Warum, weiß ich nicht, schließlich sind im Istanbul des Jahres 1876 keine Werwölfe herumgelaufen. Auf der anderen Seite muss man berücksichtigen, dass diese Waffe für einen Verrückten angefertigt wurde.« Nicholas Quinn saß Dance am Tisch gegenüber und betrachtete schweigend den Revolver. Er roch das frische Öl des Mechanismus und einen Hauch von schwefligen Rückständen im Lauf. »Was kostet so etwas? Fünfzigtausend Dollar? Hunderttausend?« Dance nahm den Revolver wieder auf und drehte die Trommel. »Diese Waffe ist eine Art Legende. Hundertdreißig Jahre lang wusste niemand, in wessen Besitz sie sich befand. Wo kauft man so etwas? Im Antiquitätenhandel? Auf dem Schwarzmarkt? Unter der Hand?«
Nick saß schweigend da. Ihm schwirrte der Kopf.
Die Tür öffnete sich, und ein grauhaariger Mann in blauem Anzug steckte den Kopf ins Zimmer. »Ich brauche Sie mal kurz, Dance.«
Dance hob die Hand und winkte ab. »Ich habe zu tun.«
»Tut mir leid, aber wegen des Flugzeugabsturzes stehen hier nur vier Leute zur Verfügung - wir beide sowie Shannon und Manz. Wenn Sie nicht wieder auf den Todesacker wollen, um Kinder- und Frauenleichen nach Ausweisen zu durchsuchen, dann bewegen Sie Ihren Hintern zu mir.«
Dance seufzte, ließ ein letztes Mal die Trommel rotieren, hob den Revolver und visierte über den Lauf ein imaginäres Ziel an. Dann legte er die Waffe vor Nick hin und musterte ihn kurz, ehe er die einzelne Silberkugel aufnahm.
(Quelle: buecher.de)
***Meine Meinung***
Als erstes fällt an diesem Buch die Sortierung der Kapitel und Seiten auf. Begonnen wird mit Kapitel 12 und Seite 409, das ganze ist abwärts sortiert. Etwas gewöhnungsbedürftig, es macht jedoch durchaus Sinn. Denn vom 28. Juni, 21.22 Uhr, arbeitet sich Nick in der Zeit zurück. Jeweils zur vollen Stunde wird er zwei Stunden zurückversetzt und kann dann diese Stunde noch einmal erleben. Bis er seine geschenkten 12 Stunden durch hat.
Wer ist dieser Nicholas Quinn? Über ihn erfährt man nicht viel. Er ist erfolgreich im Beruf, arbeitet aber meist von zu Hause. Seine Frau ist Anwältin und er liebt sie abgöttisch. Deshalb ergreift er auch den Strohhalm, dass die Aussage des Spinners, der in sein Verhör platzt richtig sein könnte und Zeitreisen möglich.
Das Buch ist spannend und flott geschrieben und hat mich durchaus in den Bann gezogen, so dass ich das lesen nur für wichtige Tätigkeiten unterbrochen habe. Jedoch ab etwa der Hälfte treten dann doch etliche Ungereimtheiten auf. Diese sind (zumindest zum Teil) anscheinend auch dem Autor bewusst, werden von ihm jedoch pauschal als Zeitparadoxa abgetan. Und je mehr Nick in der Zeit nach hinten springt, desto mehr häufen sich diese. Ich wurde das Gefühl einfach nicht los, dass es sich der Autor teilweise sehr leicht gemacht und Dinge einfach passend zurechtgebogen hat. Dem Spannungsbogen tut dieses jedoch keinen Abbruch. Konsequent erfährt man immer mehr über die Hintergründe des Mordes und die Verwicklungen, die dazu geführt haben.
Ebenfalls wird sehr schön dargestellt, wie jede Handlung ihre Wellen schlägt, weshalb man die Konsequenzen sehr gut abwägen muss.
Das Ende ist einigermaßen schlüssig, wenn auch teils ein wenig wirr geraten. Besonders den Epilog hätte man sich vollkommen schenken können, der dient meiner Meinung nach nur der absoluten Verwirrung des Lesers.
Richard Doetsch ist mit diesem Buch neue Wege gegangen. Spannend geschrieben ist es durchaus, mit den so praktischen und unerklärlichen Zeitparadoxa hat er aber übertrieben.
Von mir gibt es 3,5 Sterne.
Fazit: ganz lesenswert, zu viel über die Logik darf man aber nicht nachdenken
Name des Mitglieds: Manuela2205
Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik




20.08.10
Nicht meine Welt. Aber ein interessanter Bericht allemal