Der König und ich - Margaret Landon
The English Gouverness - Der König und ich - Margaret Landon Romane & Erzählungen

Neuester Testbericht: ... um über das schlimme Ereignis hinwegzukommen. Zusammen mit ihrem Sohn Louis und ihren beiden Dienern macht sie sich auf den Weg nach Ban... mehr

The English Gouverness
Der König und ich - Margaret Landon

halcion

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Der König und ich - Margaret Landon

Datum: 27.10.03, geändert am 26.10.04 (333 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Preis, ergreifende Geschichte, Schreibstil, geschichtlicher Hintergrund, ...

Nachteile: wirklich nichts

Anna und der König – eine wunderbare Geschichte, die von Margaret Landon sozusagen zusammengefasst wurde...
So viel zur Einleitung...

Mit dem Titel „Der König und ich“ erzählt der Roman vom Leben der Anna Harriette Leonowens am königlichen Hof von Siam zu Ende des 19. Jahrhunderts, wo sie das Amt der Lehrerin der königlichen Kinder – 63 an der Zahl – bekleidet.
Ihr Leben, bevor sie zur Lehrerin wurde, war leider alles andere als einfach...
Aufgewachsen in England wird sie nach Schulabschluss von ihrer Mutter nach Indien geholt, wo sie lebt. Dort sieht Anna das erste Mal das Elend der Sklaven und der übrigen Inder – geknechtet von den Engländern. Seit jenem Tage schon verabscheut sie jegliche Art von Freiheitsberaubung und Sklaverei.
In Indien lernt sie einen Mann kennen, in den sie sich schnell verliebt. Gegen den Willen ihres Stiefvaters heiratet sie ihn, doch dann stirbt ihre Mutter und Anna scheint untröstlich. Sie wendet sich daraufhin vollkommen von ihrem Stiefvater ab, der ihr auch noch das Erbe versagt, solange Anna mit ihrem Mann Thomas Louis Leonowens zusammen bleibt.
Anna lebt mit ihrem Mann weiterhin in Indien. Sie bekommen auch zwei Kinder, die allerdings beide schon kurz nach der Geburt sterben. Anna wird daraufhin sterbenskrank, nichts vermag sie zu trösten. Kaum dass sie sich wieder etwas gefangen hat, stirbt auch noch ihr Mann und Anna verliert allen Lebenswillen. Allein wegen ihres Sohnes Louis – benannt nach ihrem Mann – versucht sie weiterzumachen und sie gründet eine Schule für die Offizierskinder in Indien.
Eines Tages erhält sie Post vom König von Siam, in dem er sie einlädt in sein Land zu kommen und dort die Kinder des Königspalasts zu unterrichten.
Anna sieht darin ihre Chance, den armen Männern und Frauen in Siam zu helfen, da sie sich erhofft, dass sie den Thronfolger unterrichten wird.
Ihr Empfang in Siam ist nicht gerade herzlich, der Kralahome, der direkt nach dem König am meisten Einfluss auf das Land hat, ignoriert sie monatelang und Anna wird immer verzweifelter, denn dadurch wird sie dazu gezwungen, jeden Tag den „glücklichen“ Haremsdamen zu begegnen. Glücklich im Sinne von „es gewohnt sein“ - aber für Anna ist es unverständlich, wie hunderte von Frauen es aushalten, immer nur in den Mauern des Palastes zu wandeln, ohne jemals wieder eine Aussicht auf Freiheit zu haben.

Als sie anfängt zu unterrichten und in ein eigenes Haus umzieht scheint alles auf einen Schlag besser und sie wendet alle ihre Kraft auf, um den Menschen zu helfen. Schon bald ehrfürchtig „weißer Engel“ genannt gibt sie ihr Geld und ihre Zeit der siamesischen Bevölkerung und wird nie in Vergessenheit geraten...

Sehr beeindruckend ist diese Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit berührt, auf jeden Fall. Schon spannend ist die Entstehungsgeschichte, die von Margaret Landon gleich am Anfang beschrieben wird: Als Annas Tagebücher erscheinen sollten, wollte die siamesische Regierung dieses mit allen Mitteln verhindern und wenn nicht der schon längst verstorbene Dr. Edwin Bruce McDaniel ein Exemplar versteckt und es Margaret in die Hand gedrückt hätte, wäre sie nie auf den Gedanken gekommen, das Leben von Anna Leonowens niederzuschreiben.
Noch heute gibt es die Tagebücher von Anna zu kaufen, aber leider nur englischsprachig. Da ich auch eines von ihnen gelesen habe, möchte ich [zumindest] dieses eine nicht unbedingt empfehlen, da man schon umfangreiche Englischkenntnisse besitzen sollte, denn Anna schreibt sehr langwierig und ausschmückend. Auch liegt es an der damaligen Sprache, die vom heutigen Englisch sehr stark abweicht.
Auch den Film mit Jodie Foster habe ich gesehen und war nicht minder begeistert, als von dem Buch. Der einzige Unterschied beläuft sich darin, dass im Film mehr Wert auf die Romanze zwischen Anna und König Mongkut gelegt wird, während im Buch Annas Kampf gegen die Sklaverei und Freiheitsberaubung hervorgehoben wird und die Beziehung zwischen ihr und dem König nicht viel Liebe erkennen lässt. Allerdings mag kein Buch einen Film zu ersetzen!

An dieser Stelle möchte ich auch eine Leseprobe einer für mich besonders interessanten Stelle liefern, die neugierig machen soll...

[...] Die Frau starrte wortlos und mit müden Augen die weiße Fremde an, während Anna sich neben den Teich setzte und hilflos zu der Gefangenen hinübersah. Wieder einmal erlebte sie die Gefühllosigkeit und Härte des Haremslebens hautnah – selbst einen Verbrecher dürfte man nicht ungeschützt der tropischen Sonne aussetzen. Und hier saß eine halbnackte, harmlose Frau. Die Matte und die zerbrochenen Schirme deuteten darauf hin, dass sie der unerbittlichen Hitze und dem Regen schon eine ganze Weile ausgesetzt sein musste. Schlimmer hätte man sie nicht demütigen können, und dennoch lag eine unglaubliche Anmut in ihrer Sorge für dass Kind. Wer konnte nur für dieses tragische Schicksal verantwortlich sein? Anna hätte vor Zorn aufschluchzen können, doch sie hatte ihre Stimme nicht mehr unter Kontrolle. Endlich fragte sie die Frau nach ihrem Namen. [...] Anna blickte in das sonnenverbrannte Gesicht und hörte auf, die Sklavin mit leeren Versprechungen zu trösten. Nur Tatsachen konnten ihr wirklich helfen. Sie ließ die Frau mit dem Gesicht auf dem heißen Pflaster liegen und trat wieder durch das Tor. Die lange dunkle Straße war genauso menschenleer wie zuvor.
Nachdem sie zwanzig Minuten auf den Straßen des Harems umhergelaufen war, gelangte sie in eine Gasse, die ihr bekannt vorkam. Als sie endlich die Schule erreichte, war es zwölf Uhr und ihre Schüler warteten bereits auf ihren Plätzen auf sie. In der gleichmäßigen Betriebsamkeit des Tempels erschien ihr das seltsame Erlebnis in dem fernen Winkel der Palaststadt plötzlich vollkommen unwirklich. [...]
(aus: Der König und ich, Kapitel: Das Haus mit dem Messingtor)

Zum Buchumschlag möchte ich an dieser Stelle nicht viele Worte verlieren, es sei nur so viel gesagt: Er ist wirklich sehr passend gewählt, in beige und weinrot gehalten mit einer leicht grotesk wirkenden kleinen, asiatischen Figur an einer Kette. Wirklich schön gewählt...

Insgesamt kann ich wirklich nur die volle Punktzahl für diesen Roman geben.
Der Schreibstil ist wirklich einzigartig und liegt mir persönlich sehr. Die Geschichte hat mich von Anfang an interessiert und sie wurde in diesem Buch wirklich sehr gut zusammengefasst. Jedes Ereignis, dass von mir [nachdem ich das Tagebuch gelesen und den Film gesehen hatte] für wichtig erklärt wurde, wurde eingehend beschrieben. Inzwischen habe ich „Der König und ich“ schon mehrmals gelesen und ich werde auch ganz bestimmt noch einmal diesen wirklich schönen Roman lesen. Nachdem jetzt die Story und der Schreibstil von mir gelobt worden sind, muss ich auch noch den günstigen Preis von 8.50 €uro für die Taschenbuchausgabe und der schönen Buchumschlag erwähnen. In wirklich lobenswertes Buch, das genauso spannend und ergreifend wie interessant und informierend ist [so viel wusste ich bisher nicht über Thailand, das ehemalige Siam!]. Erwähnenswert ist auch noch, dass Anna wirklich etwas erreicht hat, der Thronfolger Chulalongkorn, der älteste Sohn König Mongkuts, wurde ein Jahr nachdem Anna Siam verlassen hatte, zum König ernannt und setzte trotz heftiger Widerstände der Adligen in seinem Land wichtige, modernisierende Reformen durch. Sein Volk behauptete noch zu seinen Lebzeiten, er sei der beste König aller Zeiten gewesen. 100 Punkte für diesen Roman, den man genauso gut „ Die beste Biographie aller Zeiten“ nennen kann.

Hier noch einmal die Fakten:

Margaret Landon
„Der König und ich“, das Leben der Anna Harriette Leonowens (1834-1915)
ISBN: 3-426-61873-7
Preis: 8.50 €uro
Erschienen 2000 bei Knauer in Deutschland
Originalausgabe erschienen 1943 bei Harper Collins Publishers

Nachwort: Die Überschrift, die von mir gewählt wurde, ist der Teil des Namens des ersten Tagebuchs von Anna Harriette Leonowens, das unter dem Titel „The English Gouverness and the Siamese Court“ zuerst 1870 erschien.



Fazit:

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