Das Stück im Stück
Produkt:
Der König der Komödianten - Charlotte Thomas
Datum: 20.09.10
Bewertung:
Vorteile: einzelne Figuren
Nachteile: vorhersehbare Story
Ab und an lese ich ganz gern einen historischen Roman und lasse mich da ganz gern von Rezensionen im Büchereulenforum inspirieren. Durchweg positive Bewertungen gab es zu diesem hier, weshalb ich mir das Buch kurz entschlossen zulegte.
***Eckdaten zum Buch***
Titel: Der König der Komödianten
Autor: Charlotte Thomas
Verlag: Ehrenwirth
Seitenzahl: 698
ISBN: 978-3-431-03807-1
Preis: 22,99 Euro
Gebundene Ausgabe mit Lesebändchen
***Die Autorin***
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land nahe Wuppertal
Abitur 1975
Studium der Philosophie und Rechtswissenschaften bis 1982
Rechtsreferendariat in Frankfurt am Main
Zweites juristisches Staatsexamen 1986
Richteramt bis 1992, danach selbstständige Rechtsanwältin bis 2005
Seither freiberufliche Schriftstellerin
(Quelle: www.charlottethomas.de)
***Klappentext***
Aufgewachsen in ländlicher Einöde, findet der unerfahrene junge Marco sich plötzlich in der betörend bunten Welt des Theaters wieder, inmitten eines skurrilen Ensembles, bei dem neben der schönen Hauptdarstellerin auch die vorlaute Enkelin des schlitzohrigen Indendanten und ein schwer bewaffneter Kleinwüchsiger tragende Rollen spielen. Marco zieht mit der Truppe nach Venedig, wo es bald um Sein oder Nichtsein geht: Nur ein erfolgreiches neues Stück kann die Truppe vor dem Ruin bewahren. Vom Kulissenschieber steigt er zum Gehilfen des trunksüchtigen Bühnendichters auf - und bald darauf zum Autor seines eigenen Theaterstücks. Doch bis er dieses auf die Bühne bringen kann, muss er noch viel lernen. Über das Schreiben. Die Liebe. Und darüber, dass das Leben manchmal eine eigene Dramaturgie bereithält ... Ein historischer Roman über das historische Komödientheater und das unvergessliche Maskenspiel der Commedia dell arte.
***Zum Inhalt***
Italien, ab 1594: Marco ist ein Waisenjunge und wächst bei seinem Onkel auf. Dieser hat einen großen Gutshof und lässt ihm eine gute Erziehung zukommen. So ist Marco sehr belesen und hat Ahnung von Landwirtschaft. Jedoch stirbt der Onkel ehe Marco volljährig ist. Sein geerbtes Vermögen wird von einem Notar und dem Prior eines Klosters verwaltet. In diesem Kloster soll er (zumindest) bis zu seinem 25. Lebensjahr bleiben.
Im Kloster belauscht er ein Gespräch, aus dem er schließt, dass sein Erbe dem Kloster zufallen soll, falls er vor seiner Volljährigkeit stirbt, außerdem glaubt Marco herauszuhören, dass eine Verschwörung für sein vorzeitiges Ableben schon im Gange ist.
Marco flieht aus dem Kloster und wendet sich nach Padua, der nächstgelegenen Stadt. Dort kommt er bei einer Truppe Schauspieler unter. Deren Einkünfte sind eher mager, da sie nur alte Stücke haben und ihr Stückeschreiber meist betrunken ist. Als sie bemerken, dass Marco schriftstellerisches Talent hat, wird er zum Gehilfen des Stückeschreibers abgestellt. Erste viel versprechende Ideen kommen schnell zu Papier. Jedoch trifft Marco eines Tages zufällig auf den Prior des Klosters, der auf der Suche nach ihm ist und muss sich schnell verstecken. Da trifft es sich für ihn gut, dass der alte Anführer der Schauspieltruppe krumme Geschäfte gemacht und ihre Pferdegespanne doppelt verkauft hat und die Truppe nun aus Padua verschwinden muss. Sie machen sich auf Richtung Venedig. Dort laufen die Geschäfte für die Truppe gut, jedoch beginnen sich die Ereignisse rund um Marco zu überschlagen.
***Meine Meinung***
Erwartet hatte ich eine Art Komödie rund ums Theater mit vielschichtigen Figuren, die -besonders die Hauptfigur - am Leben wachsen müssen. Was habe ich denn nun bekommen?
Eine Komödie durchaus, das kann ich nicht bestreiten. Ab und an musste ich durchaus schmunzeln. Das begann gleich zu Anfang, das Ableben von Marcos Onkel ist wohl der Traum der aller Männer. Wie es dessen Diener lakonisch ausdrückte: "Ich glaube er ist glücklich gestorben."
Die Personen sind sehr überspitzt gezeichnet. Der junge Marco ist derart naiv und weltfremd, dass ich oft das Bedürfnis hatte, ins Buch zu greifen und ihn zu schütteln. Denn so dumm kann niemand sein, nicht mal ein Mann *grins* Auch ansonsten gibt es vor allem Stereotypen. Eine wunderschöne Frau, die mit allem flirtet, das nicht bei 3 auf den Bäumen ist, einen extrem eifersüchtigen Ehemann, einen Alten, dem der Schalk zu den Ohren rauskommt, unverständliche Frauen und sogar zwei Figuren, denen man auf die Stirn tätowieren könnte, dass sie homosexuelle Vorlieben haben.
Die Verwicklungen sind eher unglaubwürdig und erinnern an ein Theaterstück. Vermutlich ist das von der Autorin so gewollt, insgesamt hat mich das jedoch eher gelangweilt, besonders da so die ganze Geschichte extrem durchschaubar war und ich immer vorgewarnt war, was als nächstes passieren wird. Besonders der Schluss konnte mich rein gar nicht überzeugen, als sich die letzten offenen Enden auf der Bühne lösten.
Historische Genauigkeit sollte man ebenfalls nicht zu stark erwarten, an grobe Umrisse hat sich die Autorin zwar gehalten, jedoch gab es immer wieder kleine Details, die für mich schlichtweg unglaubwürdig waren.
Fazit: Wie es scheint, wagt es bei den Eulen niemand, kritisch über ein Buch zu schreiben, wenn die Autorin mitliest. Man kann das Buch zwar mal lesen, eine wirkliche Empfehlung kann ich aber nicht aussprechen. Ich vergebe 2,5 Sterne.
Fazit: absolut kein Muss
Name des Mitglieds: Manuela2205
Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik




20.09.10
Schade, dass es dir nicht gefallen hat. Ich habe das Buch zufällig in die Hände bekommen und muss sagen, dass es mir wahnsinnig gut gefallen hat. Naja, die Geschmäcker sind halt verschieden.