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Kurzbeschreibung: Taschenbuch - 667 Seiten (1998) Goldmann, Mchn.; ISBN: 3442129532
Der vergebliche Versuch, verstehen zu wollen, was keiner verstehen kann...
Produkt:
Der Baader Meinhof Komplex - Stefan Aust
Datum: 12.02.09
Bewertung:
Vorteile: Klar strukturiertes Sachbuch mit viel Faktenwissen
Nachteile: Endet nicht dort, wo man vermutet, dass es enden sollte
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>>Sie hatten die Welt eingeteilt:
'Entweder Schwein oder Mensch
Entweder überlegen um jeden Preis
oder Kampf bis zum Tod
Entweder Problem oder Lösung
Dazwischen gibt es nichts'
In diesem Weltbild wurden neue Gleichungen aufgemacht. 'Mord gleich Selbstmord gleich Mord' hatten 1971 Mitglieder des ''Sozialisitischen Patientenkollektives' an Häuserwände gesprüht. Die gleiche Losung riefen Sympathisanten 1976 nach dem Tod von Ulrike Meinhof....<< (1)
Und damit wünsche ich meiner geschätzten Leserschaft einen angenehmen Aufenthalt in dieser Buchrezension.
Andreas Baader - Ulrike Meinhof - Gudrun Ensslin - Jan-Carl Raspe
- der Kopf der 1. Generation der Rote-Armee-Fraktion -
Was geht in Menschen vor, die ihre Ansichten mit Gewalt durchsetzen wollen, denen ein Menschenleben, eines derer, die sie als ihre Feinde sehen, völlig gleichgültig ist?
Dies ist der Versuch, verstehen zu wollen, was man eigentlich nicht verstehen kann.
Die Fakten, die Stefan Aust in jahrelanger intensiver Recherche zusammengestellt und in chronologischer Reihenfolge in Erzählform in ein Buch gepackt hat, ist knallhart und ohne Schnörkel. Und doch kann es nur an der Oberfläche bleiben, weil persönliche Befindlichkeiten von Aust natürlich nicht weitergegeben werden konnten.
Es ist die Geschichte der Jahre 1967 bis zum "Deutschen Herbst" im Jahre 1977, der Zeit in der Bundesrepublik Deutschland, zu der sich die Meldungen über Banküberfälle, Entführungen, Ermordungen und Fahndungen sich in den Nachrichten fast überschlugen, der Zeit, in der auf jeder Polizeistelle, an Litfasssäulen genau so wie in Nachrichtensendungen oder Zeitungen Fahndungsplakate der Gruppe zu sehen waren.
Das Buch ist in 5 komplexe Kapitel eingeteilt, welche dann wiederum in mit durchnumerierten Überschriften zu weiteren Teilkapiteln gegliedert sind:
1. Kapitel - Wege in den Untergrund (27 Teilkapitel)
Das Buch beginnt mit dem Ende von allem, den Toten in Stammheim. Aust bringt uns von da aus in einem grossen Bogen zu den Lebensgeschichten der 1. RAF-Generation. Er geht detailliert auf das Leben insbeondere von Baader, Ensslin, Meinhof und Mahler ein, erzählt, wie Peter Jürgen Book und andere Aussenseiter der Gesellschaft für die RAF interessiert werden und zeigt den Weg der RAF von Brandstiftern über Bankräuber bis hin zu Mördern.
2. Kapitel - Die ungestüme Herrlichkeit des Terrors (50 Teilkapitel)
Aust berichtet über die Ausbildung der RAF im Nahen Osten zu einer "Stadt-Guillera", über die ersten "Aktionen" in Deutschland, bei denen es auch die ersten Toten zu beklagen waren, über die Namensfindung der RAF, ihrer Zusammenarbeit mit der Terrorvereinigung "2. Juni", bis hin zur Verhaftung der Köpfe der RAF.
Es zeigt, dass Ulrike Meinhof zwar als einer der beiden Köpfe der RAF benannt ist, jedoch bis zu ihrem Tode eine geistig-intellektuelle Aussenseiterin der RAF ist.
3. Kapitel - Die Kostüme der Müdigkeit (25 Teilkapitel)
Inhalt dieses Kapitels sind die Identifizierung der Inhaftierten, die Schilderung der Untersuchungshaft incl. Isolation und Hungerstreik, der Kampf der 2. Generation der RAF zur Freipressung der Inhaftierten, die Entführung und Freilassung des CDU-Politikers Peter Lorenz und die Besetzung und Stürmung der Deutschen Botschaft in Stockholm.
4. Kapitel - Der Prozeß Die Baader-Meinhof-Gruppe vor Gericht (51 Teilkapitel)
In detaillierter Weise wird auf anschauliche Art dargestellt, wie der Prozess gegen Baader, Meinhof, Raspe und Ensslin sich zu einer Bühne an 192 Verhandlungstagen der RAF-Terroristen entwickelte, wie die Häftlinge dieses Gericht zu ihren Marionetten machte, wie der Staat verzweifelt versuchte, mit diversen Gesetzen dieser Vorführung entgegenzutreten und welche Rolle die diversen Verteidiger bei der Versorgung mit diverser Technik in der 7. Etage im Stammheimer Gefängnis spielten.
Es wird auf den Tod Ulrike Meinhofs, die all die Jahre eher als Aussenseiterin fungierte, eingegangen
und darauf, dass sofort Stimmen laut wurden, die nicht laut genug *Mord* schreien konnten.
5. Kapitel - Vierundvierzig Tage im Herbst (47 Teilkapitel)
Aust zeigt uns die Entführung von Hanns Martin Schleyer, die ungeheuerlichen Pannen des BKA bei der Fahnung nach Schleyer und den Entführern, die Reaktionen der Inhaftierten in der Isolationshaft, die
Schlampereien im Knast, die Entführung und Befreiung des Lufthansaflugzeuges "Landshut" bis hin zum kollektiven Selbstmord von Baader, Ensslin, Raspe, des versuchten Selbstmordes von Irmgard Möller und der Ermordung und Auffindung von Hanns Martin Schleier.
Theorien und Thesen über die Einbringung der Waffen und anderer Technik nach Stammheim finden ebenso Eingang ins Buch, wie Verbindungen und Verwicklungen mit der Stasi der DDR und Palästinenservereinigungen.
Was ist das - die RAF und warum lese ich so was?
Was ist die RAF, der Wahn Einzelner, die grössenwahnsinnig waren? Die meinten, mit ihrem Tun die Gesellschaft, das System, die Regierung aus ihren Angeln zu heben? Linksrevolutionärer Terrorismus?
Es war wohl von allem etwas, was diese Terroristen und ihre Sympathisanten trieb, mit grösster Gewalt zunächst gegen die Wirtschaft und Banken, später auch gegen die sozial-liberale Regierung der Bundesrepublik Deutschland vorzugehen.
Viel Literatur, fast 700 Seiten vollgepackt mit Informationen, Wissen, Theorien und nicht bestätigten oder auch nicht zu bestätigenden Thesen.
Politische Sachbücher lesen ist nicht jedermanns Geschmack. Ich kann mir gut vorstellen, dass selbst einige von denen, die jede Meinung bis zum Ende durchaus lesen, jetzt schon lang gepasst haben.
RAF - das war für mich was, was im verbotenen *West*-Fernsehen erwähnt war, was man sich gar nicht vorstellen konnte und was so weit weg für mich in meiner kleinen Welt war. Und dann kam die Haftentlassung der Brigitte Mohnhaupt und die Diskussion um die Ermordung von Hanns Martin Schleyer in Presse und Fernsehen.
Die Neugier war geweckt und die Literatur ist weitflächig.
Das Aust-Buch wird als "Standardwerk" zur Geschichte der RAF bezeichnet.
Weder langweilig noch verwirrend ist dieses Buch, sondern sehr systematisch aufgebaut, mit Rückerinnerungen und Erklärungen.
Wir Leser nehmen teil an Regierungsberatungen, an Entscheidungsfindungen und daran, wie schnell in Deutschland Gesetze bestätigt und durchgesetzt werden können, wenn die Herrschenden die Notwendigkeit sehen.
Auf der anderen Seite lässt uns Aust in das Seelenbild der Terroristen blicken, zeigt uns, wie verächtlich Typen wie Baader oder Ensslin über Menschen denken und sprechen und mit welchen perfiden Gedanken sie ihre Machtgedanken durchzusetzen bereit sind.
Er zeigt uns. wie die Familien der Entführten um ihre Angehörigen bangten, wie der Sohn Hanns Martin Schleyers vergeblich versuchte, gegen den Willen der Bundesregierung seinen Vater aus den Fängen der RAF zu befreien.
Der Staat und seine Macht mit all den gemachten Fehlern auf der einen Seite und die relativ kleine Ansammlung von Terroristen, von denen man nie genau wissen konnte, wo und wie sie als nächstes zuschlagen.
Entgegen der Ankündigung bei Amazon.de, dass Stefan Aust in der Ausgabe 2008 Informationen aus diversen Stasi-Unterlagen einfliessen lassen wird, erkennt man davon leider nicht allzuviel. Leider wird auf die 2. Generation der RAF (Mohnhaupt, Klar, Speitel, Krabbe, Maier-Witt uvm), die ja massgeblich an der Entführung von Schleyer und der Lufthansamaschine beteiligt waren, eingegangen, noch auf die Jagd dieser Terroristen.
Für ein Buch, das als Standardwerk zur Geschichte der RAF benannt ist, ist das ernüchternd und enttäuschend.
Dieses Buch endet abrupt mit der Ermordung Schleyers, als wäre das das Ende der RAF.
Und da beginnen dann auch die Enttäuschung und Fragen über die weitere Geschichte der RAF.
Im vorliegenden Buch bleiben grosse Lücken.
Aber ich bin fündig geworden. "Tödlicher Irrtum - die Geschichte der RAF" von Butz Peters ist für meine Begriffe das bessere Buch gegenüber Austs "Der Baader-Meinhof-Komplex"
Peters schafft den Bogen vom Frankfurter Kaufhausbrand im Jahr 1968 der 1. Generation bis zur Selbstauflösug der RAF im Jahr 1998 und macht damit dort weiter, wo Aust aufhört.
Er endet in seinem Buch mit der Aussage, dass die Terroristen der 3. und letzten RAF-Generation teilweise völlig unerkannt und ohne jedwede Möglichkeien der Identifikation noch unter uns leben.
Aber auf das Buch von Butz Peters einzugehen, hiesse schon wieder, eine neue Rezension zu schreiben.
Und so endet diese Rezension zwiespältig.
"Der Baader-Meinhof-Komplex" ist für das, was es ist, ein hervorragendes Sachbuch zum Informieren und Nachblättern.
Als "Standardwerk der Geschichte der RAF" indessen kann und will ich es nicht bezeichnen, die Gründe dafür habe ich wohl hinlänglich dargelegt.
So gut das Buch scheint, es ist schlicht unvollständig und kann von mir trotz einer absoluten Leseempfehlung nur 3 von 5 Sternen erhalten.
Stefan Aust
"Der Baader-Meinhof-Komplex"
8. Ausgabe 2008, Verlag Wilhelm Goldmann
Taschenbuch mit 668 Seiten incl. Personenregister
ISBN: 978-3-442-46901-7
Quelle:
(1) Stefan Aust, Der Baader-Meinhof-Komplex, Ausgabe 2008, Seite 648
Für nette, auch kritische Kommentare bedanke ich mich.
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Euch allen alles Liebe
Anette
Fazit: Das Fazit hat sich festgelesen
Name des Mitglieds: AnetteW
Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik


25.03.09
mist, ich dachte, ich komme mit dem film gut weg,irgendwiee hat mich dieses Thema in letzter zeit interessiert. Aber das Buch scheint ja wohl auf jeden Fall aufschlussreich er zu sein. Von mir auch ne Krone.