Wenn germanische Götter wüten
Produkt:
Das Totendorf - Alexandra Sell
Datum: 18.02.12
Bewertung:
Vorteile: Spannend, Hauptcharaktere, Atmosphäre, Humor
Nachteile: Eigentlich nichts
1. Buchdaten
Bei Heyne erscheinen, Taschenbuch, 8,99 Euro, 365 Seiten, ISBN: 9783453408777
2. Autorin
Alexandra Sell wurde 1966 geboren und schreibt unter anderem Namen bereits schon früher Romane. In "das Totendorf" konnte sie erstmals ihre beiden Interessen Historik und Mythologie verbinden.
3. Inhalt
1729 in einem Dorf im Harz: Seit mehreren Jahren häufen sich hier zunehmend die unheimlichen Vorfälle. Immer wieder werden Dorfbewohner urplötzlich vom Wahnsinn befallen und gehen auf andere los, manche bringen sich um oder verschwinden einfach. Der junge Leutnant Robert Collas wird aus Berlin vom König dorthin geschickt, um die Vorfälle zu klären.
Unterwegs trifft Robert auf eine Kutsche mit vier Reisenden, die eine Panne hat. Da der Schaden nicht so schnell repariert werden kann, müssen die Reisenden mit ins Dorf kommen. Die Reisenden sind eine kluge Nonne mittleren Alters, Schwester Johanna, das naive achtzehnjährige Dienstmädchen Ida auf dem Weg zu ihrer neuen Stelle in Braunschweig, Benedikt Pohl, ein junger forscher Student der Naturwissenschaften und die wohlhabende Sophia Ruhleben, die etwas ordinär daherkommt.
In dem trostlosen Dorf bekommen sie auch schon bald die Vorfälle am eigenen Leib zu spüren. Eine Frau verfällt vor ihren Augen in der Messe dem Wahnsinn und greift einen Mann mit einem Messer an. Ein riesiger schwarzer Hund schleicht durch die Wälder. Eine Frau begeht scheinbar grundlos Selbstmord. Robert und Schwester Johanna werden Verbündete, denn auch Schwester Johanna ist hierhergereist, um die mysteriösen Ereignisse zu klären. Sie ahnen bald, dass sie es mit übernatürlichen Mächten zu tun haben ...
4. Meinung
Cover, Titel und Buchdeckelbeschreibung dieses Romans sprachen mich gleich an und ich wurde wahrlich nicht enttäuscht: "Das Totendorf" ist ein toller Roman, der sich in lürzester Zeit liest, bestens unterhält und voller Spannung ist. Es ist eine Mischung aus Historienroman und Fantasy, da übernatürliche Mächte ins Spiel kommen - konkret gesagt ist Loki alias Lugus, ein germanisches Gottwesen, das sich der Täuschung verschrieben hat, der Auslöser für die Geschehnisse im Dorf. Nachdem Schwester Johanna und Robert Collas das durch Nachforschungen in Büchern und Kombinieren herausgefunden haben, wissen sie, dass sie es mit einem äußerst mächtigen Feind zu tun haben. Der Clou ist, dass Lugus in die Gestalt von anderen Wesen schlüpfen und sie in den Wahnsinn treiben kann. Theoretisch könnte jeder der Dorfbewohner, der innerhalb der letzten Jahre seit die Ereignisse begannen hier aufgetaucht ist, Lugus sein. Dazu kommt, dass Lugus den Büchern nach in jeweils vuier Gestalten gleichzeitig steckt und seine Opfer in den Wahnsinn treibt, wenn er sie in diesen Gestalten einmal zu Todesangst, zu Liebe und zu Hass treibt. Schwester Johanna und Robert Collas trauen nur einander, ansonsten ist so ziemlich jeder verdächtig und sie müssen sich hüten, selbst Opfer des Wahnsinns zu werden. Todesangst empfinden sie beide durch das Auftauchen des schwarzen Hundes, der unzweifrelhaft eine der Lugus-Gestalten ist. Bei der Liebe haben beide ihre Schwachstellen, Schwester Johanna fühlt eine Art intensiven Mutterinstinkt für den Waisenjungen "Wolf", der seit ein paar Jahren in den Wäldern lebt und von den Dorfbewohnern durchgefüttert wird. Aber er könnte Lugus sein, ebenso wie die schöne verwitwete Gräfin, die die Reisenden in ihrem Schloss unterbringt und die sehr charmant zu Robert Collas ist. Auch der Leser weiß lange Zeit nicht, wem zu trauen ist und man hofft und bangt mit Schwester Johanna und dem jungen Leutnant.
Die Charaktere sind sehr gut gelungen. Schwester Johanna ist keine typische Ordensschwester, sondern liebt die Reisen in die weite Welt und hat sich zudem den Forschungen solcher übernatürlicher Vorkommnisse verschrieben. Dazu ist sie schlagfertig und trinkfest, eine patente Frau, die Robert eine gute Hilfe ist. Robert wiederum ist wegen seiner zu forschen Art bisher nicht befördert worden, obwohl er das Zeug dazu hätte. Er lässt sich aber nicht verbiegen und das macht ihn dem Leser sogleich sympathisch. Eine liebenswerte Person ist auch die junge Ida, die ziemlich verschüchtert reagiert. Bisher hat sie ihre Heimat Frankfurt noch nie verlöassen und nun gerät sie mitten in der Einöde in solch eine Situation. Dazu muss sie sich ein Zimmer mit der geschwätzigen Sophia Ruhleben teilen, die sich fälschlich einbildet, alle Männer in ihrer Umgebung seien ihr Verfallen. Als Ida den jungen Schustergesellen Paul kennen lernt, ist sie durch sein Interesse geschmeichelt und verwirrt zugleich. Ihre Schüchternheit und Unerfahrenheit auf fgast allen Gebieten sorgt dafür, dass der Leser auch bei ihr hofft, dass mit ihr alles ein gutes Ende nehmen wird. Damit gibt es schon mal drei sympathische Hauptfiguren und auch die Nebenfiguren wie die ordinäre Sophia Ruhleben haben ihren Reiz. Die rund 350 Seiten lesen sich wie im Nu, zwei Abende hab ich dafür gebraucht und insgesamt gibt es kaum etwas zu kritisieren. Das Cover finde ich recht unpassend, auch wenn es hübsch ist, eine solche Szene wie dargestellt gibt es im Buch nämlich nicht und ich weiß auch nicht, wen diese junge Frau vom Cover darstellen könnte, ihr Ausehen passt weder zu Ida geschweige denn zu Schwester Johanna oder Sophia Ruhleben. Den Prolog finde ich ein bisschen zu verräterisch, auch wenn es interessant ist, da den Hintergrund für diese Ereignisse zu lesen, für die im Jahr 723 bereits der Grundstein gelegt wurde.
5. Zusammenfassung
Eine ganz eindeutige Empfehlung und fünf Sterne von mir für diesen tollen Mix aus Historienroman des 18. Jahrhunderts und ein bisschen mythologische Fantasy. Sympathische Hauptfiguren, ein bisschen Witz zwischendurch, viel Dramatik und Spannung, ein tolles Buch, das ruhig länger hätte ausfallen können.
Fazit: Tolles Buch!
Name des Mitglieds: Barbraa




20.02.12
*KV*