Das Monstrum (King, Stephen)
Letzte Nacht und die Nacht zuvor... - Das Monstrum (King, Stephen) Belletristik

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Neuester Testbericht: ... trinken. Und Gardener trinkt täglich. Meistens ist er betrunken, oft besoffen. Also: Kein Mächtiger rettet die Welt, sondern ein Trunkenbol... mehr

Letzte Nacht und die Nacht zuvor...
Das Monstrum (King, Stephen)

The-Wishmaster

Name des Mitglieds: The-Wishmaster

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Das Monstrum (King, Stephen)

Datum: 05.04.03, geändert am 05.04.03 (61 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: ...fantastische Geschichte, gelungener Spannungsaufbau zu Beginn, spektakuläres Finale...

Nachteile: ...einige Längen in der Mitte, King schweift manchmal fast zu sehr ab...

Tommyknockers, Tommyknockers, klopfen an mein Tor...




Hallo liebe Leserinnen und Leser!



Nachdem ich vor vielen Jahren schon etliches über den Meister des Horrors, Stephen King, gehört hatte, stieß ich doch ganz anders als erwartet auf mein erstes Buch von ihm. Es war die "Blind Guardian"-Scheibe "Tales from the Twilight World" mit ihrem Song "Tommyknockers". Natürlich hatte ich vorher schon von "Friedhof der Kuscheltiere" oder "Es" gehört, aber erst jener Titel weckte mein Interesse an King's literarischen Werken. Ich fand mich also bald in einem Buchladen wieder und erstand die Taschenbuchausgabe von "Das Monstrum - Tommyknockers"...



~ Story ~

Die Story des Buches spielt - wie sollte es bei King anders sein? - im Jahre 1988 im US-Bundesstaat Maine, genauer gesagt in dem kleinen, verschlafenen Dorf Haven. Die 37-jährige Schritfstellerin Roberte "Bobbi" Anderson lebt dort etwas abgeschieden in einem großen, von ihrem Onkel geerbten Anwesen, zusammen mit ihrem alten Hund, dem Beagle Peter. Eines Tages streift sie wie so oft auf der Suche nach Brennholz für ihren Kamin durch die weiten Wälder hinter ihrem Haus, als sie über eine vermeintliche Wurzel stolpert. Doch es ist kein knorriges Holz, sondern ein glänzendes Metall, welches dort im Boden lauert. Bobbi verspürt einen unweigerlichen Drang, das Metall zu berühren und spürt dabei ein eigenartiges Kribbeln in ihrem Körper. Ihre Neugier ist geweckt und sie beginnt zu graben, um das seltsame Etwas in der Erde freizulegen. Was kann das nur sein? Altes Werkzeug von den Bergleuten? Eine Kiste? Ein Auto?

Sie vergisst beinahe die Zeit, kann sich nicht von ihrer Entdeckung losreissen, macht sich aber dann doch nach mehreren Stunden auf den Nachhauseweg. In dieser Nacht schläft Bobbi sehr unruhig und hat einen mehr als merkwürdigen Albtraum, trotzdem schläft sie länger als
sonst und erwacht erst am späten Nachmittag. Sie hat ihre Periode bekommen - dabei wäre diese doch gar nicht fällig gewesen... Auch Peter verhält sich mehr als seltsam, aber das hält Bobbi nicht davon ab, erneut in den Wald zu gehen und weiter an ihrem Fund zu graben. Sie entwickelt eine schleichende Besessenheit und merkt so nicht, wie sie sich selbst und ihre Umwelt mit der Zeit verändert. Kann es eine riesige fliegende Untertasse sein, die vor Urzeiten hier gelandet ist und dort unter dem Erdreich verborgen liegt? Einzig ihr bester Freund, der ehemalige Dichter Jim Gardener, nimmt Notiz von ihrem Wahn, hat aber mit sich und seinem Alkoholproblem selbst genug zu kämpfen, als dass er Bobbi noch von ihrem Trip abbringen könnte. Denn auch die restlichen Einwohner in Haven verändern sich immer weiter, erfinden die unmöglichsten Dinge und merken nicht, wie sie ihrem eigenen Untergang immer näher kommen. Es scheint, als könne sich Nichts und niemand dem Bann der "Tommyknockers" widersetzen...



~ Meine Meinung ~

Beim ersten Lesen empfand ich "Tommyknockers" als äußerst gelungen, wohl weil ich die anderen Klasiker wie "Es" noch nicht gelesen hatte. Die Story selbst ist meiner Meinung nach auf jeden Fall interessant und die Spannung wird nach und nach konstant aufgebaut - zumindest im ersten Teil des Buches. Während Bobbi nämlich den metallischen Gegenstand im Boden entdecke und daraufhin zu graben beginnt, möchte man am liebsten gar nicht mehr aufhören mit dem Lesen um endlich zu erfahren, wie es weitergeht und was auf der nächsten Seite passiert. Da King die Person der Roberta Anderson sehr detailliert und mit all ihren Stärken und Schwächen zeichnet, kann man sich als Leser sehr gut in sie hineinversetzen und die Situationen gut nachempfinden. Ihre Faszination für das Gefundene wird verständlich und nachvollziehbar, wenngleich man als Leser natürlich nicht direkt unter dem Bann der Außerirdischen steht, die sich
allem Anschein nach hinter diesen Veränderungen verbergen.

Als zweite Hauptfigur tritt Jim Gardener auf, der den männlichen gegenpart von Bobbi verkörpert. Denn zumindest am Anfang versucht er, rational zu denken und einen klaren Kopf zu behalten. Dass er in Wahrheit aber vor allem erst einmal mit seinen persönlichen Problemen zu kämpfen hat, macht die Figur nur umso glaubwürdiger. Kein Wunder, dass King gerade Gardener sehr authentisch rüberbringen kann, war er doch jahrelang selbst vom Alkohol abhängig. Die restlichen Charaktere werden wie es für King typisch ist auch zum großten Teil recht ausführlich beleuchtet. Dies geschieht dann vor allem im Mittelteil des Buches, in dem King sich auf die Kleinstadt Haven und die seltsamen Ereignisse dort konzentriert. Etliche mysteriöse Begebenheiten werden dem Zuschauer erzählt und teilweise schweift er fast etwas zu weit ab, so dass man meinen könnte, er würde den roten Faden in dem Buch verlieren. Außerdem ist man als Leser natürlich durch den gelungenen Einstieg ziemlich neugierig, wie es denn nun weitergeht und was es genau mit dem vermeintlichen Raumschiff auf sich hat.

Dennoch sind die Ereignisse in Haven nicht uninteressant. Das fanden wohl auch die Krefelder Fantasy-Metaller "Blind Guardian", die neben "Tommyknockers" selbst auch noch die Geschichte des kleinen Hilly in dem Song "Altair 4" vertonten. Diese ist faszinierend und grausam zugleich. Hilly ist ein passionierter Hobby-Zauberer und erfindet eine Maschine, mit der er Gegenstände verschwinden lassen kann. Solange er Obst in eine andere Dimension befördert, geht auch noch alles gut, aber als er dann zur Premiere mit seiner Zaubershow vor seiner Familie seinen kleinen Bruder verschwinden lassen will, ist das Entsetzen groß als dieser wirklich verschwunden ist und nicht mehr zurückkommt. Er wurde in die Dimension "Altair 4" befördert, einer unwirtlichen Gegend und King beschreibt grausam, wie er dort z
u leiden hat. Gibt es eine Rettung? Das wird natürlich nicht verraten, aber sein Großvater will den Kleinen nicht einfach so aufgeben. Das ist nur eine der zahlreichen Nebenhandlungen und wie die anderen auch ist sie im Prinzip sehr interessant gemacht, nur zum Teil etwas zu sehr ausgeschmückt. Doch für das Finale komme King wieder zurück zu seinen eigentlichen beiden Protagonisten Bobbi und Jim und wir erfahren endlich, was sich genau im Wald hinter Bobbis Haus verbirgt.

King's Schreibstil an sich ist natürlich Geschmackssache, weil er teils auch recht vulgäres und obszönes Vokabular verwendet, er beschränkt dies aber in der Regel auch auf Szenen, in denen es notwendig und glaubwürdig ist. Ein verschwenderischer Einsatz des entsprechenden Vokabulars würde auch der Atmosphäre des Buches ziemlich schaden, was aber zum Glück nicht der Fall ist. Ansonsten verwendet er eine recht bildhafte und deutliche Sprache, was sein Werk recht leicht zu lesen macht. Ein Hinderniss stellen hier wie gesagt lediglich die vielen Ausschweifungen dar, die zwar an sich auch ganz gut sind, vom eigentlichen Hauptthema des Buches aber fast ein wenig zu sehr ablenken. Aktuelle King-Werke sind mir gänzlich unbekannt, aber wenn man den Stimmen Glauben schenken darf, so haben diese Abschweifungen ja mit der Zeit immer mehr zugenommen. Hier sind sie zwar auch vorhanden, halten sich aber noch im Rahmen, solange man konzentriert liest und auch mitdenkt. Ansonsten kann man vor allem im Mittelteil leichte Probleme bekommen, da hier relativ viele verschiedene Charaktere, Schauplätze und Situationen vorkommen. Aber es lohnt sich, bis zum Ende durchzuhalten...


~Sonstige Infos ~

Titel: Das Monstrum - Tommyknockers
Originaltitel: Tommyknockers
Aktuelle Ausgabe: Taschenbuch
Verlag: Heyne
Seiten: 687
ISBN: 3-453-03697-2



~ Fazit ~

Auch wenn sich "Tommyknockers" nicht ganz mit den großen Klassikern von King messe
n lassen kann, so ist es doch ein mehr als fesselndes Werk und hat mir als mein Erstling von King gut gefallen. Die kleineren Längen im Mittelteil trüben den Spaß nur minimal, denn vor allem der exzellente Anfangsteil und der fantastische Schluss sprechen eine deutliche Sprache - und die besagt allen Leseratten mit dem Hang zum Mysteriösen, sich auch einmal in den Bann der Tommyknocker zu begeben. Ausdrücklich warnen muss ich dagegen vor der Verfilmung. Auf die hatte ich mich nämlich tierisch gefreut und wurde von dem TV-Zweiteiler mehr als enttäuscht, da einige Elemente der Vorlage nicht übernommen wurden (die Sache mit dem Rathausturm z.B.), die aber im Buch ihre volle Wirkung entfalten und zu überzeugen wissen. Nehmt Euch also die Zeit und lest das Buch.




In diesem Sinne...

Stay Dark!

The-Tommymaster



PS: Alle Freunde des schnellen Klicks sollen nach "Altair 4" verbannt werden... ;)



Feed your Heads and shake 'em!


Fazit: