Das Meer in Gold und Grau - Veronika Peters
Das "PALAU" - nur ein Traumhotel ?? - Das Meer in Gold und Grau - Veronika Peters Belletristik
Das "PALAU" - nur ein Traumhotel ?? - Das Meer in Gold und Grau - Veronika Peters Belletristik

Erhältlich in: 6 Shops

Kurzbeschreibung: Genre: Romane / Jahr: 2011

 
 

Das "PALAU" - nur ein Traumhotel ??

Produkt:

Das Meer in Gold und Grau - Veronika Peters

Datum: 18.02.12

Bewertung:

Vorteile: wunderschön zu lesen

Nachteile: ./.

Die Autorin:
"Veronika Peters, geboren 1966 in Giessen, verbrachte ihre Kindheit in Deutschland und Afrika, wo ihr Vater als Lehrer tätig war. Im Alter von fünfzehn Jahren verließ sie ihr Elternhaus, absolvierte eine Ausbildung zur Erzieherin und arbeitete in einem psychiatrischen Jugendheim, bis sie 1987 ins Kloster eintrat. Nach beinahe zwölf Jahren verließ sie den Orden und zog nach Berlin, wo sie sich mit Fotographie und Schreiben beschäftigte. Veronika Peters lebt mit ihrer Familie und zwei Katzen im Stadtteil Prenzlauer Berg."



Verlagsbeschreibung: "Eine junge Frau auf der Reise. Eine alte Frau, die nicht mehr viel Zeit hat. Eine Begegnung, die ungeahnte Türen öffnet Katia Werner steht kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag, als sie von einem auf den anderen Tag ihren Job samt Wohnung verliert. In dem Bedürfnis, alles hinter sich zu lassen, macht sie sich kurzerhand auf den Weg zu ihrer alten Tante - einer Halbschwester ihres Vaters, die sie bisher noch nicht kennt. Tante Ruth betreibt das malerisch abgelegene "Strandhotel Palau" an der Ostsee, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Seine reichlich betagten Bewohner und vor allem die ebenso ruppige wie auf ihre ganz eigene Weise beeindruckende Tante sorgen dafür, dass aus dem spontanen Wochenendbesuch viele Monate werden. Nach chaotischen Beziehungen und zahllosen Fluchten lässt Katia sich zum ersten Mal auf das Wagnis des Bleibens ein - und ahnt doch nicht, dass sie damit die größte Herausforderung ihres Lebens annimmt."

Und hier beginne ich ausnahmsweise mal mit dem Eindruck, den ich während des ganzen Lesens und auch danach hatte. Bereits nach einigen Seiten bemerkte ich, das ist genau das Buch, das ich grade brauche. Warum? - Weil es einfach ein positives Gefühl vermittelte. Vermutlich ist das für mich so und nicht für jeden. Ich berichte hier von meinem Leseerlebnis, und das möchte ich hier ausdrücklich erwähnen. Selten habe ich ein Buch gelesen, das so angenehm, so wunderbar zu lesen war wie dieses. Eine Autorin, die ich mir merke und nach weiteren Büchern von ihr Ausschau halten werde.

Nun zum Inhalt:
Katja, die Protagonistin, macht sich auf den Weg, eine alte Tante, eine Halbschwester ihres Vaters, an der Ostsee zu besuchen. - Wie sie dort ankommt, wie ihre Tante Ruth reagiert, wie dieses Strandhotel auf Katja wirkt, wunderbar beschrieben. Der Person von Ruth widmet Katja große Aufmerksamkeit. Ist sie doch eine merkwürdige, kauzige alte Person. Aber: Katja empfindet keine Antipathie, ganz im Gegenteil. - Was diese Tante aber bei ihr auslöst ist, dass sie sich mehrere Tage sehr unsicher ist, ob sie willkommen ist, ob sie länger bleiben kann; genau das kommt nicht zur Sprache, sondern Katja muss das aus den knappen Äußerungen entnehmen, die auf den ersten Blick recht barsch klingen; aber: mit einem Augenzwinkern, das erkennt Katja sehr schnell.

Es geht um dieses alte Haus an der Ostsee, direkt am Meer gelegen, und vor dem Deich. Die Tante, Ruth, hatte es vor vielen Jahren, als sie selbst noch junge Frau war, geerbt. Und sich in den Kopf gesetzt, dieses halb verfallene Gebäude herzurichten, ein Hotel daraus zu machen. Ihre Mittel sind bald verbraucht, es sind unwahrscheinlich viele Reparaturen, Instandsetzungen, Renovierungen vorzunehmen. -

Da kommt - also damals - eine junge Frau, Elisabeth, plötzlich zu ihr ins Team. - Wie kam das.... . Diese Elizabeth, eine Adlige, war mit ihrem Mann dort gewesen, und als dieser gestorben war, kurzerhand dorthin gereist, sich mit Ruth angefreundet, aber vor allem auch ihr ganzes Geld zur Verfügung gestellt. -
So brachten diese beiden Frauen - in ihren jüngeren Jahren, es zustande, aus dem alten Gemäuer ein interessantes, wohnliches, aber eigenartiges Feriendomizil zu gestalten. - Sie suchten einen Namen, und suchten aus einem Gedicht, wo es um eine Südseeinsel Palau geht, eben genau diesen Namen aus, das Hotel hieß aber sofort "Palau".

Beide Frauen, Ruth wie Elizabeth, waren sich einig, es sollte ein besonderes Hotel sein, anders als alle anderen. Das sah so aus: Zunächst gab es bestimmte Zimmer, jedes hatte einen Namen. Dann war eine Bibliothek da, aber das Besondere war hier, dass Ruth alle Bücher im gesamten Palau auf Wanderschaft schickte; sie also verteilte, sie suchte ein Buch aus, wo sie meinte, das könnte dieser oder jener Gast lesen, oder er sollte es lesen ;-))) - und das legte sie dann eben genau in das gebuchte Zimmer. - Und ähnlich eben, sie legte Bücher aus in die Strandkörbe, in das Speisezimmer, auf den Flur, und überall eben. Diese Bücher sollten eine Rundreise durch das ganze Palau machen.

Es gab eine Kartei, da gabs für jeden Gast eine Karteikarte. Hier war nicht nur der Name und Aufenthaltsdauer, Daten usw. festgehalten, sondern auch Charaktereigenschaften, Vorlieben, Eigenarten. - Und diese Karten wurde nie vernichtet; auch wenn ein ehemaliger Gast verstorben war, die Karte blieb. -

Es gibt noch dutzende von Eigenarten dieses Palau, kann ich nicht alle hier aufzählen und beschreiben, aber jede einzelne ist sehr interessant. Das Ende wird eigentlich von Anfang an anvisiert..... der Leser bemerkt, dass das, was erzählt wird, Vergangenheit ist. Und die Spannung - wohldosiert - bleibt bis zum Ende. - Das ich hier nicht erwähne. Es ist eindrucksvoll, genau passend zur ganzen Geschichte.

Meine abschließende Meinung:
Was ich mal herausgreifen möchte, ist diese Stelle, wo es darum geht, wie es mit den Büchern auf Palau zugeht:

"......Man durfte die Bücher von unten mit aufs Zimmer nehmen und die vom Zimmer aus mit runter, das war ausdrücklich erwünscht. Durch das Umherwandern der Bücher sollte jederzeit eines unerwartet entdeckt, weiter herumgetragen und neu gelesen werden können. Das palausche Bücherkarussell war Ruths Erfindung: Leseeinladung durch Überraschungsfund. Ich fand Ruths Lesepädagogik etwas verschroben, muss allerdings zugeben, dass sie bei mir funktioniert hat."

Es sind dann zahlreiche Beispiele beschrieben, wie das im einzelnen funktionierte, ich fand das einfach grandios. In diesem Hotel, dem Palau, gabs nur Leute über 70, die Protagonistin war noch keine 30, und das alleine war schon sehr interessant. Alle Leute, ob Personal, oder Stammgäste, werden beschrieben, wie sie ins Palau kamen, wie oft sie da sind, ihre Eigenarten. - Und vor allem eben, wie Ruth mit allen umgeht. Die 'Mannschaft' rekrutiert sich meistens für den Sommer erst so ab Beginn der Saison, da sind zwei polnische Frauen, auch schon älter, sie sind nur über die Saison da. Einige Aushilfen aus dem Dorf gesellen sich dazu.

Die Eigenart, wie der Tag beginnt, lernt Katja bereits am ersten Morgen nach ihrer Ankunft kennen. - Noch weiß sie nicht, ob sie bleiben kann, ob sie wieder abreist, was überhaupt Sache ist. - -
Die Tante (Ruth) sitzt mit der Zeitung am Frühstückstisch. Als Katja dann mal wagt ein Wort an sie zu richten, wird sie auf der Stelle darüber aufgeklärt, dass die Tante weder sprechen will, noch was hören will. Sie will ihre Zeitung lesen. Basta....

Katja erlebt so den ersten Sommer dort, irgendwie wurde diffus klar, sie könne bleiben. - Und, so ganz einfach, ihr einige Aufgaben zugewiesen.... - sie konnte daraus entnehmen, sie ist aufgenommen. So verrichtet Katja viele Hilfsdienste - und: sie fühlt sich sehr wohl, mit jedem Tag wohler. Die Eigenarten der Tante hat sie zu lesen gelernt, ihre Art verstehen gelernt, und ist ihr von Tag zu Tag gesonnener, mal sachte ausgedrückt. Ruth ist sehr temperamentvoll, braust auf, schimpft wie wild; aber genauso schnell vergisst sie es dann auch, und wenn sie dann wieder normal spricht, ist alles wieder gut. - Das kennen alle, es nimmt ihr keiner krumm. Natürlich gibt's häufig Auseinandersetzungen, üble Beschimpfungen - aber hier nimmt das jeder nicht so tragisch.

Katja, eigentlich so gar nicht gewöhnt, was zu tun, das sie noch nie getan hat, bekommt dann zu hören:

"Ich kann das nicht, gibt es nicht! - -bekam ich zu hören - "du fängst sofort an zu üben" - ich übte also und lernte im Lauf der Zeit, Socken zu stopfen, Fahrradschläuche zu flicken, Knöpfe ordentlich wieder anzunähen, Schuhe auf Hochglanz zu polieren, gedeckten Apfelkuchen zu backen, ein brauchbares Feuer anzufachen, den Transporter rückwärts in die Garage zu setzen, Marmelade zu kochen, Türschlösser auszuwechseln, Betten anständig herzurichten, Heizungsventile zu erneuern, ein Bier mit fester Schaumkrone zu zapfen, Omelette mit Speck zuzubereiten, hemmungslos in Tränen auszubrechen, einen Mann zum Teufel zu jagen."

Als Katja mal ein Fazit zieht:

"....Wollte ich versuchen, die Wochen dieses Sommers zu zeichnen, würde ich einzelne Punkte auf ein Blatt setzen, die erst später, wenn man sie endlich verbunden hätte, eine Form erkennen ließen. Ähnlich wie bei diesen durchnummerierten Pünktchen in Rätselheften für Kinder, die erst dann, wenn sie mit dem Filzstift verbunden werden, ein Bild ergeben......"

Interessant, nach dem Lesen des Buchs, aber auch immer schon während dessen, war mir aufgefallen, dass, wenn Katja von Notebook, Internet, Handy usw. spricht, mir das vorkam, als ob es gar nicht hier her gehört.... -

So vollkommen wird der Leser (in diesem Fall ich) in diese Geschichte hineinversetzt, dass die Erwähnung von diesen modernen Requisiten auffällt, und so gar nicht passt, in das Bild, dass frau sich so macht, wenn sie an Palau denkt. Das Ende des Buchs dann, wo es um die Auflösung schlechthin geht, auch um Tod, vermag die Autorin in der Weise zu erzählen, dass es sehr leicht ankommt, niemals traurig oder trübsinnig.

Wenn ich an die ganze Geschichte denke, und wie es mir dabei erging, da kommt spontan von mir der Wunsch auf, in genau so ein Hotel wie das Palau hier von der Autorin beschrieben wird, einen Urlaub zu verbringen.

Palau und alles, alles fiktiv. Aber die Autorin wurde von einer Geschichte inspiriert, die sie zum Schreiben genau dieses Buchs bewog. Und genau so ein wunderschönes Buch zu schreiben, das finde ich einfach genial.
Auch wenn der Inhalt im Gesamten weder hochspannend noch fesselnd erscheint, hinterlässt er doch - in dieser schönen Sprache, derer sich die Autorin bedient - eine unglaubliche Sehnsucht nach genau dem, was dieses Palau ausgemacht hat. -

Besonders hervorzuheben ist, so ganz nebenbei, wie die Autorin diese junge Protagonistin (Katja) das Zusammenleben mit diesen über 70-jährigen Leuten erlebt. Ihre Gefühle, ihre Eindrücke, und vor allem die wachsende Liebe zu diesen alten Leuten. Und nicht zuletzt, der immer wiederkehrende Witz, der sehr häufig schmunzeln lässt. Nach Art der Protagonistin Ruth, oder auch Elizabeth, aber auch der männlichen Protagonisten, oft mit sehr ernstem Gesicht und Gebärde geäußert, aber mit einem Augenzwinkern registriert. - Das lernt der Leser sehr schnell zu beurteilen. Dieser Witz, der trotz aller Ernsthaftigkeit immer wieder zum Tragen kommt.



Buchdaten:
ISBN-10:3-442-31168-3
EAN:9783442311682
Erscheinungstermin: 22.08.2011
Verlag: Goldmann
Einband: gebunden
Sprache: Deutsch
Seiten:285

Fazit: schade dass es so ein Hotel nur in der Fiktion gibt :-))

Name des Mitglieds: giselamaria