Viele Anfänge, keine Entscheidungen: Aufmarsch zum Showdown
Das Lied von Eis und Feuer 05: Sturm der Schwerter - George R.R. Martin

Name des Mitglieds: mmatzer
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Das Lied von Eis und Feuer 05: Sturm der Schwerter - George R.R. Martin
Datum: 12.06.12
Bewertung:
Vorteile: etwas spannend, ein paar Actionszenen, Humor, magische Elemente, Anhänge, Landkarten etc.
Nachteile: lauter Anfänge ohne Entscheidungen, nur die 1. Hälfte des Gesamtromans, hoher Preis
"Das Lied von Eis und Feuer", so heißt das ambitionierte Großprojekt von George R. R. Martin auf dem Gebiet der epischen Fantasy. Die vier ersten Bände davon sind bereits auf Deutsch erschienen (hier auf acht Bände verteilt), die nächsten zwei erscheinen im Mai und Juli auch bei uns. "Sturm der Schwerter" ist die erste Hälfte des Originalbandes "Storm of Swords".
Der Zyklus lässt sich zum Besten einordnen, was diese Literaturgattung bisher hervorgebracht hat. Mehrere Handlungsstränge aufgreifend, bietet Martin einen Blick auf eine farbenprächtige Welt voller Gegensätze, ein buntes Gewimmel verschiedenster Schicksale, verstreut vom kargen, frostklirrenden Norden bis zu den orientalisch prächtigen Ländern des Sommers.
Eine Welt, in der die Jahreszeiten sich über Jahre erstrecken können und auf einen milden langen Sommer ein umso härterer Winter folgt. In diesen Wintern erwachen im Norden dunkle Mächte. Und der jetzige Sommer währt bereits die Rekordzeit von zehn Jahren ... Doch noch ist die Witterung wohlgesonnen, und die Menschen sind mit ihrem eigenen Streit beschäftigt. Aber das Blatt wendet sich allmählich...
Der Autor
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George R. R. Martin, 1948 in Bayonne/New Jersey geboren, veröffentlichte seine ersten Kurzgeschichten im Jahr 1971 und gelangte damit in der Fantasy-Szene zu frühem Ruhm. Gleich mehrfach wurde ihm der renommierte Hugo Award verliehen. Sein mehrteiliges Epos Das Lied von Eis und Feuer wird einhellig als Meisterwerk gelobt, dessen neunter Band im Mai 2012 auf Deutsch erscheint. George R. R. Martin lebt in Santa Fe, New Mexico. (erweiterte Verlagsinfo)
Der Zyklus "Das Lied von Feuer und Eis"
Band 1: Die Herren von Winterfell (ISBN 3-442-24730-2 10/97 )
Band 2: Das Erbe von Winterfell (ISBN 3-442-24730-6 4/98 )
Band 3: Der Thron der sieben Königreiche (ISBN 3-442-24923-6, 4/00)
Band 4: Die Saat des goldenen Löwen (ISBN 3442249341)
Band 5: Sturm der Schwerter (dt. 2011)
Band 6: Die Königin der Drachen (dt. 2011)
Band 7: Zeit der Krähen (Feast of Crows (erschienen 2006, dt. 1/2012, Blanvalet)
Band 8: Die dunkle Königin (dt. 3/2012, Blanvalet)
Band 9: Der Sohn des Greifen (A Dance with Dragons 1; dt. am 21. Mai 2012, Penhaligon)
Band 10: Ein Tanz mit Drachen (A Dance with Dragons 2; 23. Juli 2012, Penhaligon)
Handlung
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Davos der Schmuggler, der in der Schlacht um die Hauptstadt Königsmund, ein Schiff kommandiert hat, ist auf einem einsamen Felsen gestrandet und stillt seinen Durst aus Regenwasserpfützen, als sich am Horizont ein Segel abzuzeichnen scheint. Ist dies seine Rettung aus den Qualen von Hunger, Durst und Einsamkeit? Davos hat noch eine Mission vor sich: eine Hexe zu töten.
Jon Schnee
Lord Starks Bastard Jon Schnee, der sich der Schwarzen Bruderschaft angeschlossen hat, ist an der größten Expedition der Grenzer von der Mauer beteiligt, die man in den letzten Jahren gesehen hat. Jon ist ein Warg und mit dem Zweiten Gesicht begabt, so dass er mit den Augen seines Schattenwolfs Geist "sehen" kann, wie sich die größte Ansammlung von Wildlingen, Riesen usw., die man bislang gesehen hat, jenseits der Mauer in Bewegung setzt, um die Mauer anzugreifen. Wehe dem Königreich von Westeros, wenn sie sie überwinden können!
Doch die Patrouille von Qhorin Halbhand, der er sich angeschlossen hat, wird von einem anderen Geistwandler in Adlergestalt entdeckt und verfolgt. Ihre Chancen auf ein Überleben in der eisigen Wildnis jenseits der Mauer sind gleich null. Damit wenigstens Jon, immerhin der Spross eines Fürsten, überlebt, greift Qhorin zu einer verzweifelten Maßnahme: Jon soll überlaufen, um die Pläne von Manke Rayder, dem König-jenseits-der-Mauer, zu erfahren. Und um ein glaubwürdiger Verräter zu sein, soll Jon seinen Bruder Qhorin vor Zeugen töten. Wird der verwegene Plan aufgehen?
Daenerys
Die einzig wahre Thronerbin von Westeros, Daenerys Targaryen, segelt mit ihren drei Drachen - den einzigen auf der Welt - vom äußersten Osten zurück nach Pentos. Sie befindet sich mit ihren getreuesten Untergebenen an Bord von drei Handelsschiffen Illyrios, eines Kaufmanns, der bereits ihren Bruder Viserys unterstützte. Seine zwei Söldner, ein alter "Knappe" und ein Eunuch, haben ihr in Quarth das Leben gerettet, sagen sie.
Doch Ser Jorah, der verbannte Ritter und treuester Berater, traut den beiden nicht und vertraut Daenerys seine Zweifel an. Ihr wurde prophezeit, sie werde dreimal verraten werden, wegen Blut, wegen Gold und in der Liebe. Was, wenn Illyrio, der scheinbar so loyale Mäzen, sie an den Feind meistbietend verraten hätte? Was erwartet Daenerys in Pentos - eine Invasionstruppe für Westeros oder der Kerker? Schon einmal hat es ein Kaufmann in Quarth auf ihre unschätzbar wertvollen Drachen abgesehen.
Ser Jorahs Vorschlag lautet daher: "Segelt Astapor und heuert mit Illyrios Handelsware eine Armee treuer Unbefleckter an, also Sklavensöldner, und reist dann über Land nach Pentos, was wenigstens nicht so gefahrvoll ist wie zur See." Dann küsst er die halbnackte Königin und macht ihr einen Heiratsantrag. Denn schließlich müssen für DREI Drachen auch DREI Reiter gefunden werden...
Bran Stark
Winterfell ist zerstört und niedergebrannt, nur Bran und zwei begleiter konnten entkommen. Bran Stark ist zwar ein Krüppel, seit Jaime Lennister ihn aus dem Turmfenster gestoßen hat, doch wenn er als Warg seinen Geist in seinen Schattenwolf versenkt, kann er laufen wie ein Prinz der Wälder. Immer öfter und länger unternimmt er deshalb diese köstlichen Geistreisen mit Sommer.
Leider reißen ihn seine zwei Begleiter Meera und Jojen Reet, zwei "Froschfresser" aus dem östlichen Mündungsdelta, immer wieder aus diesen Trancen, denn schließlich muss auch sein eigener Körper bei Kräften bleiben. Vor die Wahl gestellt, sich durch Kriegsgebiet nach Norden durchzuschlagen oder seiner Vision zu folgen, entscheidet er sich für letzteres. Doch um die dreiäugige Krähe zu sehen, muss er die Mauer des Nordens überwinden und ins gesetzlose Land dahinter vorstoßen.
Sansa Stark
Prinzessin Sansa, die ältere Tochter des enthaupteten Lord Eddard Winterfell, sieht sich in der Gefangenschaft zu Königsmund, wo die Königin sie als Geisel hält, unvermittelt von neuen Freundinnen umgeben: den Angehörigen der neuen Braut von König Joffrey, Margaery Tyrell von Rosengarten. Die Brautmutter besonders erweist sich als erfahrene Intrigantin und verkuppelt die nunmehr solo lebende Sansa an einen Gutserben, der nur den winzigen Nachteil hat, ein Krüppel und Schöngeist zu sein. Sansa freut sich schon auf ein angenehmes Eheleben im sonnigen Süden.
Zu dumm, dass Lord Tywin Lennister, mittlerweile die Hand des Königs, genau die gleiche Idee hat - für die verwitwete Königin. Und wer soll nun Sansas Hand erhalten? Sein Sohn Tyrion glaubt, sich verhört zu haben...
Arya Stark
Sansas unternehmungslustige Schwester Arya befindet sich derweil auf einem Kurs, der sie nach Norden führen soll, doch nachdem ihre Identität von versprengten Resten des Nord-Heeres aufgedeckt worden ist, nimmt man sie und Gendry, den Bastardsohn von König Baratheon, gefangen, um sie Lord Beric Dondarrion auszuliefern. Und der lebt nun mal weit im Süden. Und es heißt, er sei unsterblich. Unverhofft stößt sie bei ihm auf Sandor Clegane, den Bluthund des früheren Königs. Und mit dem hat Arya noch eine alte Rechnung zu begleichen.
Lady Catelyn
Die Mutter der beiden, Lady Catelyn, hat unterdessen eine verzweifelte Entscheidung getroffen, um Sansa und Arya aus der Gefangenschaft auszulösen: Sie will Jaime Lennister, den Königsmörder und Bruder der Königin, nach Königsmund schicken, damit Königin Cersei im Austausch die zwei Mädchen freigibt. Doch der Auftrag, den sie der bewaffneten Kämpferin Brienne gegeben hat, stößt in den vom Krieg verwüsteten Landen auf unerwartete Hindernisse...
Tyrion Lennister
Tyrions Liebe zu Shae nimmt verzweifelte Ausmaße an. Er ist zwar durch die fehlende Nase entstellt, doch sie liebt ihn immer noch. Allerdings sind ihre Treffen, die der undurchsichtige Eunuch Varys arrangiert, eine ständige Gefahrenquelle für sie beide. Sollte Tyrions Vater Tywin oder gar die Königin von Shae erfahren, wäre ihr Leben keinen Pfifferling mehr wert - und das von Tyrion womöglich mit.
Deshalb steht Tyrion dem Vorschlag bzw. der Forderung seines Vaters, Sansa Stark wegen ihres Anspruchs auf ein Königreich im abtrünnigen Norden zu heiraten, gar nicht ablehnend gegenüber. Und die zur Frau erblühte Sansa ist kein Mädchen, das Tyrion von der Bettkante stoßen würde (anders als etwa Lady Arryn). Aber kann Tyrion wirklich Shae behalten, wenn er verheiratet ist? Der Versuch, seinen Kuchen zu essen und zugleich behalten, ist schon des öfteren schiefgegangen.
Mein Eindruck
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Die Heere sind in Bewegung gesetzt, zumindest diejenigen, die nach den ersten Schlachten noch übriggeblieben sind. Das wichtigste und am wenigsten beachtete Heer ist das von Manke Rayder, dem König jenseits der Mauer. Es schickt sich an, eben diesen Schutzwall zu überwinden, die Schwarze Wache wegzufegen und das Tor zum Süden zu öffnen. Dann werden Zombies und die Anderen über den Norden herfallen, der nicht mehr von den Starks bewacht wird: Winterfell wurde niedergebrannt.
Tief im Süden rollt neuer Ärger auf Königsmund zu, wie Tyrion Lennister feststellen muss: Die Adligen der südlichsten Region Dorne kommen zu König Joffreys Hochzeit und werden in der Hauptstadt auf ihre Erzfeinde, die Adligen aus Roesengarten treffen. Das sollte für einen hübschen Konflikt sorgen, freut sich Tyrion, der seiner Schwester, Königin Cersei, jedes Unglück von Herzen gönnt.
Auch weit im Osten braut sich Ungemach zusammen. Daenerys ist es endlich gelungen, eine schlagkräftige Streitmacht aufzustellen. Das heißt, sie hat sie einfach von den Sklavenhändlern "gekauft" - und dann eben diese Händler eliminieren lassen. Nun stehen ihre Die Unbefleckten zur Verfügung, Eunuchen, die keinen Schmerz und kein Mitgefühl kennen, dafür aber jede Menge Waffenkünste. Und es sind nicht bloß Hunderte, sondern Zehntausende. Mit ihnen könnte sie es sogar gegen die Dothraki aufnehmen. Allerdings braucht sie nun einen Weg, um sie alle nach Westeros zu transportieren. Doch dabei wird ihr Ser Jorah gerne Rat geben.
Die einzigen Enttäuschungen, die ich in dem Buch bislang erlebte, sind die unvollendeten Handlungsfäden von Arya, Bran und Jaime sowie das seltsame Geschick von Sansa. Statt nämlich mit der 13-jährigen die Ehe zu vollziehen, verspürt der Gnom Tyrion Mitgefühl für das an ihn verschacherte Kind und überlässt ihr die Wahl, wann es dazu kommen soll. Er hat ja immer noch seine Hure Shae. Allerdings muss er sich nun allerlei Spott und Kritik anhören. Und eine Ehe, die nicht "nach angemessener Frist" vollzogen worden ist, kann vom Hohen Septon annulliert werden. Das würde Lord Tywin sicher nicht gefallen, der sich das Erbe der Starks unter den Nagel reißen will.
Die Übersetzung
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Ein umfangreicher Anhang mit den einzelnen Herrscherhäusern von Martins Phantasiewelt macht es deutlich: Hier treten sehr viele Leute auf die Bühne, die die Welt bedeutet. Und nicht alle treten lebend ab. Denn wie das unter den Edlen so ist und dem Leser von Shakespeare sattsam bekannt: Es kann der Klügste nicht in Frieden regieren, wenn es dem Ehrgeizigen nicht gefällt.
Der Interessent sollte darauf achten, die überarbeitete Fassung zu lesen, denn in ihr sind alle Eigen- und Ortsnamen auf den drei Landkarten eingedeutscht und Fehler der Erstauflage ausgemerzt. Äußerst hilfreich sind die Landkarten, auch wenn man sich so manche davon etwas detaillierter gewünscht hätte.
Fehlerübersicht
Auf S. 450 steht "Marum" statt "Warum".
S. 583: "Der Mann war klein [ -] obzwar für Tyrion jeder Mann groß war -, hatte - spärliches braunes Haar...". Zunächst fehlt ein Gedankenstrich, dann haben wir eines zuviel. Die beiden Lektoren hätten hier besser aufpassen müssen.
Auf S. 584 steht "größzügig" statt "großzügig". Es gibt noch einige solche Flüchtigskeitsfehler mehr.
Kein Fehler ist jedoch auf S. 608, dass das Wort "Dolch" zweimal in einem Satz auftaucht. Die Figur, ein Bruder der Nachtwache, wird einfach so genannt. Und natürlich geht es um Sams Dolch aus valyrischem Stahl, mit dem er einen der unheimlichen Anderen getötet hat.
Unterm Strich
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Für diese erste Hälfte des Gesamtbandes habe ich mehrere Wochen benötigt. Der Grund ist einfach: Es finden lediglich Auf- und Umstellungen von Figuren statt, aber keine eigentlichen Entscheidungen von Konflikten. Der Autor baut jede Menge Spannungsbögen auf, doch die wenigsten davon werden auch zu Ende geführt. Am Schluss hat man zwar eine ganze Reihe von Entwicklungen gesehen, aber deren Ziele und Zwecke sind noch unklar. Deshalb kann mein Rat nur lauten: sofort weiterlesen!
Hinweis: Die 2. Hälfte von "Storm of Swords" trägt den deutschen Titel "Die Königin der Drachen".
Fazit: drei von fünf Sternen.
Michael Matzer © 2012ff
Info: A storm of swords, pp. 1-438 inkl. Appendix, 2000; Blanvalet, München 2011; 768 Seiten, aus dem US-Englischen von Andreas Helweg, in überarbeiteter Übersetzung; Preis: 15,00 EU; ISBN 978-3-442-26846-7
Fazit: empfehlenswert für Fantasy-Freunde
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