Das Leben ist kurz - Jostein Gaarder
Eine Abrechnung mit Kirchenvater Augstinus.... - Das Leben ist kurz - Jostein Gaarder Belletristik
Eine Abrechnung mit Kirchenvater Augstinus.... - Das Leben ist kurz - Jostein Gaarder Belletristik

Erhältlich in: 2 Shops

Kurzbeschreibung: Genre: Romane

 
 

Eine Abrechnung mit Kirchenvater Augstinus....

Produkt:

Das Leben ist kurz - Jostein Gaarder

Datum: 06.10.10

Bewertung:

Vorteile: spannend gemachte Story liest sich einfach gut und flüssig

Nachteile: keine wirklich spannenden Szenen

Ich kannte den Autor von "Sofies Welt" ja bereits als jemand, der einem die Philosophie des Abendlandes näher zu bringen trachtet und dieses Ansinnen führt er auch in diesem Werk fort. Gaarder bedient sich dabei vieler Zitate die dann auf den jeweiligen Philosophen neugierig machen und wohl auch einladen (sollen) im Original weiterzulesen. Insofern bleibt er seinem Erstlingswerk treu und versucht uns zu kleinen Philosophen zu erziehen - zumindest aber versucht Jostein Gaarder uns die Freude an dieser Disziplin zu vermitteln. Dies aber das nur in zweiter Linie! In erster Linie ist das Buch eine Entgegnung oder auch Abrechnung mit der sittenstrengen und lustfeindlichen Lehre der katholischen Kirche. Gaardner nimmt sich dabei niemand geringeres als den Kirchenvater Augustinus vor - und als Waffe nutzt er dessen langjährige Freundin und Bettgefährtin Fiorina. Da diese ja von Augustinus zur Befriedigung der irdischen Gelüste genutzt, später dann aber von ihm verlassen wurde, um diesem "weltlichen und sündigen Tun" abzuschwören und heilig zu werden sind die Sympathien im Buch von Vorne weg ungleich verteilt:
-auf der einen Seite der seiner Mutter gehorchende Junge Aurel Augustinus, der seine einstmals geliebte Frau verlässt, ihr sogar das Kind entzieht, um danach ein hohes geistliches Amt zu ernten und sogar Bischof zu werden - aber gestraft mit den Erinnerungen in an die fleischlichen Freuden des Daseins in seinem Kopf kämpfen muss.
-andererseits die betrogene verlassene Frau und Mutter, die noch schwören muss keinen anderen Mann mehr an sich zu lassen und die dann ihrem Sohn und der verlorenen Liebe nachweint und sich verzehrt.
Irgendwie also: die Schöne und das Biest!
Gaarder packt das Ganze geschickt in eine historische Geschichte: er findet während der Buchmesse in Argentinien im Fundus eines Antiquars einen Packen handgeschriebene Notizen, die er schnell als Brief der Fiorina an Augustinus erkennt und käuflich erwirbt. Der Autor lässt den Leser im Unklaren ob es sich dabei um ein Original, eine Abschrift oder aber eine geschickte Erfindung handelt. So kann Gaarder selbst seine Gedanken und Ansichten entwickeln, indem er sie einer fiktiven Braut zuspielt und das "also ob" wird grandios ausgespielt. Die oben erwähnten Zitate finden sich im Brief der Fiorina an ihren ehemals geliebten und nie vergessenen Aurel (Augustinus) als ob diese mit den Philosophen der damaligen Zeit gut umzugehen wusste. Geschickt streut Gaarder aber auch Fehler im Zitatenschatz ein und in den Fußnoten heißt es dann: "aller Wahrscheinlichkeit nach ist ihr, gemeint ist Firoinas, Gedächtnis hier nicht sehr zuverlässig." Das Spiel um Authentizität gewinnt dadurch an Glaubhaftigkeit und gleichzeitig wird das literarisch verlogene Spiel des Autors offensichtlicher und erfreut den Leser durch Geschick. Dem kritischen Katholiken macht es Freude zu sehen wie der Kirchenvater mit Argumenten bombardiert wird, die, geworfen von seiner ehemaligen Sexgespielin, zielsicher und vernichtend treffen. Sie mahnt ihren Aurel einzusehen, daß er den falschen Weg genommen habe, redet vom Schattental der Theologie und mahnt ihn weiter, zu bedenken, dass es ja eine Gabe sei, lieben zu können und dass dies unmöglich etwas Schlechtes sein könne, wenn es denn von Gott komme. Und: wenn es gar keinen Gott gibt, was ja auch sein könnte, dann sei der Weg des Aurel erst recht ein Weg ins Nichts, ein Vergeuden des bisschen Lebens, das wir alle ja haben. Denn: das Leben ist kurz!
Die Bekenntnisse des Augustinus sind ja nicht fiktiv, sondern liegen historisch beglaubigt vor.Er hadert in seinen Bekenntnissen mit seiner Unvollkommenheit ganz für Gott da zu sein, ganz im Gottwesen aufzugehen. So bekämpft er all seine Gelüste, den Geruchsinn, den Hörsinn, die Augenfreuden und natürlich v.a. seine Geilheit. Scheinbar hat er die Erlebnisse mit seiner Freundin nie vergessen, und wenn er glaubt Herr über die Gelüste zu sein, so kommen sie im Schlaf und machen ihn wehrlos.
Geschieht ihm ganz recht, denkt der Leser und freut sich.
Im Anhang erfährt der Leser dann aus der Biografie des Heiligen, dass dieser 15 Jahre mit einer Frau gelebt und mit ihr ein Kind hatte, bevor er diese dann verstoßen hat um sich einer besseren Partie zuzuwenden.Nachdem das dann nichts geworden ist schlug er den Weg der Heiligwerdung ein.

Fazit: für mich als ehemaligen Katholiken ein schönes Buch. Nichts Umwerfendes, aber: auf den Punkt gebracht die Heuchelei der Kirche, die Hintanstellung der Frau und die Verteufleung der Geschlechtlichkeit und letztlich auch der Liebe zwischen zwei Menschen als Hindernis in der Begegnung mit Gott.
Wenns denn den überhaupt gibt!

Ich mag das Buch und empfehle es. Ich las es an einem Nachmittag.

Fazit: ein lohnendes Buch!

Name des Mitglieds: Jatue