
Kurzbeschreibung: Goldmann Wilhelm Verlag
Ein Roman im Roman und gratis Leichen obendrein
Produkt:
Das Haus der Schwestern (Link, Charlotte)
Datum: 07.02.09, geändert am 07.02.09 (243 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Thriller und Krimi und überhaupt und sowieso
Nachteile: Was für Fans des konzentrierten Lesens
>> Eigentlich war die Weihnachtsreise ins Hochmoor von Yorkshire als Geburtstagsgeschenk gedacht - und als letzter Versuch zur Rettung einer zerrütteten Ehe. Doch für das deutsche Ehepaar Barbara und Ralph Amberg läuft von Anfang an alles schief. Bereits in der ersten Nacht schneidet ein Schneechaos das von ihnen gemietete Westhill House von der Aussenwelt ab. Ruhelos und getrieben, durchstöbert Barbara die Räume des alten Farmhauses und sieht sich plötzlich mit der Lebensgeschichte jener Frau konfrontiert, der Westhill House einmal gehört hat: Frances Gray....
Wie in Trance taucht Barbara beim Lesen in ein beklemmendes Geflecht aus Liebe, Hass, Verachtung, Abhängigkeit und unbändigen Freiheitswillen. mehr und mehr identifiziert sie sich mit Frances, entdeckt Parallelen, blickt in Abgründe ihrer eigenen Seele. Und schließlich ist eine Entscheidung unausweichlich, die nicht nur Barbaras Leben radikal verändern wird, sondern auch das Schicksal von Frances Gray vollendet.<< (1)
Wichtige Anmerkung!
Ich hatte mal einen Kommentar zu einer meiner Buchrezensionen, die lautete wie folgt (Es ging in dem Buch um "Die Rosenzüchterin", auch von Charlotte Link)
>>Ich hab zwar ein sh gegebe, bin mit dem Bericht aber nicht ganz zufrieden... ich wußte nicht, wer noch ermordet wird - und Du hast es erwähnt. Für meinen Geschmack verrätst Du etwas too much von der Handlung. Auch, wenn man sich viele Handlungen schon am Anfang des Buches vorstellen kann (ich bin gerade auf Seite 60 in dem Dreh), so mag ich nicht wissen, daß Francas Ehemann wirklich eine Geliebte hat (obwohl ich es mir schon gedacht habe) oder das Helene ermordet wird (das wiederum hab ich mir noch nicht denken können.) Deshalb nur ein knappes sh von mir. <<
Ich möchte, bevor ich weiter zum Buch schreibe, dazu folgendes anmerken: Bücherrezensionen meinerseits werden IMMER eine Stippvisite durch das Buch sein, es sei denn, es handelt sich um ein Fachbuch. Ich kann ein Buch nur dann meiner Leserschaft nahebringen, wenn ich ihr aus dem Inhalt erzähle, erzähle, warum ich fühle, wie ich fühle. Wenn dann jemand das Buch gerade liest und durch mich die Spannung abgebaut wird, tut mir das zwar leid, aber ich kann es letztendlich nicht ändern. Es wird immer solche Probleme geben und es wird immer mal wieder jemanden treffen, der zu viel erfährt und dem dann wohl vielleicht die Spannung eines Buches genommen werden könnte. Aber ich muß auch auf die Rücksicht nehmen, die sich hier nur orientieren - oder die gar auf eine Zusammenfassung warten - für sich, um eine Kaufentscheidung zu treffen. Ich werde bei einem Krimi nie den Mörder verraten und das Happy End ist auch was zum Selberlesen.
Wer allerdings sich seinen Teil Lösung des Buchgeheimnisses aus meinen Worten herausfiltert, sollte besser nicht weiterlesen.
Zurück zum Buch
~~~~~~~~~~~~~
Mein erster Gedanke zum Buch:
Endlich liegt hier von Charlotte Link mal ein Buch, das von Anfang an hält, was es verspricht. Ich mag problembeladene Romane, in denen die Menschen, die die Probleme haben, eigentlich beruflich erfolgreich sind - zeigt es mir doch, daß keiner vor Problemen gefeit ist und jeder sein Päckchen zu tragen hat. Man kann das auch Seelenberuhigung nennen. Und mit der Person der Barbara kann man sich durchaus auch identifizieren - jung, erfolgreich, voller Tatendrang und Können ihren Beruf ausübend - und doch mit sich und ihrem Leben hadernd, weil ihr Mann nicht so fühlt, denkt und handelt wie sie.
Ein Buch, das von der ersten Seite an durchaus meinem Geschmack entspricht!
Das Buch zum Zweiten:
Das erfolgreiche Rechtsanwaltsehepaar, mitten im Leben stehend und doch problembeladen mit privaten Auseinandersetzungen, macht sich auf, um an den Weihnachtstagen vor der Familie und den Freunden zu flüchten und landet in Yorkshire - im Hause von Laura Selley.
Laura ist eine ältere Dame, die das Haus von der ursprünglichen Eigentümerin Frances Gray geerbt hat, auch wenn sie nicht in direkter Linie mit Frances verwandt war - so war sie doch irgend wie so etwas wie eine Nachkommin.
Das Haus ist sehr abgelegen und in der Nacht nach der Anreise schneit es so schlimm, daß Barbara und Ralph von der Aussenwelt abgeschnitten sind - selbst zum benachbarten Schuppen müssen sie sich durch meterhohen Schnee graben.
Ihr Pech, daß sie keine Lebensmittelvorräte angeschafft haben - und so bleibt ihnen nur ein äußerst sparsames Leben. Nur Tee und Feuerholz sind in ausreichender Menge vorhanden - selbst der Strom fehlt in den ersten Nächten.
Barbara findet beim Holz holen im Schuppen unter einer eingebrochenen Dielungsbohle eine Stahlkassette - und darin ca. 400 Blatt Papier - eng beschrieben - die Lebensgeschichte der Frances Gray.
Sie ist in Form eines Romanes von Frances selbst zu Papier gebracht worden - und wurde von ihr selbst in diese Kassette versenkt. Kein Mensch außer Frances hat diese Seiten bisher gelesen....
Mein zweiter Gedanke:
Es ist ein typischer Link-Roman, auch wenn er anders ist als alle anderen. Man findet wieder, wie in den meisten ihrer Romane, eine Zeitschleife. Barbara und Ralph finden den Roman, der im Jahr 1907 beginnt und im Jahr 1980, dem Todesjahr Frances' endet, im Jahr 1996 - ein recht grosser geschichtlicher Bogen also.
Der Roman, den Frances schrieb und der den überwiegenden Teil des Buches ausmacht, ist wie ein Roman im Roman. Es war sehr wichtig, an dem Buch dranzubleiben, liegenlassen und später weiterlesen, ist da nicht. Man kommt auch gar nicht in diese Gefahr, dazu ist der Roman viel zu spannend.
Was das Buch von anderen Link-Büchern indess unterscheidet, ist die Storyline. Sie ist einfach besser, man kann sich in die Figuren hineinversetzen, sie sind realistisch und keinesfalls reine Phantasie.
Und vergleicht man "Das Haus der Schwestern" zum Beispiel mit ihrem Buch "Die Rosenzüchterin", so mag der Zeitbogen ein ähnlicher sein, die Story, die hier zugrunde liegt, ist jedoch von mehr Spannung und Logik getragen.
Das Buch zum Dritten:
>>Hier oben in Yorkshire weiß man nie, was kommt. Man lebt von der Hoffnung.<< (2)
Zwei Romane - und einer davon ist der Roman im Roman. Welch literarischer Spagat, der vom Leser äusserste Konzentration verlangt.
Ich werde mich kurz fassen mit der Zusammenfassung der beiden Romane, denn sowohl der eine, als auch der andere Roman sind äusserst spannend und nahezu als dramatisch zu bezeichnen.
Frances und Barbara verbindet ein gemeinsames Schicksal: Beide sind unglücklich in ihrem Leben. Frances hat zwar immer viele Menschen um sich herum , die sie bewundern und die sie brauchen, aber ihr eigenes Glück steht stets hintenan.
Ihr werden ihr fremde Kinder in Obhut gegeben, so zum Beispiel die erwähnte Laura, der Krieg macht so vieles in der Familie kaputt und das Ende des Krieges endet mit einem schweren Schicksalsschlag - einem, der bis über den Tod Frances' hinaus wie ein Damoklesschwert über Westhill House schwebt und nur allein durch einen klitzekleinen Zufall von Barbara in diesen schneeschweren Tagen und Nächten des Jahres1996 aufgedeckt wird.
Eine Auflösung, die einen neuen Schicksalsschlag nahezu heraufbeschwört - denn die Auflösung des ersten Rätsels birgt eine neue Gefahr - eine Gefahr für die Wissenden des Geheimnisses von Westhill House.
Und wer jetzt die Schriftstellerin Charlotte Link kennt, weiß, daß es sich bei diesem Schicksalsschlag garantiert nicht nur um einen Sack geklauter Kartoffeln handelt...
Mein dritter Gedanke:
NEIN, noch mal nicht. Dieses Mal werde ich meine Leser im Dunkeln tappen lassen. Ihr kennt die Hauptfiguren und wisst um das wesentliche - daß es ein Geheimnis um Westhill House gibt, eines, daß unheilschwanger über den Dächern der alten Gemäuer schwebt und der armen Eigentümerin Laura Selley beinahe ihren ganzen kostbaren Besitz gekostet hätte - wenn nicht Barbara Amberg aufgetaucht und alles ausgegraben hätte.
Daß das Buch ein Bestseller ist, wundert mich keinesfalls. Ich persönlich finde, daß es mit Abstand das beste Link-Buch ist, wobei ich die wahren Link-"Thriller" ja bekanntermassen nicht lese - ich verkriech mich dann unter meiner Bettdecke.
Das Buch zum Vierten und letzten:
Der Roman im Roman wird durch einen unglücklichen Umstand im Kamin vom Feuer gefressen. Niemand außer Barbara wird somit jemals wissen, was Frances zu Papier gebracht hat.
Lauras einzige Sorge ist - hat Frances sie geliebt? Hat sie das Mädchen geliebt, daß sie eigentlich eher verachtend anschaute, daß sie gar nicht unbedingt ernst nahm?
Zumindest diese Sorge wird Barbara ihr nehmen - und so kann Laura glücklich ihrem Lebensabend entgegensehen, ob nun im Haus der Schwestern oder irgendwo, wo sie glücklich wird.
Mein letzter Gedanke:
Eigentlich ist der mit zwei Worten gesagt: Unbedingt lesenswert.
Da mache ich auch keine Einschränkungen, denn dieses Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite gut, sozusagen ein Spitzenwerk der Autorin. Und das kann ich schwer von ihren sonstigen Romanen behaupten. Wieso, wird gleich zu lesen sein.
Daß es Charlotte Lind schafft, neben dem Roman im Roman auch gleich noch eine Mord-und-Fast-Mord-Story einzubauen, sei nur zum Anheizen Eurer Neugier erwähnt und macht das Ganze in der Tat nur noch interessanter.
Und NEIN, ich werde nichts zu dieser Story sagen. Ich will Euch keinesfalls die Illussion nehmen, auf Anhieb durch dieses Buch zu steigen.
Das Buch:
"Das Haus der Schwestern" von Charlotte Link ist im Goldmann-Verlag unter der ISBN 3-442-44436-5 als Taschenbuch mit 600 Seiten erschienen.
Und mein wirklich letzter Absatz:
Ich bin kein wirklicher Fan von Charlotte Link. Nicht jedes Buch, was da angeboten wird, finde ich lesenswert. Das hat zum Einen mit dem teilweise sehr eigenwilligen Schreibstil zu tun, zum anderen mit den Themen und dem Inhalt.
Dieses Buch macht eine seltene Ausnahme. Drum empfehle ich es.
Und ich entschuldige mich - für das Chaos und die Verwirrung, die ich vielleicht hinterlasse.
Vielleicht habe ich das ja sogar so gewollt. Man weiss es nicht.
Ok, ich schon! Aber ich werde es Euch nicht verraten.
Viel Spaß beim Lesen, was auch immer Ihr gerade so schmökert!
Anette
Quellenangabe:
(1) "Das Haus der Schwestern" - aus der Einbandzusammenfassung
(2) "Das Haus der Schwestern"- Seite 67
PS: Der Bericht wurde für dooyoo von mir überarbeitet. Er findet sich in unüberarbeiteter Form bei ciao.
PPS: Ich danke schon mal für die Grüsse und Wochenendwünsche in der Kommentarspalte. Kritik oder Anmerkungen fände ich auch nicht übel :)
PPPS: Sagte ich schon, dass es mein 300. Bericht bei dooyoo? Find ich gar nicht unübel.
Fazit: Was für Leseprofis und Fans grosser Spannung
Name des Mitglieds: AnetteW
Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik


16.02.09
Dann lernste wenigstens die Handhabe eines solch selbigen...hihi