Man ist so alt wie man sich fühlt
Produkt:
Das alte Kind - Zoe Beck
Datum: 30.09.11
Bewertung:
Vorteile: Spannung und man kann sogar was lernen dabei
Nachteile: nichts
Ich weiß nicht, ich habe sicher noch gut 4 duzend ungelesene Bücher im Schrank, aber ich kann dennoch an keinen Buch im Laden vorbei gehen, was mein Interesse weckt. Ist das noch normal?
Naja, jedenfalls landete so vor einiger Zeit auch dieser Roman in meinem Bücherreich und da ich letzte Nacht nicht anders konnte, als bis 4 noch den Schmöker zu ende zu lesen, werd ich auch gleich mal meine Meinung kundtun, was ich mir denn hier schon mal wieder ins Haus geholt hatte.
Das Buch verrät mir, dass
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Zoe Beck im Jahre 1975 das Licht der Welt erblickte. Sie hatte das Glück zweisprachig aufzuwachsen, denn sie pendelte immer zwischen Deutschland und England hin und her. Neben der schriftlichen Welt liebte sie auch schon immer das musikalische Gegenpendant und so konnte sie bereits im zarten Alter von 3 Klavier spielen und gewann bald darauf einige Preise dafür.
Heute arbeitet die junge Frau als freie Autorin, Journalistin und Übersetzerin.
2010 wurde sie für den Friedrich-Glauser-Preis für den besten Kurzkrimi nominiert, ob sie ihn dann auch gewonnen hat, weiß ich jedenfalls nicht.
Gibts auch junge Omas?
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Starten wird der Leser in den 80er Jahren. Es wird ihm Carla vorgestellt, eine junge erfolgreiche Frau, die gerade ihr zweiten Kind bekommen hat, aber momentan wegen einer Gürtelrose im Krankenhaus liegt. Heute ist der Tag, wo sie endlich ihre kleine Tochter Felicitas wieder in die Arme schließen kann, denn das gerade mal 6 Monate alte Kind musste von der Mutter getrennt werden, um sich nicht anzustecken. Als die Schwester Carla ihre Tochter zeigt, bleibt diese noch ganz ruhig, als sie feststellt, dass man ihr das falsche Kind gebracht habe. Es ist zwar nicht schön, aber Verwechslungen können ja passieren oder? Als die Schwester aber zusammen mit dem Arzt wieder auftaucht und nun beide behaupten dieses Kind sei ihre Felicitas und sie solle sich nicht so haben, bricht für Carla eine Welt zusammen, denn keiner glaubt ihr.
Es beginnt eine Odyssee für Carla, die nicht aufgeben will ihre Tochter zu finden, auch wenn selbst ihr Mann ihr nicht glaubt und das fremde Kind als sein eigenes ansieht. Carla will ihre Felicitas wieder, nicht zuletzt, weil das kleine Mädchen, das sie nun zu Hause hat, unheilbar Krank ist - Progerie. Es ist ein Kind, dass das 15. Lebensjahr nicht überschreiten wird, da es schneller altert als gesunde Kinder. Carla landet in einer Psychatrie nach der anderen, aber keiner glaubt ihr, och sie wird nicht aufgeben, bloß ob dies etwas nützt?
Genauso landet der Leser aber in unserer heutigen Zeit und lernt Fiona kennen, eine exzentrische etwas durchgeknallte junge Frau, die wohl gerade versucht hat sich umzubringen, aber behauptet, dass sie es nicht gewesen sei, sondern das sie jemand umbringen wollte. Da die junge Dame schon den einen oder anderen spektakulären und aufsehenerregenden Selbstmordversuch hinter sich hat, glaubt ihr natürlich kein Mensch - wer würde auch jemanden töten wollen, indem er ihn bei Kerzenschein, Rosenduft und Musik in die Wanne setzt und ihm die Pulsadern aufschneidet?
Aber Fiona lässt nicht locker, sie will beweisen das sie es nicht war. In ihrem wirren Leben, wird einiges noch ziemlich chaotischer, als ihr ihre ganze Familienstrucktur unter den Füßen wegbricht, denn wie sie erfahren muss starb ihre Mutter garnicht bei einem Autounfall, sondern hat sich selbst das Leben genommen. Hat sie dies von ihr geerbt? Ist dies genetisch mögich? Und warum gibt es immer weitere Mordanschläge auf Fiona, bei der ihre WG-Partnerin, welche Fiona eins A kopiert, so dass man denkt es seien Zwillinge, ums Leben kommt? Und was wird mit Ben und ihr - Ben, der erste Mann der sich wirklich um sie zu sorgen scheint und nicht nur mit ihr ... wollte - ok, auch wenn ers getan hat, aber danach dennoch nicht komplett Fiona zu verfallen scheint, wie sie es von den anderen Typen gewohnt ist.
Meine alte Weisheit zu diesem Buch
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Wie der aufmerksame Leser gemerkt haben dürfte, findet man in diesem Buch also zwei - im Buch - parallel verlaufende Geschichten. Eine die so um 1980 spielt und eine in unserer heutigen Zeit. Wer jetzt ein bißchen Leseerfahrung hat oder einfach nur ein kleveres Kerlchen ist, der kann sich denken, dass diese Geschichten irgendwie etwas miteinander zu tun haben und sich dann am Ende zu einer verbinden werden. So auch hier - Rüschtüsch also. Abgegrenzt sind beide Geschichten aber zunächst einmal nicht nur durch die unterschiedliche zeitliche Abgrenzung in der sie spielen, sondern weil man die Geschichten auch in verschiedenen Schreibstilen gedruckt hat. Ehrlich! Die Geschichte von Carla ist irgendwie mit größeren Buchstaben gedruckt und die von Fiona in den kleinen üblichen Buchstaben, wie man Bücher kennt. Ich weiß nicht, irgendwie hat mir das gefallen.
Ich kannte Zoe Beck vor diesem Buch nicht. Ich hatte noch nie was von ihr gehört noch gelesen. Nach diesem Thriller von ihr, kann ich nur sagen, dass diese Frau einen sehr sehr angenehmen Schreibstil hat. Das Geschriebene liest sich sehr flüssig und man hat nicht dauernd das Gefühl nochmal nachblättern zu müssen, auch nicht in den Passagen, als man viel über die Krankheit Progerie erfährt. Sie schafft es auch ein so schwieriges Krankheitsbild interessant zu erklären, und nicht so das sich der Leser denkt 'jaja ...' und am liebsten ein paar Seiten überspringen will. So hatte ich die 300 Seiten in nicht mal einem Tag durch.
Ich mein, wer so ein bißchen Erfahrung mit Geschichten hat, weiß, dass sich in Büchern die mit irgenwie mehreren Geschichten zu tun haben es dann doch einen Wendepunkt gibt, so dass sich die ganzen einzelnen Schauplätze wieder zu einem verbinden. So war also recht schnell klar, in welchem Zusammenhang Carla und Fiona stehen, es bliebt für mich dennoch die ganze Zeit interessant, wie konnte dieses und jenes geschehen und vor allem wer steckt dahinter. Denn gerade das ist ein Bereich, der ist bis zum Ende nicht klar und ich muss sagen, auf diesen Täter wäre ich nie gekommen, da er im gesamten Buch nur eine Nebenrolle spielte. Frau Beck schafft es also in meinen Augen die ganze Zeit so eine gewisse Grundspannung zu halten, die es einem nicht leicht macht das Buch aus der Hand zu legen, um dann am Ende nochmal so richtig aufzutrumpfen.
Ich weiß nicht der wievielte Roman es von Zoe war, aber ich denke ich werde mich demnächst mal etwas genauer nach der Frau umschauen, denn ich mag es spannende Unterhaltung zu haben und dabei noch etwas lernen zu können (gerade wenn es dann so um medizinische Sachen geht - passt ja zu meinem Job :)). Ich kann jedem, der 'Das alte Kind' irgendwo im Buchregal stehen sieht, empfehlen es sich mit zu nehmen. Ich denke mal für knapp 8Euro sind die 300Seiten Unterhaltung auch ok und ich denke mal grade langweilige Zugfahreten oder sowas verfliegen mit diesem Thriller ganz schnell.
Fazit: Bei Interesse einfach mal zulangen, wenn ihr es seht.
Name des Mitglieds: SeeHummel




30.09.11
KV