Blutige Steine - Donna Leon
Polizeiliche Routine - Blutige Steine - Donna Leon Romane & Erzählungen

Neuester Testbericht: ... Immigranten? Oder steckt mehr hinter der Ermordung des Schwarzafrikaners? Den Tod eines Illegalen aufzuklären hat niemand großes Interes... mehr

Polizeiliche Routine
Blutige Steine - Donna Leon

JustOliver

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Blutige Steine - Donna Leon

Datum: 18.11.06

Bewertung:

Vorteile: Aktuelles Thema als Handlungsrahmen, Stilelemente Leon's

Nachteile: unspektakulärer Handlungsverlauf

Seit langem lese ich ja nun schon die jährlich erscheinenden Krimis des Commissarios Brunetti, die Hauptfigur der Krimis von Donna Leon. Und auch, wenn die letzten Neuerscheinungen mich nicht unbedingt immer begeistern konnten, bleibe ich Brunetti doch treu. Hier also nun der Bericht zum neusten Brunetti.

ALLGEMEINE DATEN
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352 Seiten
Diogenes Verlag
ISBN - gebundene Ausgabe: 325706523X
Preis: 19,90 €

DIE BRUNETTI-FÄLLE IM ALLGEMEINEN
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Comissario Brunetti ermittelt bereits seit Jahren in Venedig und der aktuelle Fall ist der vierzehnte in dieser Reihe. Die Reihe zeichnet sich durch viele Besonderheiten aus. Vielfach kommt Brunetti den Schuldigen durchaus nahe, jedoch zeichnet Leon vielfach ein düsteres Bild der italienischen Justiz. So kommen die Schuldigen vielfach durch die richtigen Beziehungen, exponierte Stellungen in der Gesellschaft oder durch Korruption um eine Verhaftung herum. Daher weiß man Brunettis Mühe und Eifer stets zu schätzen, das Erfolgserlebnis bleibt jedoch in vielen Fällen aus.
Eine weitere Besonderheit ist die Familie Brunettis, die über zunehmende Dauer der Reihe verstärkt in die Handlung integriert wird. Sie bildet nicht nur den Ruhepol Bruinettis, sondern die Autorin nutzt sie um vielfach den Fällen nahe soziale und politische Themen aufzugreifen und zu beleuchten.
Ein spezielles Verhältnis verbindet Brunetti zu seinem Vorgesetzten Patta. Dieser ist ganz das Gegenteil von Brunetti. Während Brunetti nach Gerechtigkeit strebt und daher Kommissar aus Überzeugung ist, geht es Patta nur um seine Karriere und sein Ansehen in der Öffentlichkeit. Hierdurch wird auch seine Einstellung zu den Fällen und dem richtigen Vorgehen bestimmt. Aufgrund der unterschiedlichen Auffassungen kommt es demnach immer wieder zu unterschwelligen Konflikten zwischen Patta und Brunetti.
Brunettis treue Gehilfen sind Vianello und Signorina Elettra. Vianello ist ein fleißiger aber nicht unbedingt ehrgeiziger Polizist, der Brunetti nach Kräften unterstützt. Signora Eletra ist die Sekretärin von Patta und hilft Brunetti insbesondere bei der Gewinnung von Informationen über Verdächtige. Hierzu nutzt sie ihre vielfältigen Bekannte und vielfach an den Grenzen der Legalität auch ihren PC samt der ihr zur Verfügung stehenden Hacker-Kenntnisse.

HANDLUNG
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Der aktuelle Fall beschäftigt sich mit dem Problem der afrikanischen Flüchtlinge, mit dem Italien konfrontiert ist. Er beginnt damit, dass ein afrikanischer Händler an seinem "Verkaufsstand" von zwei Männern erschossen wird. Brunetti wird zunächst mit Ermittlungen beauftragt. Hierbei kommt er mit einem Umfeld in Berührung, das ihm absolut fremd ist, denn über die Herkunft und das Leben der Afrikaner in Venedig weiß er nur sehr wenig. Bei seinen Ermittlungen muss er jedoch tief in diese Welt eintauchen. Als er das Zimmer des Ermordeten durchsucht findet er zahlreiche Rohdiamanten, die er durch einen Freund seines Vaters schätzen lässt. Hierbei kommt auch heraus, dass es sich um Diamanten aus Afrika handelt. Und plötzlich kommt während seiner Ermittlungen der Befehl Pattas, dass er seine Nachforschungen einstellen soll, da die Ermittlungen in die Hände des Innen- und Außenministerien gelegt wurden. Doch auch wenn dadurch ganz offensichtlich ist, dass die Politik die Regierung die Hände im Spiel hat, gibt Brunetti an dieser Stelle nicht auf.

MEIN EINDRUCK
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Ich denke, das Urteil zu Brunetti hängt immer ein wenig davon ab, mit welchen Erwartungen man an die Bücher heran geht. Jemand, der aus dieser Reihe noch nie etwas gelesen hat, wird sicherlich enttäuscht sein, aufgrund der vielen Abschweifungen innerhalb der Handlung und des wieder einmal eher unbefriedigenden Endes. Nun denke ich jedoch, dass Ermittlungen nicht immer so spektakulär verlaufen, wie in manchem Tatort dargestellt und das Verbrechen nicht immer so spektakulär sind, wie es in vielen Krimis, die von geheimen Bruderschaften und deren dunklen Machenschaften handeln, dargestellt wird. Und insbesondere diese eher uninteressanten Fälle, die vielfach vielleicht Routinearbeit darstellen, sind es, die Leon ihren Brunetti lösen lässt. Brunetti ist auch in diesem Fall wieder der solide unspektakuläre Ermittler, der sorgfältig seine Arbeit macht und sich hierbei nicht beirren lässt. Hierbei ist die Grundidee der Story durchaus gut und vor allem wohl in Italien hochaktuell.
Vor diesem Hintergrund setzt Leon dann ihre gewohnten Elemente und Stilmittel ein. Eine heikle Äußerung von Brunettis Tochter zu dem Tode des Afrikaners wird zum Anlass genommen, das Verhalten gegenüber Ausländern parallel zu der eigentlichen Handlung zu diskutieren und vielleicht auch ein wenig zu kritisieren. Währenddessen wird viel diskutiert und vor allem viel gegessen.
Der aktuelle Fall beginnt eigentlich sehr vielversprechend. Der dargestellte Mord ist eigentlich schon fast spektakulär für Brunetti-Fälle. Doch die Erwartungen, die sich hieraus ergeben, werden nicht erfüllt. Zu sehr plätschern die Ermittlungen vor sich hin, fehlen Anhaltspunkte und somit mag Spannung nicht recht aufkommen. Dies mag auch daran liegen, dass die familiären Abschweifungen dieses Mal sehr viel Raum bekommen, der eigentliche Fall dadurch fast in den Hintergrund tritt. Aber auch generell wirkt der ganze Roman ein wenig lustlos. Der Abzug von den Ermittlungen, die Fortsetzung der Ermittlungen im Untergrund und aufgrund dessen ein wahrlich nicht überzeugendes Ende, all das versteh ich nicht wirklich. Was soll das für ein Krimi sein, bei dem die Hauptfigur zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr weiter ermitteln darf?
Für mich wirkt dies alles ein wenig unmotiviert, wenngleich ich die Grundelemente der Brunetti-Fälle nach wie vor schätze an diesem Buch.

FAZIT
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Insgesamt kann ich wie auch bei den vorangegangenen Fällen des Commissarios nur eine bedingte Empfehlung aussprechen. Ich denke, es kommt auf den jeweiligen Leser-Typ an. Wer auf superspannende Ermittlungen und eine actionreiche Handlung steht, der ist mit diesem Fall Brunettis sicherlich falsch bedient. Wer hingegen bereit ist, sich polizeilicher Routinearbeit zu widmen, sich währenddessen vielleicht auch mal ein wenig mit gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen möchte, der kann bei diesem Brunetti beherzt zugreifen. Mir hat der vorliegende Fall mittelprächtig gefallen, und er wird, wie die letzten Fälle auch sicherlich nicht in bleibender Erinnerung bleibt.
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Fazit: Ein üblicher Leon-Krimi, viel Routine, wenig Überraschendes

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