Blut für Allah (Chaabani, Nadia)
Die Geschichte einer Terroristen-Frau - Blut für Allah (Chaabani, Nadia) Belletristik

Erhältlich in: 2 Shops

Kurzbeschreibung: 193 Seiten - Ullstein ISBN: 3548359787

 
 

Die Geschichte einer Terroristen-Frau

Produkt:

Blut für Allah (Chaabani, Nadia)

Datum: 30.06.03, geändert am 30.06.03 (303 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: sachlich, leicht lesbar, spannend

Nachteile: kleine Zeitsprünge

Dieses Buch ist eine Autobiographie der Algerierin Nadia die mit einem Emir (Anführer einer Gruppierung) der algerischen Terrororganisation GIA verheiratet war.

*** Zur Story ***

Nadia lernt als Jugendliche Ihren Nachbarn Ahmed kennen, und verliebt sich in ihn. Beide treffen sich heimlich, weil Ihre Beziehung von den Eltern abgelehnt wird. Ahmed hat den Ruf eines kleinkriminellen, ist zu dieser Zeit aber weltoffen. Er trägt Jeans, hört Pop-Musik und hat mit dem Islam relativ wenig am Hut.
Als herauskommt, dass die beiden sich treffen, wird Nadia von Ihren Eltern gezwungen das Dorf zu verlassen. Beide sehen sich eine lange Zeit nicht. In dieser Zeit wendet sich Ahmed der Terrororganisation GIA (Groupes Islamiques Armés = Bewaffnete Islamische Gruppe) zu. Aus Angst vor der Terrororganisation erlaubt Nadias Vater nach mehrmaligen Heiratsanträgen Ahmeds widerwillig die Hochzeit. Nadia, die Ihren Geliebten länger nicht sieht, glaubt den Gerüchten über Ahmeds Mitgliedschaft bei der GIA zunächst nicht.
Den Mann den Nadia jedoch dann in der Hochzeitsnacht sieht, ist nicht der Ahmed in den sie sich verliebt hat. In der Zeit in der sich die beiden nicht gesehen haben, ist er zu einem fundamentalistischen Islamisten geworden. Die Kassetten mit Pop-Musik tauscht er gegen Tonbänder mit Koranversen aus. Statt einer romantischen Hochzeitsnacht, zwingt Ahmed seine Braut zu stundenlangen Gebeten. Er verbietet ihr sich die Haare zu färben, und sie muss ständig auch im Haus verschleiert herumlaufen. Ziemlich schnell merkt Nadia, dass sie mit der Hochzeit einen Fehler begangen hat, doch zu diesem Zeitpunkt gibt es kein zurück mehr.
Als Mitglied der GIA verlangt er von seiner Frau absolute Unterordnung. Sie muss für die Mitglieder seiner Terrorzelle waschen und kochen. So soll sie Ihren Beitrag zum Djihad leisten.
Ahmed steigt derweil bis zum Emir (Anführer) seiner Gruppe auf. Anfangs erfreut such die GIA großer Beliebtheit bei den Bewohnern, da sich
Ihre Anschläge zunächst nur auf die verhassten Patrioten und Polizisten richten. Als die GIA jedoch Ihre Terroranschläge auch auf die Bevölkerung ausweitet wenden sich die Dorfbewohner von Ihr ab. So erlebt auch Nadia den Aufstieg zur angesehenen Frau eines Emirs der GIA und den Absturz zu einer gejagten und abgelehnten Frau einer verhassten Terroreinheit.

*** Inhalt***

Nadia Chaabani beschreibt Ihren persönlichen Auf- und Abstieg im Bezug auf Ihre Mitmenschen unter drei Gesichtspunkten: 1. Ihr Mann, 2. Ihre Familie 3. Die Dorfbewohner

1. Ihren Mann lernt sie als weltoffenen liebenswerten Jugendlichen kennen, der keinerlei fundamentalistische Züge zeigt. Nach der Trennung und zur Hochzeit erfährt sie jedoch einen ganz anderen Menschen. Er betrachtet seine Frau als sein Eigentum und zeigt keinerlei persönliches Interesse an Ihr. Er sieht sie eigentlich nur als Köchin für seine ?Brüder? (Mitglieder der GIA), die bei ihm absolute Priorität genießen. Wenn Sie sich seinen Befehlen verweigert erhält Sie Prügel oder wird der Falanga unterzogen. Ahmed zeigt während Ihrer Schwangerschaft keinerlei Verantwortung, kümmert sich nicht um eine regelmäßige Bleibe und ist oft Monate lang weg. Auch für den ausgetragenen Sohn zeigt er kaum Interesse. Es kristallisiert sich heraus, dass er Sie auch töten würde. Trotzdem ? aus Liebe und Angst ? hält Sie zu ihm.

2. Als Mädchen im Islam ja eh schon als minderwertiger betrachtet, hat sie es von Anfang an nicht leicht. Trotzdem verlebt sie eine relativ ?glückliche? Kindheit. Als Sie sich aber heimlich mit Ahmed trifft bringt Sie Schande über die Familie. Dies steigert Sie noch durch die Ehe mit einem Terroristen; vor allem als die GIA bei der Bevölkerung in Ungnade fällt. Ihre Brüder wenden sich ab. Ihre Eltern versuchen Ihr trotzdem zu helfen, begeben sich aber dabei in Gefahr. Später muss Sie mitsamt Ihrer Familie das Dorf verlassen. Aus Wut, dass Sie dieses Schicksal über die Familie gebracht hat,
wird Sie von Ihrem Vater und Ihren Brüdern täglich geschlagen.

3. Zu Anfang, als Frau eines Mannes, der einer beliebten Terrororganisation angehört, wird sie von den Dorfbewohnern mit Respekt behandelt. Sie erhält nachbarschaftliche Hilfe, und findet, wenn Sie auf der Flucht vor der Polizei ist, problemlos Unterschlupf. Als sich das Blatt jedoch wendet wird Sie überall abgewiesen und erhält - trotzdem Sie hoch schwanger ist - keinerlei Hilfe.

Dieses Buch ist kein Roman, sondern eine Autobiographie Nadia Chaabanis?s. Lediglich die Namen der Orte und der Personen wurden aus Sicherheitsgründen geändert. Es handelt sich hier also nicht um Fiktion sondern um Tatsachen. Im Gegensatz zu anderen Biografien, die lange Vorgeschichten erzählen, und mich persönlich oft langweilen, kommt Nadia Chaabani hier relativ schnell zum Kern der Erzählung: Ihren Erfahrungen als Frau eines Terroristen. Dabei beschreibt Sie Ihre persönlichen Gefühle nur spärlich, sondern gibt eher eine Art Tatsachenbericht ab.

*** Meinung***

?Blut für Allah? ist leicht zu lesen, sachlich und eröffnet dem Leser ohne emotionales Geschwafel einen Einblick in das was Nadia durchmachen musste. Die Grausamkeiten, die die GIA begeht (z.B. das Enthaupten von 5 Mädchen, weil sie unverschleiert durchs Dorf laufen) werden als Tatsachen geschildert. Natürlich kommt die Autorin nicht umhin solche Taten auch zu bewerten; dabei ist jedoch stets um Objektivität bemüht. Diese Sachlichkeit empfinde ich als Leser positiv, wenn dadurch auch die Dramatik und Verzweiflung, die Nadia mit Sicherheit empfunden hat, ein wenig auf der Strecke bleibt.

Kleine Zeitsprünge erschweren manchmal das Lesen. Man verliert leicht den Faden, da man manche Situationen auf den ersten Blick zeitlich nicht genau einordnen kann

***FAZIT***

Auch wenn dieses Buch kleinere Schwächen hat. Es ist leicht zu lesen und bietet einen guten Einblick in die Situation, in der sich Menschen, die unter
ständigem Terror leben, befinden. Außerdem ist es mit seinen 193 Seiten auf das wesentliche gekürzt, und somit die richtige Lektüre für ein Wochenende. Trotz der Sachlichkeit ist diese Buch spannend. Empfehlenswert!!!

Fazit:

Name des Mitglieds: Cure_Schrubbi