Desai, die Autorin aus und für Indien! Baumgartner kommt als Deutscher dorthin....
Produkt:
Baumgartener's Bombay - Anita Desai
Datum: 28.02.11
Bewertung:
Vorteile: authentischer Indienroman
Nachteile: wer Indien nicht kennt weird es befremdlich finden
Baumgartners Bombay
Ein Mann schlurft durch Bombays Kneipen und sucht Futter für seine Katzen - ein Sonderling, ein Deutscher...Eines Tages sitzt im Eck eines Cafés ein junger Typ der unseren Katzenfreund fasziniert. Er nimmt ihn mit nach Hause. Ein Drogensüchtiger hat den Weg dorthin gefunden, wie vor langer Zeit er selbst.
Rückblende:
Hugo Baumgartner wächst begütert auf. Der Vater hat eine Möbelhandlung in Berlin. Der Sohn ist schwächlich und taugt nicht für die Geschäftswelt des Vaters, wird aber eingelernt. Die aufkommende Nazizeit wirft nach und nach ihre Schatten, die Familie leidet, handelt anfangs aber noch nach der Devise. Na, so schlimm kann es ja nicht sein, das hört wieder auf. Nach der Reichskristallnacht ists aber keine Frage mehr: niemand will die Juden mehr in Deutschland dulden. Der Vater bringt sich um, die Mutter verscherbelt Geschäft und auch Haus an einen deutschen Geschäftspartner und der Junge wird nach Indien komplimentiert. Er ist dem neuen Geschäftsinhaber im Weg. Dort angekommen findet er sich zunächst kaum zurecht. Als der Krieg ausbricht ist er plötzlich auch ein Feind und wird - als Deutscher in englischem Hoheitsgebiet interniert. In der Gefangenschaft sind es dann aber auch die Nazideutschen, die die Aufseherposten ergattern und die Juden drangsalieren können. Der Krieg wird beendet und Baumgartner integriert sich wieder in die Geschäftswelt, bis die Konflikte zwischen Moslems und Hindu eine erneute Flucht nötig machen. Diesmal bleibt er dann in Bombay hängen...
Desai erzählt die Geschichte in zwei Zeitebenen. Es beginnt mit Baumgartners Bombayaufenthalt in der Jetztzeit und seine Sorge um kranke und herumstreunende Katzen, denen er Asyl bietet. In Rückblenden erleben wir dann, welche Bewandtnis es mit seiner Herkunft hat.
Ich habe dieses Buch während meiner ersten Indienreise gelesen und plötzlich war alles authentisch. Das Leben einer obdachlosen Familie auf der Straße sah ich vor meinem Hotel, die scharfen Currygerichte konnte ich jeden Mittag kosten und die flimmernde Hitze über der heißen Hafenstadt war auch Realität. Dieses Erleben der Realität vor der Tür erleichterte mir den Zugang zu Desais Werk. Es wäre mir wohl recht aufgesetzt vorgekommen, wenn ich es zuhause auf dem Sofa gelesen hätte ohne den Bezug zu Indien zu haben. Die Geschichte Deutschlands ist ja in mir lebendig und so wurde das ganze eine sehr runde Story. Aktualität erfährt das Buch ja, durch den Auftritt des Junkies, der aus Baumgartners Heimat kommt und ihm, der ihm hilfreich zur Seite steht, zum schi8cksal wird....
Es war bereits mein zweiter Desai- Roman den ich gelesen habe und ich finde, sie beschreibt Indien sehr gut. Das indische Denken wird nachvollziehbar.
Fazit: guten Einstieg für dieses Land
Name des Mitglieds: Jatue
Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik


