Taberna Ultreya
Mittwoch, 13. Dezember 2000, die Dritte! - Taberna Ultreya Bar / Cafe international

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Mittwoch, 13. Dezember 2000, die Dritte!
Taberna Ultreya

sverimalin

Name des Mitglieds: sverimalin

Produkt:

Taberna Ultreya

Datum: 27.12.00, geändert am 27.12.00 (23 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: gut zu erreichen, günstig, netter Service

Nachteile: keine gefunden

Wir spazieren durch das weihnachtlich beleuchtete nächtliche Madrid und nehmen schon mal ein bißchen Abschied an diesem Abend von einer eindrucksvollen Sightseeingwoche. Meine Freundin will mich nun zu einer besonderen Tapa-Bar in der Calle del General Pardiñas führen. Die dritte Anlaufstelle für diesen Abend.

Wieder geht es ein paar Stufen hinab in den Keller. Ein paar Tische gleich zu Anfang, der Bartresen läuft um die Ecke, dahinter das Restaurant. Alles geht fließend rustikal und doch luftig nahtlos ineinander über. Wir sind nun in der Taberna Ultreya in der Calle del General Pardiñas, 26 und hier wird galizisch gekocht. Es ist nicht übermäßig voll, aber die Zeiger auf der Uhr sind auch schon ein wenig Richtung Mitternacht gewandert.

Nichts desto trotz sitzen noch ein paar hungrige Nachtschwärmer herum, der Ober sieht noch frisch aus und macht Smalltalk mit meiner Freundin. Es geht wohl um die Empfehlungen des Tages, die Mädels aus "Alemania" und ich sitze noch frohen Mutes auf meinem Platz.

Es gibt erst mal wieder eine Runde Bier und um einen Vergleich mit den "gefüllten" Kroketten aus dem El Rincón de Goya zu bekommen, wird ein Einzelstück für mich bestellt. Dazu kommt noch ein kleiner Teller mit ein paar dampfenden Fleischstückchen auf den Tisch. Gulasch, wie ich sofort identifiziere. Ja das mag ich überhaupt nicht, aber probieren muß ich doch, um wiederum festzustellen, nein, Gulasch eß ich nicht! Die "croqueta" dagegen ist um Klassen besser. Nicht so matschig und schmeckt auch tatsächlich nach Schinken.

Mittlerweile kommt noch "pan" (Brot) und eine "tapa empanada" auf den Tisch. Ein mit Thunfisch und Gemüse gefülltes Etwas. Mich erinnert es irgendwie an was mexikanisches, aber auch sehr lecker.

Doch dann die Superspezialität des Hauses: Pimientos de Padron! Weißt Du, wo Deine Gehörgänge sind? Spätestens nach dem Genuß einer heimtückischen Pimiento weißt Du es. Abe
r nun von Anfang an.
Pimientos sind nichts anderes als kleine grüne Paprikas, die in und um Padron, einer Stadt in Galizien / Nordspanien angebaut werden. Die Paprikas werden dann in 180 ° C heißem Fett fritiert und mit etwas gröberem Meersalz bestreut. Das war's schon! Schmeckt ungeheuer lecker, würzig, ein Genuß für den Gaumen, man kann sie wegfuttern wie Chips. Wenn da nicht ........

......... die paar gemeingefährlichen Pimientos unter ihnen wären. Die Spanier selbst sind sich nicht einig (die einen sagen, es liegt am Monat des Anbaus, die anderen, es käme auf den Monat der Ernte an), warum die meisten nur Geschmack und keine Schärfe besitzen, während andere einem eine regelrechte Explosion im Mund bescheren. Man beißt drauf und der angenehme Geschmack ist noch für ein paar Sekündchen zu spüren, doch dann rast das Feuer durch den Mund in den Rachen und schießt durch die Ohren wieder hinaus. So kommt es einem zumindest vor. Wenn man sie erst mal geschluckt hat, dann hat man das Schlimmste schon fast überstanden. Es hilft nichts, kein Wasser, kein Bier, kein tiefes Luft holen. Sie brennen einfach nur vor Schärfe und das Ganze ist in netter Runde auch noch ein Heidenspaß! Jeder sitzt da, futtert genüßlich eine Pimiento nach der anderen und spätestens bei einer scharfen geht das uah, hoh, pfff und schlürf los. Die nächste nimmt man dann schon etwas vorsichtiger, aber man sieht es nicht, man riecht es nicht! Ein höchst hinterhältiger Genuß, dem man sich aber nicht entziehen kann.

Während der Erholungsphasen sollte man sich getrost etwas im Lokal umsehen. Alles erzählt hier vom Jakobsweg, einem Pilgerweg, der durch ganz Europa zu einem Ziel führt, nach Santiago de Compostella (ich hoffe, man schreibt das so). Zahlreiche Bilder, Inschriften, Tafeln und selbst das Platzdeckchen erzählen davon. Es sitzt sich gemütlich auf den langen Bänken an den groben Holztischen und entspannt, wohlwollend wird man umsorgt.

Und auch die "postres&
quot; (Nachtisch) sind nicht zu verachten. Ich entscheide mich zum Neutralisieren der Schärfe für eine Art Eisbecher, der sich Copa Ultreya nennt, finde ziemlich schnittfeste Sahne, darunter Gefrorenes, alles getränkt mit einem wohlschmeckenden Likör.

Dieses Eßvergnügen hat dann pro Nase so um die Pts. 1.582,- (ca. DM 18,50) inklusive Getränk gekostet. Ein kulinarischer Spaß, den man sich leisten sollte und muß!

Fazit: