
Neuester Testbericht: ... Leute, die wohl eher klassische Rock- und Indi-Sachen hören. ich hatte eigentlich das Gefühl, im The Intrepid Fox ist jeder willkomm... mehr
Stiftung Metaltest Pt3: Metal in London 2261Worte
Intrepid Fox

Name des Mitglieds: Mithotyn
Produkt:
Intrepid Fox
Datum: 26.03.01, geändert am 26.03.01 (995 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Auswahl in grossen Record Shops, Intrepid Fox
Nachteile: Preise, kaum Metalszene
Jetzt bin ich aber platt! Da gibts doch tatsaechlich den Intrepid Fox als Meinungsthema. Haette ich nicht gedacht. Kann sein, dass Picadilly Circus eine bessere Kategorie fuer diese Meinung waere, da die erwaehnten Recordshops alle eine Filiale am Circus haben und auch der Fox recht nah an selbigem liegt. Aber ich muss das jetzt einfach ausnutzen, dass es diese Kneipe als Thema gibt, nehmts mir nicht uebel, dass ich zunaechst ueber CDShops schreibe. Diese Meinung beszieht sich halt auf alles was mit Metal in London zu tun hat.
Ich weiss nicht, wen diese Meinung interessiert, oder anders ausgedrueckt: Wieviele Metaller sich im Durchschnitt so nach London verirren, aber als ich letzten Samstag im Intrepid Fox stand, habe ich irgendwie den unwiderstehlichen Drang verspuert, den wenigen die zur eben genannten Gruppe gehoeren, ein wenig Aufklaerung in Sachen Metal und London zu geben.
“Hail to England” haben Manowar einst gesungen, und gar eines ihrer Alben mit diesen Worten betitelt. Als Metaller in der englischen Hauptstadt habe ich natuerlich nach CDs und Orten, an denen diese Musikrichtung vertreten ist Ausschau gehalten – leider mit maessigem Erfolg.
CDs
Ich habe 12 Wochen lang jeden Samstag mehrere Stunden in London verbracht, meistens auf und zwischen Piccadilly Circus und Oxfordstreet. In dieser Gegend kann man wirklich verdammt viel Zeit nur mit Rumlaufen, Shoppen und Schaufensterbummeln verbringen. Wen es interessiert, der kann die unmengen an Modegeschaeften besuchen, Preise in HiTechlaeden vergleichen (Tottenham Court Road, die Strasse, welche die Oxfordstreet kreuzt beherbergt mal mindestens 10 dieser Laeden), Internetcafes besuchen (vorausgesetzt, es macht einem nix aus 4 – 8 Mark fuer 20 minuten zu bezahlen), sich das Hirn in Spielhallen rauszocken, ins Kino gehen (Leicester Square, rechnet mit 26 – 35 Mark pro Vorstellung), ein Musical bewundern, etwas gegen zu gesunde Ernaehrung machen (be
stimmt 10 McDonalds in der Gegend, dazu natuerlich noch KFCs und BKs) oder eben auf CD Suche in einem der vielen Recordshops gehen. So interessant oder spassig auch die ersten paar aufgelisteten Sachen sind, hier geht es ja um Metal in London.
DIE GROSSEN LAEDEN
Drei Laeden seien hier zu erwaehnen: HMV, Virgin Megastore und Tower Records. HMVs findet man gleich mal drei: Zwei auf der Oxfordstreet und einen am Picadilly Circus, Virgin Megastores gibt es zwei (an den gleichen Orten), Tower Records gibt es nur einen, direkt am Picadilly Circus. Die “Philosophie” all dieser Laeden ist ein und die gleiche: Eine riesen Auswahl an CDs und moeglichst viel anderes Zeug, was entweder direkt, im Entfernten oder auch gar nix mit Musik zu tun hat.
Ueber zwei oder mehr Stockwerke erstrecken sich Regale, in denen man CDs, Videos (auch Kinofilme), Poster, CDTaschen, Kopfhoerer, Plastikfiguren von Bands, Schallplatten und Kassetten findet.
Die Auswahl an Metal ist durchaus zufriedenstellend und besser als in so manchem deutschen Laden. Was einem allerdings auffaellt: Die Jungs in den Laeden haben eine recht beschraenkte Sichtweise, was Metal anbelangt. Sie sehen naemlich Power und Fantasymetal nicht als Metal und stellen viele dieser Bands zu Pop und Rock. Das nervt gewaltig und verhindert voll und ganz, dass man ohne eine bestimmte CD im Kopf in einen solchen Laden geht um vielleicht einen Glueckskauf zu landen. In Deutschland gehe ich immer gern zum Metalregal und ueberfliege Bandnamen und Cdcover, die ich nicht kenne, um dann die ein oder andere mal anzuhoeren. Dieser “Covercheck” ist in London Powermetalbands betreffend nicht moeglich, ich hab ja keinen Bock hunderte von Pop und Rock Alben zu durchforsten, um zu gucken ob zwischen Britney Spears und Ronan Keating eine MetalCD steht, die mir vielleicht gefallen koennte. Tut schon weh, Rhapsody, Edguy, Gamma Ray und Manowar in diesen Sektionen zu finden.
HMV und Virg
in Megastore sind in Sachen Zuordnung noch einigermassen gnaedig und vergewaltigen nicht alle Powermetalbands mit solchen Position, Tower Records ist gnadenlos.
Was steht also im Metalregal bei Tower Records und zwischen den gluecklichen, richtig zugeordneten Powermetalbands in den anderen beiden Laeden? Tja, im Grunde alles, was das Metallerherz begehrt: Death, Thrash, Doom, Black, Nu, Independent, Gothic usw. Und davon jede Menge. Agathodaimon, Bal Sagoth, Crematory, Cemetary, Cradle of Filth, Dimmu Borgir, Emperor, Enthroned, Entombed, Fear Factory, Katatonia, Metallica, Marduk, Niflheim, Old man’s child, Paradise Lost, , Pantera, Suidakra, Summoning, Therion, Thyrfing, Unleashed, Vader, Yearning um mal einen kleinen Auszug dessen zu nennen, was da das Regal ziert. Ihr seht, die Auswahl reicht von bekannt bis insider, von amerikanisch bis deutsch.
Ein grosses Problem: Man kann CDs nicht anhoeren bevor man sie kauft. Das mag zunaechst einen wirklich beschissenen Eindruck machen, aber an der Kasse habe ich dann einen sehr nuetzlichen Service erfahren, den alle drei Laeden anbieten: Man hat 30 Tage Rueckgaberecht! Auf CDs! Das ist doch mal was Positives. Dafuer habe ich drei Anlaeufe gebraucht, bis ich endlich eine CD erworben hatte, die mir gefiel. In Deutschland waere das gleichzusetzen mit “drei mal zum CDPlayer im Laden latschen”. Naja wie auch immer, an dieser Stelle werfe ich mal ganz zusammenhangslos und ohne Hintergedanken das Wort “CDBrenner” in den Raum.
Die Preise: Als ich noch nicht wusste, dass es ein Rueckgaberecht gibt, war ich wirklich empoert. Denn bei DEN Preisen die Alben nicht anhoeren zu koennen waere geradezu pervers gewesen. Der Standardpreis ist 15£, beim derzeitigen Wechselkurs 50,-! Batz! Das tut weh. Alles was darunter ist, wird als Sonderangebot angepriesen, 11£ findet man noch des oefteren. Glaubt es, oder nicht, ich habe auch viele CDs gesehen, die noch teurer sind. Besonders herv
orzuheben waere hier die “Imaginations from the other Side” von Blind Guardian, die seit ewigen Zeiten 19,- in Deutschland kostet. Hier kostet sie 19£, ca. 63 Mark. Da faellt mir nix mehr ein.
FAVORIT
Ohja, Tower Records Zuordnung ist eine ZuMUTUNG. Dennoch habe ich fast alle CDs, die ich bisher erstanden habe, dort gekauft. Die Aufmachung gefaellt mir am besten, die Verkaeufer bestehen zum groessten Teil aus Metallern und Punks (weshalb ich die Zuordnung noch weniger verstehe) und die Auswahl im Metalregal ist verdammt gut. Ausserdem werde ich das Gefuehl nicht los, dass Tower oefter Sonderangebote hat, so zum Beispiel das Gothicangebot, bei dem man mehrere aeltere Gothicalben fuer gerade mal 6£ erstehen konnte. An mehreren Tischen kann man fuer 3,30,- pro 20 minuten mit einem Macintosh ins Internet gehen. In Central London werdet ihr kein billigeres Inetcafe finden. Was ich eigentlich die ganze Zeit mal machen wollte: Im Tower Records ins Internetgehen und ueber den EMP eine CD bestellen. Waer maln Gag gewesen. Auf Platz zwei setze ich Virgin Megastore, allein fuer seine “5 for 30£” oder “2 for 15£” (Aus einer bestimmten Auswahl an CDs kann man 5 fuer 100,- oder 2 fuer 50,- kaufen) gehe ich auch dort ab und zu mal hin. Diese Angebote gelten sogar fuer manche erhaeltlichen Videos, weshalb ich jetzt endlich Starship Troopers mein eigen nenne :)
HMV mag ich gar nicht. Irgendwie nicht sehr ansprechende Aufmachung und viel zu teuer.
DIE KLEINEN LAEDEN
Zwischen der Oxfordstreet und dem Piccadilly Circus gibt es etliche kleine CDLaeden. Die Auswahl in selbigen ist allerdings verflucht mager. Auch zwei Second Hand Laeden kann man finden, in denen es dann zum Beispiel die neue Offspring fuer 10£ gibt. 33 Mark, welch unfassbar tolles Sonderangebot, ich bin wie von Sinnen vor nie versiegender Freude. Naja ein Pfund duerfte man im Vergleich zu den Grossen sparen koennen. Die MetalCDauswahl ist in den
meisten Laeden duerftig, in den Second Hand Laeden zum Totlachen. Oder Weinen. All diese Shops habe ich nur einmal besucht und dann nie wieder.
METAL ANDERNORTS IN LONDON
Generell siehts schlecht aus mit der Metalszene in London. Techno, Dance und HipHop herrscht vor, man findet Discos, Clubs, Musikrestaurants und Cafes. Vor allem vor vielen Clubs stehen nicht nur finster dreinblickende Tuersteher im Anzug, sondern auch wahre Menschenmassen von denen kein einziger auch nur ‘ne Jeans an hat. Smoking und Abendkleider, sowie Stretchlimousinen (habe noch nie so viele gesehen, wie in London) zeugen vom Publikum dieser Clubs.
Um genau zu sein habe ich nur eine Kneipe gefunden, in der man Rock, Metal und Independent zu hoeren bekommt, wobei ich zugeben muss: Nachdem ich diese gefunden hatte, habe ich nicht weitergesucht. Daraus kann man schliessen, dass ich voll und ganz zufrieden war.
DER INTREPID FOX (Furchtloser/Mutiger Fuchs)
…ist der Name dieser Metalkneipe und sie findet sich zwischen Oxfordstreet und Piccadilly Circus (naeher an letzterem) auf der Wardour Street.. Zuerst waere ich fast daran vorbeigelaufen, aber ein schwarzrer Gargoyle ueber dem Eingang erregte meine Aufmerksamkeit. Schwarzes Holz umrahmt Eingang und Fenster, die durch ihre Groesse eine Menge Einblick in die Kneipe gewaehren. Ein Tuersteher sorgt dafuer, dass auch nur Leute mit der “richtigen Musikeinstellung” reinkommen.
DIE EINRICHTUNG
Die Einrichtung ist genial! Die Waende sind zugepflastert mit Tourpostern, normalen Postern, Aufklebern und Schildern aller moeglichen Metalbands. Kuenstliche Spinnenweben, Schaedel von Menschen und Fantasymonstern sowie Statuen von klein bis gross zieren die Kneipe. Am beeindruckendsten sind aber 3 groessere “Kunstwerke”: Die abgeflexte Front eines alten Chevy Impalas (wenn ich das richtig gesehen habe) haengt ueber der Theke; Zwei Skulpturen, eine Riesenspinne und ein
, aeh, gefluegelter Rattenmann sind komplett aus Motorradteilen zusammengeschweisst! Habe selten so geil aussehende Figuren gesehen. Zur Verdeutlichung: Die Beine der Spinne bestehen aus den Stossdaempfern von Motorradgabeln, der Tank einer Harley gibt einen wunderbaren Spinnenkoerper ab und der Kopf besteht aus Tacho und Tankanzeige.
Desweiteren haengen Lampen und andere Schmuckstuecke an der Wand, die vermuten lassen, dass sich ein Schmied mal ordentlich ausgetobt hat.
Die Tische sind aus schwerem, dunklem Holz, Baenke laufen unter den Fenstern entlang. Die Theke ist eine mehr oder weniger stinknormale Theke, (abgesehen von der Art und Weise wie sie eben “geschmueckt” ist) ebenso die dazugehoerigen, obligatorischen Barhocker. Etwas weiter hinten in der Kneipe, wo es auch zu den Toiletten geht, stehen zwei vollkommen unbeachtete Arcadeautomaten, die einfach vollkommen fehl am Platze sind. Direkt links vom Eingang fuehrt eine Treppe in den ersten Stock, wo man so etwas wie eine kleine “Zweitkneipe” findet. Eine geradezu winzige Theke, einige Tische und ein Billiardtisch lassen eine gemuetliche Atmpsphaere entstehen. Erwaehnenswert hier: Eine Tuer, bestehend aus einer dicken Stahlplatte, die noch beeindruckender ist als die Motorradteileskulpturen in der Hauptkneipe. Die Platte sieht aus, als wollte ein Skelett durch sie hindurchlaufen, lebensgross und unglaublich detailliert. Wer sich an Han Solo in Star Wars erinnert, wie er mit erhobenen Haenden im Stahl (oder was auch immer das war) eingeschmolzen ist, kann sich in etwa ein Bild davon machen.
DIE MUSIK
Alles, was handgemacht ist. Schliesst man die speziellen Events, bei denen nur eine bestimmte Metal- oder Rockrichtung gespielt wird ein, kann man als Richtlinie durch aus die oben erwaehnten CDRegale in den grossen Recordshops nehmen. Habe von einem Powermetalevent gelesen, leider war es mir an diesem Tag nicht moeglich, nach London zu fahren. An normalen Ta
gen wird bunt Gemischtes gespielt. Metallica, Danzig und Megadeth gesellen sich zu Creed, Limp Bizkit, Offspring und Faith no more. Ich habe sogar zwei mal “Du hast” von Rammstein gehoert!
Die Lautstaerke ist moistens so gewaehlt, dass man sich noch unterhalten kann, lediglich bei Liedern, bei denen der “DJ” (finde es immer komisch, bei Metal von einem DJ zu sprechen, der Begriff ist so verdammt Techno-behaftet. Aber egal, es ist nunmal ein DJ) merkt, dass sie den Gaesten gefallen, dreht er auf.
DAS PUBLIKUM
Mindestens so bunt gemischt wie die Musik. Was man dort an abgedrehten Leuten sieht, ist kaum zu uebertreffen. Vom langbaertigen 150kilo Baer von Motorrad-Rocker, ueber den schwer taetowierten, langhaarigen Metaller im Sepulturashirt und geschminktem Marilyn-Manson-Ersatz mit Nietenarmband bis zum Skaterhosen-Bizkit-Fan; Vom blassen, schwarzhaarigen Gothicvamp ueber die ledertragende Rockerbraut bis hin zum Girlie im bauchfreien Top, hier finden sie alle zusammen. Keiner kaeme auf die Idee, sich ueber das Outfit des anderen, das von einem anderen Musikgeschmack zeugt lustig zu machen, oder denjenigen bloed anzulabern.
Die Bedienungen stehen den Gaesten in Sachen ausgefallenes Auftreten in nichts nach, sind aber auch freundlich.
DIE GETRAENKE
Ueberraschend vielfaeltig. Zumindest in der Hauptkneipe im Erdgeschoss bekommt man fast alles was man will. Neben Standarddrinks wie Bier, Cidre, Tequilla, den drei amerikanischen Jungs (Johnny Walker, Jack Daniels, Jim Beam), die man in einer solchen Kneipe einfach erwartet, kann man auch durchaus den ein oder anderen Cocktail (Malibu, Batida, Curacao, Baileys, es sind genug Cocktailzutaten da), sowie Fertigdrinks a la (wo ist das Accent auf einer englischen Tastatur?) Bacardi Breezer, Smirnoff Ice, oder, aeh, Cola. Im ersten Stock ist die Theke und Bar zu klein, um eine solche Auswahl bieten zu koennen.
Was soll man anderes erwarten, die Preise si
nd im Vergleich zu Deutschland unmenschlich. 3,15£ also etwas ueber 10 Mark legt man zum Beispiel fuer einen 0,33er Smirnoff Ice (Vodka Lemon) hin. Wer sich besaufen will, sollte also vorher dringend seine Bank besuchen, aber das wird wohl fuer jede Kneipe, Bar, Club und Disco in London gelten.
Soviel zum Intrepid Fox, den ich jedem, der handgemachte Musik mag, nur empfehlen kann.
METAL IN LONDON???
Sehen wir der Wahrheit ins Auge: Die NWOBHM (New Wave Of British Heavy Metal – wirklich der offizielle Ausdruck), die damals von der Insel herueberschwappte ist etwa 20 Jahre her und zumindest London ist zur Techno und Dance Metropole geworden. Schoen zu sehen, dass die grossen CDLaeden aber noch immer “unsere” Szene beliefern, traurig zu sehen, dass es mit Kneipen und Discos, aus denen haertere Klaenge droehnen eher arm aussieht. Wenigstens ist die eine Kneipe, die ich gefunden habe besuchenswert, also jammere ich nicht ueber das was fehlt, sondern freue mich ueber das was da ist.
Allerdings kann ich es kaum erwarten, wieder die deutschen CDPreise zu zahlen und in unsere Stammdiscos zu gehen, in denen E-Gitarren Sound noch in Ehren gehalten wird.
The Gods made Heavy Metal and it’s never gonna die
Gruss
Mithotyn
P.S.: Ui, ist ja mal eine richtig “kurze” Meinung geworden :)
P.P.S.: Die drei Sterne beziehen sich auf die allgemein Quantitaet an Praesenz von Metal in London. Standarderklaerung: Nein, ich war keine 9-12 Wochen im Intrepid Fox.
Fazit:
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