VW Sharan 2.0
Der Sharan: Ein Premium-Minivan? - VW Sharan 2.0 Auto

Produkttyp: Volkswagen Autos

Neuester Testbericht: ... tiefenverstellbares Lenkrad, Servolenkung, ABS usw. muss ja eigentlich nicht erwähnt werden, da es ja in solchen Autos schon Standart ist... mehr

Der Sharan: Ein Premium-Minivan?
VW Sharan 2.0

jolinden

Name des Mitglieds: jolinden

Produkt:

VW Sharan 2.0

Datum: 15.06.01, geändert am 15.06.01 (1951 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Raumökonomie

Nachteile: Motor, Übersichtlichkeit

In den letzten 14 Tagen habe ich so ca. 1600 km mit einem Firmen-Sharan zurückgelegt. Oder zurücklegen _müssen_, denn eigentlich wär ich (natürlich) viel lieber Rad gefahren. Oder zumindestens ein anderes Auto, z.B. meinen Saab.

Wirklich?

Nun, der Sharan den ich da habe, ist jetzt nicht das allerneueste Modell, EZ Ende 1997, mit dem ziemlich unsäglichen 2,0 l - 85 kW Motor, und hat schon an die 60000 km herunter. Inwieweit die vorliegende und nachher beschriebene Ausstattung Sonderausstattung ist, und damit auch den
Neupreis in die Höhe getrieben hat, weiß ich leider nicht, ich werde mich hier daher generell zu Preisen nicht äußern.

Ich nähere mich dem Sharan mal von außen:
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Vier große Türen mit sehr bequemem Einstieg, da kommt der Opa mit Krückstock und Hut gut rein ohne sich verrenken zu müssen. Und auch ein noch etwas beweglicherer jolinden nimmt erfreut zur Kenntnis, dass er in das Auto quasi hineinlaufen kann, anstatt sich wie bei einem normalen PKW hineinzuversenken.

Die Heckklappe ist ebenfalls sehr groß, und dient beim Herumfuhrwerken im Kofferrauch auch als Regenschutzdach.

Was mir nicht soo super gefällt ist die auch hier praktizierte Unsitte der vollständig lackierten Stoßfänger, jeder kleine Parkrempler hinterlässt da dauerhaft seine Spuren.

Die Größe ist mit einer Länge von unter 4,7 m und einer Breite von 1,81 m noch einigermaßen großstadttauglich.

Die (Un-) Übersichtlichkeit:
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Erster Eindruck: Übersichtlichkeit katastrophal. Bestätigt sich auch im Dauerbetrieb. Selbst wenn ich mich mit der Nase an den obersten Rand der Windschutzscheibe presse, ich seh NIX von der steil nach unten abfallenden Motorhaube, geschweige denn wo die Karre eventuell vorne aufhört zu existieren. Und der Nasenabdruck an der Scheibe ärgert einen hinter nur noch, also mein Tipp: gleich ganz cool sitzenbleiben und dieses Manko einfach ak
zeptieren. Beim Einparken in beengten Verhältnissen muss man halt auf Gehör fahren (und dann kommen die o.g. Stoßfänger wieder mit ihrer Kratzempfindlichkeit ins Spielm, es ist einfach ein Kreuz...

Als ebenfalls ziemlich unglücklich erlebe ich die Sicht nach schräg vorne. Die sehr breiten A-Säulen (also die Dachpfosten ganz vorne), die auch noch sehr flach stehen, und damit rein geometrisch noch breiter wirken, behindern effektiv den Blick um die Ecke. Vor allem auf der Fahrerseite, wenn man in einer engeren und schmaleren Linkskurve mal sehen will ob was entgegenkommt, muss man für einen vollständigen Überblick richtig rumturnen auf seinem Platz, sonst gibt's evtl. eine Überraschung.

Nach hinten hat man zwar ein im Gegensatz zu modernern Kombis richtig großes Fenster, aber das ist bauartbedingt so hoch angebracht, dass man trotzdem nichts vernünftiges von dem hinter einem parkenden Fahrzeug zu sehen kriegt. Kann sein, dass ich kein großer Einparkkünstler bin, aber ich würde hier auf jeden Fall die Investition in eine elektronische Einparkhilfe empfehlen.

Die Platzverhältnisse:
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...sind einigermaßen fürstlich, zumindestens in den ersten beiden Reihen. Von den (in meinem Sharan vorgefundenen und sicher extra bezahlten) sechs Einzelsitzen habe ich in der zweiten Reihe den mittleren ausgebaut und in die dritte Reihe verbannt, dann konnten die zwei verbleibenden Sitze der zweiten Reihe etwas nach innen versetzt werden, was dort einen first class Raum ergibt. Bein- Ellbogen- und Kopffreiheit sind nun hier für ein Auto dieser Länge riesig. Schlechter sieht's in der dritten Reihe aus, da ist deutlich weniger Kopffreiheit (m.E. max. für 1,75m kleine Leute), und auch auch bei der Beinfreiheit ist der Begriff "freiheit" eher fehl am Platz.

Lobenswert ist, dass alle Sitze eine individuelle Längsverstellung haben, damit kann man je nach Bedarf einen kleineren Ausgleich vornehmen.

Wenn di
e dritte Reihe ausgebaut wird (was relativ pfrickelig ist, und bei dem hohen Gewicht der Sitze ein echter Kraftakt!), hat man einen Kofferraum der brutal viel wegsteckt. Beim Wiedereinbau der dritten Sitzreihe (was wiederum Schweiß kostet) reduziert sich der Kofferraum allerdings auf einen Witz a la Smart. Man kriegt dann der Quere nach noch zwei Bierkästen rein, und obendrauf vielleicht noch zwei 12er-Paletten Tetrapack-Säfte.

Der Luxus:
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Climatronic mir separater Regelung für Fahrer und Passagiere, Multifunktionsanzeige, heizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber an allen Türen reißen mich nicht vom Hocker, denn sie sind auch bei meinem Saab Serie. Elektrische Außstellfenster ganz hinten, programmierbarer Intervallscheibenwischer oder heizbare Frontscheibe hingegen sind mir ein unbekanntes Novum, denen ich meinen Respekt zolle.

Die Qualität:
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Na ja. Soweit ich's jetzt beurteilen bin ich von meinem Saab besseres gewohnt. Bereits die Haptik ist mau, aber das kann ja Geschmackssache sein. Vielmehr stört mich, dass sich der Wagen kräftig verwindet, dass die Plastikteile an Schaltkulisse oder Verbandskastenfach sich immer wieder aus ihren Verankerungen lösen, oder die schwachen Türaufsteller ihre liebe Not mit den großen Türen haben. Nicht so toll ist auch, dass sich an der Entriegelung der Motorhaube dauernd der Seilzug aushängt.

Das Fahrverhalten:
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Sehr PKW-mäßig. Das Fahrwerk ist m.E. halbwegs gelungen, der Federungskomfort ist bei groben Unebenheiten einwandfrei, hier machen sich langer Radstand und breite Spur positiv bemerkbar. Bei kurzen Bodenwellen kommt der Sharan allerdings auffallend stark ins Schwingen. Die Seitenneigung empfinde ich, wohl auch wegen der hohen Sitzposition, als zumindestens nicht gering, und schnelle Kurvenfahrten vermeide ich einerseite aus diesem Grund, andererseits auch wegen der Null-Seitenführung des Gestühls.

Eine Klageli
ed zur Motorisierung: das Motörchen hat halt mal nur 115 Pferde, und der Sharan wiegt so an die 1,7 Tonnen. Das wär an sich noch nicht so schlimm, aber darüber hinaus ist die Drehmomententwicklung ein Graus. Beim (notwendigen) Hochdrehen der Gänge merkt man bei 3500 Umdrehungen so richtig, wie dort erst der Schwung kommt. Dabei röhrt und dröhnt der Antrieb munter vor sich hin. Das Resultat ist neben einer erheblichen Geräuschkulisse eine träge Beschleunigung, und auch bei mittleren Autobahnsteigungen schon heftiges Runterschalten. Hierbei halte ich dem Sharan zugute, dass er zumindestens einwandfrei zu schalten ist.

Bei einem Tempo ab 120...130 wird's im Sharan dann übrigens so laut, dass man sich nicht mehr von einer Sitzreihe zur anderen unterhalten kann. Ich hab' mich daher auf eine Reisetempo von max. 120 km/h eingerichtet.

A propos Autobahn: Das Einfahren auf eine dichtbefahrene Autobahn gerät Abenteuer. Mit dem geringen Beschleunigungsvermögen des Sharan ist schon das Erreichen des LKW-Tempos für die rechte Fahrbahn eine Aktion, die langfristig vorausschauendes Planen seitens des Chauffeurs voraussetzt.

Die Wirtschafltichkeit:
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Vollkasko- und Haftpflichteinstufung sind mit 16/16 mehr als OK. Der Spritverbrauch hat Licht und Schatten: Bei gemäßigter Autobahnfahrt (Tempo 120) kommt man mit 8 l/100 km davon. Bei schnellerer Fahrt wächst der Verbrauch ruckzuck über 10 Liter, und im reinen Stadtverkehr sind auch 15 Liter drin. Zum Vergleich: Mein Saab wiegt nur ca. 50 kg weniger als der Sharan und hat 170 Pferde, braucht aber in allen Disziplinen einen Liter weniger. An dem Mehrverbauch des Sharan kann nicht nur dessen höherer Luftwiderstand schuld sein (denn der wirkt sich in der Stadt nicht relevant aus), da gehört einfach ein besserer Motor rein, den man nicht bei jedem Beschleunigungsvorgang an seiner Leistungsgrenze betreiben muss.

Fazit:
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Vom Konzept her ein gelungenes u
nd im Großen und Ganzen empfehlenswertes Auto. Aber nur für Haushalte die maximal 5 Personen umfassen, denn sonst bleibt kein Kofferraum mehr übrig. Klarer Minuspunkt ist der durchzugsschwache und laute Motor. Leider ist der PS-mäßig gleichstarke TDI mehrere Tausender teurer, aber wohl sicher die bessere Wahl.

Fazit: